Angelehnt an whites Kindheits-Thread

    • (1) 23.10.13 - 20:24

      Hallo miteinander,

      sagt mal, ist Euch auch aufgefallen, dass die meisten unserer schönen Kindheitserinnerungen gar nichts mit irgendwas Materiellem zu tun haben? Es geht um Omas Pudding, frische Bettwäsche, Rumstromern im Wald, im Bademantel eingekuschelt auf dem Sofa sitzen, Gerüche, Rituale, Gute Nacht Lieder....

      Ich habe nichts gelesen vom ersten Walkman, dem neuen BMX-Rad, dem Urlaub in der DomRep, neuen Markenjeans oder dem x-ten Besuch im Vergnügungspark.

      Wie oft lese ich hier, dass "man den Kindern schließlich auch was bieten will" - gerne auch als Begründung dafür, dass man nur ein Kind möchte. Vielleicht sollten wir alle uns immer wieder mal ins Gedächtnis rufen, dass es oft die einfachen Dinge sind, die Kinder glücklich machen. #herzlich

      So, das war mein Wort zum Tagesausklang. :-)

      • >>>Wie oft lese ich hier, dass "man den Kindern schließlich auch was bieten will" - gerne auch als Begründung dafür, dass man nur ein Kind möchte.<<<

        Wenn ich diesen Satz lese, platzt mir regelmäßig die Hutschnur. Da wird dem Kind das eigene Konsumverhalten (mehr, mehr, mehr) frühzeitig aufgedrückt.

        Meine Töchter haben heute noch sehr liebevolle Erinnerungen an meine Eltern, die nichts mit Konsum, sondern mit Zeitnehmen zu tun haben.

        Wie wahr. Aktuelles Beispiel aus unserem heutigen Tag: Ich habe mit meiner Großen Einladungskarten für ihre Geburtstagsfeier gebastelt. Gemütlich am Esstisch, mit einer warmen Tasse Tee. Es hat uns beiden riesigen Spaß gemacht. Ganz stolz hat sie die Karten eben in ihren Schulranzen gepackt, um sie morgen zu verteilen. Ein viel schöneres Gefühl, als gekaufte Karten schnell auszufüllen. Und hübscher sind sie allemal. :-)
        Ich merke es immer wieder: Die größte Freude kann ich meiner Tochter bereiten, indem ich mir Zeit für sie nehme. Und sei es nur ein Herbstspaziergang um Kastanien zu sammeln. Klar hat sie viele materielle Wünsche, aber die Erfüllung dieser allein würde sie niemals glücklich machen. So ging es mir als Kind auch.

        LG

        Hallo,

        du hast absolut recht! :-)

        Wobei ich sagen muss, dass wir damals alles bekommen haben, was wir uns wünschten - vier total verwöhnte Kinder!
        Aber es ist tatsächlich so, dass ich mich kaum an materielle Dinge erinnern kann, sonder viel mehr an das Erlebte.

        Für mich war und ist sowieso das größte "Geschenk", drei Geschwister zu haben und eben an einem wunderschönen Ort (ich bin diejenige, die von der Kindheit im Wald geschwärmt hat) aufwachsen zu dürfen.

        LG

      • "Wie oft lese ich hier, dass "man den Kindern schließlich auch was bieten will" - gerne auch als Begründung dafür, dass man nur ein Kind möchte"
        da geht es aber glaub weniger um den Walkman;-)

        Ich würde meinen zwei gerne ihr eigenes Zimmer und einen Garten bieten.
        Das kann ich aber nur wenn wir eine größere Wohnung bzw ein Haus kaufen und das kostet nunmal auch Geld!

        Außerdem möchte ich, daß sie bei Schulausflügen, etc dabei sein können, auch das kostet Geld!

        Ebenso möchten sie evt einem Hobby nachgehen, auch das kostet (meistens) Geld.

        Und dann zu sagen, egal wenn wir wenig Geld haben, Kinder brauchen nur Liebe, dann ist das so nicht ganz richtig und durchaus ein Grund, es bei "nur" einem Kind zu belassen.

        lg

        • ja, es kann auch ein grund sein, keine frage. aber die die von "den kindern was bieten können" reden sind (zumindest hier um mich herum) immer die, die über eigenes zimmer haus und garten gar nicht nachdenken brauchen, weil sie von all dem schon genug haben... ich spreche NUR von denen, die ich live kenne, bei den urbianern kann man sich ja nie sicher sein...

          und die die eben schon dreimal so viele zimmer wie kinder haben, denenn ist es auch immer sehr wichtig was die kinder alles haben müssen.

          aber klar kosten kinder auch geld, auch wenn man keinen überflüssigen konsum haben will, da hst du schon recht. ganz ohne das passende ienkommen ist wirklich nicht einfach. aber einen milliardär braucht man fürs dritte kind nun auch nicht, aber da bist du denke ich auch nicht anderer meinung.

          lg gussy

          • Ja, da bin ich auch deiner Meinung! Für manche ist das aber vielleicht auch nur eine Ausrede, weil sie einfach kein 3.Kind mehr wollen (wobei man da eingentlich auch keine Ausrede braucht,ist ja jedem seine Sache#gruebel)

            Na ja, wie auch immer, es gibt auf jeden Fall noch ganz viele Menschen, bei denen die materiellen Dinge nicht im Vordergrund stehen und die das ihren Kindern hoffentlich auch vermitteln können.

            lg

      Na ja... auch derjenige, der gemobbt wurde, weil er die alten Klamotten seiner Geschwister auftrug oder der, der nicht Klavier spielen durfte oder nicht mit der Ferienfreizeit mitfahren, hat ja bestimmt eine schöne Erinnerung und diese auch beschrieben.

      Auch wenn die schönste Erinnerung vielleicht nicht das neue Fahrrad ist, sondern eher die Fahrradtour, die man mit einem gebrauchten Fahrrad genauso gut hätte erleben können, mag es trotzdem negative Erinnerungen geben, weil man als einziger nicht mit ins Kino oder zum Freizeitpark konnte.

      "Etwas bieten" bedeutet sicher nicht für jede , dass immer die neuesten Markenklamotten und der grosse Urlaub sein müssen, aber das ein oder andere - einfach das "was alle machen" (mir fällt gerade keine bessere Beschreibung ein), möchte man seinem Nachwuchs vielleicht doch ermöglichen.

      Gruß coffee

      • #pro
        Ich bin eine von denen, die gemobbt wurde. Alleinerziehende Mutter, bei Schulausflügen war ich grundsätzlich "krank", niemand wollte was mit mir zu tun haben, weil meine Kleider von der Caritas waren und ich mir Kino, einen Kaffee, einen Schwimmbadbesuch ohnehin nicht leisten konnte.
        Ich habe schöne Kindheitserinnerungen, die haben auch nicht unbedingt was mit Konsum zu tun. Trotzdem wäre ich gerne eine von denen gewesen, die bei der Klassenreise nach England auch ein bisschen geshoppt haben. Ich hab daneben gestanden und zugeschaut, weil sich meine Mutter eben jene Klassenfahrt ein Jahr lang von Mund abgespart hat. Für Shoppen blieb da nichts mehr übrig.

        Fahrrad? Mal ein neues T-Shirt? Ein Paar neue Hosen? Fehlanzeige. Und das ist nicht schön, auch wenn es um materielle Dinge geht.

        (10) 24.10.13 - 17:48

        "Na ja... auch derjenige, der gemobbt wurde, weil er die alten Klamotten seiner Geschwister auftrug oder der, der nicht Klavier spielen durfte oder nicht mit der Ferienfreizeit mitfahren, hat ja bestimmt eine schöne Erinnerung und diese auch beschrieben."

        :-D

        Das ist wahr. Ich würde zwar nicht gemobbt, aber ich habe mich für vieles geschämt und "Neid" ist auch kein unbekanntes Gefühl meiner Kindheit. Trotzdem hatte ich eine schöne Kindheit und sehr liebe Großeltern.

        Heute genieße ich es unendlich, dass ich meinen Kindern auch materiell etwas bieten kann. Sie mussten sie noch nie schämen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Variante die bessere ist. :-) ... Manchmal bezweifle ich es, kann aber auch nicht aus meiner Haut. #schwitz

        Grüße
        Luka

    Hallo,

    Ich bin das dritte von vier Kindern und wir hatten nie viel Geld. Klar, wir hatten alles was wir brauchten, aber wir konnten eben nicht jedes Jahr in den Urlaub fahren und meine Eltern hatten auch nie tolle Autos.

    Ich fand das damals doof. Nicht so, dass es ganz schrecklich für mich war, aber ich wäre gerne 1x im Jahr in den Urlaub gefahren und als ich älter war hätte ich natürlich gerne mehr Budget für Klamotten gehabt, wie Teenies eben so sind.

    So doof ich es damals fand, so sehr weiß ich es jetzt zu schätzen so aufgewachsen zu sein. Unsere Familie war ein richtiges Nest in dem jeder einen warmen Platz hatte (hört sich sehr kitschig an, beschreibt es aber am besten). Dieser Zusammenhalt unter uns Geschwistern sowie den Rückhalt den unsere Eltern und geboten haben empfinde ich bis heute als etwas ganz besonderes.
    Wenn ich daran denke bedaure ich es immer sehr nur zwei Kinder zu haben.

    Die auferlegte Bescheidenheit kommt mir heute sehr zu gute. Auch mein Mann und ich waren (unverschuldet) eine Zeit lang in einer finanziellen schwierigen Lage und wir haben beide festgestellt, dass wir in der Lage sind uns materiell sehr zurück zu nehmen ohne in eine große Krise zu stürzen deshalb.
    Ich will das nicht verherrlichen, hätte ich als Kind/Jugendliche die Wahl gehabt, ich hätte mir ein wesentlich weniger bescheidenes Leben gewünscht. Aber wenn es sein muss komme ich mit 50€ drei Wochen aus und das ist einiges wert.

    Viel bla bla, was ich eigentlich sagen will: Das Gefühl was eine Familie einem geben kann, kann man nicht kaufen oder materiell aufwiegen, das ist meine feste Überzeugung.

    Euch einen schönen Abend!

    Sehr schön ... Ich sitze mit meiner jüngsten regelmässig so gegen 17:00 Uhr in der Küche oder auf der Terrasse und wir trinken eine Tasse Kakao. Das Dauert nicht lange vielleicht 10-15 Minuten kostet fast nix und sie liebt es.

    So wie ich es geliebt habe von meiner Uroma auch so gegen Spätnachmittag einen geschnittenen Apfel zu bekommen und dann hat sie mit mir Zeitung gelesen.

    Leider musste ich feststellen das sowas nicht mit jedem Kind funktioniert. Meine beiden grossen sind da ganz anders und mit denen hab ich auch nichts anderes gemacht aber die fanden und finden das doof.

    Aber diese ich will jemanden was bieten können nimmt stellenweise schon gruselige Formen an. Mein Sohn braucht nun ein Handy. Nein, Entschuldigt bitte ein Smartphone von bestimmter Bauart. Er selbst gibt zu das er sowas nun überhaupt gar nicht nutzt aber er kann in seiner Klasse eh nicht so mithalten da er nicht so viel bekommt und deswegen braucht er dieses Teil um cool zu sein und dazuzugehören. Ist das nicht irre? Er spart jetzt damit er sich eins kaufen kann. Hier bei uns ist es Gang und gebe das die Kids diese Teile haben mit Internet Flat und allem drum und drann. Oh du hast es verloren kein Problem wir kaufen dir ein neues. Falls jemandem die Ironie in dem Satz nicht aufgefallen sein sollte sie ist da. Meine haben sowas nicht und sind deswegen leider nicht up to date und wir Eltern sind die bösen weil wir ihnen nun ja nichts gönnen.

    Ich hoffe meine jüngste behält ihr Wesen bei denn sie tatsächlich anders gestrickt und es wäre sehr wünschenswert wenn ihr diese bodenständigen Züge bleiben würden.

    LG
    Corinna die sich auch gerne an perfekte Sommertage erinnert wo es lecker Eis nach dem Baden gab

    +Wie oft lese ich hier, dass "man den Kindern schließlich auch was bieten will" - gerne auch als Begründung dafür, dass man nur ein Kind möchte. Vielleicht sollten wir alle uns immer wieder mal ins Gedächtnis rufen, dass es oft die einfachen Dinge sind, die Kinder glücklich machen. +

    Bei diesem "Bieten" können geht es oft nicht um das neueste Handy, die weiteste Reise usw.

    Aber wenn einfach viel zu wenig Geld in der Haushaltskasse ist, dann wird es schwierig, die Familie angemessen zu versorgen. Das wirkt sich auf die Stimmung in der Familie aus, und zwar negativ.

    Weiterhin wollte ich meinen Kindern Bildung bieten. Sie sollten die Möglichkeit haben, die Freizeitgestaltungen auszuführen, die sie sich wünschten. Meine Tochter hat z.B. über Jahre hinweg Gitarren- und Klavierunterricht genommen. Der musste auch bezahlt werden. Die Instrumente gabs auch nicht umsonst. Mein Sohn hatte andere Interessen, die auch bezahlt sein wollten. All das waren Investitionen in die Zukunft.

    Wenn es um meine Kindheitserinnerungen geht, dann habe ich ganz starke Erinnerungen an unsere Familienurlaube und die Wochenendausflüge. Vermutlich hat das alles Geld gekostet.

    Meine Eltern sind mit mir viel in Museen gewesen, um mir neue Horizonte zu eröffnen, Interessen anzuregen. Mit meinen Kindern habe ich das auch so gehandhabt. War auch nicht alles umsonst.

    Sicher gibt es auch andere Erinnerungen, die keinen materiellen Hintergrund haben, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Viele Dinge wären aber vielleicht nicht mit dem Wohlfühlfaktor abgelaufen, den man empfunden hat, wenn das familiäre Umfeld durch finanzielle Armut belastet gewesen wäre.

    Cinderella

    Guten Morgen,

    klar, ist ein liebevolles Miteinander in der Familie wichtig. Auch ich habe ganz, ganz viele Erinnerungen an die Äpfel aus Omas Garten, an die Regentonne, auf der ich meine Spielzeugenten schwimmen lassen durfte. An das Feld vor Omas Haus, auf dem wir Drachen steigen ließen. Allerdings hatten wir auch ansonsten immer alles, was wir brauchten. Das Geld hat für die wichtigen und auch einige unwichtigen Dinge immer gereicht.

    Mein Ex-Mann jedoch kam aus einer Familie mit 6 Kindern. Das Geld war immer knapp. Die Eltern sehr liebevoll, vor allem seine Mum. Eine Mutter und Hausfrau, wie sie im Buche steht. Immer um das Wohl der Kinder besorgt. Sie hat in liebevoller Kleinarbeit jede zerrissene Hose wieder geflickt, Socken gestopft und Unterhosen. Lediglich das Älteste der Kinder bekam neue Kleidung, die anderen mußten die Klamotten auftragen. Wenn es was neues gab, dann billig. Nie modische Sachen.

    Mein Ex und seine Geschwister haben drunter gelitten, immer diejenigen in der Schule zu sein, die nie Markenjeans oder Schuhe hatten. Meist hat das Geld auch nicht gereicht, daß alle Kinder mit auf Klassenreise gehen konnten.

    Meinem Ex und auch seinen Geschwistern war es daher immer sehr wichtig, viel wichtiger als mir, daß seine Kinder nie die Außenseiter sein mußten. Er hat lieber selber auf alles verzichtet oder noch einen extra Job angenommen, um seinen Kindern auch materielle Dinge bieten zu können. Da mußte das Geld dann einfach da sein um z.B. innerhalb weniger Monate 2 Klassenreisen und eine Sprachreise zu bezahlen. Das waren schnell mal 1500 Euro. Nie wäre es in Frage gekommen, das seine Kinder aus finanziellen Gründen irgendwo ausgeschlossen gewesen wären.

    Gruß,
    B.

    hey,

    ja, das hast du wohl recht. im grunde erinnere ich mich hauptsächlich an die persönlichen zuwendungen - oder auch gerüche.
    im sommer liebe ich den geruch von salziger haut und sonnencreme, da bin ich mit einem schlag wieder 5 und habe das gefühl ich liege am strand.
    ich kann mich auch noch an die alte reifenschaukel erinnern, mit der ich bei meiner tagesmutter immer geschaukelt habe.. *in erinnerungen schwelg*

    DAS war schön. :-)

    das mit dem "meinem kind bieten" finde ich ja noch nicht so schlimm. soll jeder wie er will. was mich nervt sind dann aussagen wie "wie kann man für sein kind NUR 50€ für ein weihnachtsgeschenk ausgeben". das nervt mich. ich KANN für mein kind weihnachtsgeschenke um 50€ besorgen und dennoch ein glückliches, zufriedenes kind haben - mit dem ich nachmittags bei schönstem herbstwetter einfach nur mit einer schaufel "bewaffnet" auf unserem erdhügel im garten herumlungere und löcher grabe und "haus baue". ich sehe ja die freude, die sie daran haben, da muss ich nicht jeden nachmittag tierpark-, museums- oder sonstiges programm anbieten. :-)

    lg

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