wie wichtig ist ein Friedhofsbesuch?

    • (1) 16.10.13 - 10:16

      Hallo,
      mich beschäftigt da was und zwar:

      vor zwei Jahren ist meine Mutter sehr schnell an einem Hirntumor verstorben. (Diagnose bis Tod waren ca. 6 Monate)
      Mein Vater ist mir der ganzen Sache überhaupt nicht zurecht gekommen und darüber auch vor einem halben Jahr verstorben.
      Ich habe keine Geschwister.

      Meine Eltern liegen gemeinsam auf einem kleinem Dorffriedhof in einer Grabstätte, die nicht gepflegt werden muss (war auch ganz klar die Entscheidung meiner Eltern).

      Auf diesem kleinen Friedhof gibt es noch die Grabstätte meiner Großeltern, die vor 13 / 18 Jahren verstorben sind. Ein kleines Urnen-Familiengrab.
      Um dieses muss ich mich kümmern.

      Da steht ein Bux, den ich alle paar Monate beschneiden muss.
      Ansonsten sind da immergrüne Bodendecker.
      Meine Eltern, die nahe beim Friedhof gewohn haben, haben sich immer liebevoll um dieses Grab gekümmert.

      Ich bin noch nie sehr gern auf den Friedhof gegangen.

      So, jetzt weiß ich, dass meine Eltern sich wünschen würden, dass dieses Grab immer ordentlich aussieht - daher die Immergrünen langsam wachsenden Pflanzen.

      Auf diesen Friedhof liegen auch noch ganz viele andere Menschen, die ich aus meiner Kindheit kenne - die meine Kindheit ausgemacht haben, einschließlich mehrerer Lehrer und Kindergärtnerinnen.

      Ich bin eigentlich ein fröhliche Mensch. Denke auch viel an Eltern und Großeltern, rede da viel mit meiner Tochter drüber, habe Fotos in der Wohnung stehen...Aber ich WILL nicht auf diesen Friedhof gehen.

      Das macht mir unglaubliche Angst da zu sein, es macht mich depressiv, traurig, reißt mich den ganzen Tag runter. Ich fühle mich unendlich allein auf der Welt, wenn ich da bin, uralt (obwohl ich erst 42 bin), frage mich da nach dem Sinn des Lebens und ......

      Was würdet ihr tun?

      Mein Mann geht für mich auf den Friedhof und kümmert sich um das Grab.

      Ich zünde mit meiner Tochter eine Kerze für Omaopa an, schick ihnen Luftballons in den Himmel, stelle Blumen auf den Balkon, damit sie sie von ihrer Wolke aus sehen.

      Aber ich gehe nicht auf den Friedhof!

      Ist das schlimm?
      Wie gesagt, der Friedhof ist auf dem Dorf, das wird sehr viel hingeschaut, wer kommt und macht was etc. Aber das kann mir doch eigentlich egal seion oder?

      Ach, ich glaube, dass musste einfach mal raus.

      Würdet ihr was anders machen?

      • jeder geht mit seiner Trauer und der Zeit danach anders um. Liebevolles Andenken an einen Menschen hat nichts mit Grabpflege zu tun.

        >>Würdet ihr was anders machen? <<
        eine Gärtnerei o. ä. mit der Grabpflege beauftragen. Gibt es so etwas bei euch?

        • nein, ist auch nicht wirklich nötig, da es tatsächlich reicht alle 2-3 Monate hinzufahren und nach dem Rechten zu schauen. Das macht aber wie gesagt mein Mann ganz gern bzw. stört es ihn nicht.

          Aber das Angebot gibt es nicht und das wäre "im Dorf" noch schlimmer als nicht kümmern ;-)

          • dich plagt das schlechte Gewissen "wegen der Leute, was die Leute wohl denken". Wie es halt auf dem Dorf so ist. Du, was die Leute denken, darauf hast du so wie so keinen Einfluss, egal was du tust. Dann tu es so, wie du es für dich in Ordnung findest.

            Stell dir vor, Du würdest die Grabpflege übernehmen, dann reden die Leute, wie selten du doch ans Grab gehst. Das tun sie evtl. im Moment vielleicht so wie so. Oder das die Bepflanzung recht dürftig ist.

            Wenn die Leute sich aufregen wollen, dann tun sie es. Fürs Aufregen findet sich immer was;-)
            Um dich zu stärken, lass dir noch mal sagen, Trauer, Erinnerung und Andenken sind private Dinge, die müssen nicht nach außen hin gezeigt werden. Auch wenn das "auf dem Dorf" so üblich zu sein schein. Wird sich irgendwann hoffentlich auch mal ändern

      (5) 16.10.13 - 10:35

      Hallo,

      so wie ihr es jetzt macht fühlt es sich für dich doch am besten an oder? Dann ist es auch genau richtig so.

      Was andere darüber denken, sollte dir herzlich egal sein. Hier geht es um ein sensibles Thema, nicht jeder Mensch kann einfach so auf einen Friedhof spazieren. Dir geht es dort nicht gut. Trotzdem hast du dich darum gekümmert, das die Grabpflege erledigt wird. Das ist vollkommen in Ordnung so.

      LG urbinika

      • (6) 16.10.13 - 10:46

        ja, es fühlt sich richtig an - es lauert nur irgendwo so eine Art "schlechtes Gewissen" was mir sagt: ich muss es anders machen, auch gegen mein Gefühl und meinen Verstand.

        Dagegen brauchte ich eure Unterstütztung .... daher danke dafür

    (7) 16.10.13 - 10:38

    Hallo,

    eigentlich gehe ich gerne auf Friedhöfe, ganz bewusst.

    Es ist ein Ort der Ruhe, der Besinnlichkeit.

    Und ich muss gestehen, dass ich das leider in letzter Zeit zu selten gemacht habe.

    Wenn Du das Grab nicht selber pflegen möchtest, es gibt Firmen, die das übernehmen.

    GLG

    • (8) 16.10.13 - 10:45

      gibt es da in dem kleinen Dorf nicht wirklich, ist aber grundsätzlich eben auch nicht nötig.

      Ich gehe auch gern über andere Friedhöfe, das stört mich nach wie vor auch nicht. Nur eben da kann ich nicht hin. Das ist wie so eine große Kracke, was mich da umfängt, es kriecht aus jeder Ecke und überwältigt mich förmlich.

      Es ist einfach zu nah.

      Grundsätzlich hab ich auch kein Problem mit dem Tod. Das ist nun mal Teil des Lebens.

      Es ist traurig birgt aber auch viel Frieden und Ruhe in sich.
      Friedhöfe allgemein sind daher auch völlig in Ordnung.

      Ich hab eben nur so eine Art "ES", was quasi von mir erwartet, dass ich da hingehe und mich dem aussetzte und dagegen muss ich irgendwie ankommen.

      Meine Hoffnung war schon auch, dass ihr mir sagt: es ist okay - das nimmt mir ein wenig diese Last

      und deshalb eben auch der Post.

      Würdet ihr was anderes sagen überwiegend - müsste ich mir überlegen, ob nicht vielleicht doch der Fehler bei mir liegt. Allerdings sagt mir eben mein Verstand, das es so wie es jetzt ist richtig ist.

Hallo,

Wenn es finanziell geht würde ich auch eine friedhofsgärtnerei damit beauftragen, das gibt es doch auf fast allein Friedhöfen.

Bei uns ist das ähnlich gestrickt, meine Oma hat sich auch immer hingebungsvoll um das Grab meines Opas gekümmert, jetzt liegt sie seit 6jahren auch dort.
Die hatten 8 Kinder, aber keiner kümmert sich außer meiner Mutter und meine Tante.

Allerdings kann meine Mutter sich auch nicht allzu oft durchringen hinzugehen, sie sagt immer es ist Zeitmangel aber ich weiß das es anders ist.
Ich helfe ab und an mit, aber auch mir fällt das unglaublich schwer, ich mag die Stimmung dort nicht und ich bin danach auch immer eine Weile depressiv.
Ich habe sehr an meiner Oma gehangen.
Sie hat sich immer gewünscht das das Grab mit der gleichen Hingebung weiter bepflanzt wird, das schaffen wir aber nun mal zeitlich absolut nich, leider.
Meine Mutter bringt es aber auch nicht übers Herz das ganze an eine Gärtnerei abzugeben.

Meist Pflanzen wir im Frühjahr etwas, im Sommer nochmal neu und zum Winter wird eben abgedeckt.

LG

Nein, du musst nicht auf den Friedhof wenn du das nicht möchtest. Jeder Mensch trauert und verarbeitet den Schmerz anders. Manche brauchen einen festen Ort an den sie gehen können um sich zu erinnern und zu trauern. Andere, so wie du, engt das eher ein. Mach einfach das womit du dich am wohlsten fühlst. Deine Eltern kannten dich doch sehr gut, sie würden das verstehen.

#winke

(11) 16.10.13 - 10:50

danke ... ich danke euch sehr.

Ich glaube, dass gerade der zweite Todestag meiner Mutter naht, bewegt mich mehr als ich vermute.

Daher war dieser seltsame Erwartungsdruck wieder irgendwie über mich gekommen.

Schon das Schreiben des Ausgangsposts hat mir geholfen, da nicht weiter nachzugehen und eure Worte tun den Rest.

Ich bin euch sehr dankbar fürs lesen des langen Textes und eure befreienden Antworten.

Und vielleicht ist auch graues Novemberwetter nicht stimmungsdienlich.

Vielen Dank

Hallo

wenn du einfach nicht hingehen kannst, dann geht das eben nicht. Trotzdem sollte das Grab immer schön gepflegt sein. Wenn dein Mann das macht, ist das sehr schön. Wenn er er irgendwann mal nicht mehr macht, dann macht das vielleicht auch ein Gärtner.

Ich bin ein Kind, das den Friehof auch als "Spielplatz" hatte (Vater Pfarrer, als Kind war der Friedhof eben neben dem Haus).

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Friedhof ein sehr freidlicher und ruhiger Ort ist- Aber es ist verständlich das du da nicht hingehen kannst/willst. Das Grab meiner Freundin habe ich auch nie besuchen können. Jetzt wohne ich da nicht mehr in der Gegend und komme wohl auch nie mehr dahin, aber ich verstehe was du durchmachst.

Lass dir Zeit - vielleicht irgendwann hast du das Bedürfnis dahin zu gehen, aber erzwingen musst du das wirklich nicht.
LG

  • als Kind war ich auch of auf diesem Friedhof, bin dann da weggezogen und auch so stören mich Friedhöfe nicht.

    Aber da lauert die Vergangenheit auf diesem Friedhof - ich hätte das früher nie so gedacht. Aber das ist wie oh, das war doch der alte Mann der immer auf der Bank vom Laden saß, und dort liegt meine Deutschlehrerin, da die Oma meiner Freundin, die immer Zuckernudeln gemacht hat, da hinten meine Tante, mein Onkel, ein Junge, der zwei Jahre jünger war wie ich, die Nachbarin meiner Oma, die ........und eben meine gesamte Familie, das ist wie auf einer einsamen Insel mittend im Meer zu treiben, wie ein großer grauer Nebel, der mich umfängt, eine unendliche rückwärtsgerichtete Einsamkeit, eine Hand aus der Vergangenheit, die mich runter zieht - dann wird mir bewußt, ich habe nur noch meinen Mann und mein Kind.
    Was ist, wenn meinem Kind was geschieht, unsere Ehe zerbricht....

    Und so will ich mich einfach nicht fühlen, weil ich dann auch anfangen würde mir mehr Sorgen um meinen Mann zu machen, wenn er morgens mit dem Auto losfährt, um meine Tochter, wenn sie allmählich größer wird, Wege allein geht.... ich will keine Glucke werden in ständiger Angst um meine Brut -

    und deshalb gehe ich da nicht hin!

    Es ist schon komisch, wenn man in das Dorf seiner Kindheit zurückkommt. Aber bis vor einigen Jahren waren da meine Eltern. Noch gibt es Freunde da - es ist immer ein Stück Rückkehr in Kindheitstage für mich.

    Das ist auch völlig in Ordnung.

(14) 16.10.13 - 11:10

Du musst gar nix !!!

Die Hauptsache ist doch, dass die Erinnerung an Deine Eltern nicht verlorengeht.

DAS - was da auf dem Friedhof liegt - das ist doch sowieso nur die Hülle !! Die Seele ist längst woanders ... bei Euch zu Hause, wenn Ihr über Oma & Opa sprecht ... oder im Himmel, wenn Ihr einen Ballon steigen lasst. Wo auch immer ...

Ich persönlich suche eine kleine Waldkapelle auf, wenn ich meinen "Verstorbenen" nahe sein will, zünde meine Kerzen dort an und denke intensiv an sie.

Wenn Dein Mann die Grabpflege übernimmt, ist doch alles palletti !

Hallo,

ich kann Dich total verstehen.

Mein Vater starb vor 3,5 Jahren und weißt Du was, ich war, abgesehen von der Urnenbeisetzung, noch NIE an seinem Grab!

Ich will das nicht und ich kann das nicht!

Und nein, ich finde das muss man auch nicht. Wenn Dein Mann sich um das Grab Deiner Großeltern kümmert und es somit nicht verwildert, dann ist doch alles schick.
Falls er das nicht mehr tun möchte, dann kannst Du ja immer noch einen Grabpflegedienst erwerben.

Ich sehe das wie Du. Wir haben Fotos von meinem Vater in der Wohnung und neben einem steht immer eine Kerze, die ich häufig anzünde. Wenn ich in die Kirche gehe, zünde ich immer eine Kerze für ihn an. Wir sprechen häufig über ihn, usw.

Aber nein, ich finde man muss nicht zu einem Grab gehen wenn man nicht will.

LG K.

Hallo

meine Mutter lebt auch nicht mehr und ich bin absolut kein Friedhofsgänger.

Ich geh 3mal im Jahr: am Geburtstag, Muttertag und Allerheiligen. und nur in Begleitung.
Kann ich einfach nicht...

Ich habe durch den plötzlichen Tod meiner Mutter 15 Jahre später Panikattacken bekommen - habe das weitgehend aufgearbeitet mit meinem Therapeuten, aber ich geh so ungern auf den Friedhof, auf Beerdigungen allgemein, es zieht mich dermaßen runter.

Denke an DICH und nicht an die anderen, ich weiß das ist gerade in einem Dorf schwer.

ich bin 48 und kann Dich voll verstehen, man ist in dem Alter wo die elterliche Generation stirbt, viele Bekannte, Einwohner sterben und man muss sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinander setzten. Das macht definitiv Angst.

Wenn es Dir dort nicht gut geht, dann ist es genau richtig wie Du es machst - daheim an diejenigen denken, die einem lieb sind / waren.

Gib nichts auf die anderen Leute, von denen hat jeder vor seiner eigenen Tür genug zu kehren - das musste ich auch erst lernen. Lerne, mein schlechtes Gewissen auszuschalten, denn solang es mir nicht gut geht dabei, nützt mir das gar nichts, dass ich etwas tue, nur damit niemand reden kann. Reden tun die so oder so.

LG

Ich kann dich sehr gut verstehen, ich gehe auch nicht gerne dorthin!

Es gibt ein einziges Grab zu dem ich "gerne" und regelmäßig gehe, aber hauptsächlich damit der Hinterbliebene sieht, dass es Menschen gibt, die diesen Menschen nicht vergessen haben!

Ich brauche, wie du auch, keinen festen Ort um an jemanden zu denken. Das kann ich an vielen anderen Orten, die mich auch eher mit diesem Menschen verbinden, viel besser als an einem Grabstein.

Wenn dein Mann geht und sich kümmert, das ist doch super! So sehen die Dorfbewohner, dass was getan wird und das muss reichen!

Mach das was für dich am besten ist!

Jeder geht anders um mit seiner Trauer und seinen Gefühlen.
Meine Eltern leben beide noch, aber es liegen viele viele Menschen auf dem Friedhof die mich wichtige Stücke auf meinem Weg begleitet haben.
Darunter auch einige Freunde und Bekannte die in meinem Alter waren.

Friedhof ist für mich ein Ort an dem ich immer das Gefühl habe erdrückt zu werden. Erdrückt von der Schwerer der Trauer der Menschen die diesen Ort aufsuchen.

Ich gehe wirklich nur auf den Friedhof wenn es sich nicht vermeiden lässt. Für mich sind die mir wichtigen Menschen nicht dort. Das was dort ist, ist nur ihre Hülle.
Ich gehe gerne an den See, grade jetzt im Herbst wenn die Sonne so schön auf dem Wasser glitzert und der Wind den See aufwühlt. Dort hab ich das Gefühl, dass mein Opa zum Beispiel ganz ganz nah bei mir ist.

Wenn du nicht hin möchtest, dann beauftrage einen Gärtner oder lass es deinen Mann weiterhin machen.
Bei uns wird auch geschaut. Aber mir ist das egal. Ich habe meinen eigene Art an meine Lieben zu denken. Dafür brauche ich keinen Friedhof. Denn das was diese Menschen ausgemacht hat, das findet man nicht an einem Grab.
Das findet man in Erinnerungen, Gedanken, Gesprächen mit anderen.

Mach es so, wie es dir gut dabei geht. Alles andere hat keinen Sinn und geht auch niemanden etwas an.

<<<Ist das schlimm?>>>

In meinen Augen überhaupt nicht.

Auf dem Friedhof sind diese ganzen Menschen die Du kennst doch gar nicht.....dort wurden tote Körper begraben, aber nicht die Menschen die man kennt (ich schreibe bewusst nicht: "gekannt hat").

Wichtig ist, dass man die gemeinsamen Zeiten im Herzen behält, nicht vergisst und an die Menschen denkt. Wo und wie .....das ist meiner Meinung nach nicht wichtig.

<<<Das macht mir unglaubliche Angst da zu sein>>>

Kein Grund dazu....an keinem anderen Ort schläft man so tief. *zwinkert lieb*

Ernsthaft: Der Gedanke an das was irgendwann unweigerlich kommen wird.....das macht jedem auf irgendeine Art und Weise Angst. Niemand kann wirklich sagen was kommt, ob überhaupt etwas kommt...und der Gedanke einfach nicht mehr zu sein.....die Erfahrungen und das eigene Selbst ausgelöscht zu sehen.....kein schöner Gedanke.

Letztendlich hat man aber zwei Möglichkeiten: Angst haben vor dem was kommen wird.....oder geniessen was gerade da ist......jeden Tag...mit kleinen Wundern für die man leider viel zu oft kein Auge hat.

Und im allerbesten Fall haben die alten Männer in Rom Recht was das "Danach" angeht. :-)

Ja, es kann und sollte Dir egal sein, was andere denken. Nur Dein Gefühlsleben ist wichtig.

Ist wohl leichter gesagt, als getan, wenn man dörflich wohnt aber Du wirst zu Deinen Gefühlen stehen müssen. Und zwar mit Überzeugung. Ein ständiges Zweifeln oder ein schlechtes Gewissen nagen nur an Deiner Psyche.

Da Du keine Gärtnerei beauftragen kannst/willst, hast Du ja auch nicht viele Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen. Entweder Du springst über Deinen Schatten und gehst selbst auf den Friedhof oder Dein Mann macht das weiterhin für Dich. Problem gelöst, oder?

Aus eigener Erfahrung kann ich Dir allerdings sagen, dass die Auseinandersetzung mit dem Problem oft sehr heilsam sein kann. Je öfter Du Dich Deinen negativen Gefühlen stellst, umso besser wirst Du mit der Situation umgehen können. Ein Friedhof kann auch ein Ort der Trauerbewältigung sein. Und Du kannst erleben, dass es ein gutes Gefühl sein kann, sich den letzten Wünschen seiner Eltern zu fügen und sich um das besagte Familien grab selbst zu kümmern. Halt nicht unter Zwang aber als Versuch.

Lieben Gruß

(21) 16.10.13 - 13:13

Hallo,

ich liebe Friedhöfe. Ich liebe diese Ruhe, die Kühle, diese Unendlichkeit...

Ich hasse Grabpflege.

;-)

Vielleicht wäre es eine Option für Dich, die Grabpflege in fremde Hände zu geben? Das Grab meiner Großeltern väterlicherseits auf einem mini-kleinen Dorffriedhof mitten im bayerischen Nirgendwo pflegt eine Frau vor Ort. Meine Mutter wohnt weit weg - mein Bruder und ich ebenso.

Das ist nicht der Beruf der Frau - die macht so etwa einfach gern. Wir haben sie eher durch Zufall kennengelernt. sie macht das toll. Schaut einfach, dass das Grab nicht einsinkt, dass alle Pflanzen darauf gepflegt wird und eventl. getauscht werden, dass alles immer schön sauber ist.

Das Grab meiner Großeltern mütterlicherseits und das meines Vaters sind jeweils auf einem relativ großen Friedhof in einer deutschen Hauptstadt. Die werden durch Floristen gepflegt.

Meine Mutter ist nicht mehr die Jüngste und hätte auch nicht die Kraft und Zeit, sich darum zu kümmern. Wir wohnen nicht dort.

Mir pers. ist es reichlich egal, was andere darüber sagen, wie das Grab gepflegt ist oder nicht. Meine Mutter sieht das anders.

Ich bin einfach glücklich, wenn ich auf dem Friedhof bin, mir die Gräber ansehe und gedanklich nochmal zurückblicken kann - was ich allerdings auch ohne Friedhof gut kann. Wenn ich mit meinen Kindern dort bin, gehe ich auch einfach gern mit ihnen auf dem Friedhof spazieren.

Aber so etwas muss nicht jedem liegen.

An Deiner Stelle würde ich alles Notwendige arrangieren und alles andere auf mich zu kommen lassen.
Die anderen Leute wären mir absolut egal - aber das ist Einstellungssache.

Alles Gute!

(22) 16.10.13 - 13:51

nein, es ist nicht schlimm. Jeder hat seine art zu trauern. Ich finde die Erinnerungen wichtiger als ein Besuch auf den Friedhof. Mir geht es nämlich auch so.

Ich habe meine Ur-Oma sehr geliebt, aber ich kann einfach nicht an ihr Grab. Ich verbinde damit nichts. Mich verbindet mit ihr eher andere Dinge. zB ein großer Walnußbaum in der Nähe ihrer damaligen Wohnung....Oder eben unsere Erinnerungen.

Ich hatte damals eine Frau kennengelernt, sie war so um die 70Jahre gewesen. Ihr Mann war vor 10 Jahren gestorben. Sie hatte ihn geliebt. Das merkte man einfach, so wie sie von ihn erzählte... Sie war nie auf den Friedhof gewesen, sie hat es einfach nicht gekonnt...
Sie hatte aber Kerzen angezüntet und sein Bild wurde in Ehren gehalten...

(23) 16.10.13 - 13:55

Hallo,

meine Mama starb im Februar 2012 und ich war das letzte Mal am 23.12.2012 da, also an dem Tag an dem sie Geburtstag gehabt hätte. Sie hat auch ein Urnengrab.

Ich pack es einfach nicht. Ich kann es nicht. Wenn ich da bin, ist es real und der Schmerz kommt wieder. Ich fühle mich total schlecht deswegen, aber ich kann einfach nicht auf den Friedhof. Selbts daran vorbeifahren bringt mich zum zittern und dazu das mein Herz rast wie wahnsinnig.

Mein Papa und meine jüngere Schwester sind öfter am Grab.

Wenn du es nicht kannst, dann lass es. Ich habe auch überlegt eine Baumbestattung machen zu lassen wenn ich mal sterbe. Bei uns gibt es einen FriedWald und da müssten sich meine Kinder zumindest nicht um mein Grab kümmern...

lG germany

Es spielt doch gar keine Rolle, was ICH machen würde, denn ich bin nicht du.
DU denkst an deine verstorbenen Verwandten und Freunde auf DEINE Art und das ist gut so.

Ich dachte zunächst, dass dir da Gegenwind aus der Nachbarschaft entgegen bläst, aber dem ist nicht so? Das finde ich gut. Denn es ist allein deine Sache, wie du trauerst. Wo du gedenkst. Ob du überhaupt gedenkst, sogar auch. :-)

Schau, meine Eltern haben für meine Oma ein Grab, das ist 45 km von ihnen entfernt. Denn dort hat Oma gelebt.

Sie haben eine Stelle hergerichtet im Garten, der sozusagen für meine Oma gedacht ist. Sie haben auch einen Platz auf einem Sideboard im Wohnzimmer, da stehen Fotos, eine Kerze ist immer an, ein paar ihrer gesammelten Eulen stehen da. Es wird an meine Oma gedacht, auch ich denke hier, 700 km weiter südlich, immer wieder an sie.

Also. Ihrer gedenken kannst du deinen Lieben überall, sei dir sicher, und das kommt dann auch da an, wo es hingehört. Dafür musst du auf keinen Friedhof gehen. Besonders, wenn er dir so gar nicht gut tut.

L G

White

(25) 16.10.13 - 16:01

Hallo,

also ich kümmere mich gern um das Grab meiner Mutter und habe auch kein Problem damit, auf einen Friedhof zu gehen. Ich finde den Friedhof, auf dem meine Mutter beigesetzt ist, sogar recht schön (alter Baumbestand und ein wenig wie ein Park). Es ist da immer friedlich und ruhig.

Mir persönlich ist es völlig egal, was andere Menschen von mir denken. Es interessiert mich überhaupt nicht, ob denen mein Garten zu unordentlich ist oder meine Wohnung zu unaufgeräumt. Hier lebe ich und ich muss mich hier wohlfühlen. Ebenso halte ich es mit dem Grab. Ich kann nicht täglich dort sein und jedes runter gefallene Blatt sofort entfernen. Das sollte auch jedem denkenden Menschen klar sein. Und ganz ehrlich, es gibt Gräber, die sehen wirklich schlimm und ungepflegt aus. Aber das ist nicht meine Angelegenheit.

Wenn du dich auf dem Friedhof nicht wohl fühlst, geh nicht hin. Evtl. kannst du ja die Grabpflege für das Grab der Großeltern abgeben.

Was mich aber etwas wundert, ist, dass du dich von einem Friedhof so runter ziehen lässt. Der Tod gehört zum Leben (leider) einfach dazu. Darüber nachzugrübeln bringt überhaupt nichts. Es lässt sich nunmal nicht ändern. Vielleicht solltest du deine grundsätzliche Einstellung zum Thema Tod überdenken, damit du damit ins Reine kommst.

LG
Sassi

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