Urne des verstorbenen Kindes ausgebuddelt

    • (1) 18.08.12 - 14:33

      Liebe Urbiagemeinde,

      mich beschäftigt ein Ereignis aus meinem Bekanntenkreis.

      Vor einem Monat hat eine Arbeitskollegin von mir, zu der ich auch ein sehr freundschaftliches Verhältnis habe, ihre 4 Monate alte Tochter am plötzlichen Kindstot verloren.

      Der Schock war groß, die Trauer unermesslich und sie ist bis dato wegen psychischer Beschwerden immer noch krank geschrieben. Ich habe viel Kontakt zu ihr und versuche, sie so viel wie möglich zu unterstützen. Die Beerdigung war sehr schwer für sie, sie musste Tabletten nehmen, um diesen Tag halbwegs hinter sich bringen zu können. Am Grab ist sie dann trotzdem zusammengebrochen, als die kleine Urne zur Erde gelassen wurde. Es war alles so unfassbar traurig!

      Die Tage vergingen, die Trauer blieb natürlich. Ich merkte, dass meine Kollegin den Tod ihres Kindes irgendwie nicht wahrhaben wollte. Und irgendwann sagte sie dann: "Ich werde sie wieder nach Hause holen. Das ist beschlossene Sache."

      Nun hat sie mir anvertraut, dass sie mit ihrem Mann Nachts zum Friedhof gegangen ist und die Babyurne wieder ausgegraben hat. Erde wieder aufgefüllt, Grasplatte drauf, Grabstein kommt nächste Woche.

      Sie haben ihr Kind in ihrem Garten beerdigt - unter einem Rosenbusch. Ich kenne die Stelle, es ist ein ganz wundeschöner Ort mit viel Sonne und direkt neben dem Kinderzimmer des verstorbenen Kindes.

      Ich muss gestehen, dass ich anfangs total geschockt war, als sie mir erzählte, was sie gemacht hat. Allein schon die Tatsache, Nachts im Stockdunkeln über den Friedhof zu huschen und das Grab wieder zu öffnen - ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte. Mittlerweile aber finde ich den Gedanken sehr schön und auch tröstlich, wenn man sein geliebtes Kind für immer zuhause behalten kann.

      Je mehr ich mich damit beschäftige, umso mehr kann ich meine Kollegin verstehen. Natürlich ist es illegal und auch strafbar, was sie gemacht hat, aber menschlich stehe ich vollkommen hinter ihrer "Tat".

      Wie seht Ihr das? Gehören Urnengräber nur auf Friedhöfe? Ich spreche bewusst nur von Urnen, da sich für mich die Frage nicht stellt, einen normalen Toten bei mir im Garten (oder ansderswo) beerdigen zu wollen. Das wäre für mich ein absolutes No-Go.

      Bin mal auf Antworten gespannt.

      Lieben Gruß

      minimöller

      • Ich finde das absolut in Ordnung. In anderen Ländern kann man sowas tun, ohne Grabschädnung begehen zu müssen, in Deutschland geht das leider nicht.

        Es stand nach dem Tod meines Opas zur Debatte ihn in Holland einäschern zu lassen und im Garten meiner Oma oder bei uns beizusetzen. Schlussendlich wars dann aber eine Seebestattung.

        Für mich gehört eine Urne nicht zwingend auf einen Friedhof und das Bedürfnis dieser Mutter kann ich sehr sehr gut nachvollziehen.

        ich muss ehrlich sagen, das ich so eine Tat für mich selber nicht ausschließen würde. Hoffentlich wird sie nicht erwischt.

        lg

        hallo,

        ich finde es ansich auch eine schöne Sache, wenn man bei Urnen selbst entscheiden könnte. Allerdings finde ich, dass das irgendwo vermerkt werden sollte (Grundbuch), nicht dass man irgendwann mal ein Grundstück kauft und beim Buddeln plötzlich "irgendwelche" Urnen findet.

        vg, m.

        Hallo,

        ich kann das uneingeschränkt nachvollziehen.
        Ich finde derartige Zwänge zur letzten Ruhestätte sehr fragwürdig.
        So lange die letzte Ruhestätte - ich sag jetzt mal ökologisch - vertretbar ist, sehe ich es nur als förderlich für die Trauernden aber auch für den Verstorbenen (bspw. vor seinem Tod), wenn er seinen letzten Willen bekommt.
        In anderen Ländern kann ich die Asche auch bei mir haben, hier nicht - natürlich nicht...
        Wir haben Mittel und Wege gefunden, die Asche hat ihre letzte Ruhestätte zwar noch nicht erreicht, aber der Friedhof ist es nicht.

        LG

      • Hallo,

        ja, schrecklich soetwas und irgendwie versteh ich sie auch, auch wenn es dem Gesetz nach eine Straftat ist und ich es irgendwie auch gruselig finde das sie da nachts die Urne ausgebuddelt haben, ich hätt es nicht gekonnt.

        ABER:
        Es gibt ja in Deutschland andere Möglichkeiten seinen Verstorbenen beizusetzen, es muss ja nicht zwingend ein Friedhof sein, ich hätte in dem Fall eine "Diamantbestattung" gewählt, klar, der Großteil der Asche kommt auf den Friedhof, da könnten dann auch andere Hinterbliebene trauern (Großeltern und Co, schon egoistisch die vor einem leerem Grab trauern zu lassen falls sie das nicht wissen das das Kind dort nicht liegt), aber man hat selbst ebend diesen kleinen Diamanten den man immer bei sich hat.

        Ich bin auch ein Mensch der Friedhöfe nicht mag, da find ich Friedwälder oder Seebestattung schon besser und auch für mich selbst wünschenswerter, diese Massenaufreihung von Toten ist auch nicht so meins.

        Ich frag mich aber auch ob deine Freundin mal darüber nachgedacht hat was ist, wenn sie aus irgend einem Grund umziehen muss, manchmal kommt es im Leben anders als man denkt.........

        LG

        • Hallo,

          ich denke, sie würde die Asche mit umziehen lassen.... ich wohl auch.
          Bei einem Diamanten hätte ich gleube ich Angst, dass er verloren ginge, auf welchem Weg auch immer.

          Ich denke, dass sowas - Friedwald, Friedhof - auch einfacher anzunehmen ist, wenn es die Heimat aller Beteiligten ist.
          Bei uns hat jeder eine andere Heimat, mit der die anderen meist nicht so viel ankommen können. Ich hätte also auch ein schlechtes Gewissen, bspw. meine Mutter in ihrer derzeit lebenden Stadt oder in meiner beisetzen zu lasssen. In ihrer wäre es unbezahlbar in einem dortigen aber beliebigen Waldstück ... hm, weiß nicht.

          Es ist, denke ich, einfach unglaublich hilfreich, wenn man vorher über seine Wünsche redet und es ist eben toll, wenn man die "total legal" erfüllen könnte.
          Man hat dann echt das Gefühl dem Verstorbenen damit Freude zu bereiten und ihn auch ein wenig in sein Paradies zu entlassen.

          LG

          • Naja, ich denke es geht nicht nur ums Umziehen, denk mal ein paar Jahre weiter, jeder Mensch stirbt ja irgendwann mal... es ziehen neue Leute in das Haus und die wollen da was neues pflanzen und buddeln als erstes mal ne Urne aus #zitter Ich weiß ja nicht.

            Ich find diese Diamantidee auch schön, aber ich denke die muss man dann auch wirklich hüten wie einen Schatz damit sie nicht abhanden kommen.

            Ich weiß auch nicht was ich tun würde, aber ich denke nicht das ich mein beigesetztes Kind wieder ausbuddeln würde....... :-(

            LG

            • Hallo,

              also mich würde das jetzt nicht schockieren.
              Außerdem kann das ja dann derjenige, der es weiß, erledigen, Ausbuddeln und mit beisetzen? Vielleicht hat sich bis dahin was geändert. Oder verstreuen.

              Nein, ich denke, sowas nicht im eigenen Sinne zu machen kann psychisch zu weitreichend sein, als dass man an Nachkäufer in 50 Jahren oder so denken sollte.
              So ist besagte Freundin beruhigt und fühlt ihr Kind bei sich, für sie evtl. die einzige Möglichkeit sich wieder anderen Dingen zuzuwenden.

              Noch ein schönes Wochenende #sonne

      Hallo,

      1.Gedanke: menschlich und nachvollziehbar.

      2.Gedanke: Ich selbst habe nichts gegen Friedhöfe. Ich weiss jetzt nicht, wie ich es am besten ausdrücken soll. Aber ich mag die Atmosphäre dort. Und wenn ich mal nicht nur an mich denke: es gibt ja auch noch andere Leute, die um das Kind trauern. Klar, es reicht, wenn man an denjenigen denkt. Aber die Leute nun zum Friedhof gehen lassen... und die stehen dann eigentlich vor nem leeren Grab. Ich weiss nicht. Allzuviel Leute wird sie ja sicher nicht eingeweiht haben.

      Für mich persönlich käme es nicht in Frage. Das hat aber nichts damit zu tun, daß es illegal und strafbar ist. Bauchgefühl. Aber ich kann die Entscheidung Deiner Kollegin auch ein Stück weit nachvollziehen und würde das akzeptieren. Ihre Sache.

      LG Sandra

      Hallo

      irgendwie kann ich es verstehen aber auch irgendwie nicht.
      Was ist wenn den beiden was passiert und sie sollen bei der Tochter Ihre letzte Ruhe finden?
      Sie werden dort beigesetzt aber sie sind trotzdem nicht zusammen da die Urne ihrer Tochter zu Hause im Garten ist.
      Vielleicht wird diese von neuen Mietern gefunden die sicher erst mal etwas Stress dadurch haben,hat ja nun mal nicht jeder eine Urne im Garten und das muss man erst mal erklären.

      Wie es den beiden jetzt geht weiß ich nicht da ich sowas noch nicht durch machen musste und auch hoffentlich nie erleben muss aber ich denke sie sollten damit zu einem Therapeuten gehen und darüber mit ihm sprechen.
      Um eine legalle Beerdigung zu finden wo sie auch mit einverstanden sind,einige Varianten gibt es ja schon die nicht nur auf Friedhöfen sind.

      Ich denke mal das kaum einer davon weiß,zu viele verplappern sich bloß, also finde ich es schon komisch das Leute am Grab stehen und trauern und dort liegt das Kind garnicht.Ich denke es sollte auch im Sinne des Kindes sein endlich zur Ruhe zu kommen.

      Ich würde meine Kinder sicher auch bei mir haben wollen aber auf so eine Idee würde ich nicht kommen.Es müssen genug Eltern damit leben das ihr Kind auf dem Friedhof beerdigt liegt und sie müssen damit klar kommen ob sie es wollen oder nicht und dennen gegenüber finde ich es nicht richtig.Klar könnten die jetzt auch los gehen aber stellt euch mal vor das machen ab sofort alle so?Ich finde es nicht richtig,ist aber meine Meinung!

      Passt vielleicht nicht recht aber gab es im TV bei der Tine Wittler nicht eine Frau die die Urne zu Hause hatte?Hat die Tine es nicht geschafft Ihr ein Zertifikat zu beschaffen das es bei ihr erlaubt also legall ist?

      Könnte deine Freundin evtl. mit einem Anwalt und mit Hife von einem Psychologen das auch durchsetzen?

      lg Denise

      hätte sie es z.B. über die Schweiz laufen lassen, hätte sie die Urne sogar mit Nachhause nehmen können - ich glaube für 15 Jahre - auch wenn man in D lebt.

      Habe mir darüber auch schon Gedanken gemacht....falls es meine Tochter mal trifft.
      Ich werde sie bei mir behalten solange es geht, bzw. solange bis ich weiss wo ich meinen "Altersruhesitz" haben werde

      Ich finde es toll, was sie gemacht hat. Wenn es ihr hilft!

      (13) 18.08.12 - 23:15

      Hallo!

      Ich muss gestehen, ich sehe diese Sache von einer ganz anderen Seite.

      Unabhängig von dem was deine Arbeitskollegin gemacht hat - ich kann nicht nachvollziehen was du hier gerade machst.

      Du schreibst, sie hat dir die Geschichte anvertraut. Warum um alles in der Welt schreibst du dann hier alles brühwarm rein?

      Stell dir mal vor, deine Arbeitskollegin liest das hier - man kann ja nicht wissen wer wann wo unterwegs ist. Oder aber, irgendwelche Leute die für so etwas überhaupt kein Verständnis haben - und diese melden das dann den zuständigen Stellen (Polizei). Es wird für diese Menschen ein leichtes sein, über die IP Adresse an dich heranzutreten.

      Also, mir wäre mulmig bei dem Gedanken.

      Und wie gesagt, Dinge die man anvertraut bekommt tratscht man nicht weiter - auch nicht in das ach so anonyme www.
      In diesem Sinne
      einen schönen Abend
      Manu

      Hallo

      Ich Verstehe das Deutsche " Todes " Gesetz auch nicht.

      Bei uns ( Spanien) ist es Normal die Urne mit Nach hause zu nehmen, Meine Schwiegermutter hat auch die Urne ihres Mannes Zuhause

      Das möchte ich später auch !

      Und ja wir haben auch Friedhöfe

      Saludo

      (15) 19.08.12 - 01:08

      Warum haben deine Kollegin und ihr Mann sich nicht von vorne herein für eine Einäscherung in Holland entschieden? In dem Fall hätten sie die Urne "legal" mit nach Hause nehmen können...

      Die Frage ist ja auch: Geht es ihnen jetzt besser? Das verlorene Kind bringt ihnen niemand zurück...unabhängig davon, an welchem Ort es begraben liegt.

      • (16) 19.08.12 - 14:31

        Tja, warum wohl haben sie sich nicht für Holland entschieden?

        Ich denke, in dem Fall liegt es einfach sehr nahe, dass man nur noch funktioniert hat. Das eigene Baby stirbt plötzlich und unerwartet am plötzlichen Kindstod, man hatte weder Zeit sich vorzubereiten, noch sich vorab zu informieren, man ist völlig am Boden zerstört und dann kommt die ganze Maschinerie in Gang - den Tod melden, in dem Fall standen sicher auch Kripo und Co. auf der Matte, das Baby wurde sicher obduziert (der nächste Schock!), ein Bestattungsunternehmen muss beauftragt werden, es soll für das eigene Kind ein Sarg plus Urne ausgesucht werden, statt Windeln, Babysachen und das erste Spielzeug zu kaufen und irgendwo dazwischen muss man selbst überleben.

        Ich finde, da ist es absolut nachvollziehbar, dass man sich nicht noch über Einäscherungen in Holland oder anderen Nachbarländern schlau macht und eine "weitsichtigere" Lösung wählt, mit der man dann besser leben kann...

        Generell bei einem unerwarteten Todesfall, aber doch ganz besonders, wenn es um das eigene Kind geht, denkt man in den wenigsten Fällen noch logisch oder weitsichtig, man funktioniert nur noch und "spult" das ab, was man als das "normale Verhalten" gelernt hat oder was einem andere auftragen, was als nächstes zu tun ist.

        • (17) 19.08.12 - 16:23

          Sehr gut auf den Punkt gebracht. Genauso ist die Situation gewesen - nur ohne Kripo und Obduktion. Die Todesursache war sehr eindeutig.

          Wer macht sich schon Gedanken, wo man evtl. sein totes Kind beerdigen würde? Und wenn man an einen Bestatter gerät, der einem nicht darüber aufklärt, dass es u. U. möglich wäre, sein Kind "legal" bei sich zu behalten, dann machst Du das, was alle machen: eine ganz normale Urnenbestattung auf einem deutschen Friedhof.

          Du funktionierst nur noch. Du hast keine Zeit, Dich schlau zu machen. Alles muss zeitnah über die Bühne (bessser gesagt: unter die Erde) gebracht werden.

          Ich möchte niemals in so eine Situation kommen.

          LG

          minimöller

    Wenn mir sowas passieren würde, ich würde hinter her springen um bei mein Kind zu sein den Leben könnte ich nicht mehr

    • Aber was ist dann mit dem Geschwisterkind? Ich könnte es nicht allein lassen.

      (20) 19.08.12 - 12:19

      Guten Morgen,

      also als ich nur ein Kind hatte, konnte ich das schon ein bisschen nachvollziehen, aber eigentlich ist es selbst dann sehr egoistisch dem Vater gegenüber. Der hätte ja dann Kind und Frau verloren.

      Wenn dann noch weitere Kinder da sind (kann man aus dem Text nicht nachvollziehen, außer ich hab was überlesen), wäre so eine Reaktion richtig schlimm. Die "übriggebliebenen" Kinder würden sich ja immer fragen, ob sie nicht genug wert waren.

      Also so einfach finde ich das nicht, außer man hat sonst keine weitere Familie.

      Sarah

(23) 19.08.12 - 11:42

Ich versteh das Problem nicht. In der Schweiz darf die Asche verstreut werden, was auch viele tun. z.B an einem Ort, der für den Verstorbenen grosse Bedeutung hatte. Ich finde das schön und gut. Ist das in Deutschland verboten?

Ich finde es nachvollziehbar. Wir hätten die Oma meines Mannesauch gern nach ihrem Wunsch in unserem Garten beigesetzt, aber leider ist das auf einem Dorf wie unserem schwierig, da es ja leider in Deutschland nicht erlaubt ist und ob die Gesetzeslücken dann reichen, es zu legalisieren, wage ich zu bezweifeln.

Und zum Thema Bestattungen nur auf dem Friedhof: Als Ende des 2. Weltkrieges die Region hier besetzt war, verstarb der Opa unserer Nachbarn, sie durften ihn nicht auf den Friedhof bringen und irgendwo musste er ja hin. Es weiß zwar keiner, wo genau, aber er liegt irgendwo auf dem Grundstück. Aber es war ja auch eine Ausnahmesituation!

LG Steffi

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