Armut und Schmutzigkeit - Ein kausaler Zusammenhang?

Schmutzigkeit und Verwahrlosung sind hauptsächlich in armen Familien anzutreffen

Anmelden und Abstimmen
    • (1) 26.03.13 - 18:21

      Hallo ihr alle,

      mir scheint es so, als wäre Schmutzigkeit, d.h. Verwahrlosung der Wohnung (oder sogar des Umfeldes) überproportional häufig in armen Familen der Fall, sei es in sog. Hartz-IV-Familien, oder in Roma-Ghettos in Duisburg (oder auch in Rumänien bzw. Bulgarien), in dörflichen Gegenden in Marokko, der Türkei oder in Slums in Indien oder Wellblechhütten in Afrika. Oder in brasilianischen Favellas. Man könnte unendlich weiter machen... in Aboriginees-Gegenden in Australien usw., eben überall dort, wo Armut herrscht.

      Wenn ich mich selbst anschaue, dann bin ich sicher nicht Krösus, aber arm bin ich auch nicht. Hier in meiner Wohnung und in meinem gesamten Statteil ist es hingegen sehr sauber und aufgeräumt.
      Einerseits sage ich mir, Sauberkeit kostet doch kein Geld, es müsste also jedem menschen möglich sein, Sauberkeit und Ordnung zu halten, des weiteren haben doch gerade Menschen ohne einen Beruf genug Zeit für die Hausarbeit, warum ist es dann nciht überall sauber?

      Andererseits sehe ich aber auch Berichte von armen Stadtteilen in Deutschland, da stapelt sich der Sperrmüll auf den Straßen und in den Wohnungen siehts auch ziemlich widerlich asozial aus. Ganz zu schweigen von den seit neuestem immer berichteten Wohnsiedlungen der Roma in Osteuropa und seit der Osterweiterung auch hier: Überall wo die Roma hinkommen, entstehen Müllberge..
      Aber ich will das nicht nur den Roma zuschreiben, überall auf der Welt, wo Armut herrscht, findet man diese Hygienelosigkeit. Woher kommt das????

      • Hier ein Beleg für meine Behauptung:http://www.youtube.com/watch?v=L3Nfox2gdPA

        Ich kann das jetzt nicht so ganz nachvollziehen. Das sind verschiedene Punkte und Problematiken, die du durcheinander wirfst!

        Früher waren viele Leute arm. Aber das heißt nicht, dass die Leute schmutzig waren.

        Natürlich gibt es in Deutschland Stadtteile, in denen sehr viele Menschen aus niedrigen sozialen Schichten leben. Ich kenne persönlich niemanden, der in so einem Viertel wohnt. Woher nimmst du also deine Kenntnisse? Aus den nachmittäglichen Sendungen der Privatsender?!

        Es gibt auch alte Leute, die sehr wenig Rente beziehen! Ich kenne keine alte Dame, die wenig Rente bezieht und bei der es schmutzig ist.

        Dass Einwanderer in Deutschland Großstädten in irgendwelche runtergekommenen Bruchbuden gesteckt werden, ist doch ein völlig anderes Thema. Das sind ganz schlimme Zustände.

        Und woher nimmst du dein Wissen über die Hygiene und Sauberkeit der ganzen Bevölkerungsgruppen? Hast du all diese Länber bereist? Ich kann es mir kaum vorstellen.

        In anderen Ländern, vor allem in Ländern der sog. Dritten Welt werden wohl andere Maßstäbe an den Tag gelegt als in Europa.

        Ich kann dein Posting irgendwie nicht nachvollziehen. Vor allem nicht, was du dir an Antworten erwartest.

        Niemand hier wird wohl schon mal in einem Slum gelebt haben oder in 100 Wohnungen in Berlin-Marzahn geschaut haben...

        • Mein Wissen über die hygienenischen Zuständen habe ich selbstverständlich aus den Medien, wie z.B. meinem verlinkten Link (hihi Wortspiel).

          Und was heißt "europäische Maßstäbe"... Sauberkeit ist ja nun wirklich keine europäische Errungenschaft, oder würdest du behaupten überall außerhalb Europas wäre es grundsätzlich dreckiger?

      ###Ja, also echt, ein selten dämlicher Beitrag... ###

      Das war eine deiner Antworten ein paar Treads weiter unten ;-)

      Hi,

      definiere mal "schmutzig". Ich habe einen Hochschulabschluss und arbeite Vollzeit - nebenher habe ich drei Kinder. Bei mir gilt immer folgende Reihenfolge:

      1) Belange Kinder
      2) Belange Arbeit
      => ab und an - leider Gottes, verschieben sich 1 und 2

      3) gesundes Essen und warme Mahlzeiten
      4) Sauberkeit

      Es ist durchaus so, dass an manchen Tagen meine Wohnung deinen Standards nicht entsprechen würde - und weißt du was - es ist mir herzlich egal! Meine Kinder werden sich später daran erinnern, ob man für sie da war, ob sie materiell versorgt waren - die Staubgespenster werde ich dann regelmäßig bekämpfen, wenn ich weitere Zeitfenster zur Verfügung habe.

      GLG
      Miss Mary

      • liebste mary,

        es geht ja hier nicht um klinische Reinheit, sondern um Vermüllungszustände, Haushalte in denen sich das schmutzige Geschirr über Tage oder Wochen stapelt, der Boden vor Dreck klebt etc.

        • Und du meinst in einer Hütte bei den Abariginis sieht es so aus?

          Die Frage ist, ob es so viele Leute gibt, die so leben oder ob RTL sie langsam nicht alle gefunden hat. #schein

          Reiche Leute können, wenn sie unordentlich sind, einfach auf andere Ressourcen zurückgreifen (Putzfrau, etc.). Außerdem kann man das pauschal nicht sagen - es zieht sich sicher durch alle Schichten durch.

          Dann ist auch die Frage, ob die eigenen Standards immer auf alle übertragen werden sollen. Mein Mann hatte zwei Onkels, die unverheiratet auf einem Minibauernhof lebten - es war ein völlig anderes Leben. Sauber nach westlichem Standard war es nicht, sie waren glücklich und starben mit 97 und 99 Jahren :D. Ob die jemals ihren Boden gewischt haben, weiß ich nicht. Hättest du ihnen nun einmal in der Woche den Kammerjäger geschickt? Ihre eigene Lebenswirklichkeit und -freude wurde von ihrer Wohnumgebung nicht beeinflusst.

          Sie waren auch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und nicht depressiv oder so.

          GLG
          Miss Mary

          • Hallo Miss Mary,

            also nachdem jetzt auch die letzte Talkshow im Privatfernsehen "Britt der Talk um 1" eingestellt wird, nehme ich an, dass "RTL" und Co KG. sie nun doch alle gefunden haben, der letzte Vaterschaftstest gemacht wurde...#rofl

            Ich wollte mit meiner ursprünglichen Frage auch nicht bezweifeln, dass es auch unsaubere Reiche gibt, ich wollte eher bestätigt bzw. widerlegt sehen, dass Schmutzigkeit in Armen Haushalten exorbitant höher ist bzw. symptomatisch ist.

            ZUr Frage der eigenen Maßstäbe: Ja, die sollte man in diesem Fall doch übertragen dürfen. Ich meine, wenn man in ein Krankenhaus geht, dann erwartet man schließlich auch, dass es dort sauber ist, oder beispielsweise wenn man in einem Hotel wohnt, also zum Urlaub machen, dann kann der Hotelbetreiber auch nciht sagen "wir haben hier UNSEREN Standart, finde dich damit ab".
            Jetzt ist natürlich jedem seine Wohnung seine Privatsache, aber mangelnde Hygiene ist einfach ekelhaft.

      Dem schließe ich mich in allen Punkten an.

      Ich habe zwar nur 2 Kinder und bin als Doktorandin nicht im strengen Sinne erwerbstätig, aber der Haushalt kommt bei mir auch an letzter Stelle. Ich bin nicht besonders reich, auf keinen Fall bildungsfern, aber in meiner Wohnung sieht es manchmal wüst aus.

      Meine Prioritäten sind wie Deine.

      Beste Grüße!

      Stimmt und es gibt nichts schöneres als wenn man nach dem Saugen sieht das der graue Teppiche ja doch ein Muster verbirgt #rofl

      Und ganz sicher erinnern sich deine Kinder daran, meine sind schon groß und sie wissen noch das ich immer Zeit für sie hatte.

      Wenn ich an meine Kindheit zurück denke, dann sehe ich mich mit meinen Großeltern spielen ,etwas unternehmen, Einkaufen und wieder spielen
      Meine Eltern und uns Kinder sehe ich nur in Restauants und oder mal spazieren gehen.Ansonsten sehe ich meine Mutter in Kittelschürze auf Knien wie sie genervt putzt. Später waren wir ja die Haussklaven.;-)

      VG 280869

Hallo,

Ich denke es liegt daran, das Menschen die keine Perspektive mehr sehen, immer jeden Cent dreimal umdrehen müssen und das über Jahre hinweg, irgendwann den Lebensmut und Kraft verlieren.
Dann verwahrlosen diese Menschen und mit ihnen die Wohnung.

Aber es gibt natürlich auch Leute, die gut situiert sind und den Überblick verlieren und unsauber sind, meistens hat das aber einen Grund, Krankheit, Krankheit der Eltern/Kinder, Überforderung.

Deshalb würde ich niemals urteilen, hinter jedem Schicksal steckt meist eine lange Geschichte.

Ich vermute,das ist eine Abwärtsspirale Richtung Lethargie und Depression.
Zu wenig Geld-nicht unter Leute kommen weil viele Aktivitäten was kosten-zu Hause bleiben-versumpfen-Verlust sozialer Kontakte-Verlust von Motivation etwas für sich zu tun...und irgendwann kriegt man vielleicht nicht mal mehr den Hintern zum staubsaugen hoch,weil einem eh alles egal oder einfach zuviel ist.
Das beziehe ich auf Hartz4 Familien.
Zu deinen anderen Beispielen kann ich nichts sagen.

lg

Meinst du mit armen Gegenden in Ländern dieser Erde ernsthaft Farvelas und Slums?

Denk mal drüber nach.

Dort gibt es in der Regel weder Strom, noch fliessend Wasser, geschweige denn eine richtige Abwasserwirtschaft. Wellblechhütten, die auf Lehmboden gebaut sind, sehen na klar anders aus als eine Altbauwohnung in Hamburg. Besonders, wenn es regnet. #aha

Dann der Müll. Wenn dieser nicht abgeholt wird, liegt er herum, ja, das ist so. In Afrika, in Südamerika, in Indien etc.

Nun zu den Hartz4-Empfängern, den Roma-Häusern (als Beispiel im Pott), den Messies und Verwahrlosten hier in Deutschland.

zu 1.: Ich arbeite mit der ZIelgruppe (okay, ich arbeite mit all deinen genannten Zielgruppen:-)) und kann sagen, nicht allein der Bezug von Leistungen macht einen Menschen dreckig. Da geht es vielmehr u das, was dem Menschen seit jeher vermittelt wird, Werte und Normen. Dann geht es na klar auch um Überforderung. Eine alte und kranke, noch dazu arme Frau, die von der Grundsicherung lebt und langsam wirr im Kopf wird, erkennt einfach nicht mehr, dass sie ihren Müll herausbringen muss und ihr Geschirr spülen sollte. Bis diese Frau in ihrer Not entdeckt wird, lebt sie im Dreck, der stetig wächst.
Die Mutter mit den 5 Kindern und ALGII-Bezug, die bereits mit 15 das erste Kind hatte und nun mit 24 keine Zähne mehr im Mund, aber dafür eben diese 5 Kinder um sich herum, die hat ebenfalls mit einer Überforderung zu kämpfen. Sie kann ihrem eigenen Bild einer guten Mutter vielleicht nicht gerecht werden, weil sie einfach viel zu früh Mutter wurde. Sie hat nie gelernt, eine Sache nach der anderen zu machen, sondern lebt in den Tag hinein und weiss nicht, wo anfangen.
In solche Haushalte gehe ich immer wieder. Schön ist das nicht. Aber es gibt ebenso andere Haushalte, in denen alles so ordentlich und sauber ist, wie es denn sein kann, wenn man unter ärmlichen Umständen lebt. Eine kaputte Spüle mit abgeblätterten und aufgeweichten Laminatkanten sieht eben nicht so toll aus wie die Schreinerküche von der Akademikerfamilie.
Aber ich erkenne, es bedarf weiterer Faktoren ausser der Armut, um den Menschen verdrecken und vermüllen zu lassen.

Aber nun.

Roma in Deutschland. Die meisten fallen dir nicht auf, glaub mir das. Sinti und Roma leben schon immer hier in Deutschland. Manchmal erkennst du sie am Nachnamen, manchmal an der letzten in der Familie noch lebenden Oma mit der eintätowierten Nummer auf dem Unterarm. Viele viele Sinti und Roma sind von einem nicht-Sinti- und Roma nur zu unterscheiden, wenn man sich ein wenig auskennt. Ihre Wohnungen sehen aus wie andere Wohnungen, der Müll wird abgeholt und alles ist so, wie es sein sollte.

Dann sind da die Roma aus Osteuropa. Weisst du, wie die überwiegend herkommen? Sie bezahlen einen Menschen hier in Deutschland dafür, dass er alles regelt. Das kostet sie ein Vermögen. Dieser Mensch gibt ihnen eine Matratze in einem Zimmer in einer Wohnung, die in einem Abbruchhaus liegt, welches in einem sozialen Brennpunkt liegt. Der Futzi da, der sagt dem Roma, er müsse ihn bezahlen, um bei der Stadt gemeldet zu werden, er müsse dafür zahlen, dass der Müllwagen kommt, dafür, dass die Kinder in die Schule dürfen.
Roma aus Osteuropa kommen in erster Linie hier her, um ein besseres Leben zu haben als das in den Slums in Ungarn, Rumänien, Bulgarien. Sie kommen aber vom Regen in die Traufe, denn sie werden schamlos ausgenommen, verarscht und dann noch vom Rest der Bevölkerung verachtet, weil man plötzlich wieder um die blonden Kinder fürchtet (sieh das in einem eher übertragenen Sinn, bitte).
Sie wollten arbeiten, haben aber dort nie etwas gelernt, weil es ihnen verwehrt wurde, zu lernen. Nun wollen sie hier als Arbeiter Geld verdienen, um ein besseres Leben zu haben und hausen in beschissenen Löchern, in denen kaum etwas funktioniert und sehen zu, wie draussen der Porsche Cayenne vom Vermieter vorfährt.

Das klingt Klischee, ist es aber nicht. Das ist Realität.
Erkläre mir nun, wie da Ordnung und Sauberkeit herrschen soll, wo von aussen nur das Chaos aufgedrängt wird?

Und sag jetzt nicht, dann sollen die alle daheim bleiben. Da ist es für sie noch schlimmer.

Ich habe so das Gefühl, hier im Forum wird immer wieder ganz subtil (oder auch mit dem Holzhammer) in Richtung Sinti- und Romafeindlichkeit gelenkt.

Du kannst na klar sagen, dass du das so nicht gemeint hast.

Ich sehe es dennoch.

L G

White, die grad in einer etwas chaotischen Küche einer für ihren Abschluss relativ gut verdienenden Akademikerin sitzt (das bin ich). Aber Sozialpädagogik studiert man ja auch nicht, um reich zu werden, sondern um Zusammenhänge zu erkennen und diese ggfs. neu zu strukturieren.

Top Diskussionen anzeigen