Krankheit = Sucht?

    • (1) 06.02.14 - 15:42

      In Anlehnung an den Thread etwas weiter unten, in dem ein User schrieb, dass Drogensucht eine Krankheit sei (eine weit verbreitete Ansicht), habe ich darüber nachgedacht, ob nicht doch einen Unterschied existiert Sucht und Krankheit.

      Synonyme für Sucht sind "Abhängigkeitssyndrom", "Abhängigkeit", "Sucht" und "Drogenmissbrauch". Eine Sucht entwickelt sich durch wiederholtes Einnehmen einer psychotropen Substanz, welches ein stärker werdendes und unwiderstehliches Verlangen nach dieser Substanz auslöst und Kontrollschwierigkeiten, dem Verlangen zu widerstehen, sowie Entzugssymptome mit sich bringt.

      Die WHO benutzte zunächst den Begriff "Sucht". Er wurde dann zunächst durch "Missbrauch" und "Abhängigkeit" ersetzt, bis er durch den Begriff "Gebrauch" ersetzt wurde. Die WHO stuft das Abhängigkeitssyndrom als Krankheit ein, aber irgendwie sehe ich schon einen Unterschied, ob man sich selber eine Substanz zuführt, die eine Sucht auslöst, oder ob der Körper durch Umweltfaktoren, die man sich nicht willentlich selber zuführt, krank wird.

      Zumindest bei der ersten Einnahme einer Droge hat man ja noch seinen freien Willen.

      Wie seht ihr das?

      • Schwieriges Thema. Ich sehe das sehr differenziert.

        Die Krankheit, die Suchtkranke haben, ist ja psychisch, auch wenn eine sowohl psychische als auch physische Abhängigkeit besteht.

        Ich selber rauche. Seit Jahren, ehrlich gesagt, seit Jahrzehnten. Während meiner Schwangerschaften / Stillzeiten habe ich aufgehört, um direkt nach dem Abstillen jeweils wieder anzufangen. Und das, obwohl das Nikotin, also das Suchtmittel ja schon lange aus dem Körper raus war und eine physische Abhängigkeit somit nicht mehr gegeben war.
        Jeder andere Versuch, aufzuhören, ist direkt gescheitert, ich habe es schlicht nicht geschafft. Dennoch würde ich mich nicht als "krank" sondern lediglich als "willensschwach" bezeichnen.

        Die Alkohol- und auch Drogensucht ist da dramatischer.

        Und ja, ich finde, diese "Kranken" werden gehätschelt.

        Eine Kollegin von mir ist Alkoholikerin. Sie trinkt seit etwa 20 Jahren, hat in den letzten 4 Jahren 4 Entzüge durch. Toitoitoi, sie ist jetzt seit 10 Monaten "clean", mal sehen, wie lange noch.

        Und alle hier laufen auf Zehenspitzen, versuchen, das Thema, wo immer es geht, zu umschiffen. Und wenn man sich mal über sie beschweren möchte, heißt es von oben "aber sie ist krank, sie macht das ja nicht mit Absicht".

        Ja, mag sein, das macht es aber irgendwie nicht besser.

        Hm, das war jetzt nicht wirklich eine Antwort, oder? #gruebel#kratz

        LG
        Nina

        Hallo,

        versuche das Pferd einmal anders herum aufzuzäumen: Wie ist Krankheit definiert und wie passt die Thematik "Sucht" dazu?

        Nun: Krankheit ist definiert als Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Die trifft auf jeden Fall auf jegliche Suchterkrankungen zu. Dabei sollte man sich darüber im Klaren sein, dass als Sucht das unstillbare Verlangen nach schädlichen Substanzen & Verhaltensweisen definiert wird, nicht nur deren faktische Einnahme. Man kann durchaus auch Alkohol konsumieren, ohne süchtig zu sein. Die Sucht beginnt, wenn man OHNE ein gewisses Verhalten oder ohne gewisse Substanzen nicht mehr normal leben kann und - da schließt sich der Kreis - eine Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens verspürt.

        Sucht hat immer einen psychischen, ggf. sogar einen genetischen Hintergrund. Es gibt tatsächlich eine genetische Prädisposition für Suchterkrankungen.

        Sucht nicht als Krankheit zu begreifen bedeutet, auch viele andere, wesentlich plastischere oder psychische Krankheiten zu negieren.

        Beispiel:

        1. Diabetes aufgrund von Übergewicht - selbst herbei geführt, trotzdem eine anerkannte Krankheit.
        2. Burn-out (Depression) - auch hier könnte man unken, der Betroffene hätte ja nicht so viel arbeiten müssen, trotzdem sind Burnout-Depressionen definitiv eine messbare (Stresslevel im Gehirn, Seretonin-Herstellung und -Aufnahme) Störung der Normalfunktion des Gehirns.

        Sucht funktioniert im Grunde gleich, unerheblich, wovon jemand süchtig ist (Spielsucht, Magersucht, Kaufsucht, Internetsucht, Drogensucht, Nikotinsucht, Sexsucht...), die Mechanismen sind gleich, nur das Objekt unterscheidet sich.

        Ich finde es ehrlich gesagt anmaßend - besonders den Betroffenen ggü. - dieses Thema derart vereinfacht darzustellen.

        LG

        • Hi,

          deine Vergleiche hinken etwas.

          Diabetes ist in deinem Fall eine Folgeerkrankung, genauso wie ein Raucherbein! Der eigentliche Hintergrund ist meist Adipositas (FettSUCHT!)

          Burnout ist eine psychische Erkrankung! Die Betroffenen sind schlichtweg psychisch überfordert und das hat nicht unbedingt etwas mit zuviel Arbeit zu tun. Es können auch reine Hausfrauen davon betroffen sein also Menschen die einfach von einem "normalen" Alltag überfordert sind. Man kann ja auch nicht sagen, dass alle depressiven Menschen ein trauriges Leben haben.

          • Richtig, meine Vergleiche hinken, und zwar absichtlich. Denn die Argumentation, dass Sucht keine Krankheit ist, weil man sich schließlich verbotene/ süchtig machende Substanzen selbst zuführt, gingen in die genau die gleiche, ziemlich "hinkende" Richtung.

            Sucht ist eine psychische Krankheit, ebenso wie Burnout (= eine Form von Depressionen). Es geht nicht um das Objekt VON dem jmd. süchtig ist, sondern die Tatsache, dass diese Person diesem Objekt/ diesem Verhalten verfallen ist (neben Drogensucht gibt es schließlich unglaublich viele andere Suchterkrankungen, auch Alltagsgegenständen oder Verhaltensweisen ggü.). Auch vermutet man stark (vielfach untersucht), dass es eine genetische Prädisposition für Suchterkrankungen gibt. Bis heute ist nur ungeklärt, WARUM manche Menschen süchtig werden und andere nicht (geht auch in Richtung Salutogenese und Resilienz).

            Aber, wie ich eingangs schon sagte: Trotzdem ist jegliche Sucht eine Krankheit, weil sie schlicht die Kriterien hierfür erfüllt. Es ist vollkommen müßig darüber zu diskutieren, ob jmd. an einer Erkrankung selbst Schuld ist oder nicht. Wer will das schon bewerten und wer will da bitte hieb- und stichfest den kausalen Beweis herbeiführen?

            • Ja wenn man alle Abhängigkeiten von gewissen Substanzen ausschließt, hast du natürlich Recht. Drogensucht (egal welche Droge) sehe ich jedoch auch nicht unbedingt als Krankheit, da sie wissentlich herbeigeführt wurde.

              Essstörungen, Zwänge usw. sind natürlich psychische Erkrankungen die jeden treffen kann und keiner irgendwie forciert.

              • Hallo,

                >> Drogensucht (egal welche Droge) sehe ich jedoch auch nicht unbedingt als Krankheit, da sie wissentlich herbeigeführt wurde.<<

                Du kannst gern bei deiner Meinung bleiben. Allerdings "gönnst" du dir dann einen Bruch in der Logik.

                Noch einmal: es geht nicht um das Objekt der Sucht, sondern um den Mechanismus. JEDE Sucht ist eine Krankheit. Übrigens GsD vollkommen unabhängig davon, was du darüber denkst.

                • #pro

                  "Noch einmal: es geht nicht um das Objekt der Sucht, sondern um den Mechanismus. JEDE Sucht ist eine Krankheit. Übrigens GsD vollkommen unabhängig davon, was du darüber denkst. "

                  Mag sein. Aber eine wissentlich und fahrlässig beigeführte "Krankheit" hat bei mir einen anderen Stellenwert!

                  • Ja, das erwähntest du bereits das eine oder andere Mal.

                    Schade, dass du die hervorragenden Beiträge von sneakypie und anderen wahlweise nicht gelesen hast oder diese nicht verstehst.

                    • So ich habe es soeben gelesen, wenn du mir das schon vorwirfst.... Denn ich verfolge tatsächlich nicht jeden einzelnen Beitrag hier.

                      Und? Ich habe es verstanden und dennoch bleibt bei mir die Differenzierung, denn.... Ein Jugendlicher der keinerlei Suchtgedächtnis hat, psychisch gesund ist und aus Neugier, Gruppenzwang oder sonst einem irrationalen Drang heraus meint irgendwelche "Substanzen" zu sich zu nehmen, hat meines Erachtens nach eine Sucht selbst verschuldet.

                      Das eine Sucht sich auch als Folge einer anderen psychischen Erkrankung heraus entwickeln kann, habe ich jedoch auch nie bestritten.

                      • ..es ist bereits die psychische Erkrankung, die einen Teenie dazu bringt, Drogen zu versuchen.

                        Lass gut sein, du willst es nicht verstehen.

                        • Schwachsinn!!
                          Jeder Teenie der zur Kippe greift oder sich mit seinen Kumpels einen ansäuft, ist also psychisch krank??
                          OMG!!! 90% aller Menschen gehören in eine Therapie!#rofl

                          • Ich sagte bereits: du hast es nicht verstanden.

                            Wer sich mal einen ansäuft, wird nicht zwingend Alkoholiker. Wer eine genetische / psychische Disposition für Suchterkrankungen hat, durchaus, denn der kann es nicht beim "Mal" belassen.

                            --> Merke: Ursache für die Sucht bestand vor Einnahme des Suchtobjektes und ist nicht beeinflussbar von der Person (belies dich doch bitte noch einmal zum Thema "freier Wille").

                            Zudem drehst du dir die Thematik so hin, wie es dir gerade gefällt. Bisher hast du von Drogen wie Heroin (ich vermute, dafür stand "H") gesprochen. Von diesen Substanzen gibt es wenige, die sofort süchtig machen (Crystal Meth z.B.). Die wenigsten Menschen greifen "mal eben"/ aus Jux/ zum Ausprobieren zu diesen Substanzen. Auf diese Idee kommt nur jemand, der bereits vorher ein psychisches Problem hat.

                            --> Merke: hart Drogen nehmen nur Menschen, die aufgrund psychischer Defizite das Gefühl haben, sie müssten sich betäuben/ Schmerz beseitigen = psychisches Problem (= Krankheit) besteht vor Beginn der Sucht.

                            Konnte ich es dir jetzt verständlich machen?

                            • Schade... Jetzt ist mir mein Text abhanden gekommen...
                              Also nochmal in Kurzversion...

                              "Wer sich mal einen ansäuft, wird nicht zwingend Alkoholiker. Wer eine genetische / psychische Disposition für Suchterkrankungen hat, durchaus, denn der kann es nicht beim "Mal" belassen."

                              Da gebe ich dir Recht ABER genau das meine ich mit differnzieren. Es mag natürlich psychisch vorbelastete Menschen geben, bei denen eine Sucht quasi vorprogrammiert ist ABER es gibt auch die die anfangen und einfach weitermachen weil sie das Risiko unterschätzen.
                              Ganz harmlos und alltägliches Beispiel....
                              Ich war 10 Jahre lang Raucherin. Das war ich nicht weil Rauchen ja sooo toll ist. Ich habe aber angefangen weil eben alle geraucht haben und das mit der Abhängigkeit ging doch ziemlich schnell. Wenn ich nun darüber nachdenke, so hätte ich sehr wahrscheinlich auch anderes probiert wenn es meine Freunde eben getan hätten und dann hätte ich wohl auch eine ganz klassiche Suchtkarriere durchmachen können. Ich würde mich jedoch absolut nicht als psychisch krank bezeichnen. Ich bin auch seit 7 Jahren völlig suchtfrei ohne mir irgendeinen Ersatz fürs Rauchen zu suchen. Noch nicht mal Süßigkeiten.;-)
                              Nach deiner Theorie hätte ich also einfach mal so meine psychische Disposition überwunden. Spontanheilung oder habe ich diese Disposition nicht? Wenn nicht... Wie erklärst du dir dann, das ich damals quasi nur aus Mangel an Gelegenheit keine anderen Substanzen zu mir genommen habe?

                              "--> Merke: hart Drogen nehmen nur Menschen, die aufgrund psychischer Defizite das Gefühl haben, sie müssten sich betäuben/ Schmerz beseitigen = psychisches Problem (= Krankheit) besteht vor Beginn der Sucht."

                              Auch hier muss ich dir widersprechen. Du hast Crystal angesprochen...
                              Ich wohne hier im Deutsch-tschechischen Grenzgebiet und hier ist Crystal ein ganz großes Thema. Es gibt auch ganz viele Aufklärungskampagnen an den Schulen und dennoch gibt es leider sehr viele die die Risiken unterschätzen und mit dieser Droge sofort abhängig werden. Weißt du warum viele dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen darauf anspringen? Das 1. Mal ist umsonst! Man verschenkt diese Droge auf Schulhöfen oder Discos und es finden sich immer welche die das Risiko unterschätzen und einfach mal "probieren"! Da sind die meisten nicht verzweifelt oder versuchen einen Schmerz zu betäuben, sondern einfach naiv, dumm, neugierig oder überheblich oder wie auch immer du das nennen möchtest.

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