Lebensdauer abzusehen?

    • (1) 02.01.14 - 12:39

      Hallo zusammen,

      vielleicht gibt es hier Krankenschwestern/Pfleger, die sich auskennen, oder auch Personen, die aus eigener Erfahrung etwas raten können.
      Mein Opa (93) liegt seit einiger Zeit im Krankenhaus. Sein allgemeiner Zustand hat sich wohl langsam verschlechtert. Als meine Mutter ihn gestern besuchte, war der Raum abgedunkelt und die Schwester teilte ihr mit, dass er weder Essen noch Medikamente zu sich nähme.
      Im Gespräch mit meiner Mutter fiel mir auf, dass sie wohl noch von Wochen bzw. ein paar Monaten ausgeht, während derer mein Opa noch leben würde. Das scheint ja nun offensichtlich nicht der Fall zu sein, was ich ihr gerne sehr, sehr schonend näherbringen würde.
      Mir ist klar, dass in diesem Alter sowieso jederzeit Schluss sein kann, aber das Vorgehen im KH deutet wohl darauf hin, dass meine Mutter sich mit dem Gedanken vertraut machen muss, es könne jetzt schnell gehen, sehe ich das richtig?

      Danke für Eure Antworten!

      • Da dein Opa weder Essen noch Medis nehmen möchte, möchte er wohl, daß es zu Ende geht.

        Vielleicht hilft dieser Gedanke deiner Mutter, daß er es selbst möchte und jetzt sozusagen "bereit" ist, zu sterben.

        lg

        Das kann so sein, muss aber nicht.

        Der Hausarzt einer mir bekannten alten Dame (Mitte 90) hat im November 2012 den Pfarrer gerufen, weil alles so aussah, dass es zu Ende geht. Keine Medikamente, keine Nahrung, keine Flüssigkeit, sie wollte nicht mehr aufstehen, ist seit Jahren stark dement.

        Sie lebt immer noch!

        Ich denke aber deine Mutter wird in den Tiefen ihres Herzens wissen was das alles bedeuten kann, mag es vielleicht nicht aussprechen oder den Gedanken wirklich zulassen.

        Ganz unabhängig von der Lebenserwartung halte ich da ein Gespräch für mehr als angebracht. Deine Mutter sollte sich doch vielleicht besser schnell daran gewöhnen, dass bei einem 93-Jährigen die Endlichkeit etwas ist, dem man sich einfach stellen muss.

      • Ich arbeite im Pflegeheim und habe es schon oft erlebt, dass wir die Angehörigen angerufen haben und sagten, dass es mit dem Bewohner wohl zu Ende geht, weil einfach alles drauf hin gewiesen hat... Zwei Tage später hat es dann wieder ganz anders ausgesehen.
        Das kann man echt nicht sagen. Bei manchen geht es schnell und dann ist das Gefühl auch richtig, dass es soweit ist, bei manchen gibt es solche Phasen mit Essen verweigern und Medis nicht nehmen immer wieder.
        Wir haben eine Bewohnerin die im Februar 100 wird. Da hatten wir genau das im letzten Jahr 6x.
        Wichtig ist, dass deine Mutter anfangen kann los zu lassen. Wenn die Angehörigen noch "klammern" kann der der sterben möchte nicht los lassen.
        Dein Opa ist bereit los zu lassen. Schön wäre es, wenn deine Mama ihn dabei begleiten könnte. Ich weiß, dass ist sehr sehr sehr schwer für alle, aber es kann auch unheimlich positiv und "schön" sein jemanden so zu begleiten.

        Ich drück dich

      Mein Opa ist vor kurzem gestorben.
      Als sie die künstliche Ernährung eingestellt haben (er bekam nur noch Schmerzmittel) hat er noch 4 Tage gelebt.

      Wünsche euch viel Kraft für die kommende Zeit.

      Hallo!

      Ich bin Krankenschwester und habe sehr lange auf einer Palliativstation gearbeitet.
      Absehbar ist die Lebensdauer bei einem so betagten Menschen immer.....

      Da ich die Grunderkrankung , Dauer der Verweigerung und Nebenerkrankungen nicht kenne, ist es fast unmöglich Prognosen abzugeben. Das Verhalten Deines Opas KÖNNTE auf Beginn des Sterbeprozesses hindeuten und wenn er länger keine Medis nimmt (je nach dem welche Medis gegen welche Krankheit) kann es sehr schnell gehen.

      Bei so alten oder auch sehr kranken Menschen gibt es immer wieder solche Phasen. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes "müde vom Leben" und wollen oft gar nicht mehr weiterleben. Manchmal mobilisieren sie ihre Kräfte und sie leben weiter. Sehr oft ist es auch der Beginn des Sterbevorgangs, der viele Tage oder auch Wochen dauern kann.

      Ich würde an Deiner Stelle auch probieren mit Deiner Mutter zu reden. Oft möchten die Angehörigen aber das gar nicht wahrhaben. Deine Mutter wird sich sicher irgendwie bewußt sein, sie sieht ja den Opa und weiß, dass er keine Medis nimmt und nichts isst, was das alles bedeuten kann. Möchte aber nicht daran glauben!

      Auch wenn es komisch und abgedreht klingt: Wenn er wirklich sterbend ist, dann versuche Deiner Mutter begreiflich zu machen, dass sie ihn gehen lassen muss. Auf unserer Palliativstation haben wir oft die Erfahrung gemacht, dass Sterbende sich oft "schwer tun zu gehen", wenn die Angehörigen am Bett sitzen und ihn anflehen, noch zu bleiben, an den Sterbenden klammern und viel am Bett weinen. Auch wir Pflegepersonal sagen manchmal zu den Menschen "sie dürfen (!!) gehen". Klingt etwas Psycho , ist aber wirklich so!

      Gehe mit Deiner Mutter spazieren und rede mit ihr über den Opa. Erzählt Euch Euere Erinnerungen und Erlebnisse. Redet über sein Leben, wie lange und hoffentlich auf erfüllt es war. Sprecht über die aktuelle Lebensqualität und ob er damit zufrieden ist. Schaut alle Fotos an und versuche gemeinsam mit Deiner Mutter anzufangen Abschied zu nehmen.
      Manchen Menschen hilft es sich vorzustellen, das der Angehörige nach seinem Tod verstorbene Verwandte oder Freunde wiedersieht.

      Ich wünsche Euch viel Kraft und alles Gute!
      adelaide

      Hallo
      meine 97 jährige Oma ist im Sommer die Treppe runtergefallen..ihr ging es sehr schlecht. Sie konnte nicht mehr selbst essen, nicht mehr laufen, sie hat sich komplett verschlossen...
      Sie hat nicht mehrs gegessen nur noch getrunken und hat auch die Medis komplett verweigert.
      Und dann auf einmal nach ein paar Wochen hat sie sich wieder berappelt...
      Sie isst wieder, checkt alles was man ihr erzählt, ist super orientiert und kann mit etwas Hilfe auch wieder laufen!

      lg luise

Top Diskussionen anzeigen