Was ist das „ZuHAUSe“ wenn man kein Eigentum hat?(Lang und silo)

    • (1) 19.06.13 - 07:34

      Mich treibt seit einiger Zeit folgendes um: aus finanziellen Gründen ist es mir nicht möglich, Eigentum zu erwerben. Ich denke dass ich auch nicht unbedingt Eigentum „brauche“, wohne in einer super schönen Wohnung mit traumhaftem Blick in guter Lage, Terasse etc.
      Ich bin mir aber nicht sicher, wie es für meine Kinder ist. Wenn sie mal erwachsen sind, haben sie kein „Elternhaus“. Wohin kommen sie dann „heim“? Außer in ihre eigenen vier Wände? Meine Eltern zum Beispiel haben gebaut, dieses Haus werden wir Geschwister mal erben, auch als Erwachsene haben wir übergangsweise immer mal wieder da gewohnt und sind auch jetzt öfters noch da – ist ja auch kein Platzproblem. Ich merke auch dass ich Leute beneide, die z.B. ländlich wohnen und da zu ihren Eltern ins Elternhaus kommen können.

      Meine Kids werden das ja so nicht empfinden können. Vor einiger Zeit sind wir von einer Wohnung in eine andere gezogen. Unterm Strich denke ich haben wir uns verbessert, trotzdem hängen die Kinder noch an der alten Wohnung und sagen immer mal wieder, sie würden da gerne wohnen. Ich denke aber es geht weniger um die Wohnung, sondern um die vergangene Zeit als Kindergartenkinder. Durch den Umzug wurde quasi auch ein Kindheitsabschnitt beendet.

      Trotzdem fühle ich mich manchmal schlecht, dass ich ihnen keine Konstanz in Form einer Immobilie bieten kann… Ganz schlimm stelle ich es mir auch für (erwachsene) Kinder vor, wenn die Eltern sich trennen und dann bspw. in zwei verschiedenen Wohnungen leben oder aus der Familienwohnung/Haus in eine kleinere Wohnung ziehen. Fühlt man sich da nicht „verloren“? Weiß grad nicht warum mich das beschäftigt – was ist Heimat/Zuhause überhaupt? Für mich war lange Jahre „Heimat“ das Land aus dem meine Eltern kommen, was eigentlich Quatsch war, weil ich da nie gelebt habe. Ab dem Jugendlichenalter war dann die Stadt in der ich lebe meine „Heimat“ – ich finde es hier sehr schön und lebe gerne hier, auch wenn es tollere Regionen in Deutschland gibt. Trotzdem bin ich stolz darauf hier zu leben, obwohl stolz vielleicht nicht das richtige Wort ist, habe ja nichts dazu beigetragen, dass ich hier lebe – Verbundenheit trifft es also besser.

      Also, was denkt ihr: was ist das zuhause / Heimat von Leuten, die nichts eigenes besitzen bzw. oft umgezogen sind?

      • Hallo,

        mein "Zuhause" ist da, wo meine Familie ist bzw. meine aktuelle Wohnung. Ob das Eigentum ist oder nicht, hat mit "Zuhause" nichts zu tun.

        LG, Cinderella

        • Hallo Märchengestalt,

          die Einstellung finde ich gut, aber ich arbeite noch daran... Letzten Endes ist das ganze Leben ja eine "Durchgangsstation" - Orte, Menschen, Jobs - alles kommt und geht. Trotzdem glaube ich dass Heimat irgendwas mit einem fixen Punkt zu tun hat, weiß auch nicht warum.

          Als ich Kind war, hat mein Vater das Grundstück, auf dem sein Elternhaus stand, verkauft. Das Haus (eine Bruchbude, eher eine Hütte) wurde dann abgerissen. Obwohl wir Kinder gar keinen Bezug zu dem Haus hatten (waren nur 1 oder 2 mal da) fanden wir es irgendwie barbarisch dass das reinfach abgerissen wurde - konnten auch unseren Vater gar nicht verstehen, wie man sowas machen kann...

          • Kenn ich! Unser Grundstück nahe Heilsberg in Ostpreußen gammelt vor sich hin. Auch der Hof meines Opas verfällt langsam. Leider ist die Besitzfrage seit 1945 ungeklärt und wir können nichts machen.

            Obwohl ich ja dort nie gespielt habe oder etewas besonderes erlebt habe, emprinde ich es jedes mal als "heim kommen" wenn wir nach Heilsberg fahren...

            Das kann man nicht beeinflussen denke ich, wo man sich zuhause fühlt :)

        Hallo,

        sehe ich auch so.

        Aber ich habe auch mal so gedacht wie die TE und mich gefragt, wie es ist, wenn ich zuhause ausziehe und meine Mutter sich dann eine kleinere Wohnung nimmt. Und es war dann gar nicht so schrecklich wie ich mir das ausgemalt habe. Mein Zuhause ist quasi mit meiner Mutter gewandert. Und nun ist mein Zuhause unser Eigenheim.

        Es sind doch meistens die Erinnerungen an schöne Zeiten, die uns an einem Haus oder einer Wohnung festhalten lassen. Aber Fakt ist doch, die Erinnerungen bleiben uns auch ohne Haus oder Wohnung.

        Gruß
        Sassi

    +Ganz schlimm stelle ich es mir auch für (erwachsene) Kinder vor, wenn die Eltern sich trennen und dann bspw. in zwei verschiedenen Wohnungen leben oder aus der Familienwohnung/Haus in eine kleinere Wohnung ziehen. Fühlt man sich da nicht „verloren“? +

    Ähm, nein man fühlt sich nicht verloren. Ich bin schon groß, habe meine eigene Wohnung (kein Eigentum), wo ich daheim bin. Die Wohnungen meiner Eltern haben damit rein gar nix zu tun. Wenn ich sie besuche, besuche ich die Menschen, nicht die Immobilie. Ich hänge mein Herz nicht an tote Gegenstände.

    Gruß,
    B.

    • "Ich hänge mein Herz nicht an tote Gegenstände". Das meine ich auch nicht. Ich meine damit eher die Auflösung einer Vergangenheit - kann einen ja trotzdem berühren, egal wie alt man ist. Und ich verbinde das halt auch mit Orten oder einem "Eigenheim".

      "Ich hänge mein Herz nicht an tote Gegenstände."

      Als einen "toten Gegenstand" würde ich mein Elternhaus - mitsamt Garten und Umgebung - nicht bezeichnen. Wenig in meinem Leben ist mit mehr Leben und mit ähnlich lebendigen Erinnerungen erfüllt. Und ich schäme mich nicht dafür, dass mein Herz noch heute daran hängt und dass ich froh bin auch mit stolzen 38 Jahren dorthin zurückkehren zu können, wenn ich will.

      Glaube ich deswegen, dass man zum Glücklichsein für alle Zeiten das Zuhause seiner Kindheit braucht? Natürlich nicht.

Ich verstehe nicht so ganz was Du möchtest #schein !

Zuhause ist für mich immer da wo ich wohne ganz unerheblich ob nun Mietwohnung oder eigenes Haus !

Als Heimat bezeichne ich da wo ich geboren und aufgewachsen bin !
Wohne ich immer noch in der selben Gegend wo ich geboren und aufgewachsen bin ist mein Zuhause auch zugleich meine Heimat !

Ich denke für Kinder ist das völlig unerheblich ob die Eltern jetzt Eigentum haben oder nicht ,sie kommen wenn sie erwachsen sind trotzdem ins Elternhaus, auch wenn es eine Mietwohnung ist und auch wenn etliche Male schon der Umzugswagen in Anspruch genommen wurde ist die elterliche Wohnung umgangssprachlich auch das Elternhaus !

LG

Ps. Ich bin heilfroh das meine Eltern ihr Haus verkauft haben und in eine Wohnung gezogen sind und wir 3 Mädels uns nicht um das Haus kloppen müssen wenn sie nicht mehr da sind ! Erbschaft ist immer ein heikles Thema und hat schon so oft Familienmitglieder verfeindet !

#winke

da würde ich mir nicht so vieleGedanken drum machen. Deine Kinder werden wohl das als zu hause empfinden, wo ihr als Familie seid. Braucht man wirklich später dieses alte zu Hause in Form des Elternhauses um eine Heimat zu haben? Ich weiss nicht.

Ich hatte schon länger Eigentum. Ich habe 10 Jahre mit meinen Kindern dort gewohnt und das war definitiv "Ihr Zuhause". Sie kannten es ja auch garnicht anders. Alle Nachbarn waren eng vertraut, die besten Freunde waren da.

Letztes Jahr sind wir trotz Eigentum nochmal umgezogen. Den Großen hat das scheinbar denkbar wenig ausgemacht. Das alte Haus war zu klein....zu verstehen und abgehakt.

Leidglich einer der Kleinen, zum Zeitpunkt des Umzugs knapp 3 fragt heute ab und an noch nach dem alten zu Hause. Aber ich glaube auch der empfindet unser jetziges zu Hause, als wirkliche Heimat.

Mir geht es doch nicht anders. Ich fühle mich jetzt hier zu Hause, wo ich wohne. Ich bekomme auch kein komisches Heimatgefühl, wenn ich mal am alten Haus (gehört mir noch) oder bei den alten Nachbarn bin.
Mein Elternhaus...ja nun, da hat man auch gut 20 Jahre verbracht und ist sicherlich noch sehr vertraut. Meine Eltern wohnen auch dort und deswegen geht man auch noch hin. Dort wohnen würde ich nicht wollen!
Mein Bruder wird unser Elternhaus irgendwann mal erben (er wohnt auch dort).
Aber das ganze Umfeld hat sich doch in den Jahren eh verändert. Neue Häuser, alte nachbarn sind verstorben, andere hinzugezogen. Die früheren Freunde und Spielkameraden leben überall verstreut, aber nicht mehr dort vor Ort.

Ich empfinde es nicht mehr als mein zu Hausel.

Hallo, ich denke grade über deinen Text nach.

Einerseits binde einen eine Immobilie ja ziemlich. Wenn du Älter wirst kann die Immobilie ein hanz schöner Klotz am Bein sein. Oder wenn es in der Region keine Arbeit gibt . Die Häuser sind nichts Wert und können eigendlich nur noch von Alten Menschen bewohnt werden.

Andererseits erdet sie eine auch. Wenn wir kein Haus hätten, würden wir als Familie schon ganz woanderes wohnen.( Vielleicht in Frankfurt oder in der Schweiz). Weil wir aber ein Haus haben und dort schön und günstig wohnen, sind wir dort geblieben, wo wir sind. Die Kinder mußen nicht umziehen. Dafür ist mein Mann viel unterwegs.

Also ist das Haus schon heimat.

Meine Mutter wohnt schon lange nicht mehr da wo ich aufgewachsen bin und auch da haben wir oft den Standort gewechselt. Soll also heißen da wo meine Mutter wohnt ist mein ursprüngliches Zuhause obwohl ich da wo sie nun wohnt nie gewohnt habe.

Ansonsten bin ich in unserer Mietsache zuhause. Und wenn die Kinder aus dem Haus sind suchen sich mein Mann und ich was kleineres. Das war schon immer unser Plan. Ich mag nämlich kein eigenes Haus besitzen ist mir zuviel verantwortung. Mal abgesehen davon was mach ich mit der riesen Bude wenn die Kids weg sind. Leere Räume putzen bin ich bescheuert?

Mach dir doch nicht so nen Kopf. Der Mensch ist dort daheim wo seine liebsten sind.

Eine Immobilie, die vielleicht irgendwann mal von den Eltern vererbt wird, ist nicht selten eine arge Belastung. Ich wollte keine erben und werde ich auch nicht, da meine ELtern auch nie Eigentum haben wollten.

Heimat ist da, wo ich mit meiner Familie bin. Wo die Menschen sind, die ich liebe. Der Ort ist dafür echt zweitrangig. Und ich empfinde es als Luxus, nicht an eine Immobilie gebunden zu sein und frei Orte wechseln zu können, ohne auf ein Haus Rücksicht nehmen zu müssen.

Gruss
agostea

Hi,

meine Eltern haben mehrfach neu gebaut. Die alten Häuser wurden immer wieder verkauft. Das, mit dem ich die meisten Erinnerungen verbinde, wurde verkauft, als ich Anfang 20 war. Ich fand es schade, aber auch nicht wirklich schlimm.

Heimat ist für mich tatsächlich da, wo ich aufgewachen bin. Wo ich meine Wurzeln habe und mich auskenne. Wo alle Menschen, die gleichen kleinen Sprachfehler haben wie ich ;-)

Zuhause war lange Zeit einfach da, wo ich mich abends neben meinem Mann gelegen habe. Er, seine Anwesenheit, hat zuause definiert. Inzwischen sind wir geschieden und zuhause ist für mich meine Wohnung. Das ist mein Nest, mein Rückzugsort. Der Ort, der genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Verloren gefühlt hab ich mich im Übrigen nie. Warum auch #kratz

Die Kinder sind da im Moment eher wie ich vor der Scheidung. Zuhause ist, wo Mama ist.

Liebe Grüße
die Landmaus

Top Diskussionen anzeigen