Erweiterter Suizid - Arbeitskollege aus meiner Klinik tötet Kind (5) und sich selbst

    • (1) 19.02.13 - 21:53

      Hallo zusammen,

      vielleicht ist es bei Euch auch schon in den Medien gewesen. Unweit unseres Wohnorts hat sich am Sonntag eine Familientragödie ereignet. Ich bin total sprachlos.

      Vom erweiterten Suizid hat man schon öfter mal gehört, nun passierte es unweit von uns - und, wie ich heute erfuhr, handelte es sich um einen Kollegen (Anästhesiepfleger) aus der Klinik, in der ich arbeite.Es gab heute eine Andacht in der Klinikeigenen Kirche, in der dem Kollegen und dem Kind gedacht wurde.
      Ich weiß garnicht, was ich mit diesem Post möchte, bin einfach nur sprachlos, und frage mich noch und nöcher, wie verzweifelt man sein muss, um so etwas zu begehen...
      Die Ehefrau hat sich vor ein paar Tagen von ihm getrennt und nun beendet er das Leben seines Sohnes und sein eigenes...Warum das Kind?? Welch Ängste es gehabt haben muss, eine vertraute Person, und dann der Tod :-( Was geht in solchen Menschen vor?

      Gruß Melle

    Dazu müsste man aber tatsächlich mehr über die Hintergründe wissen.

    Man müsste wissen ob der Vater zurechnungsfähig war? Bringt sich jemand um der klar bei Verstand ist, weil er verlassen wird?

    Ferner die konkreten Motive (um im Falle der Zurechnungsfähigkeit gegebenfalls Mord und Totschlag trennen zu können).

    Mord kann vorliegen muss es aber nicht.

    Und wem jetzt auf dem Finger liegt zu fragen warum ich hier die Tat rechtfertige, soll mir die Stelle zeigen. Das mache ich mitnichten.

    • Das ist die Sicht aus der rein rechtlichen Perspektive. Ich glaube kaum einer wird da jemandem unterstellen, die Tat gerechtfertigt zu haben. Schlimm genug, dass so etwas passiert, ob nun Mord oder Totschlag... Was geht in so einem Menschen vor? Es ist doch so sinnlos in meinen Augen :-(

      • "Was geht in so einem Menschen vor? Es ist doch so sinnlos in meinen Augen"

        Da stimme ich voll mit überein.

        Eben, in deinen Augen ist es sinnlos. In den Augen des Täters aber nicht. Die Tat kann aus Hass geschehen, sehr oft ist es aber der Versuch, das Kind vor einer in seinen Augen schlimmen Zukunft zu bewahren. Oder er liebt das Kind so abgöttisch, dass er es in den Tod mitnehmen möchte. Etc.

        Und nein, das soll keine Rechtfertigung sein. Aber es sollte klar sein, dass das Wissen über die Umstände und die Ursachen auch helfen, solche Taten zu verhindern.

        Denn mit Jammern allein ist keinem geholfen.

        • Wenn aber nach außen und auch (möglicherweise) innerhalb der weiteren Familie heile Welt gespielt wird, alles unauffällig war, wie kann man denn solche Taten verhindern?

          Wir hatten vor 3 Jahren hier ebenfalls den Fall, dass ein Vater seine "noch"- Ehefrau im Wagen mit dem Gurt würgte, das Kind entriss und mit ihm auf einer Landstrecke in den Gegenverkehr fuhr. Resultat: Kind und er überlebten schwer verletzt, der Busfahrer (er raste in einen besetzten Bus) starb sofort, der Mensch, der hinter dem Busfahrer saß, verlor sein Bein. Etliche Verletzte. Letztlich erhängte sich der Vater kurze zeit später, nachdem er inhaftiert wurde.

          Irgendwas werden sich die Täter dabei ja denken... Was auch immer das sein mag, es ist für mich eine verkehrte Welt. Wenn ich mit etwas nicht klar komme, steht es mir frei, meinem Leben ein Ende zu setzen. Aber doch nicht jemandem anderes? Das Kind, der Partner oder sonst wer, deren Leben und die Entscheidung über Leben und Tod kann doch nicht ich bestimmen, weil ich anderer Meinung bin.

          Ich tue mich wirklich schwer, die Gedankengänge nachzuvollziehen. Und jammern wollte ich hier auch nicht, es macht mich nur sprachlos und traurig, DASS so etwas passiert.

          Und ob nun aus rechtlicher Sicht im Nachhinein von Mord oder Totschlag gesprochen wird, macht in diesem Fall keinen mehr lebendig. Reine Aktensache...

Top Diskussionen anzeigen