Anders sein

    • (1) 17.12.13 - 13:25

      Hallo!
      Inspiriert durch den Legasthenie- Post bin ich auf die Frage gekommen, wie man mit Menschen umgeht, die anders sind oder aussehen etc.
      Ich habe manchmal das Gefühl, man darf nicht fragen, weil oft gleich ein schlechter Hintergedanke unterstellt wird.
      zB. fragte mein Mann letztens unsere neue Vermieterin, woher sie sei (sie hatte einen deutlichen Akzent). Sie schien leicht pikiert und meine, sie könnte auch noch Ungarisch sprechen.

      Man fragt nach Legasthenie (manches hätte man selber ergoogeln können, ok) und es wird Böswilligkeit unterstellt.
      Letztens fragte ich eine Frau, ob der Vater ihres Babys Ausländer sei (es hatte tolle dunkle Augen, sie war blond) und fühlte mich gleich unwohl bei dieser Frage, weil sie falsch verstanden werden könnte.
      Ich selber hab für mich jetzt keinen nennenswerten Andersartigkeiten (so ich mich in Deutschland befinde), ausser das ich klein bin. Ich bin also etwa 1.53. Manche fragen mich, warum ich so klein bin und wie klein überhaupt. Klar, manchmal kommt die Frage gehäuft aber ich würde nie eine Diskriminierung unterstellen sondern zuersteinmal einfach Interesse. Ist vielleicht jetzt ein lapidares Beispiel aber was anderes ist mir nicht eingefallen.

      Vielleicht habt ihr eine andere Sicht, das würde mich mal interessieren.

      lg Julia

      Hallo!

      >Letztens fragte ich eine Frau, ob der Vater ihres Babys Ausländer sei (es hatte tolle dunkle Augen, sie war blond) und fühlte mich gleich unwohl bei dieser Frage, weil sie falsch verstanden werden könnte.<

      Nicht jeder Deutsche ist hellhäutig, blond und hat blaue Augen und nicht jeder Dunkelhäutige ist ein Ausländer. Durch dein ungutes Gefühl nehme ich an, dass es dir nicht gänzlich an Verstand fehlt, sondern das deine Wortwahl nicht passend gewählt war.
      Manchmal hilft es nachzudenken bevor man eine Frage stellt (im Bezug darauf wie man sie stellt). Interesse an Anderen finde ich gut, aber gerade die Fragen im Thread über Legasthenie hätten mit einiger Recherche beantwortet werden und dann differenzierter gestellt werden können.

      Meine Tochter geht auf eine integrative Grundschule und lernt dort mit Kindern mit geistiger und körperlicher Behinderung. So lernt sie, dass es Unterschiede gibt und wie man damit umgehen kann. Trotztdem wird es auch knallhart von den Kindern auf den Punkt gebracht und nicht drumherum geredet. Es heisst dann, Kind XY ist krank oder behindert und nicht wie es Erwachsene häufig umschreiben würden mit "ein besonderes Kind", "Kind mit erhöhtem Förderbedarf..." Daran finde ich nichts schlimmes.

      LG

      • nein, ich habe gefragt, "ist der papa des Babys "ausländer?" und das wort ausländer war dann irgendwie der auslöser für mein schlechtes gewissen. aber ist es denn ein "böses" wort? muss man alles umschreiben? ist "behinderung" ein abwertendes wort? ich denke nicht! und interesse ist auch nichts negatives!

        die mama antwortete übrigens (und zwar nicht böse oder so), die familie ihres mannes sei aus...

        • (7) 18.12.13 - 08:57

          Beim Wort "Ausländer" finde ich problematisch, dass da schnell Staatsbürgerschaft und Abstammung durcheinandergeworfen werden. Oft ist die Staatsangehörigkeit ja längst deutsch, die Leute sind hier aufgewachsen und die Großeltern waren mal die Einwanderer.

      Hallo!

      Meine Tochter ist in einer integrativen KiTa, dort lernt sie auch behinderte Kinder, kinder mit ausländischen Wurzeln, aus sozial schwachen / bildungsfernen Familien kennen und akzeptieren. Auch sie sagt ziemlich deutlich "Die ... ist behindert", wo ich auch nichts schlimmes dran finde. Allerdings sehen manche Eltern das anders. Ich hab zum Beispiel eine kleine Patientin mit Down-Syndorm (bin Kieferorthopädin). Beim ersten Termin ging es darum, welche Therapien sinnvoll und machbar sind - auch im Hinblick auf die Behinderung des Kindes. Der Vater war sowas von empfindlich, das ich mich verbal total verbiegen musste um diesem Mann nicht auf den Schlips zu treten. Egal in welcher Weise ich die Behinderung der Tochter angesprochen hab, er reagierte immer mehr oder weniger pikiert. Dabei war das alles in keinster Weise negativ gemeint. Ich hab auch nicht ausdrücken wollen, dass es sich aufgrund der Behinderung nicht lohnt, die Fehlstellung zu korrigieren, aber gewisse Dinge gehen halt nicht. Ich kann z.B. einem Patienten mit eingeschränkter Motorik keine feste Zahnspange einbauen, weil dieser Patient mit der Reinigung dieser Apparatur vermutlich überfordert wäre, was dann wiederum zur Schädigung der Zähne führt. So etwas war aber diesem Vater nur schwer vermittelbar. Allerdings sind auch nicht alle Eltern so, ich habe einige behinderte Patienten, bei denen ich die Behinderung auch ganz klar ansprechen kann.

      LG

      • das ist ein ähnliches Beispiel, ja. Von manchen wird behindert als Wertung aufgefasst. Das ist schade eigentlich, weil es nunmal bestimmte Wörter für Dinge gibt und es ist nicht schön, wenn man sich sprachlich verbiegen muss!

        lg julia

        • (11) 17.12.13 - 19:59

          Hey,
          das Problem ist meiner Meinung nach, dass Wörter wie "Ausländer" und "behindert" teils schon im Kindesalter als Schimpfwörter benutzt werden. Ein Kind tut etwas, was dem anderen missfällt "Warum machst du das? Bist du behindert?" und das gibt dem Wort dann einen faden Beigeschmack.

          Ausländer bedeutet ja nichts anderes, als dass jemand aus einem anderen Land kommt. Aber wenn man es ein paar Mal im Zusammenhang mit "Diese scheiß Ausländer ...." gehört hat, bringt man es mit etwas negativem in Verbindung.

          LG
          Kristina

          • (12) 17.12.13 - 20:27

            ja, das stimmt aber das sollte nicht so sein, dass wir normale wörter als negativ empfinden! das schränkt uns ein!

            • (13) 17.12.13 - 20:34

              Das sehe ich genauso. Ich finde es auch schade, wenn ich das Wort 'Ausländer' benutze und mir im gleichen Moment überlegen muss, ob ich bei meinem Gegenüber jetzt als rassistisch dastehe. Bei vielen ist das Wort aber eben leider negativ behaftet.

        Man sollte sich halt mal Gedanken über die sprachliche Verbiegung machen.
        In meiner Arbeit (mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderung) wird offen über das Thema Handicap gesprochen, da die Akzeptanz der Behinderung ein wichtiger Teil unseres Bildungsplans ist.

        Bei der sprachlichen Verbiegung geht es aber unter anderem darum, dass Menschen nicht auf eine bestimmte Eigenschaft reduziert werden.
        Wir sprechen ja sonst auch nicht generell von Zweibeinigen oder Blauaugen.

        Außerdem gibt es Denkansätze, die Behinderung nicht allein im Individuum verorten wollen, sondern die behindernden Bedingungen des Umfeldes mitdenken.
        Das führt für Urbia aber zu weit.

Man müsste halt mal wissen, was der Begriff Ausländer überhaupt bedeutet, bevor man fragt. Wie schon gesagt wurde: Nicht jeder Nicht-Weiße ist Ausländer.

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