Gibt es hier Augenzeugen der Berliner Mauer?

    • (1) 20.12.13 - 13:01

      Hallo,

      ich möchte mit meiner kleinen Tochter (8jahre) im neuen Jahr nach Berlin fahren und eine gute Freundin besuchen, will ihr auch ein Stück Deutscher Geschichte zeigen, vor allem die Berliner Mauer. Es ist zwar immer interessant, dass zu sehen, aber was anderes, wenn es Augenzeugen gibt, die eine individuelle Geschichte mit der Mauer verbinden! Gibt es hier im Forum solche Menschen, die ihre Geschichte mit mir teilen würden und die ich auch mit meiner Tochter teilen kann?

      Würde mich wirklich sehr sehr freuen, ich selbst war leider viel zu klein damals und habe nur bruchhafte Erinnerungen, wohnte ja auch selbst nicht in der Nähe der Mauer.

      • Hallo,

        eine persönliche Geschichte habe ich nicht.

        Aber es ist für Kinder unheimlich schwer, das mit der Mauer nachzuvollziehen - sehe ich an meiner 10jährigen Tochter. Es ist ihr durchaus bewusst, dass es "zwei Deutschlands" gab - aber so richtig reinversetzen kann sie sich nicht.

        Ich empfehle Dir einen Besuch vom Checkpoint Charlie und z.B. dieses Museum hier:

        http://www.ddr-museum.de/de/museum

        Kinder können besser verstehen, wenn sie es wirklich sehen und anfassen können- und nicht irgendwo abstrakt Lesen oder Hören.

        Gruß & schöne Feiertage

        Karen

        • "Aber es ist für Kinder unheimlich schwer, das mit der Mauer nachzuvollziehen - sehe ich an meiner 10jährigen Tochter. Es ist ihr durchaus bewusst, dass es "zwei Deutschlands" gab - aber so richtig reinversetzen kann sie sich nicht."

          Hallo!

          Ich auch nicht #hicks. Ueberhaupt kann ich mir nicht mehr vorstellen wie man in den 80gern lebte, obwohl ich Jahrgang '75 bin... Damals waren viele Sachen normal.

      Ich bin (West-)Berliner und ich war da, als die Mauer geöffnet wurde.

      Ich war gerade 20 und am studieren. Ich fand das klasse, dass im Osten die Menschen in den Wochen vor dem Mauerfall endlich aufgestanden sind und war doch emotional ausgesprochen gerührt, als es dann tatsächlich so weit war.

      Ich war erklärter Gegener einen überhasteten Wiedervereinigung, aber auf mich hört ja niemand. ;-)
      Vieles blieb ja dann auch auf der Strecke...

      Vom eigentlichen Fall der Mauer habe ich gehört, als ich von der Uni nach hause kam. Auf der Mauer gestanden haben die Westler ja auch schon lange in den Tagen vorher. Aber plötzlich gab es Bilder von der Mauer und den Menschen, wie sie über die Grenzen kommen im Fernsehen...

      Ich habe mich in meine Auto gesetzt, bin zur Siegessäule gefahren und dann die Strasse des 17. Juni runtergelaufen Richtung Brandenburger Tor.
      Die Strasse war bereits für Autos gesperrt und ich lief also einfach mal los.
      Und dann kamen mir erst vereinzelt Menschen entgegen und schliesslich immer mehr.

      Es war überwältigend und emotional ergreifend. Noch heute kommen mir die Tränen, wenn ich daran denke. Die Leute auf der Mauer halfen ihren östlichen Landsmännern tatkräftig am BRandenburger Tor über die Mauer zu klettern, Andere hatten Spitzhacken mitgebracht und waren fleissig dabei die Mauer zu bearbeiten...

      Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen und freuten sich miteinander.
      Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben, Geschichte so hautnah zu erleben, ungeachtet der Tatsache, dass ich der ganzen Entwicklung eher kritisch gegenüber stand, da der Westen, oder vielmehr die CDU unter Helmut Kohl ja nun alles dransetzen musste, schnell eine neue Wählerschaft für sich zu gewinnen, um bei der nächsten Wahl nicht nackt da zu stehen. 17 Millionen Ostdeutsche liessen sich leider nur zu gerne belügen... Man kannte es ja nicht anders...

      Ich bin sehr stolz, dass ich die Chance hatte das live miterleben zu dürfen. Gleichzeitig weiss ich, dass es unmöglich sein wird, dieses Gefühl auch nur ansatzweise kommenden Generationen zu vermitteln. Es gibt ja keinen angemessenen Vergleich.

      Eine museal aufgearbeitete Version dieser Geschichte wird Deinem Kind sicher mehr bringen, als eine Ansammlung persönlicher Geschichten einiger Zeitzeugen, da stimme ich mit meinen Vorrednern überein.

    • Ich denke auch es ist besser das zu sehen als eine Geschichte zu hören von Leuten zu denen sie keinerlei Bezug hat. Der Checkpoint Charlie ist da vielleicht am deutlichsten. Das ist mitten in der Stadt und man mag es sich kaum noch vorstellen können das da zwei Welten aufeinander getroffen sind. Dort gibt es auch das Museum was man ansehen kann. Dort kannst du ihr zeigen wie sich Menschen in Autos versteckt haben um über die Grenze zu kommen usw.

      Mein Vater saß damals jahrelang im Gefängnis wegen Rebublikflucht, oder zumindest versuchter. Sein "Komplize" würde erschossen.

      Nach absitzen seiner Haft wurde er aus berlin verbannt.

      Heute bezieht er Opferrente für die damalige Inhaftierung.

      Ich fände es trotzdem schwer das deiner Tochter zu erzählen, weil sie damit mit Sicherheit wenig anfangen kann.

      Ich wünsche euch einen interessanten Tag.

    • Hallo,

      ich kann dir das Buch "Die Flaschenpost" von Klaus Kordon empfehlen. Das könnte deine Tochter schon verstehen und es enthält eine wirklich schöne Geschichte, über zwei Kinder aus Ost- und West- Berlin, die sich kennen lernen.

      LG Sonja

      Hallo,
      ich bin im Westen geboren und aufgewachsen. Fast die komplette Familie meines Vaters lebte in der DDR, er selber kam 1954 in den Westen. Ich habe die Grenze als angsteinflößendes Monstrum kennengelernt. Ich habe sie mit dem Zug, dem Auto und dem Schiff mehrmals im Jahr passiert. Die Soldaten, die Gewehre, die Grenzanlagen selber und auch das gesamte Einreiseprocedere haben sich in meine Erinnerungen gebrannt.

      Als die Mauer fiel habe ich mich nicht wie alle anderen gefreut und gefeiert. Ich habe weinend vorm Fernseher gesessen und nur darauf gewartet das die Soldaten und Panzer kommen und alle erschießen. Und ich hatte solche Angst, das dann die Grenze richtig dicht gemacht wird und ich meine Familie überhaupt nicht mehr sehen darf. Das dieses widerliche System den Mauerfall zulassen würde kam mir zuerst überhaupt nicht in den Sinn.
      Ich könnte seitenweise über meine Erlebnisse in der DDR schreiben, aber darum geht es mir gerade nicht.
      Ich schreibe dir 2 von vielenGeschichten auf, die mir in meiner Erinnerung geblieben sind. Weil diese Beiden evtl auch für Kinder verständlich ist:
      - Mein Cousin und ich sitzen am Waldrand, wir waren so ca. 10 Jahre. Wir unterhalten uns:" Wenn die Mauer nicht wäre, könnten wir uns alle viel öfter sehen! " " Ich finde man sollte die einfach abreißen, die ist doch sinnlos." " In der Schule haben wir gelernt, die steht, weil ihr uns angreifen wollt und dann würde es uns sehr schlecht gehen." " Wie, wir greifen euch an? Wozu? Ist doch Blödsinn. Wir wollen doch garnix von euch! Wir haben gelernt, das die steht, weil hier sonst alle abhauen würden." "Na das soll nu einer verstehen, wir haben hier doch alles. Nur mal euch besuchen dürfen wäre schön."
      Tja, so verlief ein Kindergespräch so um 1983.
      - Es war auf dem Schiff. Mein Vater nimmt mich ganz Ernst an die Seite und meinte:" Heute Abend gehen wir an Land (es gab dann so "Landgangscheine" evtl vergleichbar mit einem Tagesvisum). Wir treffen uns mit Oma in der Kneipe." Das war absolut verboten, also der Kontakt war in der Situation verboten!!!!! Meine Eltern und ich sitzen also in dieser Kneipe und essen ne Bockwurst, die Tür geht auf und meine Oma, meine Tante und meine Cousine kommen rein und setzen sich an einen anderen Tisch. Bitte stell dir das Gefühl vor, wie es ist, deine heißgeliebte Oma zu sehen und nicht hin zu dürfen. Du mußt so tun als ob du sie nicht kennst. Der Rest dieses Treffens kannst du dir wie einen filmreifen Drogendeal vorstellen, Briefe und Geschenke wurden auf der Toilette versteckt. Tja, wir wurden trotzdem beobachtet, laut unserer Stasiakte war das nämlich im Sommer 1982. Es war einfach nur schrecklich.
      Wenn meine Tochter mich mit 8 Jahren fragt, was die Mauer war, werde ich ihr das in etwa so erzählen: Es gab mal einen Politiker, der hat seinem Volk erzählt, das ein anderes Land ihn angreifen will und weil er sich Sorgen um seine Bürger macht, hat er eine Mauer gebaut und nannte sie Antifaschistischer Schutzwall. Das war aber gelogen, denn in Wirklichkeit ging es diesem Land nicht so gut und die Leute wollten lieber woanders Leben. Davor hatte der Politiker Angst. Die Leute durften nicht mehr das Land verlassen, jeder der es versucht hat wurde sehr hart bestraft oder erschossen. Wenn die Flucht gelang, durften sie nie wieder zurück.

      LG und ganz viel Spaß in Berlin (übrigens die erste Stadt, die ich alleine erkunden durfte, da war ich 9, die Begründung: hier kannste wenigstens nicht verloren gehen, spätestens an der Mauer kommste nicht weiter) "

      • Ich habe eine Antwort verfasst, die eigentlich an Dich gerichtet war, aber sie leider an der falschen Stelle gegeben.

        Wenn Du möchtest, lies doch unter caro300's Beiträgen mal meine Antwort. :-)

        • ...jawoll, gefunden.

          Hehe, genau, Spaß haben die Grenzer überhaupt nicht verstanden. Mein Vater hatte auch immer witzige Kommentare abgegeben, das kam überhaupt nicht gut an. Die Grenzer an der Autobahn waren aber grimmiger als die an den Wasserstraßen. Zu Wasser "kannte" man sich halt im Laufe der Jahre. Einmal hatten die Hunde neue Zwinger bekommen, mein Vater meinte dazu: "Oh, jetzt haben sie aber etwas mehr Platz, schöne Hütten."....dieser Satz wurde gleich in der Stasiakte als...."Beobachtung baulicher Veränderungen" vermerkt. Im Hochsommer bei der Abfertigung ein Getränk anbieten wurde zu "anbiedern mit Brause". Ich saß immer am Küchentisch und habe beobachtet, wie sie die Papiere ausgefüllt, abgestempelt, die Pässe kontrolliert haben. Das fand ich cool, diese kleinen tragbaren "Büros" und diese ganzen Stempel.
          Egal wie heftig diese Grenze war, für mich war dieses kleine Dorf in dem meine Oma lebte, das wahre Paradies, für uns Kinder allgemein. Freiheit pur.

          Meine Eltern haben auch meistens versucht, das ganze Grenzgeschehen etwas zu entschärfen. Blöderweise hatte ich schon als Kind so kleine eingebaute Sensoren, die sofort jede Anspannung bei ihnen registriert haben.
          Das ich so ne kleine Grenzphobie habe wurde mir erst viel später bewußt. Der erste Urlaub mit eigenem Auto, Zelten in Holland, kurz vor der Grenze. Was mache ich: Radio aus, Beifahrer wecken, gerade hinsetzen, die Ansage: Ausweise bereithalten. Sämtliche Insassen haben mich völlig entsetzt angeschaut. Nach ein paar Schocksekunden haben wir alle lauthals angefangen zu lachen. Vom Beifahrer kam: "Du warst früher echt zuviel im Osten." Uih, uih,uih.
          Hey und das die Mauer von Westberlin aus nicht so bedrohlich war ist doch klar, sie war ja bunt angemalt;-). Der Berliner Westhafen war übrigens mein Lieblingshafen (also Spielplatz!) als Kind, ich höre immer noch die UBahn Ansage: Putlitzstraße.
          Man man, ist das alles lange her.

      <<<Tja, so verlief ein Kindergespräch so um 1983>>>

      Ich glaube, manches wäre ganz allgemein gesehen so viel einfacher, wenn die jeweiligen Verantwortlichen es schlicht mal mit den Augen eines Kindes betrachten würden.

      Danke für Deinen Beitrag....ich fand ihn sehr anrührend.

      TJ

      • Die Armeen aus Gummibärchen
        die Panzer aus Marzipan
        Kriege werden aufgegessen
        einfacher Plan
        kindlich genial

        Es gibt kein Gut
        es gibt kein Böse
        es gibt kein Schwarz
        es gibt kein Weiß
        es gibt Zahnlücken
        statt zu unterdrücken
        gibt's Erdbeereis auf Lebenszeit
        immer für'ne Überraschung gut

        Gebt den Kindern das Kommando
        sie berechnen nicht
        was sie tun
        Die Welt gehört in Kinderhände
        dem Trübsinn ein Ende
        wir werden in Grund und Boden gelacht
        Kinder an die Macht.

        Sie sind die wahren Anarchisten
        lieben das Chaos räumen ab
        kennen keine Rechte
        keine Pflichten
        noch ungebeugte Kraft
        massenhaft
        ungestümer Stolz

        Gebt den Kindern das Kommando
        sie berechnen nicht
        was sie tun
        Die Welt gehört in Kinderhände
        dem Trübsinn ein Ende
        wir werden in Grund und Boden gelacht
        Kinder an die Macht

        Ich bin wirklich kein Fan von Grönemeyer, aber jedesmal wenn ich an diese kleine Unterhaltung denke, geht mir unweigerlich dieser Text durch den Kopf.....
        LG

Hallo,

meine Eltern haben mitbekommen wie die Mauer gebaut wurde und ich habe immerhin 11 Jahre mit der Berliner Mauer gelebt. Da ich in West-Berlin geboren wurde, war die Mauer in meinem Alltag kaum ein Thema.

Wir wohnten nur wenig entfernt von der Berliner Mauer und wenn man in die Nähe der Mauer kam, konnte man sehr gut sehen wie man vom Osten aus den Wachtürmen heraus beobachtet wurde. Das fand ich als Kind schon beängstigend.

In meiner Kindheit waren wir mehrere Male im Osten, am Alexanderplatz und auch in Bernau, wo wir die Verwandtschaft von einem Bekannten meiner Mutter besucht haben. Wir fuhren fast immer mit dem Auto. Ich kann mich noch an die Grenzkontrollen erinnern. Überhaupt wurde man immer kontrolliert, wenn man Berlin verlassen wollte, egal wohin, man musste durch das Grenzgebiet. Die Grenzer waren immer sehr grimmig und verlangten die Personalausweise, die sie eingehend studierten. Danach musste man das Auto verlassen und alles wurde genauestens untersucht.

Einmal hat mich meine Mutter bei der Einreise nicht als mitfahrendes Kind angegeben. Ich hatte damals noch einen Kinderlichtbildausweis, so hieß er. Bei der Ausreise hat man uns dann im Winter recht lange an der Grenze festgehalten, weil angenommen wurde, dass man ein Kind aus dem Osten in den Westen fahren möchte. Da hatte ich wirklich Angst, ich müsste für immer dort bleiben.

Als Kind haben mich die Läden geschockt. Hier war das Gemüse nicht schön gewaschen, sondern noch sandig. Gefreut habe ich mich dennoch immer, denn vieles war ja günstiger. So hat man im Osten Schreibutensilien sehr günstig bekommen z.B. Radiergummis für ich glaube 5 oder 10 Ost-Pfennig oder günstige Hefte und Füller, die man in ein Tintenklasse eintauchen musste, damit man damit schreiben konnte.

Natürlich habe ich als Berlinerin mit 11 Jahren den Mauerfall live miterlebt. Das war toll. Die Schule hat auch Plakate gemalt und wir haben am Grenzübergang Menschen begrüßt. In den Läden herrscht indessen das totale Chaos. Alles war überfüllt und die Läden wirkten geplündert. Da jeder aus dem Osten 100 DM Begrüßungsgeld bekam, bildeten sich überall lange Schlange und zum 1. Mal sah man überall in West-Berlin Trabbis stehen.

Die Euphorie in Berlin schlug schnell um und viele waren von den vielen Besuchern einfach nur noch genervt. Manche sprachen abfällig, von den "Beuteltieren", weil die Menschen aus dem Osten immer Beutel zum Einkaufen dabei hatten. Da war der Osten fortschrittlicher, es wurde nicht alles doppelt und dreifach verpackt und den Tütenwahn gab es auch nicht.

Ich habe mit 20 Jahren meinen Mann, der aus der damaligen DDR kommt, kennengelernt. Diese Beziehung hält immerhin schon über 16 Jahre. Mein Mann hat bereits vor Mauerfall im Westen gelebt, er war aus der DDR geflüchtet und kann daher natürlich mehr von dieser Zeit berichten. Aber das sprengt den Rahmen.

Obwohl die Mauer gefallen ist, existiert sie leider immer noch in den Köpfen. So waren meine Schwiegereltern anfangs von mir auch nicht begeistert, weil ich ja aus dem Westen war.

Wir haben auch einige Zeit im ehemaligen Osten weit nach Mauerfall gelebt und ich habe mich nie als Wessi geoutet. In einer Firma in ehemaligen Osten wurde ich ganz gemein rausgemobbt, die ganze Belegschaft war aus dem ehemaligen Osten.

Ich könnte jetzt noch vieles darüber schreiben ... Aber für heute ist das glaube ich genug.

LG

Carola

  • Oh Mann.

    Da haben sich aber doofe Geschichten in Deinem Kopf festgebrannt...

    Ich hab ja auch reichlich Familie väterlicherseits im Osten gehabt. Unter anderem auch meine Lieblingsoma. Mein Vater ist 1960 noch schnell in den Westen ab, bevor zugemacht wurde. Seinen Bruder und seine Eltern hat er zurückgelassen.

    Später, so hat er mir irgendwann mal erzählt, sei die Stasi an ihn herangetreten und habe ihm nahegelegt für die DDR Industriespionage zu betreiben, da ansonsten mit seiner Familie etwas passieren könnte...
    Nach Rücksprache mit der Familie hat er abgelehnt. Oma und mein Onkel sagten nur: "Mach Dir um uns keine Sorgen, wir kommen schon zurecht..."
    Es passierte auch nix mit der Familie.

    Was die Erfahrungen an der Grenze angeht oder vielmehr Deine Wahrnehmung davon als Kind muss ich sagen, dass ich echt froh bin, dass meine Eltern es geschafft haben die Absurdität der Geschichte ganz gut von mir fernzuhalten.
    Wir sind die Grundschuljahre über immer in die Türkei gefahren mit dem Auto und mussten natürlich auch durch die Ostzone. Ich empfand das immer eher als ungemein spannendes Abenteuer, was an den Grenzen passierte. Mein Vater konnte mir auch alle meine Fragen beantworten, warum nun dies oder jenes passierte.

    Einmal hat mein Vater tatsächlich auf die Frage "Wäffn, Drögn etc im Auddö?" mal mit "klar, der ganze Wagen ist voll davon." geantwortet.
    Solange haben wir in den Jahren vorher noch nie an der Grenze warten müssen... :D

    Heute glaube ich, dass meine Eltern das so arrangiert hatten, damit mir als Kind hinten auch ein wenig die Angst genommen wird, und ich auch eine humorige Seite dabei sehen kann.

    Beim Transitverkehr wurde ja genau drauf geachtet, wie lange man für die Durchfahrt brauchen würde. Trotzdem haben wir uns immer mit meinem Onkel, meiner Tante und meinen Cousins und meist auch der Oma auf einer Autobahnraststätte am Hermsdorfer oder Schkeuditzer Kreuz getroffen, wenn auch nur für 15 kurze Minuten, um nicht zu viel Zeit zu verlieren.

    Imk Urlaub kann ich mich immer nur an die tollen Reaktionen erinnern, wenn man sagte, man komme aus Westberlin...
    Ob man sich nicht eingesperrt fühle, Frontstadt und so... Mich hat das irre stolz gemacht...

    Ich das alles nie als Bedrohung oder irgendwie schlimm empfunden (obwohl es das im Nachhinein betrachtet natürlich war). Aber meinen Eltern kann ich wohl dafür danken, dass sie mich davon so ferngehalten haben.

    Ziemlich clever...

    Ich habe die Mauer nie als Bedrohung empfunden. Sie war halt einach da... So wie eben auch die Bäume im Grunewald, der Teufelsberg, die Havel und unsere Seen. Die Mauer gehörte für mich als Westberliner Kind einfach zur unverrückbaren Topographie der Stadt, weswegen ich die auch nie hinterfragt habe...

    • In meinen Kopf haben sich keine doofen Geschichten eingebrannt. Ich habe davon geschrieben wie ich als Kind in Berlin die Mauer erlebt habe. Wie hättest du das gefunden, wenn man dich als Kind nicht hätte ausreisen lassen wollen? Hättest du da keine Angst und Panik gehabt?

      Lg

      carola

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