Angst um meine Mutter - wer hat Erfahrung mit Demenz

    • (1) 29.07.13 - 21:58

      Hallo!

      Ich frage in diesem Forum nach, um möglichst breitgefächerte Antworten zu erhalten. Meine Eltern, im Besonderen meine Mutter, kümmern sich um meine Großeltern. Die beiden möchten bzw. mochten zu Hause wohnen bleiben, mitterweile ist aber die Demenz bei meiner Oma so weit fortgeschritten, dass sie gar nicht mehr weiß dass sie sich zu Hause befindet, sie fühlt sich fremd :(
      Als Andenken an ihre alte Wohnung (in der sie ja faktisch immer noch lebt) hat sie sich ein Körbchen mit verschiedenen Sachen geschaffen. Unter anderem auch ein scharfes Messer. Sie hatte immer sehr gute Messer und hat diese auch akribisch geschärft. Versuche meiner Mutter, dieses Messer woanders zu platzieren waren leider nicht erfolgreich.
      Verbal ist meine Oma oft aggressiv ggü. meiner Mutter, allerdings bis jetzt nie körperlich.
      Daher meine Frage: Wer hat Erfahrung mit Demezkranken?
      Könnte die Verwirrung so weit fortschreiten, dass die Person auch körperlich aggressiv wird?

      Danke für Eure Amtworten und LG!

      • (2) 29.07.13 - 22:06

        "Könnte die Verwirrung so weit fortschreiten, dass die Person auch körperlich aggressiv wird?"

        Ja, selbstverständlich. Ich möchte Dir jetzt keine Beispiele nennen, aber ihr solltet zum Hausarzt der Großmutter Kontakt aufnehmen und dort ein Beratungsgespräch führen.
        Es gibt auch Literatur und sicherlich auch Internet-Foren mit Hilfe zum Thema.

        • (3) 29.07.13 - 22:14

          Danke für Deine Antwort. Wenn Du ein Beispiel weißt, möchte ich Dich bitten, es mir zu nennen/zu erzählen, denn ich habe wirklich Angst um meine Mutter, die sich die ganze Situation irgendwie schönredet. Kontakt zum Hausarzt besteht, allerdings bezweifle ich, dass er was von solchen Sachen erfährt :(

          • (4) 29.07.13 - 22:16

            Beispiele bringen Dich da nicht weiter, aber natürlich erkennen fortgeschritten Demenzkranke weder Gefahrensituationen noch Personen. Nur angedeutet.. sie könnte Deine Mutter irgendwann auf einmal für eine Einbrecherin halten und sich schützen/wehren wollen.

            Und mit Kontakt zum Hausarzt meinte ich Dich. ;-)

            • (5) 29.07.13 - 22:24

              Ich habe halt irgendwie Angst, meine Mutter damit zu übergehen, wenn ich persönlich Kontakt zu dem Arzt aufnehme.Meine Mutter ist zwar fit, hat allerings Epilepsie, und es ist meine größte Angst, dass der Stress trotz Medikation wieder einen Anfall auslösen könnte. Ich wohne halt etwas entfernt, und kann zumindest im täglichen Leben schwer helfen. Ich danke Dir herzlich für Deine Antworten, die mir zeigen, dass ich handeln muss.

              LG

              • (6) 29.07.13 - 22:36

                Du musst sie ja nicht übergehen. Sag ihr, Du machst Dir Gedanken wegen Deiner Großmutter und Du möchtest mal mit ihrem Hausarzt sprechen, wie er den Verlauf der Erkrankung einschätzt.

                Ansonsten kannst Du Dir auch Literatur oder eben andere Informationen beschaffen und ihr zukommen lassen. Was ist denn mit Deinem Großvater?

                • (7) 29.07.13 - 22:39

                  Er ist auch dement, weiß allerdings noch wo er ist. Er hat Pflegestufe 2, wohl auch wegen urologischen Problemen. Er ist zwar verwirrt, allerdings mehr passiv als aggressiv, sitzt oft stundenlang bewegungslos auf dem Sofa und denkt an "die Mutter Gottes" :/

                  • (8) 29.07.13 - 22:45

                    Also, Vorschlag: Du besuchst baldmöglichst Deine Mutter und Deine Großeltern. Vorher sammelst Du mal grundlegend Infomaterial über Demenz, sollte ja über google recht einfach zu finden sein. Und dann redest Du - je nachdem was Du bei den Großeltern vorfindest - mit Deiner Mutter unter vier Augen. Das Material wird dabei helfen.

                    Sollte das nichts bringen und Du merkst, sie nimmt das nicht ernst, dann wende Dich erstmal an Deinen eigenen Hausarzt. Der kann Dir sicher dann weiter helfen.

                    • (9) 29.07.13 - 22:49

                      So wird es gemacht. Ich dank Dir nochmals so herzlich für das Anschubsen und die Infos, ich wünschte, ich könnte es persönlich tun, denn es hat mich ein ganzes Stück weiter gebracht!!

              (11) 29.07.13 - 22:42

              Der Hausarzt kann sicher Auskunft geben über Beratungsstellen (Sozialdienst etc.) , es gibt Tagespflegeinrichtungen, die die Angehörigen etwas entlasten usw.
              Wie sich eine Demenzerkrankung entwickelt, kann man nicht so genau sagen.
              Aber die Möglichkeit, dass die Oma irgendwann vielleicht mit dem scharfen Messer zusticht , ist gegeben. Nicht aus "Aggressivität" sondern aus Angst, weil sie, wie schon erwähnt, Personen nicht mehr erkennt und sich dann bedroht fühlt.
              Leider kann ich jetzt auch nicht wirklich helfen.

              • (12) 29.07.13 - 22:50

                Ganz lieben Dank auch Dir für Deine klare Auskunft, es ist für mich so wichtig, so etwas zu wissen. Deine Antwort war schon eine große Hilfe.

                • (13) 29.07.13 - 23:28

                  Gerne, ich hoffe, ihr findet eine gute Lösung für alle Beteiligten.
                  Bei Angehörigen ist das alles ganz anders als wenn man , wie ich, beruflich Demenzkranke betreut.

          (14) 30.07.13 - 11:13

          genau den Gedanken hatte ich auch - was ist, wenn jemand kommt, die Oma erkennt die Person nicht mehr, bekommt eine Heidenangst, weil ein für sie Fremder in ihrer Wohnung steht - und dann ein super scharfes Messer...

          Ich kann eigentlich nur raten, Kontakt mit Leuten aufzunehmen, die das ganze bis zum Ende durchgestanden haben.

          Es gibt sicher viele Selbsthilfegruppen für Angehörige.

(15) 29.07.13 - 23:27

eindeutig JA.

Das Verhalten der Demenzkranken ist immer eine Bewältigung der Situation. Auch das aggressive Verhalten deiner Mutter gegenüber. Demenzkranke fallen in frühere Stadien zurück, je weiter fortgeschritten die Demenz ist, desto stärker der Rückfall, der eben bis ins Babyalter zurückgeht. Dadurch lässt sich auch erklären, dass sie körperlich aggressiv werden könnte und eben auch das Messer benutzen könnte.

Das Messer muss weg...raus aus der Wohnung. Deine Oma braucht notwendige Pflege und irgendwann ist bei Demenzkranken leider der Punkt erreicht, andem ein "zuhause-wohnen" nicht mehr möglich ist, weil die Gefahr für sich selbst und auch andere eindeutig zu groß ist.

(16) 30.07.13 - 09:25

Ich arbeite mit Demenzkranken Menschen zusammen.

Je nachdem wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, sind diese Menschen oft eine Gefahr für sich selbst. Man muss alles weg schließen. Medikamente, spitze, scharfe Gegenstände- wie bei Kleinkindern, nur noch etwas schlimmer.

Oft kommt es vor, das diese Menschen später sogar selbst "weg geschlossen" werden, in sogenannte "Beschützende Stationen".
Dort ist alles so eingerichtet, das die Menschen sich und andere nicht verletzen können. Diese Menschen sind logischerweise auch stur und wollen das nicht, doch das wird gerichtlich so festgelegt. Wenn ein Mensch eine Gefahr für sich selbst darstellt und nicht mehr in der Lage ist für sich selbst richtig zu entscheiden dann sind die Angehörigen gefragt-das zu entscheiden. Entscheiden sie nicht und es kommt zu einem Zwischenfall, dann passiert es oft, das ein gerichtlicher Betreuer festgestellt wird. Dann haben viele Angehörige nichts mehr zu melden. Es ist also wichtig rechtzeitig schreiben zu lassen, wer im Falle des Falles für einen entscheiden soll.

Ihr solltet euch mal mit dem Ganzen vertraut machen und nicht zu blauäugig an die Sache ran gehen...Als erstes muss konsequent das Messer weg. Und auch andere Messer würde ich so weg schließen, das Oma nicht hin kommt.

Und dann solltet ihr euch mal Gedanken machen ob ihr euch das wirklich zutraut einen Demenzkranken Menschen Zuhause zu pflegen. Theoretisch dürtet ihr die Oma gar nicht mehr alleine lassen. Sie muss immer und überall dabei sein oder eine Betreuung muss vor Ort sein.
Für die Angehörigen ist das sicherlich kein schönes Leben...

LG Mona

(17) 30.07.13 - 10:22

Hallo Barbro,

ich nehme an, es handelt sich um die Mutter deiner Mutter?!
Meine Oma (väterlicherseits) hatte auch Demenz. Sie hatte einen Hass auf die eigenen Kinder entwickelt; sie wusste irgendwann zwar nicht mehr wer sie sind, wollte sie aber nicht sehen! Die Schwiegertöchter und Söhne und auch wir Enkel wurden immer herzlich empfangen, da lebte sie schon im Heim.

Es war so, dass alle der Meinung waren (vor allem meine Oma) sie kann das alles noch alleine schaffen! Es war auch so, dass sie körperlich superfit war und nur ab und an was verwechselte. Von diesen "Verwechslungen" bis zum "richtigen Vergessen" (weiss nicht wie ich es ausdrücken soll) dauerte es ca 1 Jahr. Dann haben ihre Kinder beschlossen sie ins Heim zu geben! Auslöser war, dass sie eine Gasflasche offen im Haus hatte und eine neue geholt hatte, da ja die alte leer war (ihrer Ansicht nach!). Der Nachbar hatte es dann noch rechtzeitig gemerkt!

Ach ja, was das körperlich aggressive angeht.... ja, meine Oma war am Ende sehr aggressiv, sie allerdings nur gegen ihre eigene Kinder! Was ja für diese am schwersten war.

Ich habe in der Zeit von Martin Suter, "small world" gelesen, es wurde mir irgendwo empfohlen. Du erfährst zwar nicht viel über die Krankheit ansich, aber er gibt Einblicke in das Denken eines Demenzkranken. Es hat mir geholfen, einiges besser zu verstehen!

Wünsche euch allen viel Kraft #klee

LG

sternchen

(18) 30.07.13 - 11:29

Oh ja - das passiert durchaus. Mein lieber Papa - Gott hab ihn selig - bekam tatsächlich am Ende seiner Erkrankung aggressive Züge. Aber nur meiner Mutter gegenüber, okay - die lebte ja auch mit ihm zusammen und sah ihn täglich..................

(19) 30.07.13 - 11:46

Hallo barbro!

Das ein solches agressives Verhalten bei einer fortschreitenden Demenz durchaus normal sein kann, hast du ja schon zu genüge gelesen.

Ich rate dir, euch wirklich professionelle Hilfe zu holen.

Der Opa meines Mannes hatte zum Schluss auch agressives Verhalten gezeigt, und die Oma wollte ihn partout nicht in ein Heim geben, obwohl sie auch schon am Ende ihrer Kräfte war (psychisch und physisch).
Wir haben dann einfach gehandelt und uns bei einer Hilfegruppe für Demenzkranke und Angehörige ein Beratungsgespräch geben lassen, zu dem wir die Oma mitgeschleppt haben.
Nach vielen guten Informationen hat sie auch eingesehen, dass es so nicht weiter gehen kann und hat den Opa in eine Tagespflege gegeben, damit sie zumindest ein Stück entlastet wird.
Dies hat allen sehr gut geholfen.

LG Chrissy

(20) 30.07.13 - 14:22

Hallo,

ich kenne nur einen Demenz-Kranken, meinen Schwiegervater, und er ist noch nie einem anderen Menschen gegenüber aggressiv geworden.

Allerdings soll es Fälle geben, wo das schon vorgekommen ist.

Das Messer sollte vielleicht nicht bei den Sachen der Oma bleiben.

GLG #klee

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