Leben wir Toleranz?

    • (1) 09.10.13 - 08:37

      Hallo,

      angeregt durch eine Diskussion im Schulforum möchte ich folgende Frage zur Diskussion stellen: Leben wir alle wirklich die Toleranz, von der wir so gern sprechen?

      Folgendes Szenario: " deutsche kinder der ersten Klasse frühstücken. Das eine hänselt das andere, weil es Schinkenwurst drauf hat. Was ratet ihr der Mutter?

      Abwandlung: Wieder 2 kinder der ersten Klasse. Nur ist es diesmal ein türkisches kind, welches das deutsche hänselt. Die Antworten darauf kann man im o.g. Forum nachlesen.

      Da kommen Antworten wie:

      "Frechheit, was sich Ausländer in Deutschland raus nehmen."
      "Wer hier leben will, der muss sich integrieren"
      "Ich würde die Schule wechseln"

      Und das ganze unter dem Deckmantel von Toleranz. "Ich habe ja nichts gegen "Ausländer"

      Jetzt mal ehrlich: Ist es tolerant, bei dieser eigentlich harmlosen Geschichte (die Hänselei unter kindern) eine derartige Meinugn zu haben? Den (türkischen) Eltern schlechte Erziehung vorzuwerfen bzw. sogar behaupten, sie hätten ihre kinder dahingehend manipuliert, solche Aussagen zu machen? Davon auszugehen, dass die Äußerung eines 6 jährigen zum Brotbelag eindeutig belegt, dass Kind (und seine Eltern) wären negativ gegenüber der deutschen Kultur eingestellt? und letztendlich sogar dazu zu raten, die Schule zu wechseln, obwohl nichts weiter passiert ist?
      (Anmerkung: Es wurde niemals gesagt, wie die eltern des hänselnden Kindes dazu stehen)

      Spiegelt das die Toleranz gegenüber Ausdländern wieder, die wir im o.g. Thread umgekehrt fordern?

      Ehrlich gesagt bin ich überrascht (vielleicht auch erschrocken), welche Aussagen da gekommen sind. Wie eine derart harmlose Geschichte in solche politische Bahnen gelenkt wird und wir durch die Hänseleien von 6 jährigen dazu veranlasst werden, in unseren Erinnerungen irgendwelche negative Erfahrungen mit ausländischen Menschen zu suchen, um darauf aufbauend eine Empfehlung für die TE aussprechen. Und gar nciht merken, wie wenig tolerant wir selbst dabei sind.

      vg, m.

      • Hallo,

        der Konsenz in dieser Diskussion ging doch in die Richtung 'Toleranz muss in beide Seiten gelebt werden'. Das finde ich wichtig und es nicht zu früh oder der Anlass zu klein, dein Kindern das beizubringen und vorzuleben.

        Kinder sind nun einmal so und sie sind immer schon gewesen. Andersartigkeit oder andere Gewohnheiten fallen Kindern schnell auf und sie werden zur Sprache gemacht, weil sie die 'Sowas sagt man nicht'- Mentalität noch nicht erlernt haben.

        Bezüglich dieser Diskussion denke ich, dass jeder das auf seinem Brot essen können muss, was er mag und möchte, unabhängig von der Meinung des Umfelds und das die Situation ein guter Punkte für Lehrer und Eltern ist, den sie aufgreifen können um die Themen Toleranz und kulturelle Vielfalt aufzugreifen und den Kindern näher zu bringen.

        Allgemein finde ich, dass Toleranz und Integration zwei der schwieigsten Themen überhaupt sind.

        Meine Meinung nach, kann eine Gesellschaft nur dann funktionieren, wenn ein minimaler Konsenz zwischen den Mitgliedern besteht, eine Basis wie die Sprache und wenn jedes einzelnen Mitglied die heterogenität der Masse versteht und akzeptiert.

        Die Schwierigkeit ist einfach, alle Parteien an einen Tisch zu bekommen und eine Lösungsfindung auf Augenhöhe zu triggern. Dieses Vorgehen mit Kindern zu üben halte ich für gut unf vernünftig, in der Hoffnung, dass sie als aufgeklärte und tolerante Erwachsene das gleiche Vorgehen wählen.

        Bin gespannt auf die Diskussion!

        #winke

        • Hallo,

          danke für deine Antwort. Leider kann ich jetzt nicht feststellen, dass die diskussion in Diese Richtung geht. Denn da stellt sich mir die Frage: Bin ich denn selbst tolerant, wenn ich meine eigene Diskussion und antwort nur auf einem Detail aufbaue. Und zwar der Tatsache, dass das hänselnde kind türkischer Herkunft ist? Lassen wir dieses Detail weg, würde die Diskussion ganz anders ausfallen. Warum nehmen wir also dieses kleine Detail zum Anlass ohne das Alter des kindes zu berücksichtigen? Was ist mit uns los, dass wir bereits einem kind von 6 Jahren soviel Ablehnung zutrauen und vorab den Eltern dieses Kindes unterstellen, sie hätten grundsätzlich Probleme mit der deutschen Kultur? Ist das tolerant?

          vg, m.

          • Hallo,

            ich halte es für ein wichtiges Detail, dass die Kinder türkischer Herkunft sind. Aufgrunddessen ist nämlich anzunehmen, dass die Abneigung gegenüber Schweinefleisch kulturelle Wurzeln hat.

            Die Diskussion geht im Grunde ja auch nicht um Brotbeläge, sondern darum wie man einen 'Clash of Cultures' händelt, auch im Grundschulalter.

            Meiner Meinung nach bedeutet Toleranz in erster Linie, dass man einem Miteinder verschiedener Kulturen befürwortet und aktiv daran arbeitet, das umzusetzten.

            Toleranz hört dann auf, wenn eine Personengruppe in ihrer Kultur durch die andere eingeschränkt wird oder wenn die Bräuche eines Kulturkreises gegen gängiges inländisches Recht verstoßen (bspw. darf ein Niederländer in England keine Gras konsumieren, nur weil es zur holländischen Kultur gehört).

            Ich denke, Toleranz ist vor allem Lösungen auf Augenhöhe zu finden und alle in die Lösungsfindung mit einzubeziehen.

            Die Frage, ob Toleranz gelebt wird, kann ich deshlab eigentlich erst beantworten, wenn ich weiß wie das Problem gelöst wurde und nicht daran festmachen, ob ein Problem aufgeworfen wird.

            Was meinst du? Wie würdest du Toleranz für dich definieren? Wirklich schwierig #schwitz

            LG

            • wir sollten uns lieber fragen, wo Toleranz beginnt. Tolernaz beginnt nicht, wenn Deutsche auf Ausländer treffen. Toleranz beginnt, wenn Menschen aufeinander treffen. Ich muss nämlich nciht nur einem türkischen Menschen gegenüber tolerant sein, sondern auch einem deutschen Menschen, z.b. unabhängig davon, welche Schuhe er trägt oder ob er z.b. schwul ist.
              und ischerlich muss man in der Schule diesen konflikt zum anlass nehmen, um über unterschiedliche Sitten udn Gewohnheiten zu reden udn über Toleranz dieser unterschiede. Aber vielmehr sollte man über Toleranz im allgemeinen sprechen, denn unterschiede basieren eben nciht nur auf der Religion.
              Mir geht es auch vielmehr um die Grundeinstellung der Antwortenden. In dem Moment, wo ich einer Mutter wegen dieses Problemes rate, die Schule zu wechseln udn das allein basierend auf diesem winzigen Detail, bin ich nicht tolerant. es sei denn, ich würde einer Mutter eines kindes einer Klasse mit nur deutschen kindern ebenfalls raten, die Schule zu wechseln, weil ihr kind wegen seiner roten Haare gehänselt wurde und die Lehrerin es daraufhin woanders hin gesetzt hat.

              • "ich würde einer Mutter eines kindes einer Klasse mit nur deutschen kindern ebenfalls raten, die Schule zu wechseln, weil ihr kind wegen seiner roten Haare gehänselt wurde und die Lehrerin es daraufhin woanders hin gesetzt hat"

                ja, ich auch. Aber weißt Du, ob die, die das geantwortet haben, das in diesem Fall nicht genauso antworten würden? Wie kannst Du sicher sein, dass sich das nur auf türksich-deutsch bezog?

                Der Umgang der Lehrerin mit dem Problem war kein Paradebeispiel von Umgang mit Hänseleien innerhalb der Klasse.

                Ich verstehe aber durchaus, was Du sagen willst und finde Deine Fragestellung grundsätzlich gut und berechtigt. Weiß nur nicht, ob der Vorwurf in diesem Fall tatsählich berechtigt ist.

                Herzlich, liki

                • Wenn du das raten würdest, dann bist du eine Ausnahme. Behaupte ich jetzt mal. Die Diskussionen, in denen es bisher um Hänseleien ging, zeichnen da ein anderes Bild. Ich kann mich nciht erinnern, dass da zum Schulwechsel geraten wurde.
                  Zumal man auch hinzufügen muss, dass die Lehrerin dem kind heute wohl wieder gestatten will, sich selbst einen platz zu suchen udn über weiterführende Maßnahmen seitens der Lehrein nichts gesagt wurde.

                  • naja gut, ehrlich gesagt würde ich in beiden Fällen zunächst einmal dazu raten, den Direktor zu sprechen und wenn der darauf bestünde, mein rothaariges Kind/mein schinken-essendes Kind allein sitzen zu lassen anstatt mit der Klasse zu sprechen, DANN würde ich einen Schulwechsel in Erwägung ziehen. Für _mich_ gibt es keinen Unterschied zwischen beiden Fällen.

              Hallo,

              <<wir sollten uns lieber fragen, wo Toleranz beginnt. Tolernaz beginnt nicht, wenn Deutsche auf Ausländer treffen. Toleranz beginnt, wenn Menschen aufeinander treffen.>>

              Da stimme ich dir voll zu!#pro Ich denke nur, dass sich die Konflikte eben aus verschiedenen Aspekten des 'Menschseins' ergeben, Kultur, Religion, Sprache, sexuelle Orientierung, Aussehen, Gewohnheiten etc.pp.

              Und genau das muss man rausstellen, dass wir alle Menschen sind und uns eben in ein paar Punkten unterscheiden und das völlig ok so ist.

              Die Klasse zu wechseln halte ich auch für den letzen Schritt, den man gehen sollte.

              Aber was wäre denn, wenn sich die Situation hochschaukeln und das Mädchen gemobbt würde, wirkliche psychische Probleme hätte? Dann wäre ein Klassenwechseln durchaus angebracht. Und das in jedem Fall, in dem ein Mensch in einer Gruppe, aufgrund des Verhaltens der Gruppe, leidet.

              Toleranz ist eben auch, einen Konflikt immer als Einzelfall anzusehen, beide Partein neutral und den Fall in in allen seine Facetten zu betrachten. Was ist der Konflikt? Worauf ist es begründet? Woraus können diese Gründe entstanden sein? Wo kann ich ansetzen um den Konflikt zu lösen?

              Der Rat, einfach die Klasse zu wechseln widerspricht natürlich jedem Gedanken von Integration und kultureler Vielfalt.

              Erschreckend fand ich aber auch, dass eine so klare Aufteilung im Kopf herrscht von wegen es gibt x türkische und x deutsche Kinder.

              Da muss noch einige getan werden, auf beiden Seiten.

              • "Erschreckend fand ich aber auch, dass eine so klare Aufteilung im Kopf herrscht von wegen es gibt x türkische und x deutsche Kinder."

                Ich stimme dir zu, dass der Ausgangsthread aufgrund dieser Aufteilung schon eine gewisse Richtugn vorgeben hat.

          "Meiner Meinung nach bedeutet Toleranz in erster Linie, dass man einem Miteinder verschiedener Kulturen befürwortet und aktiv daran arbeitet, das umzusetzten."

          nun ja, das hat aber mit gängigen definitionen von toleranz nichts zu tun.

          tolerare- der urpsrung des wortes- bedeutet erdulden, erleiden, aushalten

          tolerant bin ich nie jemandem gegenüber, dessen meinung, art zu leben, kultur,.. ich befürworte- das it ja leicht.
          es auszuhalten, es zu erdulden, daß der andere anders ist, das ist Toleranz.

          das christentum geht ja noch einen schritt weiter- jesus sagtja nicht, du sollst deine feinde ("den anderen") erdulden- er sagt, du sollst ihn lieben wie dich selbst.
          daß uns dies in aller regel nicht mal ansatzweise gelingt, ist uns allen klar- aber das ist wesentlicher bestandtteil unserer christlichen kultur.

          selsbtverständlich gibt es grenzen dessen, was ich als einzelnder aber auch als gesellschaft bereit bin zu erdulden und auszuhalten. das wird imemr wieder neu ausgelotet werden müssen und bestimmte gesetze bilden dafür eine grundlage.

          • Hallo,

            ja im ursprünglichen Sinne bedeutet Toleranz 'Erdulden' und 'Ertragen'. Sprache wandelt sich aber stetig und der Begriff wurde im Laufe der Zeit anders aufgeladen.

            (Vergleiche mal die Bedeutung von 'geil' von 50 Jahren und jetzt).

            Die anderen 'lieben wie mich selbst' finde ich Ordnung - habe ich doch zu mir auch eine positive, aber selbstkritische Meinung und bin durchaus auch mal der Meinung, dass ich dringend was ändern muss.

            Viele Grüße

            • danke- daß sprache sich wandelt, ist mir durchaus bekannt ;-)

              ich denke aber, wir überstrapazieren den begriff toleranz, wenn wir ihn derart dehnen, wie du es hier in anlehnung an erklärung der deutschen unesco Kommision tust.

              Ich glaube nicht, daß wir "Toleranz ist Harmonie über Unterschiede hinweg" wirklich leben können udn glaueb auch nicht, daß das erstrebenswert ist.
              wir reiben uns an unterscheiden, wir wachsen an der auseinandersetzung darum.

              da gefällt mir der ursprüngliche wortsinn erheblich besser, denn das ist eine aufgabe, die mir bewältigbar erscheint

      Hätten die türkischen Eltern ihren Kindern Toleranz beigebracht, hätten die Kinder gar nichts zu lachen gehabt. Denn dann hätten sie die Schweinewurst des deutschen Kindes als völlig normal für die deutsche Kultur angesehen.

      • Ich habe als Erstklässlerin eine afroamerikanische Mitschülerin "Negerpuppe" entgegen geschleudert. Nicht, weil ich was gegen Ausländern hatte (in der ehem. DDr gab es diese "Problematik" meines wissens nicht ode rnciht in diesem Ausmaß) sondern weil ich sie einfach doof fand und dieses Merkmal am offensichtlichsten war. Meine Mutter hat mir darauf so doll eine auf den Mund gekloppt, dass ich Nasenbluten hatte. Heute habe ich sogar Patenkind in Kenia.
        Was denkst du also, war das Problem bei mir? Hat meine mutter vergessen, mit mir über Toleranz zu sprechen? War ich einfach besonders böse? War meine mutter intolerant?
        Sag du es mir, ich kann mich nämlich nciht erinnern, dass meine mutter jemals geduldet hätte, dass ich andere kinder gehänselt hätte udn dennoch habe ich es getan. genau wie viele deutsche Kinder ihre mitschüler auch in späteren Jahren z.B. über Facebook mobben, weil sie nicht die richtige kleidung tragen
        Was ist also passiert, dass du vor diesem Hintergrund die Diskussion auf dieses Detail beschränkst?

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