Umgang mit garstiger Patientin?

    • (1) 23.12.12 - 12:40

      Hallo!

      Ich möchte Euch mal fragen, wie ihr an meiner Stelle reagieren würdet. Ich arbeite als ambulante Krankenschwester, mache also Hausbesuche um Patienten pflegerisch und medizinisch zu versorgen. Es sind natürlich fast immer die gleichen Menschen. Im großen und Ganzen habe ich sehr freundliche, meist ältere Menschen zu versorgen.
      Doch die eine Patientin (zum Glück muss ich nur Beine wickeln oder abwickeln)bereitet mir und allen anderen Kollegen Bauchschmerzen:
      Sie ist weder verwirrt, noch besonders alt (noch keine 60 Jahre) hat kein Alkoholproblem oder ähnliches. Sie ist einfach bosartig.
      Da wir ja keine Roboter oder Hellseher sind, können wir natürlich die Hausbesuche zwar auf etwa 5 min genau angeben, aber nicht auf die Sekunde. Die Verkehrslage ist unterschiedlich, das Wetter und die Patienten brauchen manchmal mehr oder weniger Zeit, je nach Zustand oder Notfälle.
      Diese Frau hat es sich zum Lebensinhalt gemacht, uns zu tyrannisieren. Es wird geschimpft, wenn wir 30 SEKUNDEN zu früh oder zu spät kommen. Es wird natürlich weder gegrüßt noch ein anderes freundliches Wort von ihr gewechselt. Sie wird extrem ausfallend, wenn wir zu spät kommen, wenn wir ihrer Meinung nach Dreck in die Wohnung bringen (obwohl wir uns schon Überschuhe anziehen und Handschuhe), sie wird ausfallend, wenn wir dem spontanen Wunsch nach einem Bad nicht umgehend nachkommen, weil wir gerade im Zeitdruck sind. Sie schimpft weil wir angeblich die Tür zu laut schließen.
      Sie versteckt ihre Thrombosestrümpfe, sagt nicht wo sie sind, und wenn wir sie suchen, schreit sie, das wir ihre Wohnung durchsuchen usw. Alle Nachbarn hassen sie bis aufs Blut. Unser Chef weiß Bescheid und wenn wir uns beschweren, winkt er nur ab und meint wir sollen sie halt nicht ernst nehmen. Sie hat schon sämtliche Pflegedienste unserer Stadt ausprobiert und kam dann nach bitten und betteln ihrerseits wieder in unsere Einrichtung.

      Ich habe es mit Diskussionen, Erklärungen, Freundlichkeit und Schweigen probiert. Nein, sie macht weiter. Sie ist absolut uneinsichtig und hat kein Verständnis für Staus oder Notfälle von anderen Patienten. Auch auf Fragen, ob sie Schmerzen hätte oder ein anderes Problem reagiert sie ausfallend und agressiv. Mit sämtlichen Angehörigen hat sie keinen Kontakt, Freundschaften auch keine. (kein Wunder).
      Wie würdet ihr mit ihr umgehen? Ich muss täglich da hin und bin schon nervös, wenn ich an diese Frau denke.
      Vom Chef kommt kaum Unterstützung. Er meint nur " Auch die Frau XXXX, sie ist halt böse".

      Hat jemand noch eine Idee oder Erfahrung?
      Danke adelaide

      • Hallo,

        schlimm, deine Situation. Am ehesten würde ich stets nach Schema F verfahren.
        Sag dir immer wieder: Sie meint nicht mich, sie meint nicht mich.....
        Denn das tut sie nicht. Hin fahren, im Rahmen deiner Möglichkeiten arbeiten, verabschieden und fahren.
        Stell sie dir als trotziges Kind vor, die können auch nicht aus ihrer Haut.

        Du hast mein vollstes Mitgefühl (ich arbeite in der Sozialpsychiatrie)

        Gruß,

        Simone

        Ich würde mich ggf. mal bei einem Fachanwalt für Arbeitsrecht erkundigen, welche Folgen es haben könnte, wenn ihr euch -geschlossen wohlgemerkt- weigert, diese Patientin weiterhin zu betreuen. Natürlich müssen sich da alle Mitarbeiter einig sein...sonst kannste das vergessen. Oder du fragst halt abweichend davon "nur für dich" nach...

        • Das muss der Chef machen, da er uns Weisungsbefugt ist. Das tut er natürlich nicht, weil er Patienten braucht, schließlich muss er uns ja von irgendwas bezahlen.
          Wenn ich das tun würde, wäre das meine sichere Kündigung. Meine Kollegen sind auf den Job angewiesen, deshalb würden sie das nie tun.
          Trotzdem Danke für die Antwort.

          • Er kann dir deswegen nicht kündigen. Weise ihn auf seine Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern hin.

            Gruß

            Manavgat

            • Sowas läuft auf Arbeitsverweigerung hinaus und ist damit sehr wohl ein Kündigungsgrund. Im Pflegesektor muss man sich leider sehr viel gefallen lassen ohne etwas dagegen tun zu können. Eine Bekannte ist Heilerziehungpflegerin und muss auch mit teilweise sehr aggressiven Bewohnern (Behindertenheim) umgehen. Solange keine körperliche Gefahr von einem Patienten ausgeht, kann man da nichts machen.

              Im Fall der Texterin hat nur der Leiter des Pflegedienstes die Möglichkeit dieser "Kundin" zu kündigen.

      Hallo,

      ich finde, das ihr euch das nicht bieten lassen müsst. Ich arbeite auch mit Patienten und machen Hausbesuche (bin Logopädin).
      Würde mir ein Patient so dermaßen unmöglich kommen, würde ich das ablehnen. Ganz einfach.

      Ihr möchtet eure Arbeit auch unter vernünftigen Voraussetzungen machen können, das ist doch schon Psychoterror, was da passiert.

      Dann soll sie doch zusehen, wie sie klar kommt. Wenn immer wieder jemand kommt und ihr Theater mitmacht, wird sie sich auch nie ändern.

      Sie benötigt eure Hilfe und benimmt sich so unmöglich? Niemals würde ich das mitmachen, ich bin da sehr rigoros.

    Hallo,

    hast du mal probiert, ihr die Meinung zu sagen? Z.b. dass sie sich jetzt entweder vernünftig benehmen kann und dir z.B. sagt, wo die strümpfe sind, oder du auf der Stelle gehen wirst. (Natürlich nur, wenn du dich vorher nacht den rechltichen Konsequenzen erkundigt hast oder unter Zeugen, damit man dir keine unterlassene Hilfeleistung nachsagt). Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit den meisten Leuten dann vernünftig reden kann, wenn man sie verbal in ihre Schranken verweist und ihnen ganz klar zeigt, dass man SO nicht mit sich umspringen lässt.
    Außerdem sollte dein Chef ganz klar Haltung zeigen udn sich positionieren, indem auch er ihr deutlich zu verstehen gibt, dass sie zwar Kundin ist, aber nicht um jeden Preis. DAS würde ich von ihm auch einfordern bzw. gemeinsam mit allen Kollegen von ihm einfordern.

    vg, m.

    Hallo

    Ich würde es mal mit wohlformulierter Klarheit und deutlichen Worten probieren- mehr als wieder schimpfen kann sie ja nicht.
    Ich würde sagen: Frau xy es ist nicht schön, wie sie mit mir umgehen. Ich tue was ich kann und bemühe mich sie gut zu versorgen. Sie sind oft garstig zu mir das elastet mich. Bitte versuchen sie freundlicher zu sein, dann geht es uns beiden besser.

    Manchmal hilft auch gegenschießen. Wenn sie mal wieder ausfällig wird zu sagen: Es reicht! Sie haben heute leider sehr schlechte Laune. Das tut mir leid für sie, aber ich kann nichts dafür. Bitte versuchen sie sich zurückzuhalten, damit ich sie jetzt in Ruhe und guter Atmolsphäre versorgen kann!

    Wenn das auch nichts bringt: Augen und Ohren zu und durch oder geschlossen beim Chef auftreten und die weitere Pflege ablehnen.

    Aber vielleicht braucht sie einfach mal eine Grenze und Klarheit- oft werden dann solche Leute fast handzahm (oder flippen ganz aus- das will ich nicht verschweigen- aber so wie Du es beschreibst ist es eh ziemlich schlimm...)

    LG

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