Guter Freund ist so peinlich... wie damit umgehen?

    • (1) 02.03.14 - 14:28

      Hallo zusammen!
      Ich schreibe hier, um mal eure Meinung, eigenen Erfahrungen und vielleicht Tipps zu hören...

      Es geht um einen sehr guten Freund.
      Dieser Freund ist eigentlich ein wirklich guter Kerl. Aber er verhält sich in Gesprächen, egal ob in kleiner oder großer Runde, häufiger einfach unmöglich, geradezu peinlich, und das leider auf vielfältige Art und Weise.

      Beispiele:
      Er lästert gegenüber befreundeten bzw. bekannten Münchnern offen über "den Münchner an sich", hält seine Meinung über die ganze Stadt nicht hinter'm Berg und überschreitet dabei öfter die Grenze der guten Geschmacks.
      Er reitet auf (kleinen) Äußerlichkeiten gewisser Personen herum, schließt auf ihre Herkunft als "jüdisch"/"arabisch"/"Ni**er" und lässt dem Ganzen noch Pauschalurteile über "solche Menschen" folgen, die die Gruppe an sich mal mehr, mal weniger herabwürdigen.
      Bei jedem sich in seinen Augen bietenden Anlass kommt er auf's Dritte Reich zu sprechen, zieht Vergleiche mit der damaligen Zeit oder damaligen Größen oder schimpft auf Amis, Polen, Sowjets, die Vergw*** des deutschen Volkes, etc.

      Über Homosexuelle äußert er sich ebenfalls nur abfällig, "abnorm" ist dabei noch eine milde Bezeichnung.
      Er spricht über Manager, Politiker und Arbeitslose gleichermaßen, als hätte jeder Einzelne ihn sein ganzes Lebensglück gekostet. Teilweise auch über Familienmitglieder.
      Und wenn ihm alles zu langweilig wird und er gehen will, kündigt er das wenig dezent an und gibt seinen eventuellen Mitfahrern deutlich zu verstehen, dass sie jetzt "mal fertig werden sollen".
      Und so weiter.

      Er ist dabei ganz frei, scheint es als normalen Teil eines Small Talks anzusehen und merkt es offenbar nicht, wenn jemand nicht ganz ernsthaft ein wenig miteinsteigt und ihn weiter triggert. Wir versuchen schon immer, das Gespräch schnell in eine andere Richtung zu drehen oder mit etwas Humor die Schärfe herauszuholen und dann das Thema zu beenden. Oder wir ignorieren es einfach, weil es ja eigentlich sein Problem ist, wenn er sich ins Abseits manövriert. Aber wie gesagt, es ist meistens doch wirklich, wirklich peinlich!
      Darauf angesprochen sagt er nur: "Wird mir hier jetzt der Mund verboten? Man muss sich doch nicht immer über die Arbeit unterhalten?!"

      Entweder es ist ihm egal, dass er seine Mitmenschen nur nervt, oder er merkt es nicht. Ich habe oft auch das Gefühl, er provoziert absichtlich, denn den ganzen Schwachsinn, den er da von sich gibt, KANN er als intelligenter Mensch, der er durchaus ist, gar nicht ernst meinen! Oder ist es seine Art von Gesprächsstoff, weil er kein begnadeter Small-Talker ist? Aber warum dann genau sowas?

      Kennt jemand von euch auch solche Menschen? Wie geht ihr mit sowas um, sowohl, wenn ihr den Menschen kennt, als auch, wenn ihr so jemanden neu kennenlernt?

      Er ist wie gesagt, ein sehr guter Freund und eigentlich ein toller Kerl mit vielen tollen Seiten! Vielleicht ist gerade deshalb diese Eigenschaft so verstörend an ihm...

      LG

      PS: Ich will hier ausdrücklich keine Diskussion darüber anstoßen, was man heutzutage "denn noch sagen darf" oder nicht! Es geht nur um den Umgang mit einem schwierigen Charakterzug!

      • Hallo,

        also ich muss ehrlich sagen: Egal, wie toll die anderen Seiten an ihm sind, mit einem so intoleranten, faschistischen Vollhorst könnt' ICH nicht befreundet sein #kratz.
        Ich hatte auch mal einen netten, lieben, freundlichen Holocaustleugner in meinem Bekanntenkreis, mit Betonung auf HATTE.

        Ansonsten gilt bei mir: Wirklich lieben Freunden verzeihe ich ihre Macken. Sie nehmen mich ja auch mit meinen. Ich habe auch eine Freundin die in Gesellschaft etwas anstrengend ist. So ist das halt. Wir leben da einfach mit ;-) Wenn sie es etwas übertreibt weise ich sie vorsichtig und freundlich darauf hin, auch in ihrem Interesse.

        LG,
        Jenny

        • Sehe ich genauso. Schlechte Manieren sind eine Sache, aber eine Freundschaft mit einem homophoben, intoleranten, engstirnigen, unterbelichteten, rechtsradikalen Individuum?

          Nerven sich die anderen Menschen wirklich nur oder sind sie davon nicht vielleicht teilweise auch abgestossen? #gruebel

          • Hab eben schon miss_lacrima geantwortet, meist verhält er sich im normalen Alltag ganz anders.

            Aber ich sehe das auch, dass solche Äußerungen nicht nur nervig, sondern abstoßend wirken können. Würde ich ihn in einer solchen Situation neu kennenlernen, wäre das wahrscheinlich auch das erste und letzte Gespräch mit ihm.

          • "Nerven sich die anderen Menschen wirklich nur oder sind sie davon nicht vielleicht teilweise auch abgestossen? "

            Also ich wüsste wie ich die Frage beantworten würde #schein.

            Nicht, dass ich mich nur mit Menschen umgebe, die meine Meinung teilen, so ist das nicht. Ich mag "bunt gemischt" - so lange jeder eben jeden akzeptiert. Das hört bei Rassismus, Homophobie, etc ja leider auf. Mit "so jemandem" kann man aber ja leider meist nicht diskutieren, "so jemand" ist meist zu verbohrt.

        Das Ding ist ja, dass er sowas nicht IMMER bringt.
        Insbesondere im Alltagsgeschehen ist er meist das Gegenteil von dem, wie er sich in Gesprächen häufig gibt!
        Zum Beispiel ist er Mitglied bei einem Projekt, dass sich um Obdachlose kümmert. Er kommt mit seinen farbigen Kollegen gut klar, über die er tatsächlich noch nie ein böses Wort verloren hat (zumindest meines Wissens nach), und sagt häufiger deutlich, wie albern, rückwärtsgewandt und hirnfrei er die moderne Rechte, Neonazis und faschistische Systeme findet.
        Deshalb kann ich mir ja auch so schlecht vorstellen, dass er die peinlichen Sachen aus Überzeugung von sich gibt!! :-(

        • Der meint das ernst, glaub mir. Alle Ausläder/Farbige/Schwule etc. in seiner persönlichen näheren Bekanntschaft betrachtet er einfach als löbliche Ausnahmen, was aber an seiner Meinung über die Bevölkerungsgruppe an sich nichts ändert.

          Sicher ist auch Spaß an der Provokation dabei, aber den hätte er doch genauso wenn er eine Ansicht vertreten würde wie "Fußgängerzonen gehören abgeschafft", auch da hätte er genug zu diskutieren, ohne dabei eine Personengruppe so anzugehen.

          Das ist sicher seine persönliche Überzeugung, mein Schwager ist genau so einer, der hat auch typische Nazi-Ansichten und seine ausländischen Kollegen sind eben Ausnahmen. Wir haben den Kontakt vor Jahren abgebrochen.

    mit so jemanden könnte ich nicht befreundet sein. Mein Freundeskreis ist bunt gemischt, da sind solche Sprüche völlig undenkbar. So jemand würde überhaupt nicht zu mir/uns passen.

    Was ist denn sonst so toll an ihm? #kratz

    (10) 02.03.14 - 14:53

    Das was du beschreibst ist kein Charakterzug sondern seine Überzeugung/Politische Meinung. Klar darf er die haben. Aber in meinem Freundeskreis hätte er damit keinen Platz.

    • (11) 02.03.14 - 15:48

      Im normalen Alltag ist er nicht so (siehe obige Antwort), eher im Gegenteil. Deshalb kann ich nicht glauben, dass das wirklich seine Überzeugungen sind!
      Mein Mann provoziert und diskutiert auch gerne und nimmt dabei manchmal absichtlich eine "schwierige" Position ein. Aber das ist etwas anderes... man merkt, selbst wenn man ihn nicht kennt, schnell, dass er das bewusst macht. Bei dem Freund ist das leider nicht so.

      • Das ist bei Deinem Mann ein Ding, das ich von mir selbst auch gut kenne. In bestimmten Situationen ab ich einfach das Gefühl, auch mal die "Gegenposition" beleuchten zu müssen, falls die unterrepräsentiert ist. Damit bin ich hier auch bei Urbia schon öfters angeeckt.

        Ausnahmen mache ich da, wo es ganz klar meiner eigenen Überzeugung komplett widerspricht, von daher würde mich nie jemand so reden hören, wie Euren Freund. Bei dem steht da schon eine gewisse Gesinnung dahinter. Da ändern auch Obdachlosenprojekte mit farbigen Kollegen nix dran...

(13) 02.03.14 - 15:11

Hallo,

ehrlich gesagt, so ein Typ wäre nicht mehr mein Freund (wenn er es denn je gewesen wäre).

GLG

(14) 02.03.14 - 15:25

Dazu fällt mir das wunderbare Lied der Hosen:
"Gibt es irgendwelche Nazis in deinem Bekanntenkreis"
ein.
Ich würde das nicht dulden und widersprechen.

  • Wie gesagt, tun wir ja auch (wenn es nicht schon andere tun).
    Aber häufig kann man nur noch die Augen verdrehen, man rennt ja gegen Windmühlen, wenn man sich über jede kleine Äußerung dann wieder groß aufregen würde. Außerdem geht es uns ja nicht nur um das Nazi-Thema, sondern auch um all diese Pauschalisierungen und Rundumschläge. Es zielt von außen betrachtet beides auf das gleiche ab: Selbstüberhöhung bzw. Abwertung anderer und Provokation.
    Ja, er hat kein Mega-Selbstbewusstsein und einen leichten Kontrollfimmel. Aber dieses Verhalten kann doch nicht das Mittel der Wahl sein?!

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