"Kanaken Karavane"

    • (1) 06.06.13 - 22:20

      Hi

      heute sind wir mit unseren beiden Kindern zu unserem Garten gefahren. Mein Mann ist mit den Kindern schon vorgelaufen. Wir gingen an einem anderen Garten vorbei. Ich hörte wie mein Mann "Guten Tag" sagte und weiter ging. Kurz bevor ich auch an dem Garten vorbeiging hörte ich nur "Da zieht die Kanaken Karavane, die will ich nicht hier haben!". Als ich das hörte, legte ich natürlich einen Gang zu und stellte ihn zur Rede.

      Ich fragte ihn was er für ein Problem hätte?! Sagte, dass wir genauso "Deutsch" sind wie er. Ausserdem sagte ich, dass er sich schämen soll...

      Er wurde rot und fing an zu stottern. Ich finde das sowas von feige und unfair.

      Ich meine, man muss als deutscher nicht die Migranten mögen. Jeder kann ja seine eigene Meinung haben. Doch andere Menschen die auch noch jemanden grüßen, dermaßen abgestempelt zu beleidigen finde ich unglaublich bescheuert.

      Wir sind eine junge türkische Familie.Haben den dt. Pass. Beide hier geboren,aufgewachsen studiert etc . Ich f?hle mich in D. zu Hause. Doch wenn ich sowas mitbekomme, fühle ich mich abgestempelt und ungewollt. Ich meine wir sprechen die dt. Sprache, haben dt. Kultur fühlen uns hier wohl. Die Türkei ist ja nur Urlaub für uns.

      Ach es musste jetzt einfach raus...sorry :-)

      Jetzt geht es schon wieder.

      LG

      • Klasse Reaktion von dir #pro

        Lg
        Sonja

        Huhu,

        ich will jetzt nicht rassistisch klingen... komme selber aus dem Ausland. Aber irgendwie passt das nicht zusammen... ihr seid deutsch, aber eine türkische Familie? Seid ihr nun deutsch oder türkisch? Wollt ihr als Deutsche gesehen werden, oder als Türken? Oder wollt ihr die Hälfte von beidem sein? Oder meinst du, ihr seid eine muslimische Familie?

        Keine Ahnung, ich komme aus Kasachstan und bin eine deutsche mit einer deutschen Familie.

        Naja, ist vllt auch Korintenkackerei... ist mir nur in der späten Stunde so aufgefallen!

        Den Typen hätte ich ignoriert oder ihn nur angeschaut um ihn zu zeigen, dass ich das sehr wohl gehört habe... solche Vollidioten weichen nie von ihrer Meinung. Kurz darauf wurd sich sicher wieder über die vorlauten Kanaken gelästert, die sich hier aufführen wie zu Hause. ;-)

        Lg

        Lg

        • ich glaube nicht, daß das korintenkackerei ist, sondern ein wichtige Frage.

          Nur sollten wir bei so eienr frage nicht vergessen, daß eine einzige nationalstaatliche zugehörigkeit als identittsmerkmal nichts "gottgegebenes" ist, sondern etwas, was sehr sehr neu in der Menschheitsgeschichte ist.

          Identität ist etwas gewachsenes- mit all den anrufungen, die uns im laufe unseres lebens begegnen- ich bin eien Frau, ich bin eine langschlägerin, ich bin eine deutsche, ich bin eine europäerin, ich in eine pädagogin, ich bin eine Mutter, eine ehefrau, ich bin eine schwester, ich bin schlamig,...
          all das sind identiätsmerkmale, die im einen oder anderen kontext im vordergrund stehen -
          die tatsache, daß wir (HIER UND IM MOMENT- also nichts allgemeingültiges und nichts in stein gemeißeltes) nur eine einizige staatsbürgerschaft zulassen (wir könnten ja auch sagen, wie andere staaten, daß jeder 2, 3 oder mehr staatsbürgerschaften gleichzeitig besitzen kann) bedeutet aber noch nicht, daß die eigene identätit diesen vorgaben von außen folgt

          denn die anrufung, die du als deutscher mit türkischen wurzeln hier bekommst ist doch eindeutig die "du bist ein türke"

          und selsbt wenn eine türkische familie sich entscheidet, die nationalstaatliche verbundenheit aufzugeben und somit als deutsche zu leben, bleiben diese anrufungen. es bleibt eine andere familiengeschichte, es bleiben andre kulturelle einflüsse und es bleiben solche erlebnisse, wie oben geschildert

          daher finde ich die idee der "deukischen" generation sehr gelungen- die versucht genau dieses dilemma aufzulösen

          http://www.deukische-generation.de/

          • Naja... deine Beispiele lassen ja auch nur eine Seite zu. Entweder bin ich Mutter, oder nicht... entweder bin ich Schwester oder nicht, entweder bin ich eine Langschläferin oder nicht. Ich kann keine halbe Mutter, keine halbe Schwester oder keine halbe Langschläferin sein.

            Und selbst wenn es die Möglichkeit gäbe die türkische UND die deutsche Nationalität zu haben, so fühlt man sich doch entweder mehr türkisch oder mehr deutsch (je nachdem wo und wie man aufgewachsen ist). Sie hat dem Nachbarn gesagt, dass sie genau so deutsch ist wie er, scheint hier aber auch unterstreichen zu wollen, dass sie eine türkische Familie sind (was ja irgendwie genau das Gegenteil von dem ist, was sie dem Nachbarn gesagt hat).

            Es gibt so einen Undergroundfilm auf YT wo ein Deutscher mit russischen Wurzeln (und russischem Akzent) sagt:"Ich komme aus Russland, dort war ich ein scheiß deutscher, hier bin ich ein scheiß Russe - Kanake auf lebenslänglich."

            Und auch ich habe mich lange so gefühlt... nicht hier und nicht dort zu Hause. Und ich denke, viele Mensche aus immigrierten Familien fühlen sich so.

            Was mir nur gestern gegen den Strich ging ist, dass sie ihr "deutschsein" verteidigt hat... dabei geht es gar nicht ums deutschsein oder türkischsein... es geht um die Beleidigung an sich - das Wort Kanake.

            Oder anders ausgedrückt... hätte er jetzt gesagt, ach guckmal, da kommt die schlampige Familie und sie hätte ihm gesagt, dass sie genauso sauber sind wie er... und dann hätte sie im Forum geschrieben: Wir sind eine kleine unordentliche Familie....

            ich bin wirklich Korintenkakerisch #zitter Ich hasse Menschen, die sich an einem Wort oder Satz aufhängen, bin aber nicht besser #schwitz

            Übrigens find ich deine Rechtschreibfehler sehr amüsant #pro " langschlägerin", " schlamig" #huepf

            Lg

            • ich kan nserh wohl eine schlamige schwester und mutter sein- alles gleichzeitig
              ich kann auch eine miese mutter und eine tolle schwester, eine gute mutter für meien juns und eine schlechte für meine Tochter (die ich nicht habe) sein

              ich muß mich auch nicht zwigend einordne nlassen in geschlechterrrollen (wie z.B. dei Quer bewegung deutlich macht) und ich muß micht nicht einordnen lassen in staatsbürgerschaftesangehörge

              ich kann mich als europäerin fühlen und als deutsche, ich kann mich als griechin in deutschland als chriechische deutsche oder als deutsche mit griechischen Wurzeln sehen- niemand hat mir vorzuschreiben, welche merkmale ich als identitätsstiftend wahrnehem und wie ich diese benenne

              ob das für DICH der beste weg ist oder nicht, ist eine sache, ob sich die TE als deutsche und türkin zugleich fühlt, ist ihre eigene sache

              die frage ist nur, warum wir uns so schwer damit tun und dies an eine urkunde wie die der staatsbürgerschaft festmachen

              wer ist also Deutsch und wer ist Türkisch, russisch oder Griechisch?
              und darf man beides gleichzeitig sein (warum nur bis zum 18. lebensjahr? - warum darf jemand in den USA mehrer staatsbürgerschaften haben und nicht in deutschland usw.)

              ich muß mich nicht in eine kategorie pressen lassen, nur weil das irgendjemand so sagt (es gibt nur eien staatsbürgerschaft und du darfst entweder deutsch oder türkisch sein)

              langschlägerin ist ja fast eine freud´sche fehlleistung:)

              • natürlich schlampig- aber du verstehst mich ja glücklicherweise auch so:)

                "langschlägerin ist ja fast eine freud´sche fehlleistung:)" #rofl#rofl#rofl

                Ich stimme dir voll und ganz zu! Mir gings wirklich nur um die Formulierung. Sie ist eben doch nicht genau so deutsch wie der Nachbar, denn sie fühlt sich auch türkisch. Was der Nachbar nicht ist. Wie gesagt, ich war da ein wenig Korintenkakerisch...

                Lg

                • natürlich ist sie genauso "deutsch" wie der nachabr

                  welche krieterien des "deutsch seins" gibt es denn, an denen du das fest machst?

                  wenn es nur ein EINZIGES kriterium gibt- nämlich die staatsbürgerschaft- dann gibt es keine Abstufungen im deutschsein

                  ich kann mich als Bayer oder Sachse fühlen, als Europäer als Kosmopolit oder als Türke, als deutscher Europäer oder als "deukisch"- das macht mich nicht weniger und nicht mehr zu seinem Deutschen Staatsbürger als dich oder die TE

                  insofern: Es gibt individuelle Unterscheide, was es für jeden von uns bedeutet, deutscher Staatsbürger zu sein- je nach unserer Geschichte, unserer Herkunft und unserem augenblicklichen Aufenthaltsort und je nachdem, welche Rückmeldung wir von unserer Außenwelt bekommen.
                  aber es gibt keine Abstufungen im "Deutsch sein"
                  Ich kann es nur sein oder nicht sein.
                  denn (im Augenblick zumindest) hängt diese Frage einzig und alleine an meinem Pass.

                  Deutsch, deutscher, am deutschesten?!
                  Wie soll das gehen? Wer länger hier wohnt? Schlecht für die jungen Menschen.Wer " deutsche Wurzeln" hat? Seit wann denn? Durch die Hugenotten kamen Franzosen, dann gab es viele polnische Einwanderer im Ruhrgebiet,... Wer am meisten für sein Land leistet? Kulturell oder in Form von Arbeitsplätzen oder gezahlten Steuern? Wer auf einem gewissen Niveau die Sprache in Wort und Schrift beherrscht? Da sehe ich schwarz für viele Deutsche.....
                  Nee, nee......Der Paß macht's- der kleinste gemeinsame Nenner aller Deutschen.

                  • Warum werde ich angegriffen? Ich bin selbst "Ausländer" und nicht mehr oder weniger deutsch wie die TE. Aber aufjedenfall bin ich weniger "deutsch" als jmd. der sich nur deutsch fühlt (und hier gehts nicht um Papiere) und nicht halb deutsch und halb irgendwas.

                    Wenn ich sie gewesen wäre und jmd. hätte mich z.b. als "Kanisterkopffamilie" bezeichnet, dann hätte ich, ICH HÄTTE! (nicht die TE oder du oder sonstwer - sondern ICH) nicht damit gekontert, dass ich genauso deutsch bin wie er. Denn das stimmt nicht, auch wenn ich deutsche Papiere habe und von Anfang an HATTE, noch bevor ich hier in Deutschland gewohnt habe. Ich habe sogar einen deutschen Nachnamen - keinen russischen. Trotzdem bin ich nicht so deutsch wie dieser Nachbar und will es auch gar nicht sein.

                    Lg

                    • Ich habe dich nicht angegriffen- tut mir leid, wenn du das so empfunden haben solltest.
                      Es ist nur einfach so, daß " deutschsein" keine graduellen Abstufungen kennt. Man ist deutsch( wenn man die Staatbürgerschaft hat) oder eben nicht. Welche kulturellen, religiösen oder sonstigen Eigenschaften man hat,ob man dunkle Haut hat oder sich irgendeinem anderen Land besonders verbunden fühlt, weil man selbst oder die Eltern von dort stammen, ist gleichgültig. Es gibt nicht " den Deutschen" und den" weniger Deutschen".
                      Wie muß man denn deiner Meinung nach sein um so deutsch zu sein wie der besagte Nachbar? Was macht denn den Deutschen zum Deutschen?

        Weisst du wenn man hier geboren und aufgewachsen ist, kann es sehr schwer sein sich für ein Land zu entscheiden.

        Dein Geburtsort oder deine Wurzeln?!

        Ich fühle mich hier zu Hause und dort zu Besuch.

        LG

        • Dito! Ich fühle mich hier auch zu Hause und dort zu Besuch... aber wenn ich manchmal Russen reden höre, dann fühl ich mich auch oft zu Hause oder an ein altes zu Hause erinnert. Leider kann ich die wenigsten Russen hier in Deutschland leiden... ich habe auch keine russischen Freunde... deswegen leidet auch meine Sprache in der Richtung...

          Aber wenn mich jmd. fragt, ob ich Deutsche oder Russin bin, dann würde ich Deutsche antworten... geboren in Kasachstan. Ich würde nie sagen, dass wir eine russische Familie sind, weil das nicht zutrifft. Ich kann mich nicht mit einer russischen Familie identifizieren.

          Dass es das aber bei anderen so ist, dass streite ich nicht ab.

          Mir ging es nur um die Formulierung. Manchmal bin ich ein wenig kleinkariert :-P

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