"Die hätten die Mauer mal höher ziehen sollen..."

hallo!
habe gerade mit meiner tante telefoniert. sie fragte, was wir morgen machen, ich sagte: vielleicht sind wir im garten und gestalten da ein beet neu. dann fragte ich sie, was sie morgen, am 3. oktober, machen wollen. da meinte sie sehr ironisch: "wir feiern so richtig - hahahaaaaa. nein, das ganze hat uns soviele milliarden euro gekostet, die hätten die mauer mal höher und noch höher ziehen sollen, dann wär das land besser dran...". ich war total perplex und habe einfach überhaupt nichts darauf erwidert, hab' einfach nur geschwiegen. sie dann: "naja, so hat jeder seine meinung!".
finde ich schon krass, so etwas zu sagen - sie lebt im überfluss und kennt es überhaupt nicht, irgendwo nicht hinzukönnen (ich bin auch wessi) - und dann sowas loszulassen....fand ich schon heftig.
sie hat wohl gemerkt, dass ich das ganze anders sehe - ich habe aber keine diskussion angefangen, weil sowas sowieso nichts bringt. ich habe dann zugesehen, dass wir das telefonat schnellstmöglich beenden.
wie hättet ihr reagiert???

Hallo!

Ich bin zwar auch der Meinung, dass die Wiedervereinigung (war es eigentlich nicht, offiziell ist die DDR der BRD beigetreten) im Großen und Ganzen gut war, aber ich kann die Meinung deiner Tante durchaus nachvollziehen.
Die Wiedervereinigung hat uns Milliarden gekostet, wir zahlen heute noch den Solidaritätszuschlag für den Aufbau Ost, und das, obwohl die Ostdeutschen Städte besser aussehen als manch westdeutsche Stadt.
Und Ansonsten war die Finanzierung der Wiedervereinigung mehr als schlecht geplant. Man nehme nur einmal die Renten der Ostdeutschen älteren Bevölkerung: Die werden genauso aus unserer West-Rentenkasse genommen, obwohl nie etwas einbezahlt wurde, und heute haben wir Löcher in der Kasse, die dazu führen, dass viele nicht mehr die Rente bekommen, von der sie einmal ausgegangen waren. Nicht wenige Rentner bekommen zusätzlich Grundsicherung, obwohl sie ein Arbeitsleben lang eingezahlt hatten. Dann war die Berechnung der Renten mehr als dubios, da wurden Ostdeutsche Facharbeiter mit Westdeutschen Ingenieuren gleichgesetzt und bekommen eine entsprechende Rente...

Und dann der Aufbau Ost. Da sind Subventionen ohne Ende geflossen - die meisten der damals im Osten aufgebauten Firmen und Filialen existieren nicht mehr, seit es keine Subventionen mehr gibt.

Es gibt so vieles, was einfach nicht gut gelaufen ist nach der Wende, und gerade bei der weniger gut gestellten westdeutschen Bevölkerung sorgt das natürlich für Frustration.

Trotzdem denke ich, dass wir "Wessis" unseren Ostdeutschen Mitbürgern einfach ein wenig Solidarität schulden bzw. geschuldet haben. Unter den Bedingungen hätte ich nicht groß werden wollen, wahrscheinlich hätte ich aufgrund meines politisch sehr engagierten aber wenig kommunistischem Großvaters nicht einmal Abitur gemacht, von anderen Repressalien ganz zu schweigen.

Und im Übrigen sind viele Ostdeutsche im Nachhinein auch gar nicht mehr so glücklich über die Wiedervereinigung. Sie wollten Freiheit, der Preis war (zumindest für einen Teil) Armut und Arbeitslosigkeit. Da fragt man sich zu recht, ob der Preis vielleicht auch ein wenig hoch war.

Von daher: Ich teile die Meinung deiner Tante nicht, aber auch wenn sie ein wenig drastisch ausgedrückt ist kann ich sie nachvollziehen.

Liebe Grüße und einen schönen Feiertag morgen!

P.S. Wenn ihr im Garten seit, feiert ihr den Tag der Deutschen Einheit aber auch nicht wirklich...

"Die Wiedervereinigung hat uns Milliarden gekostet, wir zahlen heute noch den Solidaritätszuschlag für den Aufbau Ost"

Warum tun die meisten Wessis so, als zahle nur die Westbevölkerung diesen Zuschlag? Die Ossis zahlen das genauso von ihren Steuern!

Werd das nie verstehen, hab diesen Satz noch nie von einem Ossi gehört der genau das selbe zahlt!

"Man nehme nur einmal die Renten der Ostdeutschen älteren Bevölkerung: Die werden genauso aus unserer West-Rentenkasse genommen, obwohl nie etwas einbezahlt wurde,"

Das stimmt so auch nicht, auch im Osten musste man in die Rentenkasse zahlen, bestätigte mir grad meine Schwimu die Ossi ist.

Ich betrachte das immer ganz distanziert da ich gebürtige Österreicherin bin, aber auch wir haben das ja mitekommen, zudem hab ich in den Osten geheiratet und lebe nun in Ost-Berlin.

Was ich ja noch viel krasser finde das nach soooooo langer Zeit immernoch von Ossi und Wessi die Rede ist und viele Wessis sich immernoch erhaben den Ossis gegenüber fühlen, auch wenn der Wessi in dem fall ein versoffener Hartz4 Empfänger ist, hab ich alles schon live erlebt!

Und was mich am allermeisten aufregt, es hat sich doch niemand ausgesucht hier oder dort geboren zu sein... und dann den einen oder anderen niederzumachen... ne, das ist gelinde gesagt kacke.

Zudem gibt es Deutschland schon seit hunderten Jahren, es war durch einen Krieg gut 40 Jahre getrennt, ist schon längst wieder über die Hälfte der Trennungszeit vereint, was sind schon 40 Jahre trennung bei einer Geschichte die mehrere hundert Jahre alt ist......

Ich sitze hier und staune ! Es gibt immer noch Leute, welche Ihre Meinung ganz offensichtlich immer noch der BILD-Zeitung schulden und kein Bißchen selbst über Zusammenhänge nachdenken können.

Die Medaille hat im wesentlichen zwei Seiten.
Die erste ist damalige politische Lage im Ostblock speziell Russland gewesen. Zu einem anderen historischen Zeitpunkt (sowohl früher als auch später) wäre es nie möglich gewesen.
Die zweite Seite ist die wirtschaftliche. Die "Kolonie" DDR, welche westdeutsche Händler jahrelang zu immensen Gewinnen verhalf, war am Wegbrechen. Es galt sich nun, die ostdeutschen Märkte zu sichern und zu verhindern, dass dort eine eigene stabile Wirtschaft aufgebaut werden konnte. Das ging wunderbar, indem man das gesamte damalige "Volksvermögen" in private Hände verschacherte und gleichzeitig das Volk noch mit dem Solidarpakt knebelte. Der war für meine Begriffe die größte politische Lüge und ist es bis heute. Hätte man die Werte erhalten bzw. für die tatsächlichen Werte privatisiert, dann hätte man damit die Rentenkassen zur Genüge auffüllen können. Zudem das Problem der Rentenkassen ohnehin eher das Problem der Altersverteilung im Lande ist.
Und was ich gern belegt haben würde ist, wo ein ostdeutscher Facharbeiter eine Rente in Höhe der eines Ingenieurs erhält. Sowas ist vielleicht ein Einzelfall, der zu Propaganda-Zwecken wohl offensichtlich sehr gut dient, wenn es ihn denn gibt.

Aber ich will hier nicht weiter ausschweifen, weil ja doch jeder in irgendeiner Form von Medien oder Freunden/Bekannten beeinflusst ist und das eigene Nachdenken und vor allem Suchen nach Beweisen und Fakten unliebsam und aufwendig ist. SOOOO wichtig ist das Thema ja dann auch nicht...

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Hallo!

Haette dich juenger geschaetzt ;-).
Mit 20 haette ich endlos diskutiert. Jetzt gehe ich solchen Diskussionen aus dem Weg. Solange deine Tante nicht mit Transparenten durch die Gegend laeuft, kannst du sie ruhig links liegen lassen.

>>Haette dich juenger geschaetzt . Mit 20 haette ich endlos diskutiert. <<

Die Jugend heute ist anders, diskutieren ist langweilig, man hat seinen Standpunkt und alle anderen sind doof.... ;-)

Kann ich nicht bestätigen.

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Solche Hohlbirnen gibt´s in Ost und West.
Am besten, wir fangen einen Separatisten-Krieg an, Waffen sind ja genügend im Umlauf.
Gibt ja auch sonst nix zu tun#augen

rem

ich kenne viele solche Meinungen, sehr viele...jeder hat seine Meinung und gut ist....

" die hätten die mauer mal höher und noch höher ziehen sollen, dann wär das land besser dran"

Und deine Tante hätte man dann auf die andere Seite der Mauer setzen sollen. Wie hätte ihre Meinung DANN wohl ausgesehen?

ich sag bei solchen "Diskussionen" egal aus welcher Richtung (also extrem pro Wiedervereinigung oder contra), dass ich ja eigentlich immer noch für die Umsetzung des Churchillplans bin ...

Hallo,

stimmt, die "Donauföderation" hätte durchaus ihre Reize :-D

GLG

Hallo,

in unserem Land herrscht Meinungsfreiheit.

Und so darf Deine Tante das sehr wohl so sagen. Sie hat mit den Milliarden auch nicht unrecht.

GLG

Diese Meinung wirst Du in jedem unserer 16 Bundesländer mehr als oft genug vorfinden. Trotzdem war die Wiedervereinigung überfällig und das einzig Richtige.

Ich finde es immer noch toll, dass ich DAS erleben durfte und habe jedesmal erneut Tränen in den Augen, wenn ich die ersten Momente nach dem Mauerfall noch einmal im TV sehen darf. Und immer freue ich mich über die jungen Leute, die mittlerweile schon seit fünf Jahren volljährig sind und von der einstigen Trennung Deutschland nichts mehr miterleben mussten.

Gruß, liebelain

dumme menschen, dumme sprüche, links liegen lassen.

milliarden hats gekostet, millarden wurden verdient dabei. lasse reden!

lg

Hallo,

über die Geldverschwendung, die diese Zusammenführung gebracht hat, habe ich nie nachgedacht, ich war damals ein Kind (81 geboren) und habe es nicht mal wirklich mitbekommen....
Was ich wirklich krass finde, sind Kommentare wie *ich hätte dort nicht aufwachsen wollen*, uns hat es als Kind nie an etwas gefehlt, es gab eben nicht immer Bananen usw. ja gut, jetzt kann man es immer kaufen, macht es aber auch nicht, weil jeden Tag ne Banane essen, einfach nur, weil sie jetzt da sind, nee mach ich auch nicht.

Gut, man ist nur in die östliche Richtung in Urlaub gefahren, aber auch darüber hat man sich als Kind keine Gedanken gemacht, der Urlaub war doch deshalb nicht schlechter #kratz
Unlieb sind mir solche Leute, wie mein Schwiegervater (mein Mann hat es mir erzählt, er ist zwar nicht älter, aber bei ihnen war das wohl immer ein Thema) - da wurde sich immer aufgeregt, dass man eingesperrt sei, Fluchtversuche geplant etc aber wenn jetzt mal das Thema aufkommt (Familienfeiern sind vor nix gefeit), war damals doch alles besser, in der DDR hat er immer gearbeitet, seit dem Mauerfall ist er arbeitslos, wahrscheinlich denkt er im Nachhinein (natürlich erst, nachdem er die andere Seite gesehen hat) wie deine Tante....können doch alle denken, wie sie lustig sind, ändert sowieso nix!
Man kann sich morgen auf die Straße begeben und sich freuen, dass es ist, wie es ist, man kann es auch lassen - den Feiertag nehmen sicher alle gern ;-)
Was ich morgen mache, steht noch in den Sternen - ich bin gern spontan...vielleicht habe ich Mitleid mit meinem Mann, der grade schön feiern ist, weshalb ich nicht mit Freunden losziehen konnte, die morgen aber auf die Vereinigungsparty in der Stadt ziehen, da könnte ich spontan dazu stoßen....wir werden wohl nicht den wahren Sinn des Feiertags feiern, aber man kann ja genießen, dass eben einfach frei ist :D Man wird sehen....
Wir sind seit 22 Jahren ein Land und jedes Jahr wird es doch wieder auseinander genommen....is schon traurig....

LG

Wie ich diesen Satz hasse. Und nein, ich bin keine Ostdeutsche.

ich wette mit Dir das hier mindestens 20 % der gleichen Meinung sind - aber es nicht äussern weil man das einfach nicht "darf"
Ist doch fast das gleiche wie Ausländerfeindlichkeit - das würde hier auch niemand offen Kund tun.

aber mit den Milliarden stimmt schon......mir war das aber nie so aufgefallen - bis ich zur Kur war an der Ostsee.
Mir fiel fast die Kinnlade runter als ich Boltenhagen und Umgebung sah. Da konnte man auf einen Blick erkennen wo viel Geld hingeflossen ist.......

hallo,

jemand hat in der diskussion einen link dazu eingestellt, gibts auch noch andere dazu: der osten hat einen großteil des aufbau ost selbst getragen. lies es dir doc h mal durch, ist durchaus interessant. weiß man aber auch nichrt erst seit heute.
und dann rechne mal hinzu, was der ehemalige westen mit dem aufbau ost verdient hat. von dem milliarden absatzmarkt der sich erschloss mal ganz abgesehen.

lg

das bezog sich auch nur auf die Aussage das die TE schrieb....von wegen Milliarden wären in den Osten geflossen.
Wenn man einige Orte im Osten sieht kann man das halt so denken: " von unseren Steuergeldern kriegen die alles "schön" gemacht"

Hallo, ja ich muss zugeben, ich rege mich auch manchmal über unsere ostdeutschen Mitbürger auf - beim Autofahren.
Die überwiegende Anzahl mit ostdeutschem Kennzeichen fährt auf der Autobahn ständig links, obwohl rechts frei ist.

Aber genauso lästern wir hier in Bayern über die Holländer mit Wohnmobilen und Anhängern.

Aber die Mauer möchte ich nicht mehr haben. Mich berührt es immer noch, obwohl es schon lange her ist. Wir versuchen auch gerade unserer großen Tochter - 8 - Jahre nahezubringen, wie das mit der Mauer war. Es ist für sie sehr schwer zu verstehen. Vor einiger Zeit waren wir in Mödlareuth, dort konnte sie es mal richtig sehen, wie die Mauer ausgesehen hat.
Mir ist es sehr wichtig, dass ich das meiner Tochter vermittle.

Ich finde es toll, dass es wieder ein Deutschland gibt.

Viele Grüße Leah

Hallo,

dass es ein gesamtes und vereinigtes Deutschland gibt, finde ich einfach schön.
Mir fehlt eigentlich, die Freude von vielen, dass es das gibt und dass wir alle stolz darauf sein könnten. Auf alles, was wir hier geschaffen haben. So viele Städte, egal ob in Ost oder West sind einfach sehr schön gestaltet. Wir haben hier so tolle Landschaften und Sehenswürdigkeiten, auch unsere Kultur ist sehr interessant.

Z.B. die Burgen im Burgenlandkreis, umgeben von herrlichen Weinbergen, entlang der Saale, --Städte, wie Schwerin, Potsdam, Dresden , der Wörlitzer Park - wer das nicht gesehen und auchnicht lieben gelernt hat, kann auch nicht froh sein, es dazu gewonnen zu haben durch die Wiedervereinigung.

Die Mauer mußte fallen. Es ging nicht mehr so weiter.

Nach der Wende wurden hier im Osten so sehr viele Betriebe geschlossen, einfach von heute auf morgen. Sie wurden einfach für eine D-Mark verkauft. Obwohl es manchmal Sinn gemacht hätte, einiges zu erhalten, nur neu zu gestalten.
Nicht alles war schlecht, was hier produziert wurde. Viele Menschen haben hier auch gute fleissige Arbeit geleistet. Als die Waren hier nicht mehr produziert wurden, viele Menschen auf der Strasse standen, hatte der Markt im Westen wieder einen Aufschwung zu verzeichnen. Denn es wurde so vieles neu gekauft.

Die Städte, wie auch Boltenhagen z.B., auch sämtliche Orte an der Ostsee wurden neu gestaltet. Die gesamten Bäderstädte waren auch dermaßen marode. Jetzt, wo ein jeder dort Urlaub macht und sein Geld dort lässt, kommt es doch der Wirtschaft wieder zu Gute und es ist doch eher ein Gewinn für Gesamtdeutschland.

Viele Westdeutsche investieren hier und erlangen dadurch auch sehr großen Gewinn, wenn ich allein nur an die Hotels an der Ostsee denke..

Allen einen schönen Tag der Wiedervereinigung!#winke