Aufruf eines Betroffenen...

    • (1) 02.08.12 - 15:44

      Kinderschänder-Schänder

      Ein Text von Udo Symbiont Ziegenzottel, veröffentlicht auf Facebook am Freitag, den 13. [sic] Juli 2012.

      "Ich möchte mit diesem Text einzig für mich selbst sprechen, beschreiben, wie ich den Umgang mit mir als Betroffenem erlebe, und auch meine Empfindungen, wenn ich erlebe, wie ich von den meisten anderen Menschen einfach umgangen werde, wenn die Sprache auf das Thema Kinderschändung kommt.

      Es war mir in dieser Gesellschaft NICHT möglich, ein "normales" Leben zu führen, wenn "alle Welt" weiss, dass ich als Kind geschändet wurde. Plötzlich schlägt das normale, freie Verhalten mir gegenüber um, und mir wird in aller Deutlichkeit klar gemacht, dass ich ein Opfer bin. Verdammt nochmal! Ich BIN kein Opfer! Ich hatte ein schlimmes Erlebnis, ja. Ich habe davon geträumt, und es hat mich verfolgt, ja. Aber Ihr könnt mir glauben, dass die Behandlung, die ich als "Opfer" erfahre, nicht das Geringste dazu beiträgt, mit diesem Erlebnis leben zu können und es loszulassen.

      Es wird gesagt, geschändete Kinder leiden ein Leben lang. Ja, das stimmt. Es reicht völlig aus, sowas erlebt zu haben. Und jedes mal, wenn ich als Opfer bezeichnet werde, das ein Leben lang leiden muss, leide ich wieder. Jedesmal, wenn andere, sogenannte "normale" Menschen diese Tat an mir für ihre unterdrückten Gewaltfantasien missbrauchen, fühle ich mich wieder geschändet. Ich möchte euch fragen, ob Ihr auch nur im Geringsten nachvollziehen könnt, was ein Kind, das Gewalt dieser Art erfahren hat, fühlt und denkt, wenn es solche Sprüche wie "An den Eiern aufhängen", "Mit einer glühenden Eisenstange vergewaltigen", "Schwanz abreissen" und so weiter hört oder liest. Könnt Ihr das? Nein? Es ist jedesmal ein Stich ins Herz, beängstigend und schmerzhaft, wie gewaltbereit die meisten Menschen sind. Es trägt nicht dazu bei, wieder Vertrauen in das Leben zu gewinnen, wenn ich sehe, dass nicht nur Kinderschänder die "netten Leute von nebenan" sind, die derartig perverse Fantasien haben.

      Ich möchte Euch fragen, was Ihr MIR zu sagen habt, wie Ihr MIR erklären wollt, dass sich durch abgerissene Eier und glühende Eisenstangen irgendetwas ändern soll. Wie sollen diese Gewalttaten die Kinder von morgen beschützen? Wie sollen solche gedanklichen Verbrechen an anderen Menschen in Eurer Gesellschaft wirken, damit Menschen NICHT mehr dieses Gewaltpotential aufbauen? Wie wollt Ihr anderen Menschen die Angst nehmen, über Ihre Probleme zu reden, wenn sie befürchten müssen, bei der geringsten Äusserung pädophiler Neigungen von Euch gefoltert zu werden? Wie? Erklärt mir das bitte! Und wenn Ihr das nicht könnt, dann überlegt Euch bitte ganz genau, was Ihr erreicht, wenn Ihr solche unsäglichen Bilder teilt, auf denen eine Gewehrkugel abgebildet ist mit dem Satz "Therapie für Kinderschänder".

      Dann überlegt Euch bitte GANZ genau, wie Ihr diese Gesellschaft verändert, indem Ihr hemmungslos mit Hass und Gewaltfantasien um Euch werft.

      Und überlegt Euch sehr genau, wie Ihr mit Menschen wie mir umgeht, die soetwas erlebt haben, BEVOR Ihr mit der Bezeichnung "Opfer" an Wunden rührt, die nicht zuletzt durch EUER Verhalten nur sehr schwer heilen. Überlegt Euch sehr genau, wo Eure eigene Verantwortung für das "lebenslange Leid" solcher Menschen liegt.

      Dann, wenn wir schon dabei sind, überlegt Euch GANZ genau - GANZ GENAU!, wenn Ihr Kinder habt, wie Eure Kinder zu Euch VERTRAUEN aufbauen sollen, wenn sie solche Sprüche von Euch hören. Mit wem sollten sie reden, wenn sie Angst haben müssen, dass ihre eigenen Eltern selber zu Schändern werden, wenn dieser schlimmste Fall eintritt?Wie sollen die Kinder ANDERER Eltern Vertrauen aufbauen, wenn sie anhand EURER DUMMEN SPRÜCHE davon ausgehen, dass sie noch mehr Gewalt auslösen, wenn sie in die grauenhafte Situation kommen, über soetwas reden zu müssen? Schämt Ihr Euch eigentlich nicht?!?

      Und bevor Ihr NICHTS zu sagen habt, das dazu führt, dass die Ursachen für solche Gräueltaten beseitigt werden, bevor Ihr in Euch selbst einen derartigen Hass auf Menschen schürt, dass Ihr sie foltern und ermorden wollt, haltet am besten den Mund. Denn auch, wenn Ihr es nicht nachvollziehen könnt: In meinen Augen seid Ihr genauso schlimm wie der, der damals nicht nur seine Hand an mich gelegt hat. Ihr seid genauso angsteinflössend und furchterregend.

      Deshalb bitte ich Euch nicht nur, sondern fordere Euch auf, darüber nachzudenken. Über Verantwortung. Über Ursache und Wirkung. Und wenn Ihr zu keinem Ergebnis für Euch selbst kommt, haltet den Mund. Wenn Ihr weiterhin der Meinung seid, Kinderschänder sollten den Rest ihres Lebens gequält werden, seid Ihr NICHT Teil der Lösung. Dann seid Ihr Teil des Problems. Dann seid IHR selber Opfer. Dann braucht IHR Hilfe. Ich fordere Euch auf, darüber gründlich nachzudenken und zuallererst Euch selbst zu ändern, bevor Ihr irgendetwas anderes zu verschlimmbessern sucht."

      Anmerkung des Autors:

      Wenn Du ähnlich denkst wie ich, und keine Worte gegenüber Verbalgewalttätern findest, benutze einfach meine. Oder teile diese Notiz dort, wo Du es für angebracht hältst.

      • Spricht mir aus der Seele, danke.

        Dir ist hoffentlich klar, dass Du mit einem solchen Post für viele Leute ein Sympathisant der Kinderschänder bist.

        • nein bin ich absolut nicht,

          aber es zeigt doch auch mal die Sichtweise eines Betroffenen...
          und das finde ich ebenso wichtig...

          • Natürlich ist es wichtig, mein letzter Satz war auch nur ironisch gemeint.

            Aber eigentlich auch wieder nicht. Ich hatte öfter mal die Meinung vertreten, dass in unserem Rechtsstaat auch Kinderschänder nicht gefoltert und erschossen werden sollten. Da wurde ich von einigen in eben dieselbe Ecke gestellt.

            • ja, ich weiß, habe auch so manches verfolgt, nicht nur hier auf jedweder "Plattform".

              Deshalb finde ich diese Stellungnahme auch sehr gut.

              Auch über die Bezeichnung des "Opfers" als solches habe ich bislang nicht wirklich nachgedacht.

      Mir missfällt der Ton des Autors. Auch sind seine persönlichen Empfindungen und seine Erfahrungen mit "Kinderschänderschändern" wohl kaum verallgemeinerbar. Deshalb verstehe ich nicht ganz, warum hier dieser persönliche Text als Diskussionsgrundlage (wofür eigentlich?) eingestellt wird. Vielleicht vermutet der TE hier bei urbia viele Kinderschänderschäder...

    huhu, bin eine TE #winke

    Finde es einfach wichtig, auch mal eine Meinung eines Betroffenen zu lesen.

    Was meinst Du damit, dass man das nicht verallgmeinern kann (mit Kinderschänder-Schändern)?

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