Teilschuld bei Autounfall - keine polizeiliche Aufnahme

    • (1) 22.10.12 - 17:08

      Hallo!

      Vor ca. 4 Wochen hatte ich einen Autounfall, den ich nicht selbst verursacht hatte. Ich fuhr auf der linken Spur einer zweispurigen Straße, war dabei ein auf der rechten Spur fahrendes Fahrzeug zu überholen, als diese plötzlich die Spur wechselte und mir auf Höhe des Vorderrades in die Seite fuhr. An beiden Autos entstand ein verhältnismäßig hoher Sachschaden, sonst ist Gott sei Dank nichts passiert.

      Ich ließ mir vom Unfallgegner die Daten geben, da er ja Schuld war, hat er von mir nur die Telefonnummer bekommen. Bereits am Nachmittag rief er mich an und wollte meine Versicherungsdaten.

      Eigentlich wollte ich zur Unfallaufnahme die Polizei rufen, der Beamte hat sich am Telefon aber gewunden wie ein Aal, bei klarem Sachverhalt müssten sie eigentlich nicht rauskommen, ob es denn wirklich nötig sei... Naja, ich hab dann auf die Polizei verzichtet, was ich am nächsten Tag schon bereut habe.
      Allerdings habe ich dann gleich einen Rechtsanwalt eingeschaltet - mir kam das spanisch vor, dass die Versicherung des Unfallgegners meine Versicherungsdaten wollte.
      Der Schaden an meinem Auto wurde durch einen Sachverständigen geschätzt, wie es auf der anderen Seite aussah, weiß ich jetzt nicht.
      Nun bekam ich am Freitag ein Schreiben von meinem Rechtsanwalt, dass die gegnerische Versicherung von einer 25%igen Teilschuld meinerseits ausgeht, der Unfall wäre nicht unabwendbar gewesen.

      Ich hab aber in diesem Fall wirklich weder bremsen noch ausweichen können, ich war ja schon fast neben dem anderen Fahrzeug, als dieses auf meine Spur rüberzog. Als ich bemerkte, dass das andere Fahrzeug die Spur wechselte, bin ich sofort auf die Bremse, aber ehe ich diese auch nur erreicht hatte, hat es auch schon geknallt.

      Hatte von Euch jemand schon einmal eine ähnliche Situation? Wie ist das ganze ausgegangen. Muss ich jetzt davon ausgehen, dass ich auf der Teilschuld sitzenbleibe? Ich kann ja nichts wirklich beweisen, der Unfallgegner hatte zumindest noch einen Beifahrer, ich war aber alleine im Auto. Zeugen sind keine bekannt.

      Ach ja, und wo kann ich mich über den Polizeibeamten beschweren, der mir sozusagen die Hilfe verwehrt hat?

      Liebe Grüße!

              • Hallo,

                einen ähnlichen Unfall hatte mal mein Mann.

                Er hat in einem Waldstück einen Traktor überholt. Dieser wollte dann auch, als mein Mann auf Höhe des Vorderreifens war, abbiegen und ist meinem Mann rein gefahren.

                Die Polizei hat den Treckerfahrer dann zwar als Unfallverursacher aufgenommen. Allerdings wurde meinem Mann eine Teilschuld (durch die Versicherung) zugesprochen, da der Traktorfahrer angeblich geblinkt hätte.

                Ist dies vielleicht bei euch auch der Fall?

                Gruß
                brokkoli

                • zweispurige fahrbahnen befahren und jemanden ueberholen sind verschiedene sachen.....

                  Naja, hier hatte die Straße ja 2 Spuren in die gleiche Richtung, und selbst wenn der Unfallgegner rechtzeitig geblinkt hätte (er hat nahezu gleichzeitig den Blinker gesetzt und nach links rüber gelenkt), hätte er sich zunächst absichern müssen, ob die linke Spur frei war. Das ist schon etwas ähnlich wie auf der Autobahn, da kann man ja auch nicht einfach die Spur wechseln, Blinker hin oder her!

                  LG

        "Nun bekam ich am Freitag ein Schreiben von meinem Rechtsanwalt, dass die gegnerische Versicherung von einer 25%igen Teilschuld meinerseits ausgeht, der Unfall wäre nicht unabwendbar gewesen."

        Wo steht, dass der Anwalt die Auffassung der gegnerischen Versicherung teilt? Er hat sie lediglich von dem Schreiben der anderen Versicherung in Kenntnis gesetzt. Nicht mehr und nicht weniger.

    Die Grundlagen wurden Dir ja schon korrekt mitgeteilt.

    Hier wäre problematisch, wenn der Gegner seinen Spurwechsel bestreiten würde.

    Wenn der Spurwechsel ber eingeräumt wird, kann sich die Versicherung nicht lapidar darauf berufen, dass der Unfall nicht unabwendbar war.

    Zunächst mal gehe ich im Gegenteil davon aus, dass der Unfall für Dich unabwendbar war.

    Selbst wenn dieser Nachweis aber nicht gelingt (die Anforderungen sind recht hoch, dass heißt Du müsstest nachweisen, dass auch ein "Idealfahrer" den Unfall nicht hätte verhindern können), könnte man allenfalls die Betriebsgefahr ansetzen.

    Da wäe man im Bereich der 20-25 % Mithaftung (auch ohne jedes Verschulden).

    Im vorliegenden Fall tritt diese aber aufgrund des doch recht groben Fahrfehlers des Anderen komplett zurück.

    Fazit:

    Ob der Nachweis der Unabwendbarkeit nun gelingt oder nicht, sehe ich hier keine Haftung von Dir. Auch der Einwand der Betriebsgefahr sollte komplett zurückgewiesen werden.

    Ehrlich gesagt wundert mich der einwand der versicherung, wenn ein Rechtsanwalt eingeschaltet ist. Bei einem "Normalbürger" kann ich den Versuch der versicherung noch nachvollziehen.

    Sollte der Spurwechsel allerdings streitig sein verkompliziert sich das Ganze dramatisch.

    Ich verstehe den Sachverhalt aber so, dass der Gegner einräumte die Spur gewechselt zu haben, weil er einen Parkplatz gesehen hat und sie übersah.

    Dann brennt da auch nichts an. Die Versicherung wird zahlen müssen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass sie es auf einen Rechtsstreit ankommen lassen wird, den Du dann aber auch nicht scheuen solltest.

    • Hallo!

      Vielen Dank für Deine Antwort!

      Der Unfallgegner hat den Spurwechsel eingeräumt da lag nicht das Problem. Es ist die Versicherung, die jetzt Probleme macht. Und vermutlich hat der Unfallgegner den Unfall etwas anders dargestellt, als er sich aus meiner Sicht ereignet hat. Aber da er mich gar nicht gesehen hat, kann er den Unfall ja auch gar nicht so genau schildern wie ich. Aber so wie mir meine Versicherung mitgeteilt hat, hat er angegeben, ich wäre ihm reingefahren, als er dabei war, die Spur zu wechseln. Tatsächlich ist er mir reingefahren, was im Grunde auch der Schaden belegt. Außerdem hätten die Autos dann anders stehen müssen, als sie es taten.
      Naja, ich werde am Mittwoch mal mit meinem Anwalt telefonieren, bis dahin ist der dann wieder da.

      Liebe Grüße!

Ist das ein Fachanwalt für Verkehrsrecht?

Dafür wird der doch bezahlt, dass er dieser Ansicht wiederspricht! und gegebenenfalls bei Aussicht auf Erfolg das gerichtlich durchsetzt.

Gruß

Manavgat

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