Weiß nicht, wie ich damit umgehen soll ...

    • (1) 31.01.14 - 19:51

      Hallo zusammen,

      das wird mein erstes Schwiegervater-Jammerpost.

      Mein Schwiegervater ist ein seeeeeehr anstrengender Mensch. Ich habe es immer aufs Alter geschoben, aber mein Mann meint, so sei er schon immer gewesen. Sehr auf sich bezogen, hört sich gerne selbst reden, spricht fremde Menschen auf der Straße an und erzählt ihnen seine Krankheitsgeschichten, er wiederholt sich ständig, hört nicht zu und übergeht einen im Gespräch, spricht nur von Krankheiten und vom Krieg ... Angeblich hat er auch alle Krankheiten schon gehabt. Mich würde nicht wundern, wenn er in einem Gespräch über Gebärmuttersenkung behaupten würde, das hätte er auch schon gehabt. #augen Länger als eine Stunde am Stück halte ich es nicht aus. Eine Stunde kann ich mich bequatschen lassen und wenn nötig auf Durchzug schalten, dann ist aber gut. Ich bin ihm gegenüber immer höflich und eine "gute" Schwiegertochter.

      Bisher habe ich das alles auch immer billigend in Kauf genommen, da ich dachte, er sei ein herzlicher und vor allem ein Familienmensch. Nun ist vor 2 Wochen seine Schwester gestorben. Er ist nicht zur Beerdigung gegangen, was mich echt schockiert hat. Und das schlimmste ist, er hat seine Krankheit vorgeschoben. Er hatte letztes Jahr einen Schlaganfall, ist aber mit einem blauen Auge davon gekommen. Bis auf Sensibilitätsstörungen in der Hand ist er noch topfit und kann sich alleine versorgen. Er nimmt z.B. auch weite Strecken in Kauf, um unnötige Besorgungen zu machen. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Er ist mir durch dieses Verhalten so unsympatisch geworden. Das positive, was ich in ihm gesehen habe, ist einfach nicht existent.

      Ich habe ihn erst einmal seither wieder auf einer Familienfeier gesehen, wo ich ihm gut aus dem Weg gehen konnte. Morgen fahren wir ihn besuchen und mir graut es davor. Ich möchte "diesen Menschen" nicht umarmen, ihm Verständnis oder Geduld entgegen bringen. Mit ihm darüber zu sprechen bringt nichts, wie man an dem ersten Abschnitt erkennen kann.

      Was denkt ihr darüber?

      Liebe Grüße
      #winke

      • Vielleicht kann er mit Trauer nicht so umgehen wie du das erwartest, vielleicht hatte er Angst, vielleicht will er lieber ohne Rummel Abschied nehmen, seine Schwester nicht so sehen (bzw den Sarg)

        Hallo,

        vielleicht hat er einfach Angst? Angst vor dem Tod, Angst, nochmal einen Schlaganfall zu erleiden, Angst, unheilbar krank zu werden und ein leidvolles Ende zu haben?

        vg, m.

        Menschen gehen unterschiedlich mit Trauer um. Eine kleine Geschichte. Eine Bekannte von mir 75Jahre verlor vor über 20Jahren ihren Mann. Sie liebte ihn über alles, hat immernoch Bilder von ihm Hängen, hält ihn in Ehren... sie war damals nicht zu der Beerdigung, hat sich auf ihre persönliche weise von ihn verabschiedet... und konnte bis heute nicht zu seinen Grab gehen....

      • Ich verurteile Menschen nicht, weil sie nicht zu einer Beerdigung gehen. Das sind SEINE persönlichen Gründe - ob er seine Krankheit vorschiebt oder nicht, geht dich nichts an. Dein Schwiegervater ist ein ganz normaler Mensch, nicht "dieser Mensch". Er hat nichts schlimmes getan, er hat für sich eine intime Entscheidung getroffen, die du zufälligerweise anders getroffen hättest, aber du bist nicht die letzte Instanz und du hast nicht das Recht andere Menschen nach deinen Massstäben zu verurteilen.

        Für ihn stimmt es und ganz ehrlich - er muss damit leben.
        Ich mische mich nur ein bzw. zeige noch einen anderen Weg auf, wenn die Menschen, die ich gut kenne, vielleicht vor Angst, Wut oder Trotz die Augen vor einer anderen Option schliessen.

        Du kennst den Schwiegervater aber nicht gut, sondern reduzierst ihn darauf, dass er dir mit seinen egozentrischen Krankheitsgeschichten auf die Nerven geht.
        Weisst du, meine Grosseltern haben auch ihre positiven und negativen Charaktereigenschaften. Und unsere Grossmama erzählt auch hauptsächlich von ihren Problemen und wenn ich sie frage, wie es geht, weiss ich, dass ich 10+ Minuten genau erzählt bekomme, wieso es ihr schlecht geht. Aber das ist mir egal, denn sie nimmt mich auch mit meinen negativen Seiten an. Ich mache beim Gespräch auch mit - ich muss nicht über mich erzählen, das kriegt sie meistens sowieso über unsere Mama mit und manchmal fragt sie auch und hört zu. :-)
        Aber ich denke, sie braucht das.

        Und ich denke, dein Schwiegervater braucht das auch. Vielleicht sieht er wirklich nicht, dass es egozentrisch ist und wäre im Grunde gar nicht so - dann kann man mit ihm reden. Oder man möchte das Verhältnis bessern - auch dann kann man mit ihm reden, allerdings hat das im Alter einfach nur begrenzt Erfolg und ich bin da ganz einfach: ich bin jung, sie sind alt und ich will sie nicht damit belasten"mir gerecht zu werden" - und ich würde das nie verlangen, denn es gibt keinen Grund. Denn sie (meine Grosseltern und dein Schwiegervater - der Vater deines Mannes) haben uns bis zu diesem Punkt im Leben begleitet, erzogen und verwöhnt und geliebt.

        Sie können mir leider gar nicht mehr so viele Jahre ihre Geschichten erzählen, wie ich hoffentlich leben werde.

        • "Du kennst den Schwiegervater aber nicht gut, sondern reduzierst ihn darauf, dass er dir mit seinen egozentrischen Krankheitsgeschichten auf die Nerven geht."

          - Eben darauf wollte ich ihn nicht reduzieren und habe versucht das Gute in ihm zu sehen. Und das war in meinen Augen, dass ich das Gefühl hatte, dass ihm Familie wichtig sei. Durch dieses Ereignis und den Gesprächen die ich daraufhin mit meinem Mann führte, habe ich aber gemerkt, dass dem nicht so ist. Mein Mann meint, dass sein Vater schon immer alles nur seinetwillen gemacht hat. Und das schon immer.

          Der Unterschied zu deinen Großeltern:

          "Weisst du, meine Grosseltern haben auch ihre positiven und negativen Charaktereigenschaften."

          - Ich erkenne im Moment keine guten Charaktereigenschaften an meinem Schwiegervater und das macht mich traurig.

          " ich muss nicht über mich erzählen, das kriegt sie meistens sowieso über unsere Mama mit und manchmal fragt sie auch und hört zu."

          - Das macht mein Schwiegervater eben nicht, er hört ja keinem zu, daher kann er auch nichts über irgendjemanden erfahren. Er weiß z.B. nicht, dass wir gerade mehrere Fehlgeburten hatte. Nicht, weil wir es ihm vorenthalten, sondern, weil er nicht zuhört.

          "Vielleicht sieht er wirklich nicht, dass es egozentrisch ist und wäre im Grunde gar nicht so - dann kann man mit ihm reden."

          - Nein, das kann man wirklich nicht! Ganz ehrlich, an ihn ist kein Rankommen. Zudem ist er sehr stur!

          Es ist sicher ein Unterschied, ob es die eigene Verwandtschaft ist oder eben angeheiratet. Ich kenne meinen Schwiegervater erst seit 8/9 Jahren, habe keine glückliche Kindheit mit ihm erlebt, habe keine gewachsene Bindung. Da fällt es schwerer, mit so extremen Eigenarten eines Menschen umzugehen. Ich weiß auch, dass er sich nicht ändern wird, das erwarte ich auch nicht. Ich bin nur so enttäuscht und es fällt mir schwer, Sympathie für ihn aufzubringen und mit diesem Wissen seine nervigen Eigenarten zu ertragen. Mich macht das sehr traurig.

      Okay, dass man unterschiedlich mit Tauer umgeht, ist eine Sache, wenn man nicht auf eine Beerdigung gehen möchte, weil man damit nicht klar kommt, ist okay. Seine Krankheit vorzuschieben ist eine andere Sache.

      Ich fände es wesentlich sympatischer, wenn er darüber sprechen würde, dass er nicht damit umgehen kann, als fadenscheinige Gründen vorzuschieben wie, er hätte Angst davor, dass seine Blase wegen des Schlaganfalls nicht hält (er hat sich extra Windeln aus dem Krankenhaus mitgeben lassen, die er bisher nie gebraucht hatte, die könnte er ja in diesem Fall verwenden ...) Ich glaube ihm das einfach nicht und ich habe eher das Gefühl, als hätte er keine Lust gehabt.

      Als mein Mann ihn, nachdem er vom Tod seiner Tante gehört hatte, angerufen hatte, um zu hören, wie es seinem Vater geht, hat dieser nur von banalen Dingen gesprochen. Als mein Mann den Tod der Schwester angesprochen hatte, kam sowas wie "ach, ja", so beiläufig, nach dem Motto, "da war ja noch was" ...

      Vielleicht tue ich ihm unrecht, aber das werde ich nie erfahren, weil man mit ihm einfach nicht sprechen kann :-(

      • (8) 31.01.14 - 21:13

        Aber Männern dieser Generation wurde noch eingeblaeut keine Gefühle und Emotionen nach Aussen zu zeigen. Hart wie Kruppstahl, du wirst den Begriff kennen.

        Wahrscheinlich ist eine Krankheit gerade noch akzeptabel als Schwäche. Aber vor anderen moeglicherweise Gefühl zeigen oder sie anderen gegenüber zuzugeben, diese Hürde wird für ihn zu groß sein. Ich denke wir dürfen da unsere Maßstäbe nicht anlegen. Zumal jeder frei in seiner Trauer sein sollte.

        Cloti

        • (9) 31.01.14 - 21:17

          Das könnte natürlich sein, das ist ein interessanter Ansatz. Ich kenne keine Menschen in der Generation, selbst mein Großvater ist um einiges jünger als mein Schwiegervater. Daher habe ich keinen Vergleich.

          (Interessant an deiner Metapher: Mein Schwiegervater war Drahtzieher bei Thyssen Krupp ;-) )

          • (10) 31.01.14 - 21:36

            Viele dieser Generation sind im Zusammenleben nicht einfach. Ihnen wurde einfach ein so vollkommen anderes Menschen und Selbstbild eingepflanzt, damit umzugehen ist nicht immer einfach.
            Ich bin da bei meiner Oma regelmäßig drann gescheitert.

            • (11) 31.01.14 - 21:48

              Das ist gut, das so zu hören, dass es nicht nur mir so geht und dass die Erziehung dieser Generation die Ursache sein könnte. Mir tut das natürlich leid, dass du bei deiner Oma gescheitert bist.

              Aber das, was du geschrieben hast, hilft mir, es zu akzeptieren, wie er ist und die Geschichte von einer anderen Seite zu betrachten.

              DANKE DIR!

      Als die Mutter meiner damals besten Freundin (damals 14) gestorben ist, hat diese es nach aussen und auch mir gegenüber abgetan als würde es sie kalt lassen und trotzdem hat es sie alles andere als kalt gelassen, sie konnte nur in dem Moment nicht anders als es herunter zu spielen

Hallo,
mir fallen nur zwei Dinge dazu ein:
1. Fast alle alten Menschen haben ihre "Macken", lerne sie zu akzeptieren oder laß es.
2. Es ist seine Sache wie er mit dem Tod seiner Schwester umgeht, da hast du nichts dran zu bewerten oder viel mehr abzuwerten.
Dein Schwiegervater tut mir leid, er ist mit einer anscheinend wenig einfühlsamen oder verständnisvollen Schwiegertochter gestraft worden.

Top Diskussionen anzeigen