emotinal starke belastende Berufe (z.B. Jugendamt, etc.)

    • (1) 10.04.13 - 02:42

      Hallo,

      ich wollte euch fragen, ob es unter euch Menschen gibt, die in solchen Berufen arbeiten.
      Wie schafft ihr es, einen klaren Kopf zu behalten ? Wir man mit der Zeit stumpf und gewöhnt man sich daran ? Ganz wichtige Frage - habt ihr einen Psychologen, den ihr kontaktieren könnt oder sogar die möglichkeit einer Supervision ? Wenn ja, wie oft findet sie statt ?

      Ich habe schon sehr vieles gesehen und es gelang immer abstand zu behalten. Gestern kam es aber zu Sachen und andere erwarten mich noch letzte Woche, da weiß ich, dass ich heulen werde und dies ist belastend.#heul
      Einerseits sage ich mir - hast du doch vorher gewußt. Dann sage ich mir - es ist doch ein Anfang, es bedrückt aber einen schon.

      Wie geht ihr damit um ?

      • Moin,

        Da gibt es kein allgemeingültigen tip
        Jeder muss letztlich selbst seine Ruhe Oase finden

        Psychohygiene ist ja mittlerweile ein Zauberwort

        Da gibt es supervisionen , Mediationen , Entspannung , usw

        Ein guter Anfang ist Teamarbeit

        Meine Chefin haelt zum Bsp gar nichts von supervisionen und auch psychohygiene kommt in ihrem Sprachgebrauch nicht vor
        Und offensichtlich sind ihre Vorgesetzten begeistert davon

        Nun unser Team hat seinen eigenen weg gefunden
        Wir treffen uns untereinander ähnlich einem Stammtisch und reden drueber
        Manchmal nur Klatsch und Tratsch aber oft genug wird es eine handfeste Diskussion mit guten loesungsansaetzen

        Ich habe noch das laufen fuer mich entdeckt
        Und wir haben eine sensationelle Seelsorgerin da kann man sich stundenlang ausheulen wenn mal wieder die Welt untergegangen ist

        LG

        Ps : ich bin Krankenschwester fuer intensivmedizin

        Hallo,

        ich war mal Sachbearbeiterin bei der Friedhofsverwaltung bei unserer Gemeinde. Ich wurde auch öfter mit harten Schicksalen konfrontiert. Aber der "schlimmste Fall" war, als ich das Grab für meine 23jährige Schwägerin bestellen musste, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Danach habe ich um Versetzung gebeten und bin seitdem beim Wasserwerk.

        Ich weiß nicht wie, aber irgendwie habe ich einen Weg für mich gefunden.

        Lg Heike

        Huhu,

        ich arbeite zwar nicht beim Jugendamt sondern in einer "Seniorenresidenz" - ich muss zugeben, am Anfang habe ich echt zu tun gehabt wenn einer der Bewohner plötzlich extrem abgebaut hat oder verstarb.

        Aber man darf das nicht so an sich heranlassen und vor allem musst du dir jemanden suchen, mit dem du reden kannst - das mit dem Stammtisch einer anderen Userin ist eine gute Idee.
        Was machen denn deine Kollegen? Ich denke sie können dir auch weiterhelfen.

        Ich finde es ist gut wenn man Emotionen zeigt, aber die eigene Psychische Gesundheit darf nicht gefährdet werden.

        Alles Gute
        Tine

      • hallo antonia,

        ich habe vor meinen Kindern in solchen arbeitsfeldern gearbeitet und hatte damit ehrlich gesagt nie große probleme.
        Ich denke, ich war zum einen noch sehr gung, als dort reingewachsen bin und zum anderen bin ich von anfang an gut begleitet worden. wöchentliche teamsitzungen von 3 stunden (mindestens) mit supervisoren, pädagogen und psychologen. ich habe zu beginn nebenbei studiert ( oder andersrum hauptsächlich studiert - nebenbei gearbeitet) und hatte so immer auch einen theoretischen input und ausgleich.
        später habe ich dann vollzeit gearbeitet und nebenbei eien weiterbildung zur systemischen beraterin und dann zur familientherapeutin gemacht- hatte also nebenbei fast durchgängig noch diesen anderne input und im zuge der ausbildung noch zusätzlich eigentherapeutische anteile und peersupervision, die mich sehr unterstützt hat.

        wie gesagt, hatte ich niemals wirklich probleme damit und konnte mir ehrlich gesagt gar nicht recht vorstellen, wie man das als belastend empfinden könnte.

        nachdem ich selbst mutter wurde und nun täglich zu hause mitbekomme, wie kinder AUCH aufwachsen können, würde es mir nun erheblich schwerer fallen in einem solchen bereich zu arbeiten. da ich meinen arbeitsplatz aufgrund der arbeitszeiten (außerhalb der schulzeiten- also auch außerhalb der kindergartenzeiten) sowieso nicht mehr antreten konnte/ wollte, habe ich mich recht bald nach neuen sachen umgeschaut.

        für mich war klar, daß ich, (zumindest so lange meine eigenen kinder so klein sind) nicht mehr in solchen belastenden situationen arbeiten möchte, da mir im moment der professionelle abstand schwer fallen würde, besonders bei kleinen kindern.

        vondaher kann ich dir im moment nicht viel sagen, als daß es
        - zumindest am anfang zumeist schwierigi ist, daß
        - man durchaus "abhärtert", weil lheißen, die situationen aus einer professionelleren brille sehen kann
        - ich denke supervision (auch außerhalb der einrichtung, bzw. irgend eine andere art der außeinandersetzung mit den themen außerhalb) mir gut getan hat
        - ich heute verstehen kann, daß solche situationen belastend wirken können und ich verstehen kann, wenn man sich aus diese mgrund dagegen entscheidet.

        gibt dir erst mal zeit, du stehst ja am anfang deienr neuen tätigkeit.
        such dir gezielt möglichkeiten, wie und wo du abschalten kannst und welche, die dich professionell begleiten!

        Liebe Grüße

        • Ich wollte mich bei dir so sehr bedanken. Deine Wort haben mich heute getroffen. Heute ist viel passiert und am Ende weinte ich vollkommen unprofessionell in Armen einer Frau, die nur über mich die Hand hielt und betete.

          Mein Chef, der mich aber aus anderen Gründen sprechen wollte, hat mir heute sehr freundlichen Grenzen gezeigt und daran werde ich mich halten.

          Man lernt mit jedem Tag. Danke dir für deine offenen Worte!

      Hallo!

      Seit Kurzem weiß ich ganz sicher, dass mir ein gutes kompetentes Team dabei hilft. Ich ibn Krankenschwester und habe lange, lange zeit in einem Krankenhaus mit supertollen Leuten auf verschiedenen Stationen gearbeitet. Manches ging mir nahe, aber irgendwie wurde ich immer aufgefangen.
      Letztes Jahr habe ich für sechs Monate in einem Altenpflegeheim gearbeitet. Das ging gar nciht, obwohl mir die Arbeit an sich wenig ausgemacht hat. Ich habe nicht ausgehlaten, dass man dort kaum geredet hat. Und wenn, dann in blöden Halbsätzen. Ich habe nciht ausgehalten, wie man mit den Bewohnern umgeht. Plötzlich habe ich all den vielen Jahren in der Pflege wieder alles mit nach Hause genommen.

      Jetzt bin ich im Hospiz gelandet und sehr, sehr zufrieden. Wenn ich etwas fruchtbar finde, kann ich es gleich vor Ort loswerden. Dabei muss ich manches noch nicht mal in Worte fassen, weil ich merke, dass es den Kollegen ähnlich geht. Plötzlich nimmt einen auch mal die Köchin in den Arm oder man trifft sich auf einen kurzen intensiven Kaffee mit einer Kollegin im Pausenraum und dann kann es weiter gehen. Ich nehme nichts oder nur ganz wenig für ganz kurze Zeit mit nach Hause, weil ich genau weiß, dass die Kollegen vor mir und die Kollegen nach mir genauso gut bzw. z.T. noch sehr viel besser als ich arbeiten und die Patienten dort einfach gut aufgehoben sind. Ich bin kein Einzelkämpfer, sondern Teil des Teams, dem ich alles überlassen kann, wenn ich nach Hause gehe.
      Dazu kommt, dass Zuhause Familie wartet, die ich damals als ich noch im Krankenhaus gearbeitet habe, noch nicht hatte. Da warten dann die anderen Herausforderungen und der Job hängt nur hinten dran.

      Ja, klar, habe ich Routine und bin "abgebrüht", aber das ist genaus das, was die Leute im Hospiz brauchen. Betroffen und traurig und handlungsunfähig sind sie alle selber. Nötig sind professionelle Mitarbeiter, die den Überblick behalten und nicht hilfslos sind, die was tun und denen (fast) immer was einfällt. Wäre ich immer total betroffen, wäre ich nicht brauchbar.

      Gruß
      Susanne

      Hallo!

      Ich bin Krankenschwester und habe sehr lange auf einer Palliativ Station gearbeitet.

      Wegen einem unbefristeten Vertrag habe ich dann auf eine Schmerzstation gewechselt.

      Auf der Palliativstation hatte ich nie Probleme das Erlebte zu verarbeiten. Und das obwohl ich sehr oft auch sehr junge Menschen in den Tod begleitet habe.
      Ich denke das ist eine Einstellungssache oder Typsache. Mir half es auch, das die Patienten wußten, dass sie sterben werden und zum Teil es sich gegen Ende oft gewünscht haben, endlich sterben zu dürfen, weil das Leid und die Schmerzen zu groß wurden oder die Kraft ausging.

      Sicher habe ich an den ein oder anderen Patienten noch oft gedacht oder an deren Angehörigen, man begleitet die Menschen oft über Wochen oder Monate. Wenn mir ein Fall ja mal zu nahe ging, dann bin ich joggen gegangen oder alleine spazieren. Am meisten half es mir, mich mit den Kollegen auszutauschen. Supervision gab es keine!

      In der Schmerzklinik ist mir das Ganze komischerweise viel schwerer gefallen. Diese ständigen Dauerschmerzen, die darunter leidende Psyche der Patienten hat mir mehr zu schaffen gemacht als die Sterbenden. Meinen Kollegen allerdings auch. Das Team zerbrach immer mehr an der Belastung durch die chronischen Schmerzpatienten und es wurde oft zynisch über Patienten gesprochen. Dann kam ein neuer Chef und wir bekamen Supervision und dadurch wurde es besser! Damals half es mir auch immer zur Arbeit zu laufen und zurück zu laufen und so auch räumlich Abstand zur Klinik zu gewinnen.(waren ca 5 km einfach).

      Auf gut Deutsch: Es gibt kein Patentrezept. Ein gutes Team und Supervision sind aber oft sehr hilfreich!
      lg adelaide

      Ich habe 7 jahre in der Ausländerbehörde gearbeitet und viel erlebt. Es ist extrem stressig, wenn man in 4 Stunden Öffnungszeit oftmals 30 - 40 Leute "abfertigen" muss.
      Meine Arbeit hat mich sogar bis in den Schlaf verfolgt, ich hatte regelrecht Schlafstörungen.
      Es gab auch Kollegen, die sehr barsch mit den Leuten umgingen (nach 15 Jahren dort ist das vielleicht "normal") - ich wollte so nie werden und hab mich immer bemüht freundlich zu bleiben (sogar wenn ich beschimpft wurde).
      Ich habe dann das Reiten wieder für mich entdeckt und die Ausritte im Wald haben mich immer sehr entspannt, dadruch hab ich gelernt, wie ich besser damit umgehen kann und ich konnte meine Gedanken von der Arbeit ablenken.
      Heute bin ich allerdings froh, dass ich diesen Job nicht mehr machen muss ;-)

      • Ich finde ja solche Jobs sollte man nicht 15 Jahre machen, auch um eine Abstumpfung zu vermeiden.Man könnte ja auch weiterkommen und mehr mit Organisation und Personalführung beschäftigt sein oder in einen anderen Bereich wechseln.

        L.G.

        • Stimmt schon, aber im öffentlichen Dienst ist das eben oft so, dass manche Leute immer am gleichen Platz sind. Auch haben langjährige Beschäftigte natürlich mehr Erfahrung und Grundwissen - wobei ein "neuer Wind" auch immer mal gut ist ;-)

          Ich bin da auch nur weg, weil ich schwanger war und seitdem halbtags arbeite. Mir hat der Job schon Spaß gemacht, ich konnte gegenüber meinem jetzigen Job viel mehr eigenständige Entscheidungen treffen.
          Trotzdem könnte ich dem Stress nicht 20 Jahre standhalten, denn es wird ja nicht besser, allein durch die ständigen Gesetzesänderungen...

    Hallo,

    ich habe viele Jahre im Rettungsdienst gearbeitet...für mich war es nicht schlimm, im Einsatz denkt man eh nicht drüber nach.

    Ansonsten gab es noch die Möglichkeit traumatische Einsätze durch geschultes Fachpersonal aufzuarbeiten.

    Allerdings musste ich den Dienst noch nie in Anspruch nehmen- ich lasse das nie so nah an mich ran, dass es für mich zum Problem werden könnte.

    lg finchen

    Ich arbeite als Fallmanagerin in einem Jobcenter und auch hier sieht man oft Schicksale - mit und ohne Kinder - bei denen es einem ganz anders werden kann. Weinen musste ich erst einmal, nach dem Gespräch. Es handelte sich um eine Witwe mit drei Kindern aus einem afrikanischen Gebiet, in dem ständig so etwas wie Bürgerkrieg herrschte. Der Mann erschossen, sie musste sicher weitere schlimme Dinge erleben, als Frau, im Krieg. Und dann geriet ihr Jüngster mit 13 hier bei uns unter die U-Bahn. Er überlebte, aber als Pflegefall. Da brachen bei mir auch Dämme hinterher.

    Supervision haben wir leider nicht. Vieles bereden im Rahmen des kollegialen Austauschs, gerade auch erfahrene Kollegen aus dem sozialpädagogischen Bereich konnten mir da oft helfen und Anregungen zum Umgang damit und zum weiteren Handeln geben.

    Womit wir beim hilfreichsten Instrument wären: Handlungsfähig sein - und bleiben. "Fertig" machen mich eigentlich nur die Fälle, bei denen ich nichts machen kann. Ich sage mir "Ich bin hier der Profi, wer, wenn nicht ich, muss hier klar, strukturiert und handlungsfähig sein?!" Will sagen: Empathie ja, mitfühlen ja, MitLEID nein! Das lernt man mit der Zeit und so treffen einen die Dinge nicht mehr so sehr. Immer klar sein, dass die Menschen nun immerhin bei mir gelandet sind, schaun wir mal, was ich tun kann, um zu helfen...

    Last not least: Ausgleich schaffen, die Binsenweiheit. Und Achtsam sein. Mit den Kollegen, der Familie, mit sich. Sport, Basteln, Stricken, Malen, Dampfbad, was auch immer.

    LG
    Ch.

    P.S. Notfalls ein paar Stunden Psychotherapeut, zählt auch für einige Stunden die Kasse. Macht eine Kollegin von mir zur Supervision sozusagen.

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