An die Land- bzw. Dorfbewohner: FRAGE

    • (1) 13.07.13 - 10:37

      Guten Morgen,

      ich habe lange überlegt, ob ich zu dem Thema einen Thread eröffne... Jetzt, am 3. Tag, tue ich es einfach, da das Thema mich bewegt, ich sogar davon träume. Vorab: es hat nichts mit mir zu tun, ich kenne niemanden der Beteiligten. Nur die Gerüchte und Todesanzeigen.

      Vor kurzer Zeit hat jemand den Freitod gesucht. Hintergrund soll eine - sagen wir mal moralische Verfehlung von ihm sein, die auf Facebook als Foto oder Video gepostet wurde. Ich hatte gehofft, dass das alles so eine urban legend wäre, war es aber nicht.

      Jetzt meine Fragen:
      1.
      Was müsste jemand aus Eurem Umfeld tun, dass Ihr ihn ächtet? Dass Ihr nicht mehr mit ihm sprecht, dass Ihr nicht mehr in seinem Laden einkauft? Mich interessieren hier in erster Linie die Dinge, die NICHT ins Strafrecht fallen.

      2.
      Was müsstet Ihr getan haben, dass Ihr es selber so abscheulich findet, dass Ihr als noch nicht mal 40jähriger Mensch den Freitod sucht? Oder aufgrund welcher Sache, die Ihr gemacht habt, könnte Euch Euer Umfeld so fertig machen, dass Ihr keinen Ausweg mehr seht?

      Ich weiß, dass es schwere Fragen sind. Meine Antworten (wie ich sie mir heute vorstelle, letztendlich weiß man nie, wie man reagiert) sind:

      1.
      Nicht strafrechtliche Sachen wären mir egal, wenn sie nicht mein Leben beeinflussen. Beispiel: Jemand betrügt offensichtlich und ständig seine Frau: meinetwegen, das ist hässlich, der würde nicht mein Freund werden. Aber ich würde ihn nicht ächten. Wenn er sie schlagen würde (offensichtlich und zweifellos) würden meine Gedanken und Handlungen eher seiner Frau gelten als ihm.

      2.
      Da ist mir noch nichts eingefallen. Es gibt viele Sachen, derer ich mich schäme, aber sie haben mich nicht in Zweifel über mich oder mein Leben gebracht. Und Ächtung durch das Dorf würde mich zornig machen, sehr wütend, aber nicht (denke ich) kraftlos.

      Ich freue mich auf Antworten, die mich vielleicht beruhigen oder schlauer machen. Auch gerne als PN.

      Viele Grüße,

      b.

      • hallo,
        so lange er kein mörder und/oder kinderschänder,vergewaltiger ist,soll es mir schnurze sein,was er getan hat.
        ich will meine lebensmittel/klamotten oä bei ihm kaufen und nicht,seine verfehlungen.
        was würde es mich angehen?das geht nur ihn,seine frau,familie an!!
        2.gibts für mich keinen grund.
        lg

        Wir kommen glaube ich aus der gleichen Region und ich weiß von welchem Thema du redest. Heftige Sache ist das...

        Hallo,

        zu 1)
        Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen, weil sie mich psychisch fertig gemacht haben und auch nicht einsichtig waren, als ich mit ihnen darüber gesprochen habe. Ich verachte sie zutiefst. Hätten sie einen Laden, würde ich diesen meiden.

        Es gibt aber auch genug andere Sachen, die ich verachtenswert finde, z.B. oberflächlich zu sein. Deswegen würde ich allerdings trotzdem in dem Laden des oberflächlichen Menschens einkaufen.

        zu 2)
        Da es nicht um Straftaten geht, fällt mir da nichts ein.
        Aber jemand, der sich umbringt, braucht oft keine "Gründe".
        Es ist ja nichts Neues, dass Schmähungen oder Verleumdungen im Internet schon so manchen in den Selbstmord getrieben haben.

        LG,
        J.

      • Hallo,

        ich wohne in dem Dorf in dem ich geboren bin, beteilige mich aber grundsätzlich nicht am "Dorfgeschwätz". Bin der Meinung, dass man nie die gesamten Hintergründe kennt, also hat man sich auch kein Urteil zu bilden. Wenn ich was wissen will frage ich nach und rede dann mit den Leuten direkt, ansonsten lasse ich es bleiben - ganz einfach :-)

        Zu dem konkreten Fall mit dem Freitod:

        Die Frage nach dem Warum beschäftigt in so einem Fall immer, ich kenne das aus meinem Bekannten- ud auch Verwandtenkreis - leider. Fakt ist, dass man nie eine befriedigende Antwort finden wird. Menschen die sich zum Freitod entscheiden sind psychisch krank und befinden sich in einer absoluten Ausnahmesituation, die wir als Nicht-Betroffene (zum Glück) nicht im Ansatz nachempfinden können. Ich bin auch der Meinung, dass der Post auf fb in diesem konkreten Fall lediglich das Tüpfelchen auf dem I gewesen ist - das alleine hätte wohl nie ausgereicht um jemanden zum Freitod zu bewegen - meine Meinung, wie gesagt nachempfinden kann ich es nicht und ich bin auch kein Fachmann.

        Es tut mir leid, dass du so ein trauriges Schicksal so direkt miterleben musst - wenn auch als Unbeteiligte, aber es beschäftigt dich ja doch. Es bleibt immer unbegreiflich - auch nach Jahren und Jahrzehnten noch :-(

        Liebe Grüße

        Tatjana

        Hallo,

        zu 1. Pädophile, Vergewaltiger, Mörder fallen mir da ein oder auch Schlagen von Kindern und Frauen (was wahrscheinlich auch Punkt 3 bei Dir beantwortet).

        zu 2. Da wüsste ich nichts, außer vielleicht die Punkte zu 1. Wobei Töten aus Notwehr schon rausfallen würde.

        GLG

      • (7) 13.07.13 - 12:08

        Ich muss das I-Net wider Erwarten jetzt schon verlassen - leider.

        So danke ich Euch jetzt schon für Eure Antworten, die mich tatsächlich etwas schlauer gemacht haben.

        Es ist schon so, dass mich einige Dorfrituale und -gewohnheiten sehr aufregen, deswegen geht mir der Fall wohl so nahe. Ich bin voller Zorn auf dumme Leute, voller Trauer, dass ein junger Mensch, dem viel mit auf den Weg gegeben war, keine Möglichkeiten mehr sah, voller Traurigkeit, dass er nicht gesehen hat, dass es vielleicht irgendwo Hilfe für ihn gegeben hätte. Der angebliche Anlass seiner Entscheidung ist so dumm, so albern, in meinen Augen ist es kein Anlass... Aber auf FB gepostet und als Dorfgeschwätz aufbereitet war es ein "Skandal".

        Schönes WE für Euch.

        b.

        Hi,

        in bin aus dem Dorf weg gezogen. Auch deshalb. Ich hab erlebt, wie ein Pfarrer boykottiert wurde, weil er Ringe trug und eine Tätowierung hatte. Letztlich musste er gehen. Auch Homosexualität war unter der Dorfbevölkerung noch ein Riesendrama, genau wie Teenagerschwangerschaften.

        Arbeitende und/ oder alleinerziehene Mütter, Zugezogene und Menschen mit Behinderungen oder psyschichen Erkrankungen haben es mitunter ungaublich schwer. Meine eigene Mutter war untröstlich als wir uns haben scheiden lassen, weil ich ja jetzt ale meine Freunde verlieren und nirgendwo mehr eingeladen würde. Schliesslich sei ich ja jetzt ohne Mann/ Versorger und daher bei gesellschaftlichen Ereignissen unerwünscht. #augen

        Ich finde das unerträglich.

        Suizid ist aber immer ein Zeichen, dass derjenige selbst tiefgreifende ungelöste Probleme hat. Ein Umzug wäre für einen gesunden Menschen z.B eine akzeptable Alternative.

        Liebe Grüße
        die L.

      (11) 13.07.13 - 20:01

      1.
      Puh. Mir fallen spontan hauptsächlich Dinge ein, die strafrechtlich belangt werden. Im Moment ziehe ich mich von einer Familie total zurück, in der es leider normal ist, dass die Kinder ständig beleidigt und körperlich gezüchtigt werden. Die sind darauf auch noch stolz.

      2.
      Das kann ich echt nicht beantworten.... Vielleicht wenn ich ein Familienmitglied auf dem Gewissen hätte? Zum Beispiel schuld am Tod eines meiner Kinder wäre?

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