Neuigkeiten zum Thread "Freund liegt im künstlichen Koma - wie verhalten?"

    • (1) 14.08.12 - 08:59

      Hallo,

      ich möchte mich nochmal ganz herzlich bei denen bedanken, die gestern auf meinen Thread geantwortet haben. Ihr habt mir bzw. uns einige neue Impulse gegeben, das hat mir/uns sehr geholfen.

      Trotzdem ist es im Nachhinein ganz anders gekommen und ich bin sehr froh darum. Meine Freundin, also die Frau desjenigen, der im Krankenhaus liegt, hat gestern Abend angerufen, als ich gerade nach Hause gekommen bin und mich unter Tränen gebeten, vorbeizukommen.

      Wir haben lange geredet und ich habe ihr erzählt, wie verunsichert wir waren. Sie konnte das voll verstehen und war auch froh, dass sie sich von sich aus melden konnte.

      Sie ist ein eher ruhiger Typ und meinte, ihr sei es lieber, wenn sie von sich aus auf mich/uns bezüglich Unterstützung, Reden etc. zukommen kann und wir sie damit nicht "überfallen".

      Also hat mich mein Gespür nicht getäuscht; es wäre für sie nicht ok gewesen, wenn wir einfach auf eigene Faust vorbeigekommen wären.

      Ich bin sehr froh, dass wir gestern reden konnten und ihr hat es auch sichtlich gut getan, mal mit jemandem außerhalb der Familie über die Geschehnisse zu sprechen.

      Ihr Mann, unser Kumpel ist inzwischen aus dem Koma erwacht und atmet selbstständig. Aber er ist halbseitig gelähmt, kann weder sprechen noch schlucken,... aber er ist außer Lebensgefahr.

      Wir sind unendlich erleichtert, aber auch sehr in Sorge, wie es mit ihm weitergeht:-(

      Drückt uns und ihm die Daumen, dass es aufwärts geht...

      Liebe Grüße!

      • Ohweih.

        Wie ist es denn mit seinen geistigen Fähigkeiten, weiss man da schon näheres? Erkennt er seine Frau?
        Je nachdem, wie schlimm es war, kann er relativ gut rehabilitiert werden. Aber das ist ein langer Weg, aus meinem Bekanntenkreis kenne ich das (was na klar ein Einzelfall ist, und da ist jeder immer anders, aber so in etwa kann ich das jetzt nachvollziehen) ein wenig...
        Ich wünsche der Familie, dass er vor allen Dingen vom Wesen her der Alte bleibt, dass er denkt und ist wie früher. Denn das wäre für mich das Schlimmste in diesem Fall, eine Wesensveränderung. Die aber durchaus immer wieder vorkommt. :-(

        Also, alles Gute der Familie, und es ist gut, dass du auf deinen Bauch gehört hast. Du kennst deine Freundin am besten, wir kennen sie überhaupt nicht.

        Alles Gute für die Familie,

        White

        • Herzlichen Dank für deine guten Wünsche.

          Es scheint so, als erkenne er seine Frau, aber so richtig sicher ist sie sich da nicht. Er kann nicken oder den Kopf schütteln, wenn sie ihn etwas fragt.

          Sie hat ihm Bilder der kleinen Tochter mit ins Krankenhaus gebracht, sie ihm gezeigt und dann gefragt, ob sie sie in seinem Zimmer aufhängen soll. Da hat er den Kopf geschüttelt...:-(
          Diese Dinge sind es, die die Frau sehr belasten. Sie hat das Gefühl, dass er keinen Lebensmut mehr hat, nicht mehr will...

          Das Schlimme ist, dass sie seit 12 Jahren von dem Aneurysma wussten. Aber sie haben nie darüber gesprochen und das Thema einfach totgeschwiegen. Jetzt macht sie sich Vorwürfe, dass sie nicht schon viel früher etwas unternommen haben, aber er hatte halt sehr große Angst vor der Operation :-(

          Momentan planen die Ärzte schon, wie es mit der Reha etc. weitergehen soll. Dass das ein langer Prozess wird, der viel Geduld erfordert, ist meiner Freundin bewusst. Sie sagt, sie könne damit ganz gut umgehen und steht auch zu ihrem Mann, wenn er pflegebedürftig bleibt, aber sie hat enorme Angst, dass er selbst an seinem Zustand zerbricht.

          Ich bewundere sie, wie stark sie ist und wie toll sie mit der Situation umgeht. Vor allem finde ich es toll, dass sie sich nicht einigelt, sondern für sich gut sorgt und viel unternimmt. Es ist jetzt ganz wichtig, dass sie auch an sich denkt und gut auf sich achtet. Das ist ihr bewusst und da bin ich sehr stolz auf sie, denn das hätte ich ihr (ehrlich gesagt) nicht zugetraut. Ich dachte immer, sie wäre ein eher labilerer Mensch.

          Jedenfalls werde ich nach Kräften für sie da sein und wir haben schon ausgemacht, dass wir in nächster Zeit viel unternehmen, damit sie nicht allein daheim ist und so viel Zeit zum Grübeln hat.

          Liebe Grüße!

          • Diese Familie braucht nun ZEIT ZEIT ZEIT - lasst den Mann erstmal wieder einigermaßen "zu sich kommen" - dann sieht man erst, was er wieder erlernt - und was nicht.
            Mein Mann hatte vor fast 8 Jahren einen Schlaganfall, und, obwohl es nur "ein leichter" war und er nicht allzuviele bleibende Folgen hatte, hat er alles verändert, den Mann, die Familie, das ganze Leben.
            Es ist gut, wenn die Ärzte schon die Reha planen, je schneller, desto besser !!!!
            Deine Freundin kann ihrem Mann nur zeigen, dass sie für ihn da ist, nicht allzuviel reden, nicht allzuviel erzählen, fordern - das klappt nicht. Er fühlt sich dann schnell überfordert und "macht zu".

            Wichtig ist wirklich, dass sie auch für sich selber Zeit nimmt. Das hab ich verpaßt - leider. Und das kann man nicht mehr nachholen.
            Inwieweit er selber an seinem Zustand zerbricht, kann man heute noch nicht sagen. Deine Freundin kann sich nur vergewissern, dass in der Reha auch eine psychische Betreuung stattfindet - das ist sehr wichtig und wird leider nicht überall gemacht.

            Sehr schön von Dir, dass Du sie rausholen willst - das braucht sie sicher, selbst wenn sie es abstreitet. Sie weint noch genug, wenn sie alleine ist - aus Zukunftsangst (die leider nicht umbegründet ist). Manche Nachwirkungen, besonders psychische, wenn der Mann richtig realisiert, was er auf einmal alles nie wieder können wird, kommen erst in einiger Zeit.
            Ich will nicht unken - aber ich habe solche Fälle in der SHG erlebt - wir sind dann raus, mein Mann konnte damit nicht umgehen, wie schlecht es anderen ging, er hatte automatisch Angst, auch so zu enden.
            LG Moni

      Hallo,

      ich kann dir keinen Rat geben wie du damit umgehen sollst/kannst, aber ich kann von einer Freundin berichten, vielleicht macht es dir/euch ein wenig Mut.
      Auch sie lag nach 3 geplatzten Hirnaneurysmen im Künstlichen Koma, 6 Wochen lang, ihr wurde eine Überlebenschance von nicht mehr als 5 % zugesagt.
      2 konnten entfernt werden, 1 auf Grund der Lage nur geklammert.
      Das ganze war vor etwas mehr als 4 Jahren.
      Aber sie wachte auf, sie war halbseitig gelähmt, konnte weder sprechen noch laufen oder einen Stift halten, sie bekam eine 100% schwerbehinderung bescheinigt.
      Heute, 4 Jahre später läuft sie mittlerweile ohne Hilfe, sie war sogar im Juni auf einem Gletscher in Island. Sie hat gelernt wieder zu sprechen, wenn auch langsam aber dennoch verständlich, sie braucht bei einigen Dingen noch Hilfe, kann aber trotzdem weitgehend eigenständig leben und ja, auch das Leben mit all seinen Facetten genießen. Und weißt du was das schönste ist, sie hat Spaß am Leben und Lebt auch wirklich. Sie hat sich in den nun 4 Jahren der noch andauernden Rehabilitation nicht 1 x beklagt oder aufgegeben sondern freut sich jedesmal über kleine Fortschritte.

      Ich bin mir sicher, dass auch euer Bekannter mit Hilfe von so guten Freunden und der Familie es schafft den Weg zurück ins Leben zu finden.

      Ich Drücke ihm auf jeden Fall die Daumen.

      LG

        • Hi,

          ja es ging ''relativ'' fix, verständlich machen konnte sie sich nach einigen Tagen wieder mit einigen Wörtern, das richtige Sprechen hat nach einigen Wochen wieder geklappt, also dass sie Sätze formulieren konnte. Vor 2 Jahren hat man noch sehr stark gehört, dass sie Probleme mit der Koordination von Mund und Zunge hat, aber mittlerweile macht es sich nur noch dadurch bemerkbar dass sie langsamer spricht als vorher, also einem Fremden würde es gar nicht mal auffallen, er würde sich nur wundern warum sie viele Wörter so genau ausspricht.

    Das oberste Motto ist : Niemals aufgeben !

    Mein Stiefvater ist im Alter von 56 Jahren im Oktober 2008 im Garten einfach umgekippt, wie lang er da lag, weiß meine Mama nicht, sie ist aufmerksam geworden, weil der Hund gebellt hat. Mein Stiefvater hatte ein geplatztes Hirnaneurisma, er wurde sogar mit dem Helikopter zum KH geflogen.

    3 Tage lange wurde er immer wieder operiert, die Chancen standen mehr als schlecht. Die Ärzte erklärten uns, wenn er aufwacht, wird er nie mehr sprechen, nie mehr irgendwas bewegen, vielleicht sogar nie mehr alleine atmen können.

    Er wachte mehr schlecht als recht aus dem Koma auf.

    Er erkannte anscheinend keinen mehr :-(, sprechen ging gar nicht, irgndwas bewegen auch nicht.

    Nach 3 Wochen wurde er in die Reha entlassen, man sagte meiner Mutter ganz klipp und klar, das sie schonmal einen Heimplatz besorgen sollte, mehr als ein "sabberndes Häufchen Elend" würde das nicht mehr werden :-[ (natürlich nicht wörtlich, aber sinngemäß)

    In der Reha passierte nicht viel, Förderung gleich Null, z.B. statt mit ihm Essen und Schlucken zu üben, wurde ihm aus bequemlichkeit Sondennahrung über eine Nasensonde zugeführt #klatsch
    Das war nur eine Sache...

    Meine Mama hat ihn nach 6 Wochen nach Hause geholt, weil sie die Schnauze voll hatte.

    Zuhause ging es schnell bergauf, mein Stiefvater war schon immer ein bequemlicher Mensch und das ist er auch heute noch. ;-)

    Er sitzt im Rolli, kann aber mit Hilfe laufen.

    Seine rechte Seite ist gelähmt, aber er hat vieles mit Links gelernt (schreiben z.B.) er ißt alleine, er kann wieder super reden (er hat noch Wortfindungsstörungen) und am wichtigsten "Er ist noch da!" :-D

    Meine Mama hat noch einen Ehemann, mein kleiner Bruder (15) einen Papa und meine Kinder ihren Opa.

    Es ist vieles anders geworden, aber das ist egal, solange es ihm gut geht.

    Gebt niemals die Hoffnung auf! Kämpft, seid für ihn und seine Familie da. Motiviert ihn. Meiner Mama hat es schon unheimlich geholfen, das ab und zu einer für sie da war, sie zur Klinik gefahren hat usw.

    Besucht ihn, du glaubst nicht, wieviele "angebliche Freunde" sich in solchen Situationen abwenden. Am Anfang kommen sie noch alle und machen einen auf dicke Hose und später ist keiner mehr da.

    Deine Freundin sollte sich im I-.net gut belesen, was sie für Ansprüche auf Hilfe u. Hilfsmittel haben.

    Bye grizu99

    Ich finde es wirklich toll, daß Du so feinfühlig warst und es sich so ergeben hat, daß sie auf Dich zugehen konnte. Ich find das auch erstaunlich, daß sie von sich aus auf Dich zugekommen IST ... das spricht wieder sehr für Deine Qualitäten als Freundin.

    Das ist der schöne Aspekt der Geschichte.

    Für Ihren Mann wünsche ich Gute Besserung, vorallem daß er den Mut findet zu kämpfen. Wobei die Ignoranz des Aneurismas eher dagegen argumentiert, aber man weiß nie. Deiner Freundin jedenfalls wünsche ich daß er die Kraft findet.

    Liebe Grüße.

    (10) 14.08.12 - 20:23

    Hallo,

    schön, dass ihr zueinander gefunden habt. Jetzt könnt ihr den ungewissen Weg gemeinsam gehen. Es wird sich schon ergeben, wieviel Kraft benötigt wird und wieviel Halt gebraucht wird.

    Ich drücke euch alle Daumen, die ich habe und wünsche allen Kraft und Durchhaltevermögen für die nächste Zeit. Und wenn es zu bunt wird, dann einfach mal kurz austreten und "frische Luft" schnappen (oder mal ins Kino gehen oder ...)

    Alle Guten Wünsche,
    Alex#klee

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