Wie älterem und verwahrlostem Mann helfen?!

    • (1) 11.09.12 - 12:53

      Hallo,

      seit einiger Zeit beschäftigt mich ein älterer Herr aus der Gegend sehr.

      Wenn ich Samstags morgens einkaufen gehe treffe ich spätestens beim verlassen des Aldis einen älteren Mann um die 70 Jahre. Dieser Mann sieht total verwahrlost aus und sucht im Mülleimer nach, keine Ahnung, Pfandflaschen oder vielleicht auch nach Essen ?!

      Auf jeden Fall tut der Mann mir total leid und ich mach mir wie gesagt auch schon länger Gedanken um ihn. Als ich das Thema bei meiner Schwester ansprach, stellte sich heraus das es wohl Herr xxxx ist und dieser nach dem Tod seiner Frau so verwahrlost ist.

      Schwester und ich haben lange über das Thema geredet und uns überlegt wie wir ihm helfen können. Gesagt, getan; wir Samstags zu Aldi und auf ihn gewartet. Er kam und kam nicht. Da sind wir auf die Idee gekommen es mal bei einem anderen Discounter zu versuchen und haben uns auf den Weg dahin gemacht. Während der Fahrt haben wir ihn dann gesehen; er sucht auch öffentliche Mülleimer ab :-(!

      Wir wollten ihn ansprechen, haben uns dann aber doch nicht getraut! Was hätten wir auch sagen sollen?! Na ja, Montags haben wir dann, da wir Name und Adresse kennen, bei der Caritas angerufen und denen von dem älteren Mann erzählt. Direkt wurde gesagt, dass es super wäre das wir uns gemeldet hätten und sie sich um ihn kümmern würden bzw KOntakt mit ihm aufnehmen werden.

      Das ganze ist jetzt schon 3 Wochen her- den Mann sehe ich immer noch in Mülleimern wühlen:-(! Geholfen hat ihn niemand.

      Was kann ich den noch tun?! Dem Mann muss doch geholfen werden, da er ja scheinbar mit seinem Leben nicht mehr alleine klar kommt!

      Habt ihr eine Idee an wen ich mich noch wenden kann??

      lg

      • Ich würde erst nochmal bei der Caritas nachfragen, ob die Kontakt aufgenommen haben. Vielleicht haben sie das ja und er will keine Hilfe. Ältere Leute sind da ja manchmal etwas eigen.

        Vielleicht kannst du ja auch bei der Pfarrgemeinde nachfragen, ob die helfen können.

        Ansonsten wäre ja auch die Frage, wie du dir Hilfe vorstellen würdest. Willst du ihn bekochen oder ihm Gesellschaft leisten?

        • Darum geht es doch garnicht, bekochen oder irgendwie bespaßen... ich denke er braucht in den grundlegenden Dingen Hilfe! Jemand der ihm zur Seite steht und ihm in seinem Leben unterstützt! Ich möchte einfach, dass sich mal jemand den Mann annimmt...

          • Wenn Männer ihre Frauen verlieren, reagieren sie oft eigenartig. Im Ort meiner Eltern ist ein Mann Witwer geworden und der geht auch nach 2-3 Jahren noch mehrmals täglich auf den Friedhof und kümmert sich sonst um nicht mehr viel. Angeblich (!) hat er sich ganz am Anfang auch neben das Grab gelegt.

            Auch da gab es Leute im Dorf, die Hilfe angeboten haben, aber lehnt kategorisch alles ab. Er bräuchte sicher eine Therapie, aber seine Art die Trauer zu bewältigen, ist ja kein Grund jemanden in die Zwangstherapie zu schicken.

            Vielleicht ist es bei dem Mann auch so?!

            Die Unterstützung, die du zu meinen scheinst, kann i.d.R. die Familie geben. Wenn es da niemanden gibt, dann vielleicht noch Freunde und letzter Konsequenz ein Altersheim/ betreutes Wohnen.

            Wenn du es wirklich ganz genau wissen willst, wirst du ihn ansprechen müssen.

          • Ich hab mir alle Antworten durchgelesen und muss denen Recht geben, die keine rosa Brille aufhaben. Es klingt hart, aber es ist so - der Mensch hat ein Recht auf Verwahrlosung.
            Meine Schwiegermutter (87) ist nach einem Schlaganfall vor 2 Jahren zwar körperlich wiederhergestellt aber ihre schon davor beginnende Demenz lässt sich nicht aufhalten. Sie lässt sich "gehen" und lehnt jegliche Hilfe von außen und von uns ab.
            Wir haben es mit "Nachbarschaftshilfe" versucht, wir haben ihr selber angeboten ihr beim Haushalt zu helfen. Lehnt sie alles ab.
            Für sie ist alles in Ordnung. Sie wohnt alleine in einem alten Haus und sie kommt mit dem Haushalt dort absolut nicht mehr klar.
            Ihre Waschmaschine kann sie schon lange nicht mehr bedienen. Mein Angebot, ihre Wäsche mitzuwaschen, bzw. ihre Waschmaschine zu bedienen hat sie abgelehnt. Ihre (teilweise) sehr verpinkelten Schlüpfer weicht sie ein und wäscht sie aus.
            Mein Mann und seine Geschwister sind machtlos. Die Geschwister wohnen nicht hier und können uns auch nicht viel helfen.
            Einmal im Monat fährt nun meine Schwägerin her (150 km ein Weg). Mein Mann holt seine Mutter ab und geht mit ihr und unserer kleinen Tochter auf einen Ausflug und Schwägerin und ich putzen im Schnelldurchlauf die allerschlimmsten Stellen im Haus, wechseln die Bettwäsche und waschen einige Sachen durch.

            Meine Schwiegermutter trägt seit 2 Jahren tagaus, tagein dieselben Schuhe, die schon Löcher haben. Neue will sie nicht und zum Schuhladen zerren können wir sie nicht. Da sie einen sehr ausgepräten Halux Valgus hat, können wir auch nicht einfach irgendwelche Schuhe bestellen. Sie muss sie probieren.
            Sie sieht nicht mehr so gut und so kann es sein, dass sie Oberteile anhat, die von Flecken übersäht sind.

            Seit einiger Zeit schläft sie nicht mehr oben im Schlafzimmer, sondern unten im Wohnzimer auf einem uralten, durchgenudelten Sofa.
            Wir haben dann ein Sofa mit Schlaffunktion gekauft - wollte sie nicht! Glücklicherweise hat es jemand abgekauft.

            Wir stehen im engen Kontakt mit ihrem Hausarzt. Aber auch er sagt uns ganz klar, dass sie noch nicht dement genug ist, dass man eingreifen kann/darf.
            Das einzige was sie nicht mehr macht, ist selber kochen. Sie wird mit Essen beliefert. Da sie aber auch manchmal das Essen "vergisst", komme ich jeden Tag "zufällig" immer zur Mittagszeit vorbei (hole da grad die Kleine aus dem KiGa und fahr dann noch zu ihr) und dann schau ich in den Wärmebehälter und schwärme ihr vor, was da tolles drin ist und richte ihr das dann auf nem Teller an und bleibe solange da, bis sie wenigstens einen Teil gegessen hat.
            Der Rest wird aufgehoben und mein Mann macht ihr das Abends dann warm. Er kommt nach der Arbeit jeden Tag vorbei und schaut nach ihr, nimmt Post mit, etc.

            Das einzige was wir machen können ist, ihr das Leben "heimlich" zu erleichtern. Wir machen Termine für Fußpflege, Friseur, Arzt, etc. - füllen ihre Tabletten auf, kümmern uns um Bankangelegenheiten, etc.
            Sie hat eine relativ gute Rente und hebt laufend Geld ab. Was sie damit macht?????? Im schlimmsten Fall verschenkt sie es, im günstigsten Fall finden wir es irgendwann irgenwo im Haus deponiert. Mehrfach gab es Rechnungen zu zahlen und es war kein Geld da. Da ist dann mein Schwager eingesprungen. Er wohnt am weitesten weg, hat aber das größte Einkommen und hilft uns dann eben so.
            Ein Teil ihrer Rente geht nun schon auf ein extra Konto, auf das nur mein Mann Zugriff hat (er hat Bankvollmacht) - damit wir für größere Ausgaben einen Puffer haben. Das Haus meiner Schwiegermutter ist alt und marode, da geht ständig etwas kaputt.

            Das ist nur ein kleiner Auszug. Jeden Tag fallen neue Geschichten an und es ist vorallem für die Kinder schlimm diesen Verfall zu sehen, ohne etwas tun zu können.

      Wer sagt denn, daß der Mann mit seinem Leben nicht mehr alleine klar kommt? Vielleicht ist er ganz zufrieden und möchte überhaupt keine Hilfe; hat die Caritas vielleicht sogar abgewiesen?

      Versteh' mich nicht falsch - ich finde es gut, daß Du bei der Caritas angerufen hast! Aber ich würde es dabei belassen bzw., wenn überhaupt, noch einmal bei der Caritas nachfragen.

      LG wartemama

      • Kann mir nicht vorstellen, dass jemand so leben möchten. Früher hatte er ja ein normales Leben geführt...er scheint wohl mit seinem Leben total überfordert!

        Mag sein, dass er die Hilfe abgelehnt hat, kann aber auch sein, dass sich noch niemand gekümmert hat, oder?!

        • Warum meinst Du, daß er überfordert ist? Nur, weil er im Müll rumfischt? Das ist für mich kein Grund.

          Sicher, der Großteil der Menschen möchte so nicht leben. Ich auch nicht! Aber es gibt genug Menschen auf der Welt, die einfach "anders" sind.

          "...kann aber auch sein, dass sich noch niemand gekümmert hat, oder?!"

          Darum hätte ich ggf. - wie gesagt - noch einmal bei der Caritas nachgefragt.

          LG wartemama

          Wenn er Hilfe abgelehnt hat (und das findet du heraus, indem du nochmal bei der Caritas nachfragst), dann hat man keine Handhabe.

          Doch, dann führt er gerade das Leben, das er führen möchte. vielleicht ist er auch dement. Aber auch dann sind einem die Hände gebunden.............bis gar nichts mehr geht.
          Das ist nicht immer einfach zu verstehen und auch nicht einfach auszuhalten, aber man kann nicht jeden entmündigen, der nicht gut riecht, im Müll sucht und sich schlecht ernährt.
          Wo ist die Grenze? Bei uns ist sie relativ weit gesteckt und das ist gut so.
          Du kannst ihm nicht gegen seinen Willen Hilfe aufdrängen.

          Es gibt viele Menschen, die so leben. Ich habe einige in der ambulanten Pflege kennen gelernt. Ja, es ist oft grenzwertig, aber ich habe so im Nachhinein auch den Eindruck, dass Menschen verdreckt zuhause zufriedener sind als im "Satt-Sauber-Altenheim".

          Ich finde gut, dass du dir Gedanken machst, ich finde gut, dass du versuchst, etwas in die Wege zu leiten. Aufdrängen solltest du dich nicht. du darfst das auch nicht zu deinem ureigenen Problem machen. Nimm so etwas zur Kenntnis, guck nicht weg, aber versuch nicht zu ändern, was nicht zu ändern ist.

          Gruß
          Susanne

    ihr traut euch den nicht anzusprechen obwohl ihr name und adresse kennt?

    wie doof finde ich das denn.

    einfach fragen denn ihr wisst ja dann auch wie der wohnt und da lässt sich einfach feststellen ob er hilfe braucht oder nicht.

    vielleicht will er gar nicht in das ...."ordentliche leben"....leben passen was andere auch immer darunter verstehen wenn ich ihn sehen würde am mülleimer einfach fragen ...warum machste das...du wirst eine antwort bekommen.
    es gibt genug menschen die wollen kein absolut geordnetes leben führen darunter auch promis wie gunter gabriel und so einige die durch das dsungelcamp hüpften
    nicht jeder der anders sein will braucht eine therapie

(15) 11.09.12 - 18:12

"Das ganze ist jetzt schon 3 Wochen her- den Mann sehe ich immer noch in Mülleimern wühlen! Geholfen hat ihn niemand."

Nur weil der Mann noch immer in Mülleimern wühlt, heißt das nicht, dass ihm niemand geholfen hat! Es gibt immer wieder Menschen, die nehmen keine Hilfe an und sind noch nicht derart heruntergekommen, als dass man ihnen die Hilfe zwangsweise angedeihen lassen müsste. Und es gibt immer wieder verschrobene ältere wie auch jüngere Menschen, denen ist es schlicht wurscht, was der Rest der Welt von ihnen denkt und die freuen sich wie Keks, wenn sie mittels der im Müll gefundenen Pfandflaschen einen Fünfer extra machen.

Also: Reg' dich ab, so hart das klingt.

Gruß
Ch.

....beruflich im "Helferbereich" unterwegs.

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