Beerdigung - Brauch mal bitte Hilfe...

    • (1) 18.07.12 - 20:08

      ... irgendwie blicke ich da nicht recht durch.

      Zu Beginn, es geht um meinen Papa, meine Eltern sind geschieden, ich bin sein einziges Kind und muss das alles im Alleingang organisieren.

      Bin Studentin und habe gerade genug Geld, um meine kleine Familie und mich über Wasser zu halten, das reicht für eine anständige Beerdigung vorne und hinten nicht. Mir wurde nur gerade so viel hinterlassen, dass ich knapp die Beerdigung bezahlen könnte, aber es stehen wohl so noch Schulden offen, das Erbe werde ich ausschlagen.

      1.) Wo und wie schlage ich das Erbe aus? Habe ja nicht einmal das Geld für einen Anwalt.

      Und dann so zur Beerdigung noch eine Frage.

      Ich habe mich für einen Urnenbestattung entschieden, er wird mit auf das Grab seiner Mutter gesetzt.

      Jetzt flatterte schon die erste Rechnung ins Haus, das Krematorium (grausiges Wort) möchte 284,-€ von mir haben. Habe ich nicht. Innerhalb der nächsten zwei Wochen solle ich das doch überweisen.

      2.) soll ich beim Krematorium bescheid geben, dass das über das Sozialamt laufen wird? Die Bestatterin sagte mir, ich soll schon einmal den Antrag anfordern, Rechnungen sammeln und alles losschicken. Wenn ich nix hab, dann übernehmen die das, wir halten das so minimal wie möglich.

      Und jetzt nochmal allgemein zum Ablauf.

      Mein Vater war in keiner Kirche mehr, einen Pfarrer habe ich also nicht bestellt. Ein freier Redner war mir zu unpersönlich. Eigentlich wollte ich die Rede selber halten. Jetzt telefoniere ich kurz mit meiner Mutter, und sie redete mir alles madig. "Keine richtige Beerdigung ist das, das ist ein Fiasko... blabla."
      Ich solle doch bloß einen freien Redner bestellen. Und überhaupt, wer trägt ihn zum Grab? Die Frage ist bei mir vor lauter Stress noch gar nicht aufgekommen. Ja, wer?

      3.) Ist ein freier Redner echt sinnvoll?

      Und hinterher; unsere Familie kommt so selten zusammen, am liebsten würde ich mit denen nochmal Kaffee trinken gehen und über alles quatschen, aber auch dazu fehlt mir das Geld, hier in der Wohnung habe ich keinen Platz für alle. Meine Mutter betonte auch hier wieder, ich soll das regeln. Eigentlich wirklich heftig.

      4.) Wie würdet ihr das Problem lösen?

      Freitag ist die Beisetzung, ich bin von der Rolle, sag ich euch...

      Nur so zur Info, ich bin süße 21 - und fühle mich TOTAL überfordert und bin für Tipps dankbar...

      • Hallo,

        ich kann Dir leider nicht so wirklich helfen, aber wenn Deine Mutter eine richtige Beerdigung möchte, soll sie sich doch auch an den Kosten beteiligen. So würde ich es ihr auch sagen.

        Ich stand anfang des Jahres auch fast vor diesem Problem. Finanziell nicht ganz so krass. Aber nach 10 Jahren, in denen ich keinen Kontakt zu meinem Vater hatte, haben wir uns im Dezember zum ersten Mal wieder gesehen und an Silvester hatte er einen heftigen Schlaganfall. Bin auch die einzige VErwandte :(

        • Ja, meine Mutter sieht das alles nicht ein. Ihr geht es ja so schlecht, sie ist ja nur am Arbeiten, das sieht ja keiner, außerdem bin ich ja die Erbin. Sie hat ja schon den Trauerkranz gekauft. Mehr kann sie nicht entbehren. Ha, ha. #aerger

          Und als ich sie fragte auf das mit dem freien Redner kam nur ein: Ja, das ist deine Sache! Ich wollte dir das ja nur sagen, ich hab auch gar keine Zeit, das zu regeln, denn ich bin ja nur am Arbeiten! ...

          • Richte die Beerdigung nach Deinen Wünschen und finanziellen Möglichkeiten aus.
            Wenn Deine Mutter eh nie Zeit hat, wird sie ja auch nicht kommen können ( nach meiner Logik zumindest).

            Ich finde, jemandem mit 21 so eine Situation aufzubürden, unaufhörlich meckern und sich dann aber rauszuhalten, ist ziemlich das Allerletzte und zeugt von wenig Anstand.

      Ach du heilige Sch***.

      Also, ganz langsam. Vorneweg- das Erbe schlägst du alleine aus- ohne Anwalt. Du müsstest ein Schreiben haben/kriegen in der steht, dass du aufgefordert bist das Erbe anzunehmen/auszuschlagen. Damit rennst du zu deinem Amtsgericht, zahlst denen 20€ für die Urkunde und schon hast du das Erbe ausgeschlagen. Hast du Kinder? Bist du schwanger? Dann kannst du alle beteiligten Männer (Sorgeberechtigte) gleich mit schleifen und für die Kinder gleich mit ausschlagen.

      Ich finde es eine Frechheit, ich musste das schon zwei Mal machen- für Familienmitglieder die ich nicht mal ansatzweise gekannt habe.

      An welcher Uni bist du Studentin? Ich arbeite selbst an einer und wir haben Beratungsstellen für sämtliche Belange der Studies. Vielleicht gibts sowas bei euch? Die kennen sich für gewöhnlich super aus. Und die wissen zumindest an wen du dich gezielt wenden kannst.

      #herzlich

      ... und einen Arschtritt für so eine Mutter... #hicks

      • Zitat: "Du bist die Erbin! Ich habe damit gar nichts zutun. Also schließlich habe ich den Trauerkranz bezahlt, 100 Euro hat der mich gekostet! Und ich habe so Zahnschmerzen, und bin ja nur am Arbeiten, wann soll ich das denn machen... hach... aber SO wie du das machst, das ist ja keine Beerdigung!"

        #aerger

        "Ich finde es eine Frechheit, ich musste das schon zwei Mal machen- für Familienmitglieder die ich nicht mal ansatzweise gekannt habe."

        Hättest du es auch eine Frechheit gefunden, wenn bei deiner entfernten Verwandtschaft was zu erben gewesen wäre?

      Wir mussten damals zum Notar um das Erbe auszuschlagen. Liegt aber vielleicht auch daran, dass wir 250km weiter weg gewohnt haben.

Hallo,

erst einmal mein aufrichtiges Beileid.

Wir haben unsere Mutter im November letzten Jahres beerdigt und haben eine Rechnung von der Stadt bekommen und eine Rechnung vom Bestatter. Zahlungsziele jeweils 4 Wochen.

zu 1): Das Erbe kannst du beim zuständigen Amtsgericht (Nachlassgericht) ausschlagen. Einen Anwalt brauchst du dafür nicht, aber du musst trotzdem etwas bezahlen. Ich schätze mal so ca. 20 Euro. Denk bitte daran, dass du das Erbe auch für dein Kind ausschlagen musst.
Wenn du das Erbe ausschlägst, darfst du nichts aus der Wohnung deines Vaters holen. Und damit meine ich wirklich gar nichts.

zu 2): Du solltest auf jeden Fall mit dem Sozialamt sprechen und denen dein Problem schildern. Und zwar möglichst vor der Beisetzung, damit die dir nicht hinterher erzählen, du hast eine zu teure Bestattungsform gewählt.

zu 3): Es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man einen freien Redner bestellt, den Pastor kommen lässt (sofern noch in der Kirche) oder die Rede selber hält. Ich finde alle Optionen in Ordnung und würde an deiner Stelle die Rede selber halten. So persönlich wie du die Rede gestalten kannst, bekommt es ein Fremder doch gar nicht hin.

Kaffeeklatsch hinterher ist nun so gar nicht meine Welt. Ich habe zu oft erlebt, dass nicht mal 30 Minuten nach der Bestattung schon schlecht über den Verstorbenen geredet wird. Wir haben keinen Kaffeeklatsch veranstaltet und die komplette Verwandtschaft war einverstanden und hat nicht genörgelt.

Lass dich von deiner Mutter nicht verunsichern. Es ist doch total egal was Verwandte, Freunde und Bekannte erwarten. Wichtig ist, dass die Beerdigung so läuft wie du oder der Verstorbene es sich vorgestellt hat und so, dass du es auch bezahlen kannst. Die Wünsche und Erwartungen anderer Personen musst du nicht berücksichtigen.

LG + alles Gute
Sassi

  • Danke schon mal... #liebdrueck

    • Hallo,

      super Antwort von Sassi, nur ein paar Sachen, die ich noch ergänzen möchte. Häng mich deshalb einfach dran. Mein Vater ist Anfang des Jahres gestorben und war neu verheiratet.

      zu 1): Wenn du das Erbe ausschlägst, musst du es auch für das Kind ausschlagen. Ggf. auch der Vater deines Kindes, wenn er das Sorgerecht ebenfalls hat. Kosten belaufen sich auf in etwa den Betrag, dder angegeben wurde - allerdings pro ausschlagender Person (also auch für jedes Kind extra, falls mehrere da sein sollten). Zum Ausschlagen hat man 6 Wochen ab Todestag Zeit. Hier im Vorfeld wirklich informieren, ob Schulden da waren oder nicht. Falls man in diesen 6 Wochen keine Auskunft, die fundiert ist, erhält, kann man das Erbe auch vorerst annehmen und ggf. später noch eine Nachlassinsolvenz einleiten (war unser Vorgehen, da wir auch nicht wussten, was da ist und beim Nachlassgericht von der neuen Frau meines Vaters falsche Angaben gemacht wurden). Andererseits kann man auch das Ausschlagen zu späterem Zeitpunkt "widerrufen" (weiß den genauen Ausdruck nicht), falls sich wider Erwarten doch herausstellt, dass Vermögen da war. Allerdings ist hier halt die Krux, dass man kein Recht mehr auf Auskunft hat, wenn man ausgeschlagen hat.

      zu 3): Bei der Beerdigung meines Vaters war ein freier Redner da, da er ebenfalls nicht mehr in der Kirche war. Es war überhaupt nicht unpersönlich. Das Gegenteil war der Fall, viel persönlicher und würdevoller als so mancher Gottesdienst (ich hab es hier schon erlebt, dass ein Gottesdienst für zwei Verstorbene abgehalten wurde und dabei ständig Namen, Infos und Daten miteinander verwechselt wurden). Gekostet hat das keine 200 €. Und mit einem freien Redner könnte man sicherlich auch vereinbaren, dass man den Betrag in kleinen Summen abstottert. Gehalten wurde die Abschiedszeremonie im Bürgersaal der Gemeinde, der dezent dekoriert war. Selber würde ich die Rede nicht halten, da man bei so etwas mehr durch den Wind ist, als man vorher wahrsch. meint. Aber das ist nur meine Meinung.

      zu 4) (Kaffeeklatsch) Meine Geschwister und ich wollten nicht mit "dem geschiedenen Teil der Verwandtschaft" und der neuen Frau zur abschließenden Trauerfeier gehen und haben uns deshalb in einem Restaurant, indem wir früher öfter waren, als unsere Eltern noch nicht geschieden waren, getroffen. Dort hat jeder für sich bezahlt und es war viel persönlicher, als wenn Gott und die Welt da gewesen wären.

      5) Bescheid Nachlassgericht: Obwohl es normalerweise sein müsste, dass man einen Bescheid bekommt, haben wir den damals nicht erhalten. Bis heute nicht, obwohl wir gesetzliche Erben sind und (mittlerweile) auch einen Erbschein haben, indem wir natürlich eingetragen sind. Also hier bitte nicht auf das Amt verlassen, sondern selbst nachfragen. Zu uns hat man damals gesagt, wir bekommen keinen Bescheid, da es nichts gibt, dass die Beerdigungskosten übersteigt (hat die neue Ehefrau so angegeben). Hat sich mittlerweile als falsch herausgestellt und ja... nur so viel, ein Anwalt regelt das jetzt.

      LG

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