Rückblick zum Überspringen einer Klasse

    • (1) 22.11.12 - 11:46

      Hallo alle zusammen,

      ich bräuchte von einigen von Euch Erfahrungen, ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter.

      Mein Sohn ist sieben und ist jetzt in der zweiten Klasse. Vor ungefähr einem Jahr wurden wir von der Lehrerin in einem Gespräch darüber in Kenntnis gesetzt, dass er von seinem Wissensstand ziemlich weit ist und es die Möglichkeit des Überspringen gibt.

      Da wir in Rheinland Pfalz leben, gibt es noch die Möglichkeiten der sogenannten Entdeckerschulen, wo die Kinder einen Tag in der Woche hin gehen und eben spezielle Projekte durchführen. Unser Sohn wurde dort nicht angenommen, da die Teilnehmerzahl unseres Einzugsgebietes bereits ausgeschöpft wurde.

      Jetzt wurde seit den Sommerferien unser Sohn (ohne sein Wissen) mit Aufgaben von der dritten Klasse gefüttert (in allen Fächern), um zu schauen, wie das läuft. Gestern hatten wir das Gespräch mit der Lehrerin, die nochmals betont hat, dass er fachlich auf jeden Fall in die dritte Klasse gehört.

      Ich bin ziemlich überfordert, muss ich ehrlich sagen.

      Gibt es hier User mit Erfahrungen, die vielleicht schon etwas her sind, die ihre Kinder haben springen lassen?
      Wie lief es mit der neuen Klassengemeinschaft? Wie lief das mit dem Altersunterschied zu den Klassenkameraden? Wie verlief später die Pubertät????

      Habt ihr große Schwierigkeiten damit gehabt und würdet ihr diese Entscheidung nochmal so treffen ???????????

      Vielen Dank schon mal im Voraus für Eure Rückmeldungen... ich bin sehr gespannt :o)

      Liebe Grüße
      Julia

      • Hallo!

        Bei meiner Schwester war ein Junge in der Klasse, der zunächst eine und dann noch eine zweite Klasse übersprungen hat. Das größte Problem hier war, dass der Kleine zwar intellektuell so weit war, vom Sozialverhalten war er aber eben noch auf dem Stand seiner Altersgenossen oder sogar drunter. Er war dann in der 4. Klasse und hat sich verhalten wie ein Kindergartenkind. Dadurch hat er natürlich in der Klasse keinen Anschluss gefunden. Er ist dann nach der 4. Klasse auf eine Schule für hochbegabte Kinder gegangen, was dann aus ihm wurde, weiß ich nicht.
        Und meine Cousine hat auf dem Gymnasium eine Klasse (ich weiß nicht, ob es die 10 oder die 11 war) übersprungen, die hat jetzt Abi gemacht und ist super klargekommen (und hat außerdem dem Doppeljahrgang durch G8 umgangen), aber das ist ja auch eine andere Situation.

        Liebe Grüße!

        ich glaub ja immer das man mvon den Erfahrungen die andere Kinder auf anderen SChulen mit anderen Lehrern.... gemacht haben nur schwer auf die individuelle Situation schließen kann.

        Bei euch würde ich sagen:
        - scheinbar stehen die Lehrer dahinter
        - scheinbar ist das System offen dafür

        - was wünscht sich dein Sohn
        - könnte er testen?
        - wie meinst du, wird dein Sohn damit zurechtkomman
        - was sagt dein Bauchgefühl?

        Danach würde ich entscheiden

        Hallo!

        Unsere Große ist zwar noch nicht in der Schule, jedoch könnte sich für uns eine ähnliche Problematik ergeben.
        Sie wird in 3 Wochen 5 Jahre alt und hat vom Bildungs-/Wissenstand bereits jetzt die Schulreife. Ebenso ist sie sprachlich auf dem Niveau eines 7-8 - jährigen Schulkindes. Auch der Kinderarzt hat inzwischen ein Auge drauf und meint, dass wir - sollte sich nicht noch gravierend etwas ändern - in c.a. 2 Jahren testen lassen sollten.
        Sie ist nächstes Jahr ein sog. "Kann - Kind" und hätte damit eingeschult werden können. Sie wäre dann 5 Jahre und 8 Monate bei der Einschulung.
        Mein Mann und ich haben uns intensiv damit beschäftigt und uns klar dagegen entschieden.
        Wir finden das vom Alter her einfach zu jung. Ihre emotionale Reife entspricht einfach nicht dem Rest ihrer Entwicklung. Da ist sie ein ganz normales Kindergartenkind.
        Sollten wir feststellen, dass sie unterfordert ist, werden wir sie vielleicht ein Instrument lernen lassen, wenn sie daran Interesse hat oder uns nach anderen - außerschulischen - Förderungen umsehen.

        Meine Frage an Dich wäre:
        Wie geht es Deinem Sohn aktuell? Fühlt er sich in der Klassengemeinschaft wohl? Hat er noch Spaß an der Schule und am Lernen? Macht er mit? Stört er, ist unruhig, frustriert, albern...?
        Wenn soweit alles ok ist, würde ich ganz klar darauf verzichten ihn eine Klasse überspringen zu lassen und ihn statt dessen auf nicht schulischen Gebieten fördern - quasi als Ausgleich.
        Des Weiteren würde ich deutlich machen, dass der Junge nicht mit Aufgaben höherer Klassenstufen gefüttert werden sollte. Vielleicht mal ab und zu - so als kleine Herausforderung oder Bonusaufgabe.

        Spiel das Spiel doch mal weiter. Er kommt dann jetzt in die dritte Klasse. Schön. Damit wäre in 1,5 Jahren der Schulwechsel fällig.
        Wie alt ist er dann? Allerhöchstens gerade mal 9.

        Nein, ich würde Euch - solange es Eurem Sohn gut geht und es gut läuft - ganz entschieden davon abraten. Setzt Euch da durch!
        Sollte es Probleme geben würde ich generell einen Schulwechsel anraten - sofern es bei Euch in der Gegend spezielle Schulen/Klassen für besonders begabte Kinder gibt und ihn nicht einfach im gleichen, nicht spezialisierten Umfeld springen lassen.

        Ich wünsche Euch viel Glück und ein Händchen für die richtige Entscheidung. Ich habe ebenfalls etwas Magenschmerzen, wenn ich an die Einschulung denke. Meine Tochter macht absolut keine Anstalten in ihrer Entwicklung mal einen Stopp einzulegen.
        Das zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben.
        Sie hat mit 16 Monaten bereits die Farben unterschieden, Zwei - Wort Sätze gesprochen, wirklich schwierige Wörter korrekt ausgesprochen...
        Mit zwei Jahren war sie auf dem Sprachstand eines guten Kindergartenkindes. Ihr Wissensstand hat sich parallel dazu entwickelt. Sie ist so wahnsinnig interessiert, auch an schwierigen, komplexen Themen, dass ich kaum hinterher komme.
        Unvergessen über unsere Diskussion "Evolutionslehre gegen Adam und Eva". #schwitz

        Andererseits jedoch ist das dasselbe Kind, welches bei einem Kindergartenausflug seinen Schuh verliert und kein Wort sagt, weil es ihr nicht aufgefallen ist. (Im Herbstlaub, bei 4°C #augen)
        Das sich stundenlang mit Wissensbüchern befassen, bereits sicher bis 100 zählen, kleine Aufgaben rechnen, und ein wenig schreiben und lesen kann - jedoch völlig die Fassung verliert, wenn es ihr nicht auf Anhieb gelingt ihre Strumpfhose anzuziehen - was sie bis heute nicht richtig kann.
        Das nicht in der Lage ist ein in den Kindergarten mitgebrachtes Spielzeug wieder mit nach Hause zu bringen.
        Dessen Frustrationsgrenze hinter der ihrer knapp 16 Monate alten Schwester liegt (die sich übrigens völlig normal entwickelt).
        Motorisch ist sie hinter ihrem Alter zurück - manchmal hab ich das Gefühl, dass dies im kompletten Gegensatz zu ihrer geistigen Entwicklung steht.

        Nein, dieses Kind gehört gefördert aber noch nicht in das Umfeld "Schule".

        Und ich habe beim Lesen Deines Beitrages irgendwie das Gefühl, dass es für Euren Sohn auch ein falscher Schritt wäre.

        Alles Gute!

      • Meine Entscheidung würde ich sicherlich nicht nur allein vom Wort der Lehrerin und das Ergebnis von ein paar Aufgaben abhängig machen.

        Hast du schon mit den Fachlehrern Gespräche geführt und eventuell den (Schul)Psychologen oder anderen adäquaten Ansprechpartner konsultiert?

        Solch eine Entscheidung sollte gut überlegt sein; gerade im Hinblick auf die soziale Kompetenz.

        Hallo,

        ich kann dir zwar nicht von meinem Kind berichten, da ich keins habe ;-) aber dafür von mir selbst.

        Ich wohne auch in RLP und habe die 9. Klasse auf dem Gymnasium übersprungen (google mal "BeGyS-Klasse").

        Mir hat das wahnsinnig gut getan und ich war nach kurzer Zeit in der neuen Jahrgangsstufe trotzdem bei den Besten und habe dann auch als eine der Jahrgangsbesten das Abitur gemacht.

        Ich konnte schon als Grundschülerin mehr mit Kindern anfangen, die älter und reifer waren als meine Alterskameraden, insofern war die emotionale Seite gar kein Problem, im Gegenteil.
        Wie ist das denn bei deinem Sohn, hat er auch ältere Freunde?

        Nun war ich zu dem Zeitpunkt des Überspringens natürlich schon Jugendliche, das ist sicher mit einem Kind im Alter deines Sohnes nicht gleichzusetzen.

        Trotzdem glaube ich, dass ihr als Eltern auf die Empfehlungen der Lehrer hören solltet. Sie sehen euer Kind nochmal mit ganz anderen Augen als ihr selbst und können durch ihre Erfahrung meist sehr gut einschätzen, was man einem Kind zutrauen kann und was nicht.

        Vielleicht siehst du/seht ihr in eurem Jungen auch eher noch den "Kleinen", den ihr behüten wollt. Traut eurem Kind ruhig ein bisschen mehr zu! :-)

        Vom Stoff her müsst ihr euch sicher keine Gedanken machen, das kann er ja. Und was das Emotionale angeht, so glaube ich, dass er an der Situation in der neuen Jahrgangsstufe sicher wachsen kann. Bei mir war es jedenfalls so und ich möchte dieses "geschenkte" Jahr auf keinen Fall missen.

        Alles Gute für dich und deinen Sohn.

        Liebe Grüße!

        #winke

      • Hi,

        ich kann dir von meinem Bruder berichten der auf Grund seiner Hochbegabung auch Klassen übersprungen hat, mit dem Lehrstoff hatte er nie Probleme, hat sein Abi mit nem runden 1er Durchschnitt bestanden allerdings hatte er enorme Soziale Defizite. Er war der jüngste und kleinste in der Klasse und dazu noch die gesamte Schulzeit durch der Jahrgangsbeste... jetzt denken wir mal an unsere Schulzeit zurück#aha Jeder hatte wohl einen Sonderbaren Streber in der Klasse, nur wenn der dann auch noch 2-3 Jahre Jünger ist als alle anderen?? Was meinst du wie es meinem Bruder erging???

        Unsere Tochter sollte auch mit 5 in die Schule... mein Bruder bekam Hysterische Schnappatmung als er das hörte und sagt heute (mit 40) noch dass es die Schlimmste Entscheidung war die für ihn getroffen wurde. In einer Klasse mit Kindern seines Alters wäre er einfach nur ein guter Schüler gewesen, so war er ''der Besondere'' und bot die Ideale Angriffsfläche für Vorpubertäre Hirnis mit Testosteron Problemen :-P

        Bei unserer Tochter haben wir uns übrigens dagegen entschieden.

        LG

        Hi,

        meine Nachbarin sollte eine Klasse überspringen,weil sie zu gut war.
        Die Eltern haben sich aber dagegen entschieden....letztes Jahr hat sie mit Müh und Not den Übersprung aufs Gym geschafft und das erste Jahr dort nur mit viel Nachhilfe zu schaffen.

        Wenn er hochbegabt ist, fragt sich, wie das U feld damit umgeht, wie die Klassenstruktur ist und ob Dein Kind es sozial überhaupt schafft.
        Noten alleine ist in der Schule nicht das wichtigste!

        Lisa

        Huhu,

        mein Sohn ist gesprungen, allerdings von 1 nach 2.

        Mir wäre es lieber gewesen, dass er ohne Sprung durch die Schule kommt - aber bei uns gab es einen gewissen Leidensdruck:

        - er langweilte sich total und fing an rumzukaspern
        - fand keinen Anschluss in der Klasse, meinte, das wären doch alles Babys
        - wurde von den Klassenkameraden als Streber bezeichnet.

        Ich habe nach wie vor kein gutes Gefühl dabei, dass er mit 9 aufs Gym kommt und mit 17 Abi macht. Er ist zwar in seiner neuen Klasse bei den Jungs super integriert und fühlt sich da sehr wohl, aber die Mädchen, die teilweise bis zu zwei Jahre älter sind, leben schon in einer anderen Welt. Und ich denke, sie werden später in der Schule deutliche Reifevorteile haben. Man sieht das auch an so Dingen wie Organisation und Heftführung #schwitz.

        Fazit: Ich halte einen Sprung nur für sinnvoll, wenn er das kleinere Übel ist. Wenn dein Sohn sich wohlfühlt, würde ich nichts unternehmen. Je höher die Klasse, um so besser kann man durch Differenzierung auch leistungsstarke Schüler fördern - in der vierten ist das deutlich einfacher als in der ersten, ohne dem Schulstoff vorzugreifen, was die Langeweile dann nur verschiebt.

        LG Isa

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