Suum cuique - darf man das noch sagen?

    • (1) 30.01.14 - 16:51

      Wollte o.g. Formulierung eben in einer Diskussion verwenden, aber ich bin mir nicht sicher, ob diese Formulierung mich nicht in die Nähe der Nationalsozialisten rückt.
      Kann man diese Formulierung noch verwenden, oder ist sie bei unsere besonderen Geschichte ein "No-go" ?

      Beste Grüße
      Tom

      • Das kommt auf den Kontext an. Ungleich dem Ausspruch "Arbeit mach frei" wurde "Jedem das Seine" bereits vor der Zeit des Nationalsozialismus in achtbaren und anständigen Absichten gebraucht.

        Deshalb ist dieser Ausspruch an sich kein Tabu - und kann unter Umständen auch als Titel oder in publiken Werken verwendet werden.

        Allerdings ist der Umgang damit auch nicht frei von der Vergangenheit. Unsensible und unpassende Verwendungen können (verständlicherweise!) Proteste hervorrufen. Gerade, wenn dem Ausspruch z.B. in der Werbung eine weitere Bedeutung auferlegt werden soll - und damit gleichzeitig die Bedeutung aus Buchenwald verdrängt, wird es heikel, denn es ist nunmal auch einer der Sätze die eine mahnende Bedeutung der Vergangenheit haben.

        Übrigens geht die Legitimierung oder der Versuch der Legitimierung der Bedeutung aus Buchenwald nicht mit dem deutschen Gesetz konform.

        Da du offensichtlich auf den anderen Thread anspielst: Deutsch ist eine schwere Sprache, aber jedem sollte der Unterschied zwischen "SS", "Arbeit macht frei" - zwei Wörter/ Aussagen die untrennbar mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und dem Holocaust verbunden sind und "Suum cuique" - extra in Latein? - welches AUCH damit verbunden ist, allerdings nicht in derselben Intensität. Das mag global unterschiedlich sein.

        • + klar sein.

          Sag' ja, Deutsch ist eine schwere Sprache.

          Moin und danke für Deine Antwort.

          Du schriebst:
          >Allerdings ist der Umgang damit auch nicht frei von der Vergangenheit. Unsensible und unpassende Verwendungen können (verständlicherweise!) Proteste hervorrufen.<

          Na das kann ich ja unterschreiben, aber Du sagst ja damit auch, dass die Verwendung in einem anderen Kontext eigentlich problemlos möglich sein sollte.
          Der graduelle Unterschied zwischen der Abkürzung "SA" für eine Spinalanästhesie (ich muss nämlich immer googlen, wie man das wirklich schreibt) und dem "suum cuique", das ja in Buchenwalt tatsächlich sinnverzerrend und zynisch eingesetzt wurde, wäre dann aber doch immer innerhalb der Gesellschaft, also innerhalb der Nutzergemeinschaft, quasi "verhandelbar" oder wer hat hier die Deutungshoheit?
          Genau darauf hebe ich, wie du ja leicht erkennen konntest, im Zusammenhang mit dieser anderen Diskussion ab.

          Ich habe in einem Unternehmen öfter mal die Formulierung gehört "Melden macht frei", die besagen sollte, dass man bei Problemen, die man nicht selbst lösen konnte, die nächsthöhere Ebene vom Problem und davon in Kenntnis setzten sollte, dass man das Problem nicht ohne fremde Hilfe lösen konnte, wodurch man die Verantwortung für entsprechende Maßnahmen der entsprechenden Stelle übergab.
          Ist das jetzt schon, durch den Parallelismus automatisiert, eine verdammenswürdige Formulierung, oder geht die in diesem Zusammenhang?

          Ist es nicht immer die Frage nach dem Zusammenhang? Wenn ich auf dem Grundriß einer Wohnung das KZ sehe, assoziiere ich das doch null mit der schrecklichen Vorstellung von Dachau, Buchenwald und all den anderen Stätten des Grauens.
          Auf Abmahnungen spezialisierte Anwälte haben diesen Topf vielleicht nur noch nicht entdeckt, denn da ließe sich mit Sicherheit viel Geld generieren...

          Noch dazu vielleicht:
          >... jedem sollte der Unterschied zwischen "SS", "Arbeit macht frei" - zwei Wörter/ Aussagen die untrennbar mit Verbrechen gegen die Menschlichkeit und dem Holocaust verbunden sind und "Suum cuique" - extra in Latein? - ...<

          Vor Jahren gab es mal zu genau dieser Formulierung einen ähnlich ausufernden Thread, der sich rein auf die Verwendung in Buchenwald und nicht im geringsten auf die ursprünglich intendierte Aussage dieses Spruchs bezog.

          Daher kam der mir als erstes in den Sinn :)

        • <<<Das kommt auf den Kontext an.>>>

          Schön dass gerade DU das sagst.....und das ist nun völlig ironiefrei gemeint.

          Wäre erfreulich gewesen, hättest Du das an anderer Stelle ebenso gesehen.....da wäre es nämlich genauso zutreffend gewesen.

          LG
          Tomm

      (6) 30.01.14 - 17:42

      Ich fand schon immer, dass das ein "No-go" ist. Ich sage ja auch nicht zu meinen Klienten "Arbeit macht frei". Und nein, es rückt die Leute nicht in die Nähe von Nazis, es ist trotzdem ein Zeichen von mangelnder Bildung und Wurschtigkeit.

      Und falls es auf die "SS"-Diskussionen hier anspielt: Ja, das "SS" und gar "KZ" für Kinderzimmer finde ich grausig. Und wenn hundert Mal der Arzt solche Abkürzungen nutzt, weil in seinen Formularen begrenzt Platz ist, macht das das "SS" noch lange nicht zu eine "gängigen" Abkürzung, wie hier einige immer wieder behaupten.

      Ich kürze zwar auch ab un an ab, um schneller beim Schreiben zu sein, generell finde ich den "AküFi" (Abkürzfimmel) bei Menschen und Behörden absolut dämlich und unhöflich. Klopfer war hier mal die "hilfreiche" Antwort "Der KV ist für dich zuständig, ansonsten wende dich ans JA wegen UVG und dann hast du ja auch noch den EG..." #augen

      Gruß
      Ch.

      • Moin und danke für deine Antwort.

        Abkürzungen mögen hier und da unhöflich wirken, da gebe ich Dir schon recht, besonders natürlich im "normalen" Gespräch.
        Wenn ich allerdings mal so von meinem Job ausgehe, da redet man beständig von der GUI, der API, möchte was auf SOAP basiertes realisieren oder muss sich das in der IDE anschauen :-)
        Bei meinem aktuellen Kunden ist dann sowohl die ETW als auch die MW und natürlich in beiden das WZ, das KZ und das SZ normaler Begriff und man schaut in BfW nach oder in der FiBu...

        Finde ich solange weder unhöflich noch schlimm, wie es die Kommunikation beschleunigt.
        Aber das war hier ja nicht mein Punkt.

        Mein Punkt war, ob und inwieweit die Redewendung "suum cuique" nun nicht mehr verwendet werden sollte, weil sie in einem düsteren Kapitel der deutschen Geschichte Verwendung gefunden hat, obschon der eigentliche gedankliche Hintergrund dieser Formulierung doch aller Ehren wert war.
        Als Zeichen von "mangelnder Bildung und Wurschtigkeit", wie du schreibst, würde ich die Verwendung jetzt eher nicht sehen, es sei denn, die Gedanken von Plato, Aristoteles und Cicero (um nur einige zu nennen, denn die Idee ist ja noch viele Male auch später in der Philosophie und der Politik aufgenommen worden) wären für dich in irgendeiner Form "wurschtig", was immer DIESER Begriff mir nun sagen soll ;-)

        Ich finde eben, wenn der Zusammenhang deutlich klar macht, dass die Abkürzug KZ nun gerade für das Kinderzimmer im Grundriß steht, dann spricht nichts gegen dessen Verwendung, das Gleiche gilt meiner Meinung nach auch für andere Redewendungen und Abkürzungen, schließlich wird niemand schief angesehen werden, weil er lächelnd sagt, dass er im wunderschönen Dachau wohnt, oder gibt es da noch einen Unterschied, den ich nicht sehe?

        Beste
        Tom

        • (8) 30.01.14 - 21:18

          Ich denke, es kommt auch auf die Intention an, mit der dieser Satz benutzt wird.

          "Naja, jedem das Seine...!" kann heißen

          Mach doch, was du willst, ich sehe das nicht so eng. (= Jeder, wie er mag, jedem Tierchen sein Plaisierchen...) oder aber

          Ich finde blöde, was du da tust, wie du lebst, wie du mit deinen Kindern/Mann/Haustieren umgehst, aber nun gut, jedem das Seine.

          Womit wir bei letzterem fast schon bei der Buchenwald-Bedeutung wären: Ich finde dich doof (= "minderwertig", sowieso unter mir stehend, nicht einer weiteren Interaktion wert), also soll es wohl so - und vor allem mir egal - sein, wenn du "minderwertig" lebst. Also im Sinne "Jedem, das, was ihm gebührt, was er verdient hat." In diesem Zusammenhang nutzen sehr viele immer noch diese Floskel und da könnte ich dann gern mal brechen.

          Das sind dann gern auch mal die, die sich wundern, wenn man sich bei "Bis zur Vergasung" aufregt.

          Bzgl. der Abkürzungen meinte ich im Übrigen keine fachlichen Abkürzungen, die man im Beruf untereinander verwendet.

          Gruß
          Ch.

          • Ich hab jetzt länger überlegt, aber ich muss leider sagen, dass ich persönlich keinen Unterschied zwischen deinen beiden Beispielen erkenne. Ein "jedem das seine" im Sinne von "Jedem Tierchen sein Plaisierchen" impliziert doch irgendwie auch ein "naja, meins wäre es nicht, ich finde das *negatives Wort*", dahinter steckt doch automatisch eine gewisse Abwertung, denn man lehnt etwas für sich ja kaum ab, weil man es besonders toll findet? Natürlich kann man dann tolerant ein "aber wenn es dir gefällt, mach es so, für mich ist das okay" dahinter setzen, aber das ändert ja nichts daran, dass es aus welchen Gründen auch immer einem selber nicht gefällt und es für einen selber dementsprechend "minderwertig" ist. Oder vertue ich mich da? #gruebel

            Mal abgesehen von der zynischen und wirklich gemeinen Bedeutung über dem Buchenwald-Eingang ist der Satz ja eigentlich ein schöner, von Toleranz geprägter Satz, den man (zumindest kenne ich ihn aus meinem Alltag nur so) mit einem Schulterzucken und einem Lächeln sagt, wenn man andere Lebensformen oder Ansichten zwar nicht für sich annehmen möchte, sich aber nicht weiter daran stört. Könnte man meiner Meinung nach viel öfter sagen...
            >> "Jedem, das, was ihm gebührt, was er verdient hat." In diesem Zusammenhang nutzen sehr viele immer noch diese Floskel<< - das kann ich also nicht bestätigen. Ich verstehe zwar auch diese Interpretation, aber ich habe den Satz bisher nie in diesem Zusammenhang mitbekommen, sondern immer nur mit der "ist mir egal, mach du mal"-Einstellung, die ich eben beschrieben habe. Ich frage mich gerade, ob das jetzt Zufall ist oder ob ich nur zu blöd/naiv war, diesen bösen Hintergrund in den entsprechenden Situationen zu erkennen oder ob du den Satz einfach anders interpretierst als ich und ihn deswegen öfter mit der abwertden Bedeutung hörst...? Das soll kein Angriff sein, ich frage mich das wirklich.

            Liebe Grüße, Truly

            • (10) 31.01.14 - 14:57

              ">> "Jedem, das, was ihm gebührt, was er verdient hat." In diesem Zusammenhang nutzen sehr viele immer noch diese Floskel<< - das kann ich also nicht bestätigen"

              Süß. Tipp: Schau mal auf dein Alter und dann auf meins. Erstens hatte ich durchaus schon mehr Gelegenheiten, diesen Spruch zu hören als du und zweitens hatte ich hier niemanden um "Bestätigung" meiner Aussagen gebeten. Drittens, nein, nicht nur ich empfinde diesen Satz bei entsprechender Gelegenheit nicht als Zeichen der Toleranz, sondern der Abwertung.

              • Süß?

                Ich empfinde deine Antwort etwas angreifend. Natürlich hast du nicht um Bestätigung gebeten, das ist mir klar. Und mir ist auch der Altersunterschied bewusst. Eben deswegen fragte ich mich ja am Ende, ob das jetzt Zufall ist oder aufgrund der Umstände. Vielleicht kommt das nur so rüber, aber ich finde es schade, dass du mich deswegen nicht ernst nimmst (?).
                Wenn es aber an dem Altersunterschied liegt (wobei ich diesen Satz auch von älteren Leuten nur als "mach du mal" kenne), dann finde ich das ein positives Zeichen. Nicht, weil vergessen wurde, was damals geschehen ist (die Diskussion haben wir beide ja schon mal geführt, da habe ich ja von der ausführlichen Unterrichtsbehandlung berichtet), sondern weil negativ belastete Wörter, Sprüche, etc wieder ihren ursprünglichen Sinn bekommen. Ich befürchte aber, dass genau das von vielen Leuten als negativ angesehen wird - wie man in der SS-Diskussion ja auch lesen kann. (wobei SS für mich ein anderes Kaliber ist)

          <<<Bzgl. der Abkürzungen meinte ich im Übrigen keine fachlichen Abkürzungen, die man im Beruf untereinander verwendet.>>>

          Höflich und mit Bedacht gefragt:

          Wo ist der Unterschied?

          Ist für Dich "Beruf" mit einer Art "fachlicher Kompetenz" hinterlegt, wo kein Raum für zweideutige Ausdrücke bleiben darf, und somit solche Abkürzungen für Dich ok sind, im privaten ist dieser Puffer aber Deiner Meinung nach nicht existent?

          In meinen Augen ist da nämlich rein gar kein Unterschied, da besonders hier im Forum thematisch sehr eindeutig agiert wird, und sicher niemand mit solchen Kürzeln auf die Zeit zwischen 33 und 45 anspielen will.

          Diese Anspielungen- bzw. Verweise kommen immer erst dann, wenn Leute wild mit dem Zeigefinger wedeln, und anfangen zu kritisieren.

          Hier unterstelle ich z.T. sogar eine Art "Automatismus", der sofort anspringt, wenn gewisse Schlagwörter in den Beiträgen fallen, und das finde ich SEHR viel gedankenloser, als die arglose Verwendung dieses "Schlagwortes".

          Liebe Grüße
          Tomm

"aber ich bin mir nicht sicher, ob diese Formulierung mich nicht in die Nähe der Nationalsozialisten rückt."

Intelligente Menschen können unterscheiden, ob jemand ein Nazi(-Anhänger) ist oder ob mit dem Spruch einfach nur - ganz harmlos gemeint - ausgesagt werden soll "mach, was du willsr", "wenn du meinst, mein Ding wäre das nicht...".

Aber intelligente Menschen sind bei Urbia in der Minderheit, insofern würde ich mir so einen Spruch (und alle anderen Sprüche dieser Art) bei Urbia sparen.

  • Nun ja, das Zitat wollte ich in einer etwas anderen Situation verwenden, ging um eine Konkurrenzsituation, die aus meiner Sicht keinen Sinn macht, da jeder Beteiligte mit anderen Fähigkeiten an einen Aufgabe herangeht, es also quasi keine Konkurrenz gibt, da ja alle ihr jeweiliges Ding... NAJA, also verkürzt eben: suum cuique :-)

    Nun hatte ich kurz zuvor aber hier diese Diskussion weiter unten gelesen und da stellte sich mir die Frage und es juckte in den Fingern.

    Interessanter aber an deinem Beitrag der Aspekt, dass es offenbar nicht nur auf die Situation und den Kontext bei der Verwendung solcher Floskeln und Abkürzungen ankommt, sondern in deinen Augen auch vom/von den jeweiligen Rezipienten abhängig zu machen ist, ob man einen bestimmten Ausdruck verwendet oder nicht.
    Unabhängig davon, ob ich deine Einschätzung über die durchschnittliche Intelligenz der hiesigen Forennutzer nun teile, oder nicht, ist das natürlich in der Tat ein Punkt, den ich nicht von der Hand weisen kann, den ich aber bei meiner Frage gar nicht so recht berücksichtigt habe.

    Wenn ich vor diesem Hintergrund die weiter unten geführte Disskussion nochmals betrachte, ergibt das aber dennoch die Fragestellung, welche Seite denn nun welcher entgegenkommen sollte.

    Diejenigen, für die SS für Schwangerschaft steht, denjenigen, die in Pawlowscher Manier bei dem Kürzel zu sabbern beginnen,

    oder diejenigen, die eigentlich sachlich und wohlwollend auf Fragen antworten möchten, das aber nicht bei den Themen Schwangerschaft und Kinderzimmer tun können, wenn sie durch die bekannten Abkürzungen in den Stammhirn-only-modus versetzt werden und nur noch reflexhaft zubeißen können, denjenigen, die beim Schreiben der Bequemlichkeit Raum geben und es vorziehen die Abkürzungen ohne Hintergedanken zu verwenden?

(15) 30.01.14 - 20:33

http://de.wikipedia.org/wiki/Jedem_das_Seine

Der Spruch hat nun wirklich eine Tradition, die weit über die pervertierte KZ-Inschrift hinausreicht, daher halte ich ihn für verwendbar.

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