Krankheit = Sucht?

    • (1) 06.02.14 - 15:42

      In Anlehnung an den Thread etwas weiter unten, in dem ein User schrieb, dass Drogensucht eine Krankheit sei (eine weit verbreitete Ansicht), habe ich darüber nachgedacht, ob nicht doch einen Unterschied existiert Sucht und Krankheit.

      Synonyme für Sucht sind "Abhängigkeitssyndrom", "Abhängigkeit", "Sucht" und "Drogenmissbrauch". Eine Sucht entwickelt sich durch wiederholtes Einnehmen einer psychotropen Substanz, welches ein stärker werdendes und unwiderstehliches Verlangen nach dieser Substanz auslöst und Kontrollschwierigkeiten, dem Verlangen zu widerstehen, sowie Entzugssymptome mit sich bringt.

      Die WHO benutzte zunächst den Begriff "Sucht". Er wurde dann zunächst durch "Missbrauch" und "Abhängigkeit" ersetzt, bis er durch den Begriff "Gebrauch" ersetzt wurde. Die WHO stuft das Abhängigkeitssyndrom als Krankheit ein, aber irgendwie sehe ich schon einen Unterschied, ob man sich selber eine Substanz zuführt, die eine Sucht auslöst, oder ob der Körper durch Umweltfaktoren, die man sich nicht willentlich selber zuführt, krank wird.

      Zumindest bei der ersten Einnahme einer Droge hat man ja noch seinen freien Willen.

      Wie seht ihr das?

      • Schwieriges Thema. Ich sehe das sehr differenziert.

        Die Krankheit, die Suchtkranke haben, ist ja psychisch, auch wenn eine sowohl psychische als auch physische Abhängigkeit besteht.

        Ich selber rauche. Seit Jahren, ehrlich gesagt, seit Jahrzehnten. Während meiner Schwangerschaften / Stillzeiten habe ich aufgehört, um direkt nach dem Abstillen jeweils wieder anzufangen. Und das, obwohl das Nikotin, also das Suchtmittel ja schon lange aus dem Körper raus war und eine physische Abhängigkeit somit nicht mehr gegeben war.
        Jeder andere Versuch, aufzuhören, ist direkt gescheitert, ich habe es schlicht nicht geschafft. Dennoch würde ich mich nicht als "krank" sondern lediglich als "willensschwach" bezeichnen.

        Die Alkohol- und auch Drogensucht ist da dramatischer.

        Und ja, ich finde, diese "Kranken" werden gehätschelt.

        Eine Kollegin von mir ist Alkoholikerin. Sie trinkt seit etwa 20 Jahren, hat in den letzten 4 Jahren 4 Entzüge durch. Toitoitoi, sie ist jetzt seit 10 Monaten "clean", mal sehen, wie lange noch.

        Und alle hier laufen auf Zehenspitzen, versuchen, das Thema, wo immer es geht, zu umschiffen. Und wenn man sich mal über sie beschweren möchte, heißt es von oben "aber sie ist krank, sie macht das ja nicht mit Absicht".

        Ja, mag sein, das macht es aber irgendwie nicht besser.

        Hm, das war jetzt nicht wirklich eine Antwort, oder? #gruebel#kratz

        LG
        Nina

        Hallo,

        versuche das Pferd einmal anders herum aufzuzäumen: Wie ist Krankheit definiert und wie passt die Thematik "Sucht" dazu?

        Nun: Krankheit ist definiert als Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Die trifft auf jeden Fall auf jegliche Suchterkrankungen zu. Dabei sollte man sich darüber im Klaren sein, dass als Sucht das unstillbare Verlangen nach schädlichen Substanzen & Verhaltensweisen definiert wird, nicht nur deren faktische Einnahme. Man kann durchaus auch Alkohol konsumieren, ohne süchtig zu sein. Die Sucht beginnt, wenn man OHNE ein gewisses Verhalten oder ohne gewisse Substanzen nicht mehr normal leben kann und - da schließt sich der Kreis - eine Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens verspürt.

        Sucht hat immer einen psychischen, ggf. sogar einen genetischen Hintergrund. Es gibt tatsächlich eine genetische Prädisposition für Suchterkrankungen.

        Sucht nicht als Krankheit zu begreifen bedeutet, auch viele andere, wesentlich plastischere oder psychische Krankheiten zu negieren.

        Beispiel:

        1. Diabetes aufgrund von Übergewicht - selbst herbei geführt, trotzdem eine anerkannte Krankheit.
        2. Burn-out (Depression) - auch hier könnte man unken, der Betroffene hätte ja nicht so viel arbeiten müssen, trotzdem sind Burnout-Depressionen definitiv eine messbare (Stresslevel im Gehirn, Seretonin-Herstellung und -Aufnahme) Störung der Normalfunktion des Gehirns.

        Sucht funktioniert im Grunde gleich, unerheblich, wovon jemand süchtig ist (Spielsucht, Magersucht, Kaufsucht, Internetsucht, Drogensucht, Nikotinsucht, Sexsucht...), die Mechanismen sind gleich, nur das Objekt unterscheidet sich.

        Ich finde es ehrlich gesagt anmaßend - besonders den Betroffenen ggü. - dieses Thema derart vereinfacht darzustellen.

        LG

        • (4) 07.02.14 - 12:13

          Hi,

          deine Vergleiche hinken etwas.

          Diabetes ist in deinem Fall eine Folgeerkrankung, genauso wie ein Raucherbein! Der eigentliche Hintergrund ist meist Adipositas (FettSUCHT!)

          Burnout ist eine psychische Erkrankung! Die Betroffenen sind schlichtweg psychisch überfordert und das hat nicht unbedingt etwas mit zuviel Arbeit zu tun. Es können auch reine Hausfrauen davon betroffen sein also Menschen die einfach von einem "normalen" Alltag überfordert sind. Man kann ja auch nicht sagen, dass alle depressiven Menschen ein trauriges Leben haben.

          • (5) 07.02.14 - 14:33

            Richtig, meine Vergleiche hinken, und zwar absichtlich. Denn die Argumentation, dass Sucht keine Krankheit ist, weil man sich schließlich verbotene/ süchtig machende Substanzen selbst zuführt, gingen in die genau die gleiche, ziemlich "hinkende" Richtung.

            Sucht ist eine psychische Krankheit, ebenso wie Burnout (= eine Form von Depressionen). Es geht nicht um das Objekt VON dem jmd. süchtig ist, sondern die Tatsache, dass diese Person diesem Objekt/ diesem Verhalten verfallen ist (neben Drogensucht gibt es schließlich unglaublich viele andere Suchterkrankungen, auch Alltagsgegenständen oder Verhaltensweisen ggü.). Auch vermutet man stark (vielfach untersucht), dass es eine genetische Prädisposition für Suchterkrankungen gibt. Bis heute ist nur ungeklärt, WARUM manche Menschen süchtig werden und andere nicht (geht auch in Richtung Salutogenese und Resilienz).

            Aber, wie ich eingangs schon sagte: Trotzdem ist jegliche Sucht eine Krankheit, weil sie schlicht die Kriterien hierfür erfüllt. Es ist vollkommen müßig darüber zu diskutieren, ob jmd. an einer Erkrankung selbst Schuld ist oder nicht. Wer will das schon bewerten und wer will da bitte hieb- und stichfest den kausalen Beweis herbeiführen?

            • (6) 07.02.14 - 20:39

              Ja wenn man alle Abhängigkeiten von gewissen Substanzen ausschließt, hast du natürlich Recht. Drogensucht (egal welche Droge) sehe ich jedoch auch nicht unbedingt als Krankheit, da sie wissentlich herbeigeführt wurde.

              Essstörungen, Zwänge usw. sind natürlich psychische Erkrankungen die jeden treffen kann und keiner irgendwie forciert.

              • (7) 08.02.14 - 07:06

                Hallo,

                >> Drogensucht (egal welche Droge) sehe ich jedoch auch nicht unbedingt als Krankheit, da sie wissentlich herbeigeführt wurde.<<

                Du kannst gern bei deiner Meinung bleiben. Allerdings "gönnst" du dir dann einen Bruch in der Logik.

                Noch einmal: es geht nicht um das Objekt der Sucht, sondern um den Mechanismus. JEDE Sucht ist eine Krankheit. Übrigens GsD vollkommen unabhängig davon, was du darüber denkst.

                • (8) 08.02.14 - 08:59

                  #pro

                  (9) 08.02.14 - 17:30

                  "Noch einmal: es geht nicht um das Objekt der Sucht, sondern um den Mechanismus. JEDE Sucht ist eine Krankheit. Übrigens GsD vollkommen unabhängig davon, was du darüber denkst. "

                  Mag sein. Aber eine wissentlich und fahrlässig beigeführte "Krankheit" hat bei mir einen anderen Stellenwert!

                  • (10) 08.02.14 - 19:57

                    Ja, das erwähntest du bereits das eine oder andere Mal.

                    Schade, dass du die hervorragenden Beiträge von sneakypie und anderen wahlweise nicht gelesen hast oder diese nicht verstehst.

                    • (11) 08.02.14 - 20:21

                      So ich habe es soeben gelesen, wenn du mir das schon vorwirfst.... Denn ich verfolge tatsächlich nicht jeden einzelnen Beitrag hier.

                      Und? Ich habe es verstanden und dennoch bleibt bei mir die Differenzierung, denn.... Ein Jugendlicher der keinerlei Suchtgedächtnis hat, psychisch gesund ist und aus Neugier, Gruppenzwang oder sonst einem irrationalen Drang heraus meint irgendwelche "Substanzen" zu sich zu nehmen, hat meines Erachtens nach eine Sucht selbst verschuldet.

                      Das eine Sucht sich auch als Folge einer anderen psychischen Erkrankung heraus entwickeln kann, habe ich jedoch auch nie bestritten.

                      • (12) 08.02.14 - 20:45

                        ..es ist bereits die psychische Erkrankung, die einen Teenie dazu bringt, Drogen zu versuchen.

                        Lass gut sein, du willst es nicht verstehen.

                        • (13) 08.02.14 - 20:47

                          Schwachsinn!!
                          Jeder Teenie der zur Kippe greift oder sich mit seinen Kumpels einen ansäuft, ist also psychisch krank??
                          OMG!!! 90% aller Menschen gehören in eine Therapie!#rofl

                          • (14) 08.02.14 - 20:58

                            Ich sagte bereits: du hast es nicht verstanden.

                            Wer sich mal einen ansäuft, wird nicht zwingend Alkoholiker. Wer eine genetische / psychische Disposition für Suchterkrankungen hat, durchaus, denn der kann es nicht beim "Mal" belassen.

                            --> Merke: Ursache für die Sucht bestand vor Einnahme des Suchtobjektes und ist nicht beeinflussbar von der Person (belies dich doch bitte noch einmal zum Thema "freier Wille").

                            Zudem drehst du dir die Thematik so hin, wie es dir gerade gefällt. Bisher hast du von Drogen wie Heroin (ich vermute, dafür stand "H") gesprochen. Von diesen Substanzen gibt es wenige, die sofort süchtig machen (Crystal Meth z.B.). Die wenigsten Menschen greifen "mal eben"/ aus Jux/ zum Ausprobieren zu diesen Substanzen. Auf diese Idee kommt nur jemand, der bereits vorher ein psychisches Problem hat.

                            --> Merke: hart Drogen nehmen nur Menschen, die aufgrund psychischer Defizite das Gefühl haben, sie müssten sich betäuben/ Schmerz beseitigen = psychisches Problem (= Krankheit) besteht vor Beginn der Sucht.

                            Konnte ich es dir jetzt verständlich machen?

                            • (15) 08.02.14 - 22:27

                              Schade... Jetzt ist mir mein Text abhanden gekommen...
                              Also nochmal in Kurzversion...

                              "Wer sich mal einen ansäuft, wird nicht zwingend Alkoholiker. Wer eine genetische / psychische Disposition für Suchterkrankungen hat, durchaus, denn der kann es nicht beim "Mal" belassen."

                              Da gebe ich dir Recht ABER genau das meine ich mit differnzieren. Es mag natürlich psychisch vorbelastete Menschen geben, bei denen eine Sucht quasi vorprogrammiert ist ABER es gibt auch die die anfangen und einfach weitermachen weil sie das Risiko unterschätzen.
                              Ganz harmlos und alltägliches Beispiel....
                              Ich war 10 Jahre lang Raucherin. Das war ich nicht weil Rauchen ja sooo toll ist. Ich habe aber angefangen weil eben alle geraucht haben und das mit der Abhängigkeit ging doch ziemlich schnell. Wenn ich nun darüber nachdenke, so hätte ich sehr wahrscheinlich auch anderes probiert wenn es meine Freunde eben getan hätten und dann hätte ich wohl auch eine ganz klassiche Suchtkarriere durchmachen können. Ich würde mich jedoch absolut nicht als psychisch krank bezeichnen. Ich bin auch seit 7 Jahren völlig suchtfrei ohne mir irgendeinen Ersatz fürs Rauchen zu suchen. Noch nicht mal Süßigkeiten.;-)
                              Nach deiner Theorie hätte ich also einfach mal so meine psychische Disposition überwunden. Spontanheilung oder habe ich diese Disposition nicht? Wenn nicht... Wie erklärst du dir dann, das ich damals quasi nur aus Mangel an Gelegenheit keine anderen Substanzen zu mir genommen habe?

                              "--> Merke: hart Drogen nehmen nur Menschen, die aufgrund psychischer Defizite das Gefühl haben, sie müssten sich betäuben/ Schmerz beseitigen = psychisches Problem (= Krankheit) besteht vor Beginn der Sucht."

                              Auch hier muss ich dir widersprechen. Du hast Crystal angesprochen...
                              Ich wohne hier im Deutsch-tschechischen Grenzgebiet und hier ist Crystal ein ganz großes Thema. Es gibt auch ganz viele Aufklärungskampagnen an den Schulen und dennoch gibt es leider sehr viele die die Risiken unterschätzen und mit dieser Droge sofort abhängig werden. Weißt du warum viele dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen darauf anspringen? Das 1. Mal ist umsonst! Man verschenkt diese Droge auf Schulhöfen oder Discos und es finden sich immer welche die das Risiko unterschätzen und einfach mal "probieren"! Da sind die meisten nicht verzweifelt oder versuchen einen Schmerz zu betäuben, sondern einfach naiv, dumm, neugierig oder überheblich oder wie auch immer du das nennen möchtest.

                              (16) 09.02.14 - 08:33

                              Hi,

                              und weil dies deine Erfahrung, deine Meinung ist, möchtest du dies gern als allgemein gültig deklarieren und als Maßstab ansetzen?

                              By the way: du weißt nichts über die psychische Gesundheit der Jugendlichen, dei Crystal nehmen und wenn du eine Suchtperson wärst, würdest du noch rauchen :-).

                              (17) 09.02.14 - 09:50

                              Ich spreche nicht von Allgemeingültigkeit. DU sprichst davon das alle Abhängigen psychsisch krank sind bevor sie abhängig werden und dem widerspreche ich. Das mag natürlich auf viele zutreffen aber nicht auf alle.

                              Man kann auch in eine Abhängigkeit rutschen ohne ein Suchtpotential zu haben, also ohne eine "psychische Disposition" dafür mitzubringen! Basta!! Und hier differenziere ich durchaus! Nicht jeder ist als Junkie geboren, viele werden dazu gemacht!

                              "By the way: du weißt nichts über die psychische Gesundheit der Jugendlichen, dei Crystal nehmen und wenn du eine Suchtperson wärst, würdest du noch rauchen :-)."

                              Und das ist Schwachsinn! Ich kann nämlich nicht ausschließen das ich in dem Alter das nicht genommen hätte. Ich denke ich hätte es getan wenn man es mir entsprechend angeboten hätte und da ich 2 Fälle kenne, erlaube ich mir auch herauszunehmen, das diese Jugendlichen einfach aus Naivität heraus gehandelt haben.

                              Zudem.... Woher willst du im voraus wissen, ob ein Abhängiger (wovon auch immer) den Absprung schafft und somit beweist, das er keinerlei Suchtpotential in sich trägt? Damit ist deine These ja schon mal widerlegt, die behauptet das ALLE Abhängigen schon vorher psychisch krank waren.

                              (18) 09.02.14 - 16:20

                              Ich sagte bereits (mehrfach): du kannst gern so denken. Wegen deiner Meinung wird die WHO jedoch keine Umkategorisierung von SuchtERKRANKUNGEN vornehmen, sie bleiben den Krankheiten zugeordnet (das war die Eingangsfrage ehemals) und zwar in Gänze, nicht in nicht-stoffliche/ stoffliche oder in legale/ illegale Suchtobjekten differenziert.

                              >> Zudem.... Woher willst du im voraus wissen, ob ein Abhängiger (wovon auch immer) den Absprung schafft und somit beweist, das er keinerlei Suchtpotential in sich trägt?<<

                              Menschen sind auch süchtig, wenn sie das jeweilige Suchtmittel nicht mehr zu sich nehmen (trockene Alkoholiker sind immer noch Alkoholiker).

                              Du musst dir die psychologischen und biologischen Ursachen von Suchterkrankungen nicht wie klar sichtbare, psychische Störungen vorstellen. Die Suchtdisposition ist sehr tief verankert in der Persönlichkeit und dem angeborenen Motivations-Schema, höchstwahrscheinlich genetisch verankert. Es manifestiert sich im Selbstbewusstsein und in typischen Verhaltensweisen und Lösungsstrategien. Dagegen können die Betroffenen selbst wenig ausrichten, denn ihre Motivation, zu harten Drogen zu greifen, ist in ihrer Psyche bereits angelegt. Menschen mit anderen Persönlichkeitsmerkmalen werden bei Problemen NICHT zu harten Drogen greifen, die suchtgefährdeten werden Drogen als kurzfristige Lösung verstehen.

                              Suchtdisposition besteht in verschiedensten Graden und nur, weil jemand zu Süchten neigt, heißt es noch lange nicht, dass er auch eine Sucht entwickelt. Wenn eine hierfür disponierte Person jedoch ein Suchtmittel zu sich nimmt, wird er anders darauf reagieren als ein Mensch mit geringerer oder gar keiner Disposition dazu: nämlich mit stärkerem Verlangen. Auch die Entwöhnung von Drogen fällt diesen Personen viel schwerer, die Entzugserscheinungen sind heftiger.

                              Und wenn wir schon bei persönlichen Beispielen sind: ich hätte selbst in den tiefst-depressiven Phasen meiner Teenie- und Twen-Zeit kein Crystal zu mir genommen. Ich habe nämlich absolut keine Veranlagung zu Süchten. Das hat mit Naivität wenig zu tun, mir fehlte schlicht der Reiz. Das scheint bei dir anders zu sein. Es ist schön, dass du dich für psychisch gesund hältst, aber eine leichte Suchtneigung scheinst du durchaus zu haben. Vergiss nicht: wir sind uns unserer genetischen Programmierung nicht bewusst und im Grunde hat jeder von uns einen mehr oder minder großen Schatten. Es steht uns - gerade deswegen - nicht zu, über die Defizite anderer zu urteilen. Und dazu gehört eben auch anzuerkennen, dass Drogensucht keine Frage von Schuld oder mangelnder Willenskraft ist.

                              Letztlich: wohin führt diese Diskussion, worum geht es. Indem du Drogensucht als "selbst Schuld" definierst, möchtest du, dass die Unterstützung für die Genesung dieser Patienten verweigert wird?

                              (19) 09.02.14 - 17:06

                              " Indem du Drogensucht als "selbst Schuld" definierst, möchtest du, dass die Unterstützung für die Genesung dieser Patienten verweigert wird? "

                              So ein Quatsch! Natürlich muss jedem geholfen werden auch denen die einfach nur durch einen ungesunden Lebenswandel krank geworden sind. Sonst müsste man jedem Herzinfarktpatienten erstmal die Hilfe verweigern, schließlich ist sowas auch meist selbst verursacht worden.

                              Nein es geht hier um nichts. Einfach nur um meine Einstellung und um die Frage der Texterin wie wir das sehen. Wie die WHO hier was einstuft ist doch völlig irrelevant bei der Frage wie das jemand persönlich sieht. Und ich finde nicht das jeder der unvernünftig, naiv und neugierig ist gleich als potentieller Suchtkandidat gelten kann. Das wären nämlich mind. 80% aller Menschen! Und mal ehrlich irgendeine Sucht hat fast jeder. Süßigkeiten, Adrenalinjunkies (sehr sehr viele Sportler z.B.), Raucher usw....

                              Unter anderen Umständen könnten wir also fast alle zu krankhaften Süchtigen werden.

                              (20) 09.02.14 - 18:15

                              >> So ein Quatsch! Natürlich muss jedem geholfen werden auch denen die einfach nur durch einen ungesunden Lebenswandel krank geworden sind.<<

                              Gott sei Dank :-)

                              >> Sonst müsste man jedem Herzinfarktpatienten erstmal die Hilfe verweigern, schließlich ist sowas auch meist selbst verursacht worden.<<
                              Nein, dem ist auch nicht so. Streiche das "meist" und ersetze es durch "teilweise".

                              >>Und ich finde nicht das jeder der unvernünftig, naiv und neugierig ist gleich als potentieller Suchtkandidat gelten kann. Das wären nämlich mind. 80% aller Menschen! <<
                              a) Habe ich auch gar nicht gesagt und b) woher hast du die Zahl? Gewohnheiten sind durchaus von Sucht zu unterscheiden #schein.

                              Ich genieße die Diskussion mit dir, danke für den freundlichen Strang, allerdings befürchte ich, wir werden zu keiner Übereinkunft kommen. Über persönliche Meinungen kann man schließlich nicht streiten, da hast du vollkommen Recht.

                              Ich wünsche dir einen schönen Abend!

                              (21) 09.02.14 - 19:36

                              Naja was Herzinfarktpatienten angeht so ergeht es den meisten wohl so wie den Dauerpatienten beim Zahnarzt. Schlechte Genetik in Kombination mit unzureichender "Körperpflege" führen dann eben zu solchen Erkrankungen. MEIST ist es jedoch diese Kombi, also durchaus ein großer Brocken selbstverschulden dabei. Herzinfarkte zumindest treffen nur äusserst selten, körperlich fitte und gesund lebende Menschen! Meist sind Übergewicht, einseitige Ernährung und Stress nachweisbar!

                              Die 80% habe ich aus der Luft gegriffen, es könnten auch mehr sein!;-)#schein
                              Wieviele Leute kennst du die keinerlei "Sucht" nachgehen? Zucker und Adrenalin sind anerkannte Suchtmittel und durchaus keine harmlose Gewohnheit, zumindest nicht immer! Jemand der täglich ein bestimmtes Quantum Zucker benötigt ist durchaus als süchtig einzustufen und hat auch entsprechende Entzugserscheinungen wenn man ihm diesen entzieht, ganz ähnlich wie bei einem Alkoholkranken! Das gleiche gilt für Adrenalin oder auch Koffein! Es gibt auch eine Sportsucht und die ist ebenfalls anerkannt und ist auch eher ein Zwang als eine harmlose Gewohnheit.

                              (22) 09.02.14 - 20:02

                              In meinem Umkreis sind 80% der Menschen nicht süchtig.

                              20% sind wahrscheinlich Nikotin-, Zucker- oder Koffein-süchtig. Eine Person ist Medikamenten-Abhängig (dieser Person ist verbrieft psychisch krank), eine weitere trockener Alkoholiker.

                              Ich bin nicht von Asketen umgeben, viele trinken Kaffee und Alkohol und essen Zucker, können jedoch durchaus ohne. Sportsüchtig ist hier niemand, obwohl viele gerne Sport treiben. Auch andere nicht-stoffliche Süchte habe ich nicht im Umkreis (wobei: eine Magersüchtige verstarb an den Folgen ihrer Krankheit vor ein paar Jahren).

                              Zerstöre ich deine Statistik?

      Nachdem ich der User bin, der das gesagt hat, äußere ich mich gerne dazu.

      "aber irgendwie sehe ich schon einen Unterschied, ob man sich selber eine Substanz zuführt, die eine Sucht auslöst, oder ob der Körper durch Umweltfaktoren, die man sich nicht willentlich selber zuführt, krank wird"

      Rauchen kann Lungenkrebs auslösen - ist das dann auch keine Krankheit?
      Herinfarkte können durch Fehlernährung und mangelhafte Bewegung ausgeführt werden - ist das dann auch keine Krankheit?

      da kann man ja jetzt noch ettliche Beispiele heranführen.

      "Zumindest bei der ersten Einnahme einer Droge hat man ja noch seinen freien Willen."

      Das sehe ich nicht zwingend so. Oft erfolgt die erste Einnahme von Drogen doch durch Gruppenzwang oder eine andere vorangehende psychische Störung/Belastung.

      Dazu kommt natürlich die eigene Selbstüberschätzung, jeder Drogensüchtige hat sich doch am Anfang eingebildet er könne die Droge beherrschen und hat sich selbst soweit unter Kontrolle dass er jederzeit damit aufhören kann.

      Ich behaupte, dass wirklich kein einziger Drogensüchtiger seine erste Droge mit dem Hintergrund "jetzt möchte ich süchtig werden" genommen hat.

      Vergleichbar finde ich das mit einem Unfall eines Extremsportlers, da kann man am Ende auch sagen "selber Schuld" - finde ich ebenso schlimm.

      Gruß K.

      Dann ist (Lungen)krebs nur eine Krankheit, wenn ich nicht geraucht habe und er durch andere Schadsubstanzen ausgelöst wurde?

      (25) 06.02.14 - 16:57

      Wenn man süchtig ist, ist man krank und braucht Hilfe. Viele Krankheiten werden durch Substanzen ausgelöst, die man sich zuführt, z. B. zu viel Zucker und zu viel Fett. Nicht nur harte Drogen machen süchtig, nimm doch einfach mal Alkohol. Viele Menschen trinken ab und an mal was und sind nicht süchtig. Andere sind Alkoholiker. Und hier geht die Abhängigkeit schleichend vor sich.

      Viele Kranke sind somit nach Deiner Definition durch "eigene Absicht" krank. Aber krank sind sie trotzdem, ob Diabetes, kaputte Gelenke durch Übergewicht, Arterienverkalkung durch zu viel tierisches Fett, oder Leberzirrhose durch Alkoholmissbrauch ... Von psychischen Krankheiten gar nicht zu reden. Wenn Körper und Geist nicht mehr so funktionieren, dass ein normales Leben möglich ist, dann ist man krank.

      Die Frage ist: ist es irgendwie wichtig, wie jemand krank geworden ist? Es macht doch absolut keinen Unterschied.

      Oder möchtest Du anregen, dass man nur Leuten helfen sollte, die unverschuldet krank geworden sind? Ja doch wohl eher nicht, oder? ;-)

      LG

      Hanna

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