...kleine Ereignisse, die das Leben prägen...

    • (1) 02.02.14 - 05:03

      Hallo!

      Es fiel mir unheimlich schwer, eine Überschrift für das Thema zu finden...natürlich verändert sich alles extrem, wenn man seinen Partner kennenlernt, Kinder bekommt, ein geliebter Mensch krank wird oder stirbt. Ein neuer Job, ein Umzug, der Führerschein, eine Weltreise haben große Auswirkungen auf unser Leben. Und klar prägt es einen, wenn die geliebte Oma einem einen Rat mitgegeben hat oder man als Kind etwas erlebt hat, was man auf keinen Fall bei seinen Kindern wiederholen möchte. Von solchen Dingen kann sicher jeder hier berichten. Aber solche Ereignisse meine ich nicht...

      Ich möchte wissen, ob es kleine, vielleicht zuerst unbedeutende Ereignisse, Situationen, Begegnungen in eurem Leben gab, die im Nachhinein großen Einfluss auf euer Denken und Handeln hatten. Eine einmalige Begegnung mit einem fremden Menschen, durch die sich euer Denken verändert hat? Oder ein Film, ein Buch, das euch gezeigt hat, dass ihr etwas ändern müsst? Eine Beobachtung, eine kleine Situation, die euch geholfen hat, eine bestimmte Entscheidung zu treffen? Ein kurzer Einfluss von außen, durch den ihr euch weiterentwickelt habt?

      Zur Verdeutlichung, was ich meine, zwei kleine Geschichten aus meinem Leben:

      In meiner Ausbildung zur Krankenschwester hatte ich einen kurzen Einsatz in einem Hospiz. Ich hatte ein wenig Angst davor... dort würde ich Menschen begegnen, die auf den Tod warten. Wie sollte ich mich ihnen gegenüber verhalten? Wie sollte ich mit all der Trauer dort umgehen? Im Endeffekt war es dort wunderschön. Ich kann es gar nicht beschreiben, aber es war alles so friedlich und freundlich und herzlich. Das Pflegepersonal war total nett, die Gäste (so hieß es dort) waren größtenteils fröhlich, es wurde viel gelacht. Und besonders berührt hat mich ein Mann, Mitte 30, mit Hirntumor und Metastasen, der nur noch wenige Wochen zu leben hatte. Jeden Tag fuhr ich mit ihm mit dem Rollstuhl zum nächsten Supermarkt und wir quatschten über Gott und die Welt. Er war so positiv und so lustig, das hat mich tief beeindruckt. Jeden Tag kam seine Schwester mit ihrem kleinen Sohn vorbei und alle gingen so normal miteinander um und trotzdem spürte man die Dankbarkeit für die noch verbleibende Zeit. Zum Abschied sagte dieser Mann mir, dass ich mein positives, fröhliches Wesen behalten soll - das wäre wie Sonnenschein für die Seelen meiner Mitmenschen. Und vor allem soll ich immer auf mich achten, denn den letzten Weg gehe man alleine und dann wäre es wichtig, mit sich im Reinen zu sein. Ich hab schon wieder Tränen in den Augen, wenn ich daran denke. Seinen Namen habe ich längst vergessen, sein Gesicht und seine Worte werde ich niemals vergessen. Er hat mein Leben geprägt. Nach diesem Einsatz war ich so viel erwachsener und dankbarer und habe viele Dinge mit anderen Augen gesehen.
      Ein anderes Erlebnis war ein kurzes Gespräch mit einem Oberarzt, auch im Laufe meiner Ausbildung. Ich sollte eigentlich nur als Zeugin bei einem Krisengespräch dabei sein, es ging um ein Scheidungskind, das bei uns lag, und die Problematik, dass die Eltern gegeneinander arbeiteten. Das ganze eskalierte dann und nachdem die Patientenmutter schreiend das Zimmer verließ, entwickelte sich ein Gespräch zwischen ihm, dem leitenden Oberarzt, und mir, der kleinen Schülerin, über etwas ganz privates... ich hatte geäußert, dass ich ebenfalls Scheidungskind bin und keinen Kontakt mehr zu meinem leiblichen Vater habe; er stellte mir Fragen, da er Probleme mit seiner Ehefrau habe, die in der selben Situation wie ich war, und nicht wisse, wie er damit umgehen soll. Ich weiß nicht, warum, aber es war eine Vertrautheit da und es war überhaupt nicht unangenehm. Ich habe Rotz und Wasser geheult, er war auch sehr emotional, aber es war okay so. Im Endeffekt sagte er mir: "Ich glaube, es gibt Menschen, denen muss man begegnen... Sie sind so ein Mensch für mich." Nach diesem Gespräch haben wir nie wieder über private Dinge gesprochen, unser Verhältnis war stets rein beruflich. Zum Examen zwei Jahre später gratulierte er mir wie allen anderen mit einer Umarmung, sagte dabei aber außer "Herzlichen Glückwunsch" noch leise "danke". Ich finde es immer noch erstaunlich, wie ich kleines, junges, unerfahrenes Mädchen diesem gestandenen Mann eine Hilfe sein konnte. Und manchmal, wenn ich Selbstzweifel habe, fällt mir dieses Gespräch wieder ein, weil es mir zeigt, dass man manchmal ganz unerwartet doch viel bewirken kann... und dass jeder Mensch richtig und wichtig ist, so wie er ist, auch ich.

      Kennt ihr sowas auch?

      Ich hoffe auf viele schöne Geschichten aus dem Leben. Hab grade irgendwie so meinen sentimentalen Moment. ;-)

      Ich wünsche euch einen wunderschönen Sonntag!

      Liebe Grüße, Truly

      • Als ich deinen Text gelesen habe, dachte ich erst: Nein, gibt's bei mir nicht.

        Aber doch...ich habe auch eine Krankenpflegeausbildung gemacht. Das ist laaaange her.

        In dieser Zeit habe ich auch auf eine onkologischen Station gearbeitet. Da gab es einen Patienten, der nicht so beliebt bei den Schwestern war, weil er alles besser wusste. Über jedes Thema, auch über s Stricken und Kinder kriegen....
        Eines Tages hat er sich mit einer Kollegin lautstark gestritten, sie hat entnervt den Schauplatz verlassen.

        Als wir bei der Übergabe saßen, damals war der Raum immer gerammelt voll, kam er mit nur einem OP Hemd bekleidet, in den Raum. Und sagte laut und vernehmlich: Schwester Steffie, ich möchte mich bei ihnen entschuldigen. Sie waren im Recht und ich im Unrecht.
        Dann drehte er sich um und ging...Op Hemden sind ja hinten immer sperrangelweit offen.

        Sah komisch aus und löste für einen Moment kurzes Kichern aus....bis ein Pfleger gewaltig mit der Faust auf den Tisch haute und meinte: Den Mut muss man erst mal besitzen hier rein zu kommen und sich vor allen anderen zu Entschuldigen.
        Er hätte größte Hochachtung vor dem Mann.

        Und ich hatte das auch und habe es noch. Es ist schwer sich zu entschuldigen, wenn man im Unrecht ist. Aber wenn dann noch viele andere anwesend sind, dann ist es noch schwerer und nötigt mir höchsten Respekt ab.

        Ich habe bis zum Tod des Mannes noch oft mit ihm Gespräche geführt. Manchmal ganz lange an seinem Bett gesessen und nur zu gehört. Über seine Kriegserlebnisse. Er wollte nicht, dass es irgendjemand sonst erfährt.
        Ich habe es nie jemanden erzählt. Und ich weiß nach so langer Zeit noch, wie dieser Patient hieß.

        • Danke für deine Antwort und dass du von diesem Erlebnis berichtet hast. Ja, der Mann hat wahre Größe gezeigt und oftmals lohnt sich ein Blick hinter die Kulisse, was im Alltag aufgrund von Stress, Zeitmangel und auch Desinteresse oftmals einfach untergeht.

      Hallo Truly,

      ich glaube, dass man als Krankenschwester das Zwischenmenschliche viel öfter wahrnimmt als in anderen Berufsgruppen. Das stärkt einen selbst und man kann darauf zurückgreifen.

      Ich bin selbst auch eine und zweifel manchmal daran ob ich alles richtig mache im Beruf. Aber: ja, letztendlich machen wir oftmals alles richtig, vom Herzen her. Das Bauchgefühl spielt eine große Rolle dabei.

      Ein offenes Ohr zu haben, einfach mal daneben zu sitzen, die Hand zu halten, auch ohne viele Worte.

      Ich hatte hier auch einen Mann, sehr krank, der zu seinen Kindern keinen Kontakt haben wollte. Die Tochter hat mich angerufen und ihr Leid geklagt, ich habe dann das Bedürfnis gehabt sie einfach nur zu umarmen (durch`s Telefon etwas schwierig, aber ich hab es ihr gesagt). Der Mann selbst war auch interessant, ich wollte eigentlich nur wissen, warum er keinen Kontakt haben möchte, was passiert ist in seinem Leben? Er ist dann gestorben und die Fragen blieben offen. Kurz vor seinem Tod wollte er dann doch Kontakt zu den Kindern haben, um das Nötigste noch zu klären, doch es war zu spät.

      Mach weiter so, es stärkt dich und die die Kraft haben wollen.
      Liebe Grüße,
      Alex

      • Vielen Dank für deine Antwort. Mich berührt da besonders der Satz "doch es war zu spät"... das ist mir spätestens nach meinem Hospiz-Einsatz richtig klar geworden: der Tod ansich ist nichts schlimmes, wenn man so gelebt hat, dass man ohne Zweifel gehen kann.

        Ja, als Krankenschwester ist man natürlich prädestiniert dafür, solche Dinge zu erleben, denn erstens lernen wir ja auch auf die Menschen als Ganzes einzugehen und zweitens kommen wir einfach mit Menschen in sehr engen Kontakt, die uns ihr Vertrauen schenken. Eigentlich kann jeder Mensch, der in der Pflege arbeitet, solche Geschichten erzählen. Umso mehr interessieren mich natürlich die Erlebnisse von Menschen, die nicht "zwangsläufig" mit solchen Dingen zu tun haben. Ich hoffe noch auf weitere Antworten. :-)

        Liebe Grüße, Truly

    Hallo!
    Ja, ich kenne soetwas auch, ebenfalls durch Kontakte zu Patienten (ich habe als Ergotherapeutin in einer orthopädischen Rehaklinik gearbeitet).
    Zu einer älteren Dame hatte ich zu zwei Mal Kontakt. Sie hatte einen Oberschenkehalsbruch und aus dem Grund ein künstliches Hüftgelenk bekommen. Sie wirkte sehr agil und war geistig fit. Ich hatte vorher auf meinem Therapieplan nicht auf ihren Geburtsjahrgang geschaut, weil es in diesem Zusammenhang irrelevant war. Plötzlich meinte sie in einem entsprechenden Moment verschmitzt grinsend: "Nicht schlecht für eine über Hundertjährige, was?". Ich glaube, ich habe sie mit großen Augen angeschaut, denn ich hätte sie für knapp achzig Jahre gehalten, wenn überhaupt. Aber es stimmte, die Dame war über hundert Jahre alt. Wir kamen ins Gespräch und sie meinte, dass sie ihr Leben lang für andere Menschen da war, sich selber und ihre eigenen Bedürfnisse nie aus dem Augen verloren hat. Sie habe immer auch wieder Dinge gemacht, die "andere völlig bescheuert gefunden haben" (ihre Aussage!), d.h. nicht immer darauf geachtet, was andere von ihr denken. Sie hat im Seniorenalter das Filzen für sich entdeckt und in ihrem Haus einen kleinen Verkaufsraum eingerichtet. Ihr ging es nicht um den Verdienst, aber sie hatte nun einen Grund, Filzgegenstände herzustellen und freute sich, wenn ab und zu Kunden kamen. Auch hat sie mit 70, 80 Jahren häufig spontan Reisen unternommen, wenn es ihr in den Sinn kam (finanziell war sie wohl gut gestellt, daher hat sie damit niemandem geschadet). Ihre Familie kannte sie wohl zu gut, um ihr das auszureden, aber den Kopf geschüttelt haben laut ihrer Aussage wohl einige.
    Und nein, sie war keinesfalls eine verbiesterte und egoistische Frau. Bei den anderen Patienten war sie beliebt, sie hat versucht, ihnen zu helfen, soweit sie es konnte etc.

    Ihre Lebenseinstellung hat mit sehr gefallen: Für andere da sein, aber dabei eben nicht sich selber vergessen. Auch mal Dinge "wagen", die nicht den Konventionen entsprechen, ohne sich dafür zu rechtfertigen.

    LG Silvia

  • Ein Bericht über das Hospiz habe ich mit Gänsehaut gelesen.
    Vor kurzem habe ich auch einen geliebten Menschen verloren, der im Hospiz lag. Das was du geschrieben hast stimmt, alle war so herzlich und lieb. Wenn man das Hospiz betreten hat war es wie in einer anderen Welt ohne Streit und Stress. Aber dennoch ist es ein Erlebnis, das man in seinem Leben nie wieder vergisst, denn jeden Tag wenn man sich verabschiedet und das Hospiz verlässt weiß man: Das war vielleicht das letzte mal... und irgendwann ist der Tag dann da

    Danke truly für das Teilen deiner Erlebnisse. Ich habe immer noch Gänsehaut.

    So "klein" fand ich deine Ereignisse nicht. Du hast etwas sehr wertvolles, großes erlebt.

    LG
    B. die gerade in ihrem Hirn kramt, was ihr Leben so "umgehauen" hat.

    ich habe ein anderes Beispiel. Als wir vor paar Jahren nach Südamerika ausgewandert sind war die Welt rosarot. Wir haben in einem kleinen, aber für die Verhältnisse dort , wohlhabenden Ort gewohnt. Ich war von Flora und Fauna beeindruckt... alles drumherum habe ich irgendwie nicht beachtet. Uns ging es sooo gut. Bis eines Tages, als wir uns endlich eingerichtet haben, ein kleines Mädchen(ca 4 Jahre) am Tor stand und mit traurigen Augen nach eine Scheibe Brot gefragt hat... natürlich hat sie das Essen bekommen und ist fröhlich und sehr dankbar weg gegangen. Ich habe danach lange Zeit geheult. Wie kann man so blind sein... die Leute um mich leiden an Hunger und Armut und ich sehe es nicht. In Europa war man arm, wenn man sich kein Restaurant ein mal in der Woche geleistet hat (ich weiss, doofes Beispiel) und da draussen hungern die Leute und wir sehen es nicht. Nun, ich kann ja die Welt nicht retten. Wenn jemmand Hunger hat, teile ich das Essen mit ihm, aber das Mädchen hat noch was anderes erreicht. Ich bin seit diesem Tag soooo dankbar, dass ich nie hungern musste, dass ich die Schule besuchen durfte und dass es mir eigentlich immer gut ging, auch, wenn man sich nicht alles leisten konnte. Nach den paar Jahren dort, weiss ich jeden Cent und Gesundheit viel mehr als davor zu schätzen. Ich schämte mich, dass ich nicht richtig hingeschaut habe... ja , das kleine Mädchen hat mit einer Frage bei mir sehr viel erreicht...

(11) 02.02.14 - 20:42

Mir selber ist gerade auch noch etwas eingefallen, was mir eine Freundin mal erzählt hat.

Sie hat sich in der Pubertät selbst verletzt, geritzt, weil sie gewisse Probleme hatte aber auch, weil sie die Aufmerksamkeit, die sie dadurch von ihren damaligen Freunde bekam, haben wollte. Auf einem Stadtfest lief sie mit kurzen Ärmeln durch die Menge und musste aufgrund des Gedränges neben einem Bierzelttisch stehen bleiben. Auf einmal packte sie jemand am Handgelenk, es war ein fremder ca 30jähriger Mann, voll tätowiert, schwarze Kleidung, sehr muskolös, Glatze, der auf der Bank saß - sie hat sich unheimlich erschrocken. Er zeigte auf ihren von Schnitten gezeichneten Unterarm, lächelt und sagt: "Mach so´n Scheiß nicht, du bist ein junges, hübsches Mädel und nichts und niemand auf der Welt ist es wert, dass du dir weh tust". Dann ließ er sie wieder los und trank weiter sein Bier und quatschte mit seinen Leuten.

Sie erzählte mir, dass dieses Erlebnis sie auf gewisse Weise wachgerüttelt hat. Einerseits war es ihr sehr peinlich, andererseits dachte sie trotzig, dass es ihn ja gar nichts angeht. Aber tatsächlich hat sie immer wieder darüber nachgedacht und im Endeffekt eine Therapie gemacht und es seit über zehn Jahren nicht mehr getan. Und sie ist diesem fremden Mann, der so böse aussah, bis heute dankbar. :-)

@trully

Kurz zu meiner Person: ich lebe seid 12 Jahren auf Teneriffa und habe keinen "pflegenden Beruf"

Ein Erlebnis hier hat mich "geprägt".
Wie viele Menschen wissen, auf den Canaren kommen immer wieder mal völlig überladene Fischerboote mit Flüchtlingen aus Afrika an.
So auch an einem Tag an dem ich an einem gutbesuchten Strand aufhielt.
Dass Boot zerschellte an einer strandnahen Klippe, keine 20m vor dem Ufer.
Die ca. 20 toten Menschen (auch Kleinkinder) würden von anwesenden Rettungsschwimmer am Strand deponiert. Ca. 35 Leute konnten sich alleine ans Ufer retten.
Was ich bis heute noch nicht verstanden habe, ein Großteil der Urlauber hatte nichts Besseres zu tun als die Leichen zu fotografieren. In Nahaufnahme.
Einfach nur ekelhaft!!!
Gerne habe mich den Menschen angeschlossen die sofort in umliegenden Läden Wasser und Zwieback gekauft haben um den Überlebenden eine erste Hilfe zu bieten.
Selbstverständlich wurde immer noch rege fotografiert.
Die Polizei hat dann unter Protest der Urlauber dem ein Ende gesetzt.
Wie lange und unter welchen Entbehrungen die Afrikaner auf See waren, weiß ich nicht.
Eine Kreuzfahrt war es sicher nicht.
Gelernt und verinnerlicht habe aus diesem Erlebnis: kann ich nicht helfen, störe ich nicht.
Kann ich helfen, mache ich es. Und mein Verständnis für Flüchtlinge hat sich bei mir sehr intensiv gewandelt.
Ich hoffe für die "Fotografen" dass sie beim heimischen Betrachten der Bilder ein schlechtes Gewissen bekommen und auch verinnerlichen wie gut es Ihnen in Europa geht.
Wohlwissend dass das mit dem Gewissen eine falsche Hoffnung meinerseits sein wird.
Freundliche Grüße von der Insel des ewigen Frühlings, acentejo

(15) 03.02.14 - 18:47

Hmm, ja so unbedeutende Ereignisse gibt es wahrscheinlich im Leben von jedem Menschen, die Frage ist, ob man sie erkennt. Mich haben einige "unbedeutende Ereignisse" auch stark geprägt, mal im Guten, mal im Schlechten:

Als Kind habe ich mich in der Grundschule sehr schwer getan. Ich hatte ein negatives Selbstbild, weil ich so viel lernen musste, um gute Noten zu haben. Ein Ereignis hat mich in dieser Zeit seht geprägt: An Weihnachten, ich muss in der 2. Klasse gewesen sein, wünschte ich mir nichts sehnlicher als einen Puppenwagen. Schon Wochen vorher träumte ich davon. Meine Eltern wussten dies natürlich. An Weihnachten schließlich wollte ich vor Vorfreude schier platzen. Aber was bekam ich? Eine Rechentafel! Das hat mich sehr tief geprägt. Für mich hat das bedeutet: "Du bist schlecht in Mathe. Du musst erst besser werden, bevor dir dein Herzenswunsch erfüllt wird." Meine Eltern haben sicher nicht so gemeint, aber ich fühlte mich dadurch unendlich klein und unzulänglich.

Dazu kam noch die Erfahrung mit meiner Grundschullehrerin, die mir immer zu verstehen gab, dass ich "dumm" bin. Als ich in der Orientierungsarbeit in der 4. Klasse (das war eine Vergleichsarbeit) eine glatte 1 hatte, war ich so überglücklich. Sie gab sie mir mit den Worten: "Nicht das du denkst, dass du eine 1er Schülerin bist".

Diese 2 Erlebnisse haben mich sehr geprägt und dazu geführt, dass ich mich immer dumm fühlte, obwohl ich gute Leistungen in der Schule hatte.

Dann eine guter Wendepunkt im Leben:

Kurz vor meiner Abschlussprüfung zum ersten Staatsexamen bekam ich panikartige Anfälle. Ich magerte ab und konnte einfach nicht zur Prüfung antreten. Ich hatte extreme Versagensängste. Ich ging zum Arzt, holte ein Attest und blies die Prüung ab. Mir war klar, dass ich diese Prüfung auch nie ablegen würde.
So lebte ich 7 Tage nach der Abmeldung in größtem Frieden und war überglücklich mich dieser Prüfung NICHT stellen zu müssen. Ich aß wieder, ich kam wieder zu kräften - ich war einfach nur HAPPY. Einen Tag vor dem offziellen Beginn der Prüfung erhielt ich dann einen folgenschweren Anruf: Mein Attest wurde nicht anerkannt!!! Ich musste zur Prüfung antreten, wenn nicht, würde auch meine wissenschaftliche Hausarbeit (die ich schon abgegeben hatte) verfallen. Ich legte auf, geriet 2 Minuten in Panik, holte dann meine Prüfungsvorbereitung hervor (war alles perfekt vorbereitet) und trat am nächsten Tag an.
Wenn der Herr nicht angerufen hätte, dann hätte ich nie meinen Abschluss gemacht. Ich würde mich auch heute noch bei ihm bedanken, allerdings habe ich keine Ahnung, wer das war. (Der Arme hat sich am Telefon auch richtig "schäbig" gefühlt.)

Übrigens war diese Prüfung und später auch das zweite Staatsexamen ausschlagend dafür, dass ich mich endlich nicht mehr als "dumm" ansah. :-) Ich entwickelte ein echtes Selbstwertgefühl und musste endlich nicht mehr nur die Selbstbewusste "spielen".

Sehr geprägt hat mich auch meine liebe und herzensgute Oma, der Leistungen immer egal waren.

Liebe Grüße
Luka

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