Krankheit = Sucht?

In Anlehnung an den Thread etwas weiter unten, in dem ein User schrieb, dass Drogensucht eine Krankheit sei (eine weit verbreitete Ansicht), habe ich darüber nachgedacht, ob nicht doch einen Unterschied existiert Sucht und Krankheit.

Synonyme für Sucht sind "Abhängigkeitssyndrom", "Abhängigkeit", "Sucht" und "Drogenmissbrauch". Eine Sucht entwickelt sich durch wiederholtes Einnehmen einer psychotropen Substanz, welches ein stärker werdendes und unwiderstehliches Verlangen nach dieser Substanz auslöst und Kontrollschwierigkeiten, dem Verlangen zu widerstehen, sowie Entzugssymptome mit sich bringt.

Die WHO benutzte zunächst den Begriff "Sucht". Er wurde dann zunächst durch "Missbrauch" und "Abhängigkeit" ersetzt, bis er durch den Begriff "Gebrauch" ersetzt wurde. Die WHO stuft das Abhängigkeitssyndrom als Krankheit ein, aber irgendwie sehe ich schon einen Unterschied, ob man sich selber eine Substanz zuführt, die eine Sucht auslöst, oder ob der Körper durch Umweltfaktoren, die man sich nicht willentlich selber zuführt, krank wird.

Zumindest bei der ersten Einnahme einer Droge hat man ja noch seinen freien Willen.

Wie seht ihr das?

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Hallo,

versuche das Pferd einmal anders herum aufzuzäumen: Wie ist Krankheit definiert und wie passt die Thematik "Sucht" dazu?

Nun: Krankheit ist definiert als Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Die trifft auf jeden Fall auf jegliche Suchterkrankungen zu. Dabei sollte man sich darüber im Klaren sein, dass als Sucht das unstillbare Verlangen nach schädlichen Substanzen & Verhaltensweisen definiert wird, nicht nur deren faktische Einnahme. Man kann durchaus auch Alkohol konsumieren, ohne süchtig zu sein. Die Sucht beginnt, wenn man OHNE ein gewisses Verhalten oder ohne gewisse Substanzen nicht mehr normal leben kann und - da schließt sich der Kreis - eine Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens verspürt.

Sucht hat immer einen psychischen, ggf. sogar einen genetischen Hintergrund. Es gibt tatsächlich eine genetische Prädisposition für Suchterkrankungen.

Sucht nicht als Krankheit zu begreifen bedeutet, auch viele andere, wesentlich plastischere oder psychische Krankheiten zu negieren.

Beispiel:

1. Diabetes aufgrund von Übergewicht - selbst herbei geführt, trotzdem eine anerkannte Krankheit.
2. Burn-out (Depression) - auch hier könnte man unken, der Betroffene hätte ja nicht so viel arbeiten müssen, trotzdem sind Burnout-Depressionen definitiv eine messbare (Stresslevel im Gehirn, Seretonin-Herstellung und -Aufnahme) Störung der Normalfunktion des Gehirns.

Sucht funktioniert im Grunde gleich, unerheblich, wovon jemand süchtig ist (Spielsucht, Magersucht, Kaufsucht, Internetsucht, Drogensucht, Nikotinsucht, Sexsucht...), die Mechanismen sind gleich, nur das Objekt unterscheidet sich.

Ich finde es ehrlich gesagt anmaßend - besonders den Betroffenen ggü. - dieses Thema derart vereinfacht darzustellen.

LG

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Hi,

deine Vergleiche hinken etwas.

Diabetes ist in deinem Fall eine Folgeerkrankung, genauso wie ein Raucherbein! Der eigentliche Hintergrund ist meist Adipositas (FettSUCHT!)

Burnout ist eine psychische Erkrankung! Die Betroffenen sind schlichtweg psychisch überfordert und das hat nicht unbedingt etwas mit zuviel Arbeit zu tun. Es können auch reine Hausfrauen davon betroffen sein also Menschen die einfach von einem "normalen" Alltag überfordert sind. Man kann ja auch nicht sagen, dass alle depressiven Menschen ein trauriges Leben haben.

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Richtig, meine Vergleiche hinken, und zwar absichtlich. Denn die Argumentation, dass Sucht keine Krankheit ist, weil man sich schließlich verbotene/ süchtig machende Substanzen selbst zuführt, gingen in die genau die gleiche, ziemlich "hinkende" Richtung.

Sucht ist eine psychische Krankheit, ebenso wie Burnout (= eine Form von Depressionen). Es geht nicht um das Objekt VON dem jmd. süchtig ist, sondern die Tatsache, dass diese Person diesem Objekt/ diesem Verhalten verfallen ist (neben Drogensucht gibt es schließlich unglaublich viele andere Suchterkrankungen, auch Alltagsgegenständen oder Verhaltensweisen ggü.). Auch vermutet man stark (vielfach untersucht), dass es eine genetische Prädisposition für Suchterkrankungen gibt. Bis heute ist nur ungeklärt, WARUM manche Menschen süchtig werden und andere nicht (geht auch in Richtung Salutogenese und Resilienz).

Aber, wie ich eingangs schon sagte: Trotzdem ist jegliche Sucht eine Krankheit, weil sie schlicht die Kriterien hierfür erfüllt. Es ist vollkommen müßig darüber zu diskutieren, ob jmd. an einer Erkrankung selbst Schuld ist oder nicht. Wer will das schon bewerten und wer will da bitte hieb- und stichfest den kausalen Beweis herbeiführen?

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Schwieriges Thema. Ich sehe das sehr differenziert.

Die Krankheit, die Suchtkranke haben, ist ja psychisch, auch wenn eine sowohl psychische als auch physische Abhängigkeit besteht.

Ich selber rauche. Seit Jahren, ehrlich gesagt, seit Jahrzehnten. Während meiner Schwangerschaften / Stillzeiten habe ich aufgehört, um direkt nach dem Abstillen jeweils wieder anzufangen. Und das, obwohl das Nikotin, also das Suchtmittel ja schon lange aus dem Körper raus war und eine physische Abhängigkeit somit nicht mehr gegeben war.
Jeder andere Versuch, aufzuhören, ist direkt gescheitert, ich habe es schlicht nicht geschafft. Dennoch würde ich mich nicht als "krank" sondern lediglich als "willensschwach" bezeichnen.

Die Alkohol- und auch Drogensucht ist da dramatischer.

Und ja, ich finde, diese "Kranken" werden gehätschelt.

Eine Kollegin von mir ist Alkoholikerin. Sie trinkt seit etwa 20 Jahren, hat in den letzten 4 Jahren 4 Entzüge durch. Toitoitoi, sie ist jetzt seit 10 Monaten "clean", mal sehen, wie lange noch.

Und alle hier laufen auf Zehenspitzen, versuchen, das Thema, wo immer es geht, zu umschiffen. Und wenn man sich mal über sie beschweren möchte, heißt es von oben "aber sie ist krank, sie macht das ja nicht mit Absicht".

Ja, mag sein, das macht es aber irgendwie nicht besser.

Hm, das war jetzt nicht wirklich eine Antwort, oder? #gruebel#kratz

LG
Nina

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Nachdem ich der User bin, der das gesagt hat, äußere ich mich gerne dazu.

"aber irgendwie sehe ich schon einen Unterschied, ob man sich selber eine Substanz zuführt, die eine Sucht auslöst, oder ob der Körper durch Umweltfaktoren, die man sich nicht willentlich selber zuführt, krank wird"

Rauchen kann Lungenkrebs auslösen - ist das dann auch keine Krankheit?
Herinfarkte können durch Fehlernährung und mangelhafte Bewegung ausgeführt werden - ist das dann auch keine Krankheit?

da kann man ja jetzt noch ettliche Beispiele heranführen.

"Zumindest bei der ersten Einnahme einer Droge hat man ja noch seinen freien Willen."

Das sehe ich nicht zwingend so. Oft erfolgt die erste Einnahme von Drogen doch durch Gruppenzwang oder eine andere vorangehende psychische Störung/Belastung.

Dazu kommt natürlich die eigene Selbstüberschätzung, jeder Drogensüchtige hat sich doch am Anfang eingebildet er könne die Droge beherrschen und hat sich selbst soweit unter Kontrolle dass er jederzeit damit aufhören kann.

Ich behaupte, dass wirklich kein einziger Drogensüchtiger seine erste Droge mit dem Hintergrund "jetzt möchte ich süchtig werden" genommen hat.

Vergleichbar finde ich das mit einem Unfall eines Extremsportlers, da kann man am Ende auch sagen "selber Schuld" - finde ich ebenso schlimm.

Gruß K.

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Dann ist (Lungen)krebs nur eine Krankheit, wenn ich nicht geraucht habe und er durch andere Schadsubstanzen ausgelöst wurde?

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Wenn man süchtig ist, ist man krank und braucht Hilfe. Viele Krankheiten werden durch Substanzen ausgelöst, die man sich zuführt, z. B. zu viel Zucker und zu viel Fett. Nicht nur harte Drogen machen süchtig, nimm doch einfach mal Alkohol. Viele Menschen trinken ab und an mal was und sind nicht süchtig. Andere sind Alkoholiker. Und hier geht die Abhängigkeit schleichend vor sich.

Viele Kranke sind somit nach Deiner Definition durch "eigene Absicht" krank. Aber krank sind sie trotzdem, ob Diabetes, kaputte Gelenke durch Übergewicht, Arterienverkalkung durch zu viel tierisches Fett, oder Leberzirrhose durch Alkoholmissbrauch ... Von psychischen Krankheiten gar nicht zu reden. Wenn Körper und Geist nicht mehr so funktionieren, dass ein normales Leben möglich ist, dann ist man krank.

Die Frage ist: ist es irgendwie wichtig, wie jemand krank geworden ist? Es macht doch absolut keinen Unterschied.

Oder möchtest Du anregen, dass man nur Leuten helfen sollte, die unverschuldet krank geworden sind? Ja doch wohl eher nicht, oder? ;-)

LG

Hanna

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Hi,
ist deine Definition von Krankheit denn die, dass man nur durch Umweltfaktoren, die man sich nicht willentlich selber zuführt krank wird? Wie ist das dann mit Lungenkrebs, Darmkrebs und anderen Krebsarten, die nicht immer, aber doch in deutlichem Maße durch beeinflußbare Faktoren mitverursacht oder ausgelöst werden (Zigaretten, Ernährungsgewohnheiten...)? Ist der frühere Raucher, der Lungenkrebs hat, NICHT krank? Oder der Liebhaber von roten Steaks mit Darmkrebs? Oder was ist mit dem stark Übergewichtigen Schokoladenliebhaber mit Herzinfarkt?

Wenn man Krankheit nur über nicht willentlich zugefügte Umweltfaktoren definiert, ist ein guter Teil der kranken Menschen NICHT krank. Denn ein erheblicher Teil der Erkrankungen ließe sich verhindern - angefangen bei Hygiene über Ernährung, Lebensweise... (ist der, der sich nicht die Hände wäscht und sich dadurch etwas einfängt nicht krank? Oder doch? Willentlich sicher nicht, aber hm, selbst verursacht ja doch irgendwie, wenn er die Möglichkeit zur Hygiene hätte, oder?)

Suchterkrankungen (ja, für mich sind sie genau das) sind für mich nur ein Teil von Erkrankungen, die irgendwo eine Ursache im Verhalten des Einzelnen haben. Also nicht (nur) über Umweltfaktoren verursacht werden. Wobei - wie der einzelne z.B. mit Schicksalsschlägen umgeht, damit klar kommt - das ist individuell höchst unterschiedlich. Und wer dann vielleicht keine stabile Persönlichkeit ist, vielleicht auch im falschen Moment zu lange auf Hilfe warten muss - der ist sehr viel schneller abhängig von irgendeiner Droge, als man sich oft vorstellen kann.

Freier Wille? Das mag vielleicht in der Theorie stimmen. Die ersten Drogen aller Art werden oft unter einem gewissen "Gruppenzwang" konsumiert. Oder in Situationen mit hoher Belastung. Wie frei ist der Wille dann noch? Die wenigsten entscheiden doch für sich im stillen Kämmerlein, ganz alleine und unbeeinflusst für sich, obwohl es ihnen so richtig gut geht, mal eben mit Drogen anzufangen.

Und trotz aller Aufklärung - gerade bei "Alltagsdrogen" wie Alkohol wird die Gefahr von vielen unterschätzt. Viele Gefährdete wissen gar nicht, in welcher Gefahr sie sich befinden. Viele Süchtige wissen gar nicht, dass sie süchtig sind.

Ich finde die Einstufung von Suchtkrankheiten als Krankheiten richtig.

Und wenn man es so genau nimmt: nicht ganz ernst gemeint, aber sind Skiunfälle eigentlich immer Unfälle? Bei der hohen Verletzungsgefahr kann doch von "unvorhergesehen" keine Rede mehr sein, oder? Und "von außen einwirkend" - na ja, wer als untrainierter Büromensch meint, die viel zu schwere Abfahrt meistern zu können - ist das nicht eher "von innen (falsche Selbsteinschätzung) einwirkend"?

Unterscheiden würde ich nicht zwischen Krankheit und nicht-Krankheit, sondern in der Frage, was dazu geführt hat. Denn nur wenn die wirklich beantwortet wird, ist eine echte Therapie möglich.

Viele Grüße
Miau2

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"Die WHO stuft das Abhängigkeitssyndrom als Krankheit ein, aber irgendwie sehe ich schon einen Unterschied, ob man sich selber eine Substanz zuführt, die eine Sucht auslöst, oder ob der Körper durch Umweltfaktoren, die man sich nicht willentlich selber zuführt, krank wird."

Die Erkrankung besteht ja darin, dass man sich trotz besserem Wissens Substanzen zufügt, die einem kurz-, mittel- oder langfristig irgendwie schaden.
Finde ich.

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ich denke auch das da Unterschiede gemacht werden müssen.
Eine Medikamentenabhängigkeit entsteht z.B. oft unfreiwillig und unbewusst......man hat eine Verletzung und bekommt Schmerzmittel......nimmt man diese zu lang ist man abhängig.

Geh ich aber auf eine Party und schmeisse mir H ein hab ich das selbst so entschieden und ganz bewusst die Sucht in Kauf genommen.

Rauchen tut man auch freiwillig - auch daraus entsteht eine Sucht. Aber einen Tag ohne Zigarette übersteht man, wenn auch mit großem Japp.
Aber wenn ein Drogenjunkie einen Tag kein H bekommt ist er voll auf Turkey....

Ausserdem machen ja sogar Krankenkassen da erhebliche Unterschiede!
Wenn ich zu meiner KK gehe und sage ich will in eine Klinik weil ich Alki bin bekomme ich meine Therapie in einer Einrichtung.
Gehe ich aber hin und sage ich will von den Zigaretten loskommen wird mir höchstens viel Erfolg gewünscht.........

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Du kannst auch fü den Nikotinentzug in eine stationäre Suchttherapie gehen. Kein Problem. Das tun nur die Wenigsten wiel sie selbst ihre Sucht als weniger graviernd als eine Alkoholsucht einschätzen.

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...was übrigens falsch ist. Nikotin ist ähnlich abhängig-machend wie Heroin. Hab ich mal bei Ellen Carr gelesen, ist schon ziemlich gravierend und erklärt, warum so wenig den Absprung vom Nikotin schaffen.

So viel zum Thema "Alltagsdrogen".

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zu der SChwierigkeit, eine KRankheit daran festzumachen dass man sich der GEfahr willentlich ausgesetzt hat, wurde oben ja schon einiges geschrieben.

Darüber hinaus ist eines der Hauptprobleme ja die psychische Komponente. Kokain beispielsweise verusacht keine körperliche Abhängigkeit aber eine enorm hohe psychische. Und genau DAS ist es, was den Krankheitswert einer Sucht ausmacht: sich besseren Wissens quasi zu vergiften.

Ähnlich wie beim Selbstverletzungsdrang der Boderliner o. ä.