Messie Syndrom? Oder nur "seltsam" ?

    • (1) 01.08.13 - 15:10

      Hallo ihr alle

      ich hab da mal ein Anliegen und wäre dankbar wenn ihr ein paar Meinungen oder Erfahrungsberichte für mich hättet.
      Es geht um eine Person in meiner Familie mit der ich regelmäßig Kontakt habe. Ich mache mir Gedanken ob sie eventuell ein "Messie" ist (wobei ich das Wort ganz hässlich finde, denn sie ist nicht asozial - das verbindet man ja irgendwie miteinander.. oder vlt ist das auch nur bei mir so)
      Also wie gesagt, sie ist ein umgänglicher, netter Mensch die auch bemüht ist ihr Haus sauber zu halten soweit es geht (Ich muss vielleicht dazu sagen dass sie schon mitte fünzig ist) Leider haben wir immer mal wieder Streit wenn es darum geht alte oder kaputte Dinge wegzuwerfen oder anderweitig herzugeben, also zu spenden etc.

      Vor zehn Jahren starb ihre Mutter, sie hat damals den Haushalt aufgelöst aber alles behalten. Jetzt ist beispielsweise ihre komplette Küche vollgestopft mit rund 30 Töpfen, genauso vielen Pfannen und soviel Geschirr dass mehrere Schränke voll davon sind!
      Sie benutzt den Großteil nie, kann sich aber auch nciht davon trennen.

      In dem Punkt kann ich es auch irgendwo noch ein bisschen verstehen, da es ja ihrer Mutter gehört hat und sie wahrscheinlich emotional daran hängt, aber das ist ja nicht alles. In ihrem Haus stehen vier Sofas, eins im Wohnzimmer, eins auf dem Dachboden und zwei in ihrem (wie ich es nenne) "Müllzimmer". Dort stehen auch viele alte Schränke, altes Spielzeug von ihrem Sohn der knapp 30 ist und vieles mehr das sie nciht anrührt und auch nicht braucht.

      Okay das geht mich ja erstmal nichts an, mein Problem ist eher dass sie mich sehr angeht wenn ich etwas wegwerfe was man in ihren Augen behalten muss. Letzte Woche hat ihr Hund unsere Holzschaukel kaputt gemacht. Die Sitzplatte ist komplett zusammengefressen und 2 Holzstäbe hat er rausgerissen und irgendwohin verschleppt. Ich hab eine neue gekauft und die alte auf unseren Brennholzhaufen getan um sie im Winter zu verschüren. Sie hat sie dann wieder rausgekramt und einen riesen Krach mit mir angefangen weil ich sowas nciht wegschmeißen soll, die könne noch als "Ersatzteillager" für die neue SChaukel dienen #kratz
      Genauso mit dem alten Bobby Car das mein Sohn von ihr geschenkt bekommen hat. Es ist knapp 30 Jahre alt, fährt nicht mehr richtig, hat Löcher und ist verkratzt... Ich hab ein neues gekauft. Damit war sie auch einigermaßen einverstanden... Ich hab sie dann gefragt wohin ich das alte Bobby Car tun soll, ob sie es behalten will (ich kenn sie ja #augen ) oder ich es weg tun kann.
      Da ist sie ausgeflippt, aber richtig! Es wär "völlig unlogisch" das wegzuschmeißen, man könnte es ja noch brauchen wenn mal ein Besucherkind kommt und wie ich sowas nur vorschlagen kann und so weiter... Ich war stinksauer dass sie mich so angeschrien hat und hab ihr gesagt dass man nicht jeden Müll horten muss und dass das Bobby Car kein Mensch mehr braucht aber sie hat darauf bestanden. Jetzt steht es in ihrer Gartenhütte.
      Das waren jetzt nur mal 2 Beispiele.
      Es ist eigentlich immer das Gleiche, was ich neu kaufe ist immer schlecht, das alte würde immer noch taugen, sie will das alte Zeug dann immer von mir haben und in ihr "Müllzimmer" #sorry stellen - keine Ahnung wofür.
      Wenn wir uns da nicht einer Meinung sind ist sehr schnell beleidigt und redet dann auch nicht mehr mit mir obwohl die restliche Familie ihr auch oft sagt dass es einfach Quatsch ist das ganze Zeug zu behalten.
      Ich sollte vlt noch dazu sagen dass sie und ich nah beieinander wohnen und vermutlich noch oft solche Zankereien haben werden - nämlich immer dann wenn ich etwas wegwerfen will oder wenn ich nicht will wenn mein Sohn dieses alte Zeug von ihr geschenkt bekommt.. und das meine ich wirklcih nicht böse..
      Also jetzt meine Frage, könnten das Anzeichen vom Messie Syndrom sein?
      Wie soll ich damit umgehen, wie kann ich ihr begreiflich machen dass ihr Verhalten irgendwie nicht ganz normal und manchmal auch nicht okay ist?

      Sorry dass das so ein langer Text geworden ist #zitter
      Liebe Grüße

            • Ich hab gehofft dass es hier vielleicht Leute gibt die Erfahrung mit sowas haben und mir Tipps geben können wie ich damit umgehen kann bzw wie ich mit ihr reden soll damit sie es nicht in den falschen Hals bekommt.

              Ich habe eben das geschrieben was ich von ihr mitbekomme und ich dachte mein Text würde sonst so lang werden dass es keiner ganz durchlesen mag...

      (6) 01.08.13 - 16:01

      Ja, natürlich ist das eine Form von "Messie". Auch wenn sie es jetzt noch schafft, ihre Wohnung trotz Müllsammlung sauber zu halten, irgendwann wird da so viel herum liegen, dass sie jedesmal alles umräumen müsste, um in jede Ecke zu kommen. Und dort wird sie dann einfach nicht mehr sauber machen, noch mehr Müll drauf werfen und so weiter.

      Das Ganze funktioniert aber leider wie bei einem Suchtkranken: So lange die betreffende Person selbst keine Krankheitseinsicht zeigt, wird sich nichts ändern. Da wird Dir nur helfen, Dich beraten zu lassen, Literatur zum Thema zu kaufen (für Dich) und/oder radikal durchzugreifen (ihr also nichts mehr zu überlassen, auch wenn sie dann richtig böse wird).

    • wenn ich deinen Text richtig gelesen hab, dann hortet sie ja keinen "richtigen" Müll, sondern Dinge, die andere eben wegwerfen würden, weil kaputt od. Ersatz dafür angeschafft wurde. Wer weiss, vielleicht musste sie in ihrer Kindheit viel entbehren und es fällt ihr deshalb schwer, etwas weg zu werfen. Solange sie die Mülltonne mit ihren Abfällen befüllt, die Wohnung einigermaßen sauber hält, machst du mit dem Messieverdacht ein Problem, wo evtl. gar keins ist

      • Nicht jeder Messi sammelt auch seine Abfälle. Das ist dann schon eine sehr schwere Form.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Messie-Syndrom

        • >>das heißt Betroffene schätzen Wert und Nutzen verschiedener Dinge anders ein als der Durchschnitt der Bevölkerung<<

          dann wäre jeder Sammler von bestimmten Gegenständen ein Messie

          • Nein, aber wenn man Bücher sammelt, so viele, dass es nur noch Gänge in der Wohnung gibt und die Bücher sich bis zur Zimmerdecke stapeln, dann kannst du von Messietum ausgehen.

            Auf dem SWR2 gab es gestern einen guten Beitrag dazu, in der Sendung tandem. Nachzuhören als podcast. Sehr empfehlenswert.

            • danke für den Sendungshinweis.

              >>dass es nur noch Gänge in der Wohnung gibt und die Bücher sich bis zur Zimmerdecke stapeln<<

              wohl dem, der ein richtig großes Haus mit genügend Platz hat für seine Büchersammlung;-)

              • Nein nein, einen Messie erkennst du daran, dass er auch das große Haus so weit füllt, dass es nur noch Gänge gibt. Das ist na klar eher ein fortgeschrittenes Stadium des Messietums, dann.

                Ich arbeite sehr gern mit Messies, es ist ein unglaubliches Geflecht der Psyche, das sich da auftut. Ich wünschte, das könnte ich mein Leben lang machen: Mit einsichtigen Messies arbeiten. Nicht wie im Trash-Fernsehen "mal einfach tüchtig zupacken", sondern die Wurzel finden gehen, erkennen, was fehlt, erkennen, was der Mensch wirklich braucht und ihm zeigen, wie er da hin kommen kann.

                Finde ich toll.

                Ach, ich mag meine Arbeit.

                :-)

                • mich stört einfach, dass jeder der irgend etwas nicht wegwerfen will gleich in Messiverdacht gerät. Klar gibt es "echte" Messies, aber man muss unterscheiden

                  • Klar. Aber so wie die TE es schildert, besteht da schon ein Verhalten, das klar darauf hindeutet.

                    Sicher stehen wir nicht daneben, ich mache gerade keinen Hausbesuch bei der Tante. Dennoch klingt das sehr danach.

                    • weiss nicht. Blos weil man der Wegwerfgesellschaft nicht fröhnt deutet es auf ein krankhaftes Verhalten hin?

                      • Nein, deswegen nicht.
                        Vielmehr wegen der Reaktion, als die TE eigene Dinge entsorgen wollte. Diese Wut, die da scheinbar war. Die deutet auf ein anderes Verhalten hin.
                        Das Ding ist ja, ICH kann Messies einfach so leben lassen. Ihr Wohnverhalten darf nur keine Gefahr für sie selbst und für andere darstellen. Und wenn ein Messie einen Leidensdruck verspürt, dann sollte man ihm helfen können.
                        Messies sind in meinen Augen nicht kränker als andere Menschen. Sie führen in der Regel ganz normale Leben, viele sind Akademiker und hoch gebildet. Sie haben nur ein paar Probleme mehr als andere. Und eben auch in wohnlicher Hinsicht.

                        Wie gesagt, für mich ein sehr spannender Bereich meiner Arbeit.

          ... Wenn man es so sieht, bin ich auch einer#zitter

          Allerdings gebe ich bestimmte Gegenstände meiner Sammlung auch wieder ab, wenn sie doch nicht so passen, wenn sie doppelt sind ... vielleicht dann doch nicht?#schein

(18) 01.08.13 - 17:16

Hallo,

wenn jemand Dinge aufhebt, de einen sentimentalen Wert für ihn haben, ist er in meinen Augen kein Messie.

Ich hebe auch gerne auf.

GLG

(19) 01.08.13 - 18:15

Hallo,

sie ist völlig normal!

Sie gehört allerdings einer anderen Generation an. lebt nicht nach den heutigen Regeln einer minimalistischen Lebenseinstellung und unterwirft sich nicht der modernen Wegwerfgesellschaft

http://minimalismus21.de/tag/wegwerfgesellschaft/

Sie ist in einer Zeit groß geworden wo es eine Sünde gewesen wäre etwas wegzuwerfen. Zu ihrer Zeit hat man aus allem etwas gemacht, aus einem alten Kleid der Mutter halt ein Röckchen für die Tochter oder aus alten Metallbetten wurden Gestelle im Garten gewerkelt für Rankbohnen.
Ererbte Familiengegenstände wurden dankbar angenommen und weiter benutzt.
Geräte und Möbel wurden ausgebessert wenn sie defekte Stellen hatten und nicht wegen einer defekten Kleinigkeit ausrangiert.

Laß ihr einfach ihre Lebenseinstellung und geh selbst achtsam mit Dingen um und wenn Du halt was los werden möchtest dann entsorg es dezent (ohne ihr Wissen).
Ausgediente geliehene Sachen/Dinge gib ihr halt wieder zurück ohne murren und gut ist. So wahrt ihr beide euer Gesicht.

Wer weiß nach welcher Lebensart man in 20 oder 30 Jahren leben wird.
Jede Zeit hat ihre Vorstellungen von normal.

Beste Grüße
marada

(20) 01.08.13 - 21:39

Das Knackpunkt ist glaube ich, dass sie ALLES von ihrer Mutter aufhebt.

Nichts gegen eine gewisse Trauerphase in der man erstmal alles behält, und nichts gegen liebgewonnene Erinnerungsstücke (ich habe auch einige Stücke meiner Großmutter, die mir sehr sehr nahe stand aufbewahrt und die teilweise sogar kaputt sind. Aber das sind drei oder vier Gegenstände, die mich besonders verbinden/erinnern) aber normalerweise kommt dann irgendwann der Punkt, an dem man auch loslassen und die verstorbene Person auch innerlich gehen lassen kann.

Aber einsehen muss sie das schon selbst.

Wenn sie sich nicht helfen lassen möchte, kannst Du wenig tun. Mit Reden und Predigen erreichst Du allenfalls das Gegenteil. Aber ich an Deiner Stelle würde mich zumindest selbst abgrenzen und ihr sagen "Wenn Du mir Dinge schenkst, sei Dir im Klaren, dass ich damit tun kann und werde, was ich möchte." und sie dann natürlich entsorgen - muss man ja dann kein Aufhebens mehr drum machen.

  • Mir fiel gerade noch ein, dass ich auch so einen "FesthalteFall" kenne.
    Der Sohn der Dame verstarb mit 14. In den frühen 70er Jahren. Die Dame ist mittlerweile weit über 80 und hat unheimlich viel aufbewahrt (wird aber langsam weniger "Man kann ja nicht alles mitnehmen..." *g*).

    Dieser Sohn ist IMMER Thema wenn wir uns unterhalten und mein eigener Sohn bekommt das Ein oder Andere von ihr geschenkt - immer mit dem Hinweis: "Das ist von H."

    Gut, ich hab ihr das so wie eben schrieb nicht an den Kopf geknallt, weils so extrem nciht ist und weil es mich auch einfach mal nicht stört.

    Ich behalte natürlich nicht alles ;)

    • du und dein Sohn sollten sich glücklich schätzen, dass sie etwas von ihrem Sohn euch/ihm schenkt. Für sie ist das etwas sehr Wertvolles und in ihren Augen hat dein Sohn,durch seine Art oder warum auch immer, verdient, etwas von ihrem Sohn zu bekommen.

      Versuch mal, es von dieser Seite zu sehen

      • Ja, das sehe ich durchaus so. Ich habe auch damit überhaupt kein Problem. Menschen von Außen finden es zuweilen schon extrem "spleenig". Z.B. war es das Erste, was sie meinem Mann erzählte, als sie ihn kennenlernte.

        Natürlich haben diese Dinge für sie eine Bedeutung, aber das heißt ja nicht, dass wir alle kaputten Dinge auch weiter nutzen müssen, oder? Ist es besser, ihr vor den Kopf zu stoßen und zu sagen "Ist doof?"

(24) 01.08.13 - 22:03

Die Frau ist krank!

Ela

"Also jetzt meine Frage, könnten das Anzeichen vom Messie Syndrom sein?"

Ja.

"Wie soll ich damit umgehen, wie kann ich ihr begreiflich machen dass ihr Verhalten irgendwie nicht ganz normal und manchmal auch nicht okay ist?"

Das ist schwer. Es muss eine Einsicht bei der Frau eintreten, ein Leidensdruck, damit etwas geändert wird.

Ich denke, ich würde mit ihr reden, darüber, dass sie tun und lassen kann, was sie möchte, sie aber respektieren muss, dass DU andere Massstäbe setzt, für dich und deine Familie. Sie kann von dir nicht verlangen, dass du ihr Verhalten übernimmst, so wie du von ihr keine Änderung erwarten kannst.

Das kann ein schweres Gespräch werden, da ich finde, sie überschreitet schon deine Grenzen, wenn sie dich beschimpft, weil DU DEINE Dinge entsorgst. Aber es ist notwendig. Immer musst du bedenken, es geht darum, den Respekt vor dem anderen zu bewahren, AUCH wenn er sammelt. Nur, auch der Sammler sollte den Respekt vor anderen Menschen haben.

Dir und ihr alles Liebe,

White, quasi "Messie-Helferin"

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