Brauche mal Rat/Tips zum Umgang mit totkranker Bekannten

    • (1) 27.11.13 - 08:00

      Ich habe eine alte Schulfreundin, mit der ich ab und an mal telefoniere oder wir uns zufällig treffen.
      Sie hatte vor 2 Jahren Krebs, es schien aber alles so als ob sie geheilt wurde.
      Das letzte mal rief sie mich im September an und redeten über alles nur nicht über ihren Krebs.
      Zum einen suchte sie immer schnell neue Themen und ich hatte das Gefühl sie wollte nicht daran erinnert werden, was mir auch Willkommen war. Ich selbst bekommen täglich Infos über die Krankheiten aller Nachbarn Freunde und Bekannten meiner Eltern und Schwiegereltern, selbst haben sie alle Symptome davon (sind aber gesund)
      Redet man mit älteren Bekannten kommt auch das Thema Krankheit, erlich gesagt ich kann es nicht mehr hören und schalte da schon automatisch ab. Ich weiß auch nie was ich dazu sagen soll.

      Nun habe ich von Ihrer Mutter erfahren das meine Schulfreundin den Krebs nicht besiegt hat und auf eigenen Wunsch nicht mehr weiter behandelt wird. Ob sie das nächste Jahr erlebt wissen sie nicht.
      Sie bat mich auch sie mal anzurufen.
      Bis jetzt habe ich das vor mir hergeschoben, aber sie hat am 2.Dezember Geburtstag und ich muss anrufen.

      So nun kommt mein Problem. Ich weiß nicht wie ich jetzt damit umgehen soll.

      Es fängt an mit der Gratulation, normal wünscht man Gesundheit und ein langes Leben. Aber ich finde das klingt makaber. Gut man könnte andere Sprüche finden.

      Dann muss ich ja fragen wie es ihr geht. Und wie reagiere ich dann??
      Zuhören ist klar, kein Thema.
      Vielleicht versuchen etwas abzulenken sie hat immer gern über andere hergezogen, war immer sehr neidvoll, deshalb auch nicht besonders beliebt. da habe ich schon überlegt ihr irgendwelchen neuen tratsch zu erzählen.
      Aber dann wieder wie klingt das " XYZ ist Oma geworden" sie wird nie Oma werden, ihre Tochter ist erst 17.

      Und was sage ich wenn sie mir sagt das sie nicht mehr viel Zeit hat? ich kann ja schlecht sagen " Geniese jeden Tag den du noch hast"
      Sie tut mir so leid vor allem ihre Kinder das jüngste ist 10. Ich möchte sie auch trösten aber wie?
      Hilfe hatte ich ihr schon vor 2 Jahren angeboten, aber die hatte sie abgelehnt, Sie hat auch eine große Familie die sie unterstützen.

      Ach das ist alles Scheibenkleister!

      Wenn es meine richtige Freundin wäre und wir hätten alles zusammen durchgemacht dann wüsste ich wie ich damit umgehen soll, aber so?????

      Wie gehe ich am besten mit ihr um? Habt ihr Tips für mich?

      Danke schon mal 280869

      • Hallo,

        das klingt alles sehr verkopft, finde ich.

        Sie ist "nur" eine Bekannte, keine gute Freundin. Die Frage ist dann, wie weit du sie stützen kannst dun willst.

        Zum Geburtstag anrufen und gratulieren, OHNE die Anhängsel "Gesundheit" oder "ich wünsche dir ein langes Leben", das geht ganz einfach, ehrlich.
        Sag einfach: "Herzliche Glückwünsche zu deinem Geburtstag, liebe XY."
        Dann kannst du sie darauf ansprechen, dass du von ihrer Mutter gehört hast, was los ist und du kannst nachfragen, ob du irgendetwas tun kannst.
        Biete aber nur die Hilfe an, die du auch aufrichtig leisten willst.

        Ansonsten würde ich den weiteren Gesprächsverlauf von ihr abhängig machen. Was will sie? Horche nach, will sie sich ablenken oder beim Thema bleiben? Danach würde ich mich ganz klar richten, denn sie scheint zu sterben, da gelten ihre Bedürfnisse in dem Telefonat mehr als meine als Anruferin.

        Finde ich.

        L G

        White

        (3) 27.11.13 - 08:42

        HI,

        1. sei nicht nicht so oberflächlich wie die üblichen Geburtstagswünsche zu übermitteln...#augen
        2. Frag doch was sie an dem Tag macht, welche Geschenke sie bekommen hat, wie es den Kids geht....

        Eine sehr gute Freundin von uns ist vor einem Jahr an Krebs gestorben. Sie hat es 6 Jahre durchgehalten, ein ständiges auf und ab.
        Wir wollten auch immer gerne wissen wie es ihr geht, ob wir helfen können, etc. aber sie wollte nicht drüber reden.
        Am Anfang fanden wir das auch merkwürdig aber willst Du ständig an eine Krankheit erinnert werden, mit jedem immer und immer wieder das gleiche Reden, was man eh nicht ändern kann?
        Sie wird ihre Familie und Freunde haben, wo sie sich austauschen wird. SIE sucht sich ihre Gesprächspartner aus.

        Ruf sie an - vielleicht auch schon vor dem Geburtstag -, mache Small Talk...mehr kannst Du nicht machen. Und wenn Du im Gespräch aufmerksam bist und einfühlsam, kannst Du immer noch anmerken "mensch X, ich habe gehört das es Dir gerade nicht gut geht - wir waren ja nicht dicke Freunde aber wenn Du was brauchst, würde ich Dir gerne helfen und wenn es einfach ein Tratsch ist....."

        Sie wird gesundheitlich sicherlich jetzt auch sehr angeschlagen sein und auch nicht mehr groß mit Bekannten auseinander setzen.....

        Lisa

        Hallo,

        das ist eine Situation die für viele schwierig ist, je mehr man drüber nachdenkt.
        Aber wie im Umgang mit gesunden Menschen gilt : Egal wie du kannst immer ein Fettnäpfchen erwischen... also gehe mit ihr um wie mit einer normalen Bekannten.

        Nur weil jemand Krebs hat, muss er nicht schon vorzeitig wie "fast gestorben" behandelt werden.
        Noch lebt sie und so solltest du mit ihr umgehen

        Denkst du beim Telefonat mit anderen Menschen auch daran, dass sie schon morgen, nächste Woche, nächsten Monat bei einem Unfall tödlich verunglücken können?
        Machst du dir bei anderen Menschen , bevor du mit ihnen telefonierst auch solche Gedanken was "richtig" ist zusagen?
        Weißt du dass ein anderer Telefonpartner nicht auch (unwissentlich) todkrank ist?
        Fragst du deine an einer Grippe erkrankte Bekannte , nicht auch wie es ihr geht? Oder sagst du ihr genieße jeden Tag - schließlich sterben jährlich einige an Grippe...?

        Also noch lebt deine Bekannte und so behandle sie so. Lass sie am Leben teilhaben.

        Gratuliere ihr zum Geburtstag, frage sie wie sie den heutigen Tag verbringt. Was sie nächste Woche geplant hat, weil du auf einen Kaffee rumkommen magst (z.B). Was sie sich zum geburtstag gewünscht hat/wünscht usw worüber ihr euch auch immer unterhaltet.
        Auch wenn sie schwer erkrankt ist, so will nicht jeder der Krankheit durch Gespräche darüber, noch mehr Raum geben.
        Es soll auch Menschen geben die haben den Krebs nicht weiter schulmedizinisch behandelt und wären laut Schulmedizin schon längst verstorben- leben allerdings immer noch und das nicht schlecht. Ich habe sie erst vor einem halben Jahr kennengelernt.
        Also bitte, solange sie atmet gibt es Hoffnung nimm sie ihr nicht.

        Wenn sie dir sagt, dass sie nicht mehr lang zu leben hat, sag ihr was die se Nachricht mit dir macht.
        z.B

        - dass dich die Nachricht betroffen macht
        - dass du dennoch hoffst dass es für sie ein Wunder gibt
        - dass du für sie da bist (wenn du es willst)
        - dass du nicht weißt was du sagen sollst
        - dass dir das leid tut
        usw usw. je nachdem was du empfindest.....

        Vertraue deiner Intuition und folge ihr ;-)

        Karna

      • Hallo,

        wenn man sich über seine Krankheit und seinen Zustand im Klaren ist, reagiert jeder Mensch anders bzw. geht jeder anders damit um.

        Wenn Du sie anrufst, würde ich ihr zum Geburtstag gratulieren, ihr aber auch sagen, dass du weißt, wie krank sie ist und ihr (sofern Du dies möchtest) Hilfe anbieten und ansonsten sie das Gespräch leiten lassen.

        Wenn sie bisher nicht viel darüber reden wollte, kann es sein, dass sie es auch weiterhin nicht tun möchte und einfach unverfänglich quatschen möchte. Oder aber sie hat ihre Einstellung dazu geändert und möchte doch gern einiges Privates loswerden. Immerhin hat sie Dich gebeten, sie mal anzurufen.
        Dann musst Du aber auch damit klarkommen und Dir muss von vornherein klar sein, dass es so kommen könnte. Dann sei aber auch nicht abweisend oder desinteressiert.

        Manchmal sind für kranke Menschen die immer wiederkehrenden Gespräche mit der Familie irgendwann erdrückend. Manchmal wollen sie auch Gedanken über die Familie loswerden, aber vielleicht denen gegenüber auch nicht undankbar oder fremd erscheinen - dann spricht es sich leichter mit "Fremden". Deswegen gehen auch viele in Selbsthilfegruppen - um sich mal gelöst von der normalen Umgebung "anders" unterhalten zu können.
        Viele Angehörige nehmen solche Gruppen dann ironischerweise auch in Anspruch, weil sie sich innerhalb der Familie nicht trauen, ihre Gedanken offen darzulegen.

        Aber es sollte Dir auch wirklich ernst sein und "von Herzen kommen". Egal wie Ihr früher zueinander gestanden seid.
        Aufgesetztes oder "politisch korrektes" Mitleid ist wie Hohn. Dann lass es lieber bleiben (war jetzt keine Unterstellung - nur ein Hinweis).

        Und sag Ihr bitte nicht, wie leid Dir ihre Kinder tun. Die Gedanken um ihre Kinder wird sie wahrscheinlich keine Nacht mehr los...

        Alles Gute!

        (6) 27.11.13 - 12:01

        Ich danke euch allen für die Antworten. Ihr habt mir sehr geholfen und ich fühle mich viel viel leichter.
        Ich hatte auch gleich, ehe mich der Mut verliert angerufen, aber Sie war im Moment nicht zu sprechen.

        VG 280869

      • Hallo,

        sag ihr doch genau das was du hier geschrieben hast!

        Warum soll sie nicht wissen das du dich in dieser Situation hilflos fühlst und nicht weißt wie du ihr begegnen sollst?

        Nur dem der spricht kann geholfen werden! Ich glaube nicht das dir hier jemand die richtige Antwort geben kann. Das könnt ihr nur unter euch beiden ausmachen.

        Ich glaube, ihr offen und ehrlich gegenüber zu treten kann die Grundlage zu einem der intensivsten Gespräche sein, die du je geführt hast.

        Vielleicht solltest du in ihr nicht nur einen Menschen sehen, der eventuell sehr bald stirbt sondern jemanden, der eine Entscheidung getroffen hat und mit sich selbst im Reinen ist.

        Ich würde zum Geburtstag gratulieren und ihr auch alles Gute wünschen. Gesundheit und ein langes Leben zu wünschen gehört für mich nicht standardmäßig zum Gratulieren dazu und ich würde mir das dann evtl. verkneifen.
        Und natürlich würde ich auch fragen, wie es ihr geht. Sagt sie mir dann ehrlich, es geht ihr nicht gut und sie wird sterben, wäre meine Antwort ebenso ehrlich. Nämlich das es mir leid tut und ich gar nicht so recht weiß, wie ich nun darauf reagieren und damit umgehen soll.

        Mein Cousin ist vor 2 Jahren an Krebs gestorben. Er wollte nicht wie ein Schwerkranker bzw. fast Toter behandelt werden. Auch nicht, als klar war, dass er sterben wird. Allerdings hat er Phasen gehabt, da hat er nur von möglichen Therapien gesprochen, die vielleicht doch noch sein Leben retten könnten. Er wollte halt nicht aufgeben. Das war mitunter sehr anstrengend und zermürbend, weil man dann wirklich nicht weiß, was man tun oder sagen soll. Aber er hat das einfach gebraucht und so haben wir zugehört.

        Mach dir einfach nicht so viele Gedanken und lass es auf dich zukommen. Du schaffst das schon.

        (9) 28.11.13 - 09:39

        Ich würde sagen, am besten ist es, wenn du dich in das Gespräch "fallen lässt".. Es macht einfach keinen Sinn, sich vorher tausend Gedanken zu machen, denn das Gespräch wird zu 99% doch ganz anders verlaufen, als du es dir "zurechtgelegt" hast..
        Ich hab oft schon mit Sterbenden zu tun gehabt, da ich ehrenamtlich in der Seelsorge/ Beratung arbeite und man kommt am besten an, wenn man ungezwungen auftritt..

        Auf die Frage: "Wie geht es dir?" antworte ich auch nicht mehr, wie jeder andere - es ist nur eine Floskel und die Antwort kennen die anderen schon.. Warum nicht ehrlich sein und sagen: "Mir gehts gut.. und wenns nicht so wäre, würde ich es trotzdem behaupten.. Und selbst?".. Meist hat man nach kurzem Nachdenken des Gegenübers schon ein Schmunzeln im Gesicht des anderen..
        Lenk sie ab, erzähl ihr wahre Dinge, z.B. aus deiner Familie usw. .. Meine Erfahrung sagt, dass, wenn jemand über sein Leid reden möchte, dann beginnt er selbst damit.. Wenn nicht, dreht er das Gespräch unauffällig auf andere Themen, auf die man dann auch sehr gut reagieren kann.. Wichtig ist, dass du nicht nur Mitleid zeigst.. Dann denkt sie, es ist eine Art "Pflichtgefühl" von dir, dich bei ihr zu melden.. Dann wird sie abblocken und vielleicht sogar sagen, sie hat grad keine Zeit oder so..

        Ich machte Sterbebegleitung für eine Frau, die Krebs im Gesicht hatte.. Sie war völlig entstellt und alle Freunde wandten sich nach und nach ab.. Sie ertrugen es nicht, direkt in den Tod zu schauen.. Sie hatte ein paar Wünsche noch im Leben, die sie ab und zu erwähnte - da es wirklich nur Kleinigkeiten waren, erfüllte ich sie ihr.. Ich war ihr einziger Halt, bis sie starb..

        Das verlangt keiner von dir, ich will dir damit nur sagen, dass der erste Schritt auf die Personen zu, der allerschwerste ist.. Danach geht meist alles von allein, es fliesst so dahin quasi..

        Ich wünsch dir viel Kraft und ich weiss, du schaffst das :-)

        (10) 28.11.13 - 14:49

        Huhu,

        "Hallo xy, alles gute zu deinem Geburtstag! Konntest du deinen Tag schon genießen? .....................Wie geht es dir denn aktuell, hast du Schmerzen? ..................Du, ich wünsche dir für die Zukunft ganz viele gute und schöne Tage mit deiner Familie, ich denke ganz viel an dich und hoffe nur das Beste für dich!"

        LG

        Hallo,

        warum gehst Du sie nicht einfach mit nem schönen Blumenstrauss besuchen? Wer weiss, wie oft Du sie noch siehst, wer weiss, wieviele Leute sich aufgrund ihrer Krankheit von ihr zurückgezogen haben... könntest du Dir das vorstellen?

        LG!

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