Trauerkarte schreiben?

    • (1) 09.04.13 - 08:30

      Hallo,
      Ich poste das bewusst hier, weil ich nicht trauere und nicht mal weiß, ob ich Beileid empfinde. (Tu ich- aber sollte ich?)

      Zur Geschichte:
      Der Mann meiner Oma ist gestorben. Beide haben sich nie für unseren Teil der Familie interessiert. Beide haben ein gemeinsames Kind bekommen und von da an war meine Mama abgeschrieben. Als sie Kinder bekam, waren die kurz spannend. Aber auch nur solang, bis die gemeinsame Tochter, also meine Tante, Kinder bekam. Ihr wird alles hinten und vorn reingeschoben, den Enkeln ebenfalls.
      Und wir werden nicht mal zum Geburtstag angerufen. Also Kontakt besteht keiner, nur sporadisch. Wenn man sich mal auf der Straße trifft oder sie einen Fahrer braucht (und meine Mama springt).
      Gestern ist also ihr Mann gestorben. Aus Anstand und weil sie halt meine Oma ist, würde ich ihr gern schreiben. Aber ich weiß, dass nichts zurück kommt.
      Sie weiß auch von meiner schwangerschaft und da kam auch nichts.

      Ich bilde mir immer ein, dass das Verhältnis vielleicht besser wird, aber sie hat ja ihre anderen Enkel und hat kein Interesse.
      Was würdet ihr machen?

      LG

      • Wer sich nicht für mich und meine Familie interessiert, hat auch nicht mein Interesse verdient. Anstand hin oder her!

        Morgen!

        Also meiner Meinung nach solltest du zuerst nicht dich oder deine Mutter in den Vordergrund stellen, sondern daran denken, dass da gerade eine Ehefrau ihren Ehemann verloren hat.

        Ich habe ein ähnliches Verhältnis zu meinen Großeltern väterlicherseits und ich werde auch nicht sonderlich groß trauern, wenn einer von den beiden geht. Aber ich weiß, dass ich Mitleid haben werde mit dem Partner, der "überlebt".

        Eine alte Freundin von mir, mit der ich im Streit auseinandergegangen bin, hat vor einem Jahr ihren Mann auf tragische Weise verloren. Wir haben seit Jahren keinen Kontakt gehabt, aber als ich das hörte, habe ich das Bedürfnis verspürt ihr mein Beileid auszusprechen und ich schrieb ihr einen ellenlangen Brief und sie rief mich tatsächlich an! Seitdem haben wir wieder seltenen, aber guten Kontakt.

        Naja, wie auch immer. Wenn ich du wäre, würde ich zumindest eine Karte schreiben, damit deine Oma weiß, dass auch du an sie denkst. Ob das nun das Verhältnis zwischen euch ändern wird, ist irrelevant.

        Lg

        • Ich sag ja: ich empfinde Mitleid, weiß aber nicht, ob ich das tatsächlich sollte. Als mein Paps vor einigen Jahrene einen schweren Unfall hatte, zuckte sie sich auch nicht. Es geht vermutlich mehr um mein Ego, als um mein Herz, weshalb ich so im Zwiespalt bin. Ich habe vor zwei Jahren zur Weihnachtszeit angerufen, da kommt nichts zurück. Ich weiß, dass sie die Karte zwar lesen, aber nicht zur Kenntnis nehmen wird, dass sie von mir kommt. Das wird ihr egal sein.
          Aber du hast recht, ich schreib ich. Auch, wenn das wohl wieder mehr ne Ego-Sache ist, ich will mir da nichts selbst vorwerfen müssen.

          Ihr Mann war der Keil zwischen meiner Oma und Mutter. Kaum lag er im KKH, hatten meine Mama und sie wieder Kontakt. Meine Mama war sogar gestern mit auf dem KKH-Gang, als er verstarb. Sie ist wieder da und hofft, dass das Verhältnis besser wird und Oma nutzt das aus und fragt, ob sie mal mit ihr einkaufen kann und sie bei der Organisation der Beerdigung helfen kann (weil meine Tante nichts auf die Reihe kriegt und meine Oma wohl sogar finanziell ziemlich ruiniert hat).

          Das regt mich so auf. Mir tut der Verlust aufrichtig leid, aber es tut mir weh mit anzusehen, dass meien Mama sich umsonst Hoffnung macht, weil das sowieso nichts wird...aber das hat ja mit der ursprünglichen Frage nichts zu tun.

          Danke für deine Antwort!

          LG

          • Naja, weißt du, ich hab viele Onkels und Tanten und mein Vater ist der Buhmann in der Familie, weil alle es zu etwas geschafft haben, und er Alkoholiker geworden ist. Somit durften wir Kinder immer leiden, wurden gemieden von der Familie etc. Zum Putzen ist meine Mutter, die ansonsten nicht groß akzeptiert wird in der Familie, aber gut genug. Mein Opa pflegt meine Oma seit Jahrzehnten (sie hat MS) und schafft den Haushalt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr.

            Alle meine Tanten und Onkels haben ihr Leben auf dem Geld meiner Großeltern geschaffen, hier Geld fürs Haus geliehen, dort für ein Geschäft usw. Und immer heißt es dann von meinem Opa "ach weißt du, da du Geburtstag hast erlasse ich dir die 100.000€". Meine Eltern haben sich dort mal 250€ geliehen, weil der PC meines Bruder kaputt ging und er einen für die Schule brauchte... meine Mutter musste ihn 6 Monate abarbeiten. 1x die Woche ging sie zum putzen dahin...

            Mein Opa war übrigens auch Alki, hat seine Kinder schwer misshandelt, sowie seine Frau... aber das ist alles vergessen, er ist jetzt ein Gutmensch, seitdem er in Deutschland ist.

            Meine Kinder bekamen zu Ostern letztes Jahr noch die alten Nikoläuse, weil sie die noch übrig hatten!!!!!

            Letztens, ein Einsehen meines Opas, rief er zur Familiezusammenkunft und verkündigte, dass keiner mehr einen Cent sehen wird, wenn er nicht auch helfen kommt. Denn die meisten gehen dorthin um ihren "Pflichtbesuch" abzustatten und nicht aus dem Testament zu fallen. Leider war ich nicht dabei, aber mein Vater hat mir erzählt wie allen die Kinnlade aufging#rofl

            Jetzt kriegt meine Mutter Geld fürs putzen, denn die anderen sind so schwer beschäftigt 24/7 und da meine Mutter ja nur Teilzeitarbeiten geht und sich gerne die Hände schmutzig macht, legt jetzt jeder einen 10er drauf (man will ja nicht aus dem Testament gestrichen werden *hust*) ;-)

            Im übrigen haben die anderen trotz allem gerne mitgesoffen und meinem Vater den Alk ausgegeben und alle anderen haben ihre Frauen verprügelt... aber hinter geschloßenen Türen. Das ist der einzige Unterschied zwischen meinem Vater und seinen Geschwistern...

            Naja, wo ich drauf hinauswill. Es gab eine Zeit, in der mich das gestört hat... aber inzwischen denke ich mir: Karma Baby! Meine Mutter ist eine erwachsene Frau und sie wird wissen, was sie tut. Beschützen kann ich sie nicht und wie ich es so sehe, ist sie an der ganzen Sache gewachsen. Vor allen Dingen Selbstbewusstseinsmäßig. Natürlich wird sie immer noch "ausgenutzt", aber das ist ihr klar. Sie möchte trotzdem dort putzen gehen, nicht nur des Geldes wegen, denn sie hat auch vorher dort kostenlos mitgeholfen... sondern um ihren Friedens willen.

            Meine Eltern haben ihr Leben ohne Finanzspritzen hinbekommen, mein Vater hat vor kurzem sogar das rauchen nach 40 Jahren geschmissen! Ich bin stolz auf meine Eltern, vor allen Dingen da ich weiß, wie es bei dem Rest der Familie aussieht. Von aussen schön am glänzen, von innen aber am verwesen. Ich bin gespannt, was kommen wird, wenn die Großeltern sterben#schein

            Um es kurz zu fassen *hust* ... lass dich nicht auf das Niveau deiner Oma runter, steht dadrüber und lass die Rachegefühle weg (du warst nicht für mich da, also werde ich auch nicht für dich da sein)... ich glaube nicht an Gott, oder das Christentum... aber die Geschichte, wo man seinen Feind lieben soll, die gefällt mir. Denn damit bin ich bis jetzt gut gefahren und damit fühle ich mich wohl. Ich brauche mir nichts vorzuwerfen. Das Karma der Leute wird sie irgendwann einholen, aber ich werde nicht daran beteiligt sein... ich werde mich dann höchstens zurücklehnen und mir anschauen, was das Karma ihnen zu bieten hat.

            Lg

      Mehr als eine Trauerkarte (ohne groß Geschreibsel) schicken würde ich nicht machen.

      Auch wenn deine Oma gerade ihren Mann verloren hat, hat das ja aber nichts mit dem Verhalten über all die Jahre und das Desinteresse zu tun.

      LG

      • Stimmt - ich schreib ihr eine.
        Eine aufrichtige, aber nicht übertrieben emotionale. Einen Standard-Spruch. Was soll ich sonst schreiben? Dass wir für sie da sind? Nee. Ohje, ich bin so im Zwiespalt.

        • Hmm, sie war ja all die jahre auch nicht für euch da. Auch wenn ihr Mann nun gestorben ist, wird sie bestimmt die anderen aus der Familie "vorziehen", wie vorher ja auch schon.

          Ähnliche Situation bei uns neulich. Die Mutter meiner angeheirateten Tante (also Frau vom leiblichen Onkel) ist vor kurzer Zeit gestorben und dort wurde sich auch nur von der Oma her um eine Seite gekümmert ihrer Kinder. Meine Cousine und mein Cousin, also die Kinder der einen Tante, hatten auch all die Jahre kein Kontakt, da die Oma immer nur die Enkel bzw. die Kinder der anderen Tochter bevorzugt hat.

          Soweit ich weiß, waren die Beiden Enkel noch nicht mal mit zur Beerdigung. Kann ich auch ehrlich gesagt verstehen. Wenn man kein Interesse an mir hat und das über Jahre und auch wirklich keinen Kontakt, dann ist mir derjenige natürlich auch egal. Dabei unerheblich wer das ist.

          In den Trauerkarten stehen doch schon oft passende Sprüche. Da braucht man eigentlich nicht mehr viel schreiben.

          LG

    Hallo,

    ich würde eine Karte schreiben ohne irgendeinen persönlichen Text dazu, nur Name rein und fertig.

    Als von meinem Onkel die Schwiegermutter gestorben ist, hab ich das genauso gemacht ... er hat den Kontakt abgebrochen, als seine Mutter/meine Oma gestorben ist und will nichts mehr mit mir zu tun haben ... da kam auch kein Danke oder so zurück (damit hatte ich auch gar nicht gerechnet).

    Nur weil andere Leute keinen Funken Anstand besitzen, brauche ich meinen nicht aufzugeben ;-)

    LG Claudia

Ich würde gar nichts schreiben.

Ich habe mir schon lange abgewöhnt, irgendetwas aus Anstand oder weil man das halt so macht zu tun.

Ich wüsste jetzt keinen Grund warum da eine Karte angebracht wäre.

Interessant, wie die meinungen auseinander gehen.

Bestätigt mich dann auch in meinem Zwiespalt...

LG

  • Das was Du oben über den Unfall Deines Vaters schreibst und das sie da auch nicht zuckte, finde ich schon hammerhart.

    Ich bin manchmal ein wirklich nachtragender Mensch, das weiß ich auch und für mich wäre das alleine schon Grund genug, mir Zeilen zu sparen die diese Menschen sowieso nicht jucken werden.

    Wieso solltest ausgerechnet DU Dir irgendwas vorwerfen müssen? Ganz sicher musst Du das nicht.

    Wenn es Dir ein herzliches Bedürnis ist, eine Karte zu schreiben, dann mach es.
    Wenn es lediglich eine Verpflichtung ist, weil es die Oma ist, dann lass es.

Hallo,

es ist meine Meinung....so würde ich handeln.
Ich an deiner Stelle würde eine Karte schreiben....
Dann hast Du Dich gemeldet und keiner kann Dir was.... mach es Dir nicht so schwer...zu Beerdigung würde ich nicht gehen und Geld oder Blumen schicken auch nicht...aber einen Spruch schon.

Der Tod kann auch freundlich kommen zu Menschen,
die alt sind, deren Hand nicht mehr festhalten will,
deren Augen müde werden, deren Stimme nur sagt:
Es ist genug. Das Leben war schön.

Lg L

Top Diskussionen anzeigen