Spätabtreibung wenn ein Kind behindert sein könnte - Ja/Nein?

    • (1) 10.01.14 - 08:19
      auchnym

      Hallo,

      da ich es als nicht angemessen erachte, dieses Thema weiter unter dem Post einer Frau zu diskutieren, die damit zu kämpfen hat, weil sie ihr Kind abgetrieben hat, möchte ich diese Frage noch einmal getrennt stellen (und bewusst hier, dass man eben auch anonym antworten kann):

      Wie steht ihr zu dem Thema Spätabtreibung, wenn laut Arzt absehbar ist, dass das Kind eine Behinderung hat? Bis zu welcher Woche ist das legitim? Hängt es eventuell von dem Grad der erwarteten Behinderung ab? Wie würdet ihr entscheiden? Wie sollte man eurer Meinung nach entscheiden? Spielen vielleicht noch ganz andere Faktoren mit rein?

      Ich bin gespannt auf die entstehende Diskussion

      • (2) 10.01.14 - 08:54

        Schau mal hier der Erfahrunsgbericht einer Mutter, die es getan hat:

        http://www.brigitte.de/gesund/gesundheit/spaetabtreibung-1063750/

        Nach dem Bericht findest Du auch die Rechtslage, bei schwerer Behinderung kann man bis zur Geburt abtreiben.

        Ich würde es tun...ich will nicht schon vor der Geburt wissen, dass mein Kind ein Leben lang im Pflegeheim sein wird oder nichts von seiner Umwelt mitbekommt oder eben mit Ansage in den nächsten Jahren sterben wird.

        Aber das muss jeder für sich selber entscheiden...und bevor es wie im anderen Thread dazu kommt, von wegen Gott hat Dir ne Aufgabe gegeben....ich bin Atheist, für mich gibt es Gott nicht.
        Es ist mein Leben und es wäre meine Entscheidung und darüber hätte niemand zu urteilen.

        • "Ich würde es tun...ich will nicht schon vor der Geburt wissen, dass mein Kind ein Leben lang im Pflegeheim sein wird oder nichts von seiner Umwelt mitbekommt oder eben mit Ansage in den nächsten Jahren sterben wird."

          Ich greife mir jetzt einfach mal diesen Satz raus, weil man den so oder ähnlich häufig in Diskussionen über Pränataldiagnostik liest.
          Das Problem ist ja, dass man diese Beeinträchtigungen pränatal kaum feststellt und die Untersuchungen wegen der drei Trisomien, die mit Lebendgeburt enden können (zwei davon tun das nur selten) gemacht werden.
          Bei Standard-Pränataldiagnostik geht es um Trisomie21. Wenn Eltern damit nicht leben können finde ich einen Abbruch auch deswegen legitim und möchte das nicht werten, aber um Pflegeheim, nichts von der Umwelt mitbekommen etc. geht es dabei kaum. Die Menschen, mit diesen schweren Behinderungen, die für die "Rechtfertigung" der Diagnostik oft herhalten, erwerben ihre Beginderungen meist bei oder nach der Geburt oder lassen sich mit der Standard-FWU nur selten diagnostizieren.

            • Das bestreite ich doch nicht. Ich finde es richtig, dass eine Schwangere die Wahl hat, ob sie die moderne Medizin nutzen will um mögliche Entscheidungen zu treffen.

              Aber vor den "Kindern, die ihr Leben im Krankenhaus zubringen und nichts mitbekommen", die in diesen Diskussionen oft als Grund für Pränataldiagnostik angeführt werden angeführt werden, kann einen die moderne Medizin leider kaum bewahren.

              • ich denke, wenn jemand diesen Satz sagt, wenn es um Pränataldiagnostik geht, dann ist es auch "nur" darauf bezogen. Was während einer Geburt alles passieren kann u. U. zu bleibenden Schäden führt, ist in diesem Moment außen vor. Das ist etwas, was ALLE werdenden Eltern betrifft

                • Richtig. Aber wenn jemand sich für Pränataldiagnostik entscheidet, weil er Angst davor hat, mit einem schwerstkranken Kind leben zu müssen, das von seiner Umwelt nichts mitbekommt, kann man einwerfen, dass die in diesem Fall leider kaum weiterhilft. Wenn jemand sich für Pränataldiagnostik entscheidet, weil er nicht mit einem Down-Kind leben kann, dann trifft derjenige eine gute Entscheidung.

      Hi,

      ich glaube, dass man nicht im Mindestens erahnen kann, was man in einer solchen Situation entscheiden würde. Ich halte solche Diskussionen daher für abträglich. Letztlich baut man so nur Druck auf die betroffenen Familien auf.

      Viele Grüße
      die L.

      Hallo,

      nein, hätte ich nicht gemacht und würde ich auch nicht machen, falls ich jetzt noch einmal schwanger werden würde.

      GLG

      • Hallo,

        und das kannst du so mit Gewissheit sagen?

        Eine Bekannte war schwanger. Man stellte dann fest, dass das Kind mit einem offenen Rücken und weiteren Behinderungen zur Welt käme, an denen es innerhalb des ersten Lebensjahres sterben müsse.

        Die Bekannte hat eine Abtreibung vorgenommen. Hätte ich wahrscheinlich auch getan.

        Ich finde es bemerkenswert, dass man sich zu 100% sicher sein kann, was man in einer Situation machen würde, in der man noch nie war. Ich kann immer nur im Konjunktiv über Dinge reden, mit denen ich noch nicht konfrontiert war.

        Das soll wirklich kein Angriff sein, es interessiert mich wirklich, was dich da so sicher macht.

        LG,
        delfinchen

        • Hallo,

          was mich so sicher macht:

          Eine Freundin hat vor 20 Jahren ein Kind mit einem offenen Rücken zur Welt gebracht.

          Es wurde noch im Babyalter 3 x operiert.

          Inzwischen ist dieses Kind erwachsen und hat gerade ein Studium begonnen.

          Seine Eltern standen auch vor dieser Entscheidung und haben ihm die Chance auf Leben geschenkt.

          Und genau das würde ich auch machen.

          Zumal man trotz der vielen Vorsorgeuntersuchungen nie zu 100 % sicher sein kann, dass ein Kind wirklich behindert ist.

          Ich hatte z.B. nach der NFM eine sehr großes Risiko, dass mein Kind behindert ist (1:7) und mein Kind ist gesund zur Welt gekommen.

          GLG

          • Hallo,

            ok, nach diesen Erfahrungen kann ich deine Aussage nachvollziehen.

            Großen Respekt, dass ihr euch beide so entschieden habt. Ich denke, diesen Mut hätte ich nicht gehabt.

            Liebe Grüße,
            delfinchen

    (15) 10.01.14 - 09:13

    Ohne die andere Diskussion gelesen zu haben: Ich bin froh, dass ich nie in der Situation war und kann und will da kein Urteil zu fällen. Das kommt in meinen Augen auf jeden einzelnen Fall an und ist immer eine schwere Entscheidung.

    Für mich wäre in jedem Fall der erwartete Grad der Behinderung wichtig. Es ist ja ein riesen Unterschied, ob ein Kind "nur" z.B. das Down-Syndrom hat und damit trotzdem ein glückliches Leben führen kann, oder ob absehbar ist, dass das Kind sein Leben lang unter Schmerzen leiden und ein menschenunwürdiges Leben führen muß.

    Das ist allerdings nur die Theorie. Das schlimme ist hauptsächlich die Unsicherheit, ob die Diagnosen wirklich stimmen.

    Dann finde ich das Lebensumfeld der Eltern auch relevant. Wie stark sind sie, gibt es familiäre Unterstützung, wer hängt alles mit dran? - Denn wenn die Eltern unter der Belastung nachher zusammenbrechen leiden ggf. auch Geschwisterkinder.

    Ich finde, das ist einfach ein zu spezielles Thema, als dass man sich da ein pauschales Urteil erlauben dürfte. Ich könnte nicht mal sagen, wie ich selbst in einer solchen Situation reagieren würde. Zwei meiner drei Kinder waren Frühchen und ich weiß, wie emotional belastend es ist, wenn man um die Gesundheit seines Kindes bangen muß.

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