wie wichtig ist ein Friedhofsbesuch?

    • (1) 16.10.13 - 10:16

      Hallo,
      mich beschäftigt da was und zwar:

      vor zwei Jahren ist meine Mutter sehr schnell an einem Hirntumor verstorben. (Diagnose bis Tod waren ca. 6 Monate)
      Mein Vater ist mir der ganzen Sache überhaupt nicht zurecht gekommen und darüber auch vor einem halben Jahr verstorben.
      Ich habe keine Geschwister.

      Meine Eltern liegen gemeinsam auf einem kleinem Dorffriedhof in einer Grabstätte, die nicht gepflegt werden muss (war auch ganz klar die Entscheidung meiner Eltern).

      Auf diesem kleinen Friedhof gibt es noch die Grabstätte meiner Großeltern, die vor 13 / 18 Jahren verstorben sind. Ein kleines Urnen-Familiengrab.
      Um dieses muss ich mich kümmern.

      Da steht ein Bux, den ich alle paar Monate beschneiden muss.
      Ansonsten sind da immergrüne Bodendecker.
      Meine Eltern, die nahe beim Friedhof gewohn haben, haben sich immer liebevoll um dieses Grab gekümmert.

      Ich bin noch nie sehr gern auf den Friedhof gegangen.

      So, jetzt weiß ich, dass meine Eltern sich wünschen würden, dass dieses Grab immer ordentlich aussieht - daher die Immergrünen langsam wachsenden Pflanzen.

      Auf diesen Friedhof liegen auch noch ganz viele andere Menschen, die ich aus meiner Kindheit kenne - die meine Kindheit ausgemacht haben, einschließlich mehrerer Lehrer und Kindergärtnerinnen.

      Ich bin eigentlich ein fröhliche Mensch. Denke auch viel an Eltern und Großeltern, rede da viel mit meiner Tochter drüber, habe Fotos in der Wohnung stehen...Aber ich WILL nicht auf diesen Friedhof gehen.

      Das macht mir unglaubliche Angst da zu sein, es macht mich depressiv, traurig, reißt mich den ganzen Tag runter. Ich fühle mich unendlich allein auf der Welt, wenn ich da bin, uralt (obwohl ich erst 42 bin), frage mich da nach dem Sinn des Lebens und ......

      Was würdet ihr tun?

      Mein Mann geht für mich auf den Friedhof und kümmert sich um das Grab.

      Ich zünde mit meiner Tochter eine Kerze für Omaopa an, schick ihnen Luftballons in den Himmel, stelle Blumen auf den Balkon, damit sie sie von ihrer Wolke aus sehen.

      Aber ich gehe nicht auf den Friedhof!

      Ist das schlimm?
      Wie gesagt, der Friedhof ist auf dem Dorf, das wird sehr viel hingeschaut, wer kommt und macht was etc. Aber das kann mir doch eigentlich egal seion oder?

      Ach, ich glaube, dass musste einfach mal raus.

      Würdet ihr was anders machen?

      • jeder geht mit seiner Trauer und der Zeit danach anders um. Liebevolles Andenken an einen Menschen hat nichts mit Grabpflege zu tun.

        >>Würdet ihr was anders machen? <<
        eine Gärtnerei o. ä. mit der Grabpflege beauftragen. Gibt es so etwas bei euch?

        • nein, ist auch nicht wirklich nötig, da es tatsächlich reicht alle 2-3 Monate hinzufahren und nach dem Rechten zu schauen. Das macht aber wie gesagt mein Mann ganz gern bzw. stört es ihn nicht.

          Aber das Angebot gibt es nicht und das wäre "im Dorf" noch schlimmer als nicht kümmern ;-)

          • dich plagt das schlechte Gewissen "wegen der Leute, was die Leute wohl denken". Wie es halt auf dem Dorf so ist. Du, was die Leute denken, darauf hast du so wie so keinen Einfluss, egal was du tust. Dann tu es so, wie du es für dich in Ordnung findest.

            Stell dir vor, Du würdest die Grabpflege übernehmen, dann reden die Leute, wie selten du doch ans Grab gehst. Das tun sie evtl. im Moment vielleicht so wie so. Oder das die Bepflanzung recht dürftig ist.

            Wenn die Leute sich aufregen wollen, dann tun sie es. Fürs Aufregen findet sich immer was;-)
            Um dich zu stärken, lass dir noch mal sagen, Trauer, Erinnerung und Andenken sind private Dinge, die müssen nicht nach außen hin gezeigt werden. Auch wenn das "auf dem Dorf" so üblich zu sein schein. Wird sich irgendwann hoffentlich auch mal ändern

      Hallo,

      so wie ihr es jetzt macht fühlt es sich für dich doch am besten an oder? Dann ist es auch genau richtig so.

      Was andere darüber denken, sollte dir herzlich egal sein. Hier geht es um ein sensibles Thema, nicht jeder Mensch kann einfach so auf einen Friedhof spazieren. Dir geht es dort nicht gut. Trotzdem hast du dich darum gekümmert, das die Grabpflege erledigt wird. Das ist vollkommen in Ordnung so.

      LG urbinika

      • ja, es fühlt sich richtig an - es lauert nur irgendwo so eine Art "schlechtes Gewissen" was mir sagt: ich muss es anders machen, auch gegen mein Gefühl und meinen Verstand.

        Dagegen brauchte ich eure Unterstütztung .... daher danke dafür

    Hallo,

    eigentlich gehe ich gerne auf Friedhöfe, ganz bewusst.

    Es ist ein Ort der Ruhe, der Besinnlichkeit.

    Und ich muss gestehen, dass ich das leider in letzter Zeit zu selten gemacht habe.

    Wenn Du das Grab nicht selber pflegen möchtest, es gibt Firmen, die das übernehmen.

    GLG

    • gibt es da in dem kleinen Dorf nicht wirklich, ist aber grundsätzlich eben auch nicht nötig.

      Ich gehe auch gern über andere Friedhöfe, das stört mich nach wie vor auch nicht. Nur eben da kann ich nicht hin. Das ist wie so eine große Kracke, was mich da umfängt, es kriecht aus jeder Ecke und überwältigt mich förmlich.

      Es ist einfach zu nah.

      Grundsätzlich hab ich auch kein Problem mit dem Tod. Das ist nun mal Teil des Lebens.

      Es ist traurig birgt aber auch viel Frieden und Ruhe in sich.
      Friedhöfe allgemein sind daher auch völlig in Ordnung.

      Ich hab eben nur so eine Art "ES", was quasi von mir erwartet, dass ich da hingehe und mich dem aussetzte und dagegen muss ich irgendwie ankommen.

      Meine Hoffnung war schon auch, dass ihr mir sagt: es ist okay - das nimmt mir ein wenig diese Last

      und deshalb eben auch der Post.

      Würdet ihr was anderes sagen überwiegend - müsste ich mir überlegen, ob nicht vielleicht doch der Fehler bei mir liegt. Allerdings sagt mir eben mein Verstand, das es so wie es jetzt ist richtig ist.

Hallo,

Wenn es finanziell geht würde ich auch eine friedhofsgärtnerei damit beauftragen, das gibt es doch auf fast allein Friedhöfen.

Bei uns ist das ähnlich gestrickt, meine Oma hat sich auch immer hingebungsvoll um das Grab meines Opas gekümmert, jetzt liegt sie seit 6jahren auch dort.
Die hatten 8 Kinder, aber keiner kümmert sich außer meiner Mutter und meine Tante.

Allerdings kann meine Mutter sich auch nicht allzu oft durchringen hinzugehen, sie sagt immer es ist Zeitmangel aber ich weiß das es anders ist.
Ich helfe ab und an mit, aber auch mir fällt das unglaublich schwer, ich mag die Stimmung dort nicht und ich bin danach auch immer eine Weile depressiv.
Ich habe sehr an meiner Oma gehangen.
Sie hat sich immer gewünscht das das Grab mit der gleichen Hingebung weiter bepflanzt wird, das schaffen wir aber nun mal zeitlich absolut nich, leider.
Meine Mutter bringt es aber auch nicht übers Herz das ganze an eine Gärtnerei abzugeben.

Meist Pflanzen wir im Frühjahr etwas, im Sommer nochmal neu und zum Winter wird eben abgedeckt.

LG

Nein, du musst nicht auf den Friedhof wenn du das nicht möchtest. Jeder Mensch trauert und verarbeitet den Schmerz anders. Manche brauchen einen festen Ort an den sie gehen können um sich zu erinnern und zu trauern. Andere, so wie du, engt das eher ein. Mach einfach das womit du dich am wohlsten fühlst. Deine Eltern kannten dich doch sehr gut, sie würden das verstehen.

#winke

danke ... ich danke euch sehr.

Ich glaube, dass gerade der zweite Todestag meiner Mutter naht, bewegt mich mehr als ich vermute.

Daher war dieser seltsame Erwartungsdruck wieder irgendwie über mich gekommen.

Schon das Schreiben des Ausgangsposts hat mir geholfen, da nicht weiter nachzugehen und eure Worte tun den Rest.

Ich bin euch sehr dankbar fürs lesen des langen Textes und eure befreienden Antworten.

Und vielleicht ist auch graues Novemberwetter nicht stimmungsdienlich.

Vielen Dank

Hallo

wenn du einfach nicht hingehen kannst, dann geht das eben nicht. Trotzdem sollte das Grab immer schön gepflegt sein. Wenn dein Mann das macht, ist das sehr schön. Wenn er er irgendwann mal nicht mehr macht, dann macht das vielleicht auch ein Gärtner.

Ich bin ein Kind, das den Friehof auch als "Spielplatz" hatte (Vater Pfarrer, als Kind war der Friedhof eben neben dem Haus).

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Friedhof ein sehr freidlicher und ruhiger Ort ist- Aber es ist verständlich das du da nicht hingehen kannst/willst. Das Grab meiner Freundin habe ich auch nie besuchen können. Jetzt wohne ich da nicht mehr in der Gegend und komme wohl auch nie mehr dahin, aber ich verstehe was du durchmachst.

Lass dir Zeit - vielleicht irgendwann hast du das Bedürfnis dahin zu gehen, aber erzwingen musst du das wirklich nicht.
LG

  • als Kind war ich auch of auf diesem Friedhof, bin dann da weggezogen und auch so stören mich Friedhöfe nicht.

    Aber da lauert die Vergangenheit auf diesem Friedhof - ich hätte das früher nie so gedacht. Aber das ist wie oh, das war doch der alte Mann der immer auf der Bank vom Laden saß, und dort liegt meine Deutschlehrerin, da die Oma meiner Freundin, die immer Zuckernudeln gemacht hat, da hinten meine Tante, mein Onkel, ein Junge, der zwei Jahre jünger war wie ich, die Nachbarin meiner Oma, die ........und eben meine gesamte Familie, das ist wie auf einer einsamen Insel mittend im Meer zu treiben, wie ein großer grauer Nebel, der mich umfängt, eine unendliche rückwärtsgerichtete Einsamkeit, eine Hand aus der Vergangenheit, die mich runter zieht - dann wird mir bewußt, ich habe nur noch meinen Mann und mein Kind.
    Was ist, wenn meinem Kind was geschieht, unsere Ehe zerbricht....

    Und so will ich mich einfach nicht fühlen, weil ich dann auch anfangen würde mir mehr Sorgen um meinen Mann zu machen, wenn er morgens mit dem Auto losfährt, um meine Tochter, wenn sie allmählich größer wird, Wege allein geht.... ich will keine Glucke werden in ständiger Angst um meine Brut -

    und deshalb gehe ich da nicht hin!

    Es ist schon komisch, wenn man in das Dorf seiner Kindheit zurückkommt. Aber bis vor einigen Jahren waren da meine Eltern. Noch gibt es Freunde da - es ist immer ein Stück Rückkehr in Kindheitstage für mich.

    Das ist auch völlig in Ordnung.

Du musst gar nix !!!

Die Hauptsache ist doch, dass die Erinnerung an Deine Eltern nicht verlorengeht.

DAS - was da auf dem Friedhof liegt - das ist doch sowieso nur die Hülle !! Die Seele ist längst woanders ... bei Euch zu Hause, wenn Ihr über Oma & Opa sprecht ... oder im Himmel, wenn Ihr einen Ballon steigen lasst. Wo auch immer ...

Ich persönlich suche eine kleine Waldkapelle auf, wenn ich meinen "Verstorbenen" nahe sein will, zünde meine Kerzen dort an und denke intensiv an sie.

Wenn Dein Mann die Grabpflege übernimmt, ist doch alles palletti !

Hallo,

ich kann Dich total verstehen.

Mein Vater starb vor 3,5 Jahren und weißt Du was, ich war, abgesehen von der Urnenbeisetzung, noch NIE an seinem Grab!

Ich will das nicht und ich kann das nicht!

Und nein, ich finde das muss man auch nicht. Wenn Dein Mann sich um das Grab Deiner Großeltern kümmert und es somit nicht verwildert, dann ist doch alles schick.
Falls er das nicht mehr tun möchte, dann kannst Du ja immer noch einen Grabpflegedienst erwerben.

Ich sehe das wie Du. Wir haben Fotos von meinem Vater in der Wohnung und neben einem steht immer eine Kerze, die ich häufig anzünde. Wenn ich in die Kirche gehe, zünde ich immer eine Kerze für ihn an. Wir sprechen häufig über ihn, usw.

Aber nein, ich finde man muss nicht zu einem Grab gehen wenn man nicht will.

LG K.

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