Wölfe in Deutschland - Reaktionen der Jäger...

    • (1) 03.03.14 - 14:03

      Hallo!

      Ich habe da mal ein Problem..
      Vorab muss ich kurz abschweifen: mein Mann ist Jäger, allerdings absolut kein typischer, ambitionierter. Er geht ab und zu mal mit zur Treibjagd, aber nur, wenn die Wildzahlen im Hegering so gut sind, dass eine Jagd Sinn macht. Für ihn steht die Hege im Vordergrund. Dieses Jahr sind bei uns fast keine Hasen (zu nasse Winter) und nur sehr wenige Fasane da, deshalb war er in dieser Saison gar nicht los. Ich selber habe mit der Jagd nichts am Hut. Wir haben hier grade einen Hof gekauft mit 2 ha Land, haben dort z.Zt. 1 Pferd und 2 Esel stehen, wohnen in einem sehr kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt. Wir sind relativ bekannt und ich bin im gesamten Landkreis durch meinen Job ein bunter Hund.

      Nun war mein Mann zur Hegeringsversammlung und hat mir hinterher einige Internas erzählt, die mich jetzt irgendwie in eine Zwickmühle bringen!

      Zum einen sind die hiesigen Jäger wohl wirklich der Meinung, dass die z.Zt. immer mal wieder auftauchenden Wölfe bei uns im Kreis nicht auf eigenen Pfoten hergekommen sind, sondern auf Gummireifen... #augen Darüber konnte ich ja noch herzhaft lachen. Es ist ja zum einen bekannt, dass gerade junge männliche Tiere auf der Suche nach einem eigenen Revier sehr weite Strecken zurücklegen. Und zum anderen: wer nimmt denn, mal theoretisch betrachtet, den Aufwand auf sich, schiesst bzw. betäubt einen Wolf, transportiert ihn 400 km durch Deutschland und setzt ihn dann wieder aus?? Nun gut.

      Was mir aber viel mehr Sorgen macht:
      Der Landesbeauftragte, der mit auf der Hegeringsversammlung war, propagierte unter großem Beifall ein Vorgehen der Wölfe nach dem "Prinzip 4 S". Kannte ich nicht, aber darunter versteht der Jäger folgendes: Sehen, Schießen, Schaufeln, Schweigen. #schock
      Ich war erstmal sprachlos und echt baff. Das war also ein Mensch vom Landesjagdverband, der in einer nicht öffentlichen Sitzung zum Abschießen der Wölfe aufruft.

      Was mache ich denn jetzt? Theoretisch weiß ich davon ja gar nichts. Wenn ich mich dazu jetzt öffentlich äußere, bringe ich meinen Mann in echte Schwierigkeiten. Und vielleicht auch unsere Tiere? Denn unsere Weiden liegen voll im Hegering und werden mit bejagt. Außerdem haben wir 2 Hunde, die hier grundsätzlich auf Spaziergängen mit mir frei laufen.
      Anonyme Leserbriefe werden in unserer Zeitung nicht veröffentlicht.
      Aktuell gibt es keinen Wolf bei uns im Kreis, der letzte ist vor ca. 4 Monaten weitergewandert und wurde nach DNA-Vergleich jetzt in Süd-Schweden gesichtet (ganz sicher ist er bis dahin per Anhalter gekommen #rofl und nicht auf eigenen Füßen..).
      Aber so richtig will ich das eigentlich auch nicht auf sich beruhen lassen.
      Ich kann ja die Bauern, bei uns vor allem die Schafbauern verstehen, bei denen geht es ja schnell um Geld und sie werden bei gerissenen Schafen nicht entschädigt. Dass die keine Wolf-Fans sind, okay, verstehe ich! Leider sind die meisten Jäger bei uns auch Landwirte.

      Irgendjemand eine Idee, an wen ich mich wenden könnte, ohne dass sich das gegen uns wendet? (Das klingt jetzt irgendwie feige, aber ich muss ja schon so ein bisschen das Gesamtpaket im Auge behalten..)

      Danke euch!

      • Leider kenne ich mich nicht aus mit dieser Thematik. Und mit vernünftigen Argumenten wirst du hier sicher auch nicht weiter kommen.
        Aber wer kommt denn über den Landesbeauftragten?

        Das was er vorschlägt, ist ja schon recht krass! Ich finde auch, dass da ein Riegel vorgeschoben werden sollte...

        • Den Vorgesetzten des Landesbeauftragten kenne ich nicht, ich bin ja, wie gesagt, auch kein Jäger, daher kenne ich mich mit deren organisatorischen Strukturen so gar nicht aus. Das sollte zwar rauszufinden sein, aber es löst leider nicht so recht mein Problem mit meinem Zwiespalt.

          Denn eins weiß ich: die Jägerschaft hält immer sehr fest zusammen, gerade WEIL ihr Stand nicht gerade beliebt ist.. Daher denke ich, dass sich das ganz sicher nach "unten" herumsprechen wird, auch wenn ich mich an übergeordnete Strukturen wende.. Das kommt ganz sicher früher oder später in "unserem" Hegering an..

          • Ich verstehe, dass du da unbedingt anonym bleiben willst...

            Was sagt denn dein Mann zu diesem Thema? Es geht ja nicht nur um das Thema Wölfe, sondern auch um diesen sonderbaren Vorschlag, der sicher nicht legal ist! (Was kommt da als nächstes? )

            Jedenfalls macht sich so die Jägerschaft nicht unbedingt beliebter...

            Tut mir leid, dass ich dir keinen Rat geben kann.

            Mich würde aber interessieren, wie die Geschichte weiterläuft.

            Vieleicht hat ja jemand anderes eine Idee?

            Das einzigste was mir einfallen würde, wäre mal jemanden zu orden, der sich mit Wölfen auskennt und die Landwirte diesbezüglich berät und aufklärt. Aber ob das was nutzt?

            • Mein Mann sitzt da auch sehr zwischen den Stühlen, ist da aber sehr viel pragmatischer als ich. Da im Moment kein Wolf im Kreis ist, denkt er sehr viel mehr an uns bzw. an unsere Tier. Man kennt ja die Geschichten vom Pony, das "aus Versehen" für ein Wildschwein gehalten und erschossen wurde. Und meine Esel sehen nicht nur aus wie kleine Wildschweine... Und auch Hunde, die angeblich wildern, werden ja gerne mal verbleit.. Unsere haben zwar ihre Begleithundeprüfungen absolviert, sind absolut gehorsam und jagen definitiv nicht, aber diese Infos haben sie ja nicht auf einem Schild um den Hals hängen.. Und meistens werden die Fragen ja erst gestellt, nachdem der Abzug schon durchgezogen ist...

              Davor grusel ich mich natürlich auch sehr, aber ich finde, dass es ja vermutlich nicht nur um unseren Kreis geht - der Landesbeauftragte wandert ja von einer Hegeringsversammlung zur nächsten und wird sein revolutionäres Gedankengut sicher weiter streuen.. Und es wird ganz bestimmt nicht nur bei unseren jagenden Landwirten auf fruchtbaren Boden fallen!

              Mal sehen, was noch an Tipps kommt! Kannst ja mal wieder hier rein schauen, dann halte ich dich auf dem laufenden..!

      Du kannst Naturschutzorganisationen informieren, wenn du (oder andere) einen Wolf sichten. In der Regel werden die Tiere dann markiert. So kann das Tier nicht mehr einfach "verschwinden" (4S).

      • Danke für deinen Hinweis!
        Die Wahrscheinlichkeit, dass ich persönlich einen Wolf sichte, ist ja vermutlich doch eher gering, aber falls doch, würde ich das natürlich sowieso kund tun.

        Mir geht es allerdings eher um die Prophylaxe für den nächsten Wolf, der seinen Daumen raushält und per Anhalter zu uns in den Kreis kommt..

        Und ich finde es einfach eine Sauerei, zum einen immer den Hegegedanken in den Vordergrund zu stellen, um die eigene Jagdleidenschaft zu legitemieren, aber im internen Kreis solche Aufrufe zu starten. Der Wolf tritt ja in Konkurrenz zum Jäger, die haben vermutlich Angst um ihre Jagderfolge, wenn der Wolf sich hier dauerhaft niederlässt und sich auch mal das eine oder andere Reh, Hasen etc. genehmigt. Das ist für mich sehr scheinheilig.

    Hallo,

    Google mal nach Landesjagdverbände, da findest du sicherlich einen Ansprechpartner.

    Nach schnell Recherche bietet der Landesverband Mecklenburg im März in Berlin eine Fortbildung zu diesem Thema an.

    Ansonsten NABU, Landesamt für Forsten oder den ökologischen Jagdverband kontaktieren.

    Vielleicht mag dein Mann ja eine Fortbildung besuchen und seine Erkenntnisse dann seinen Kollegen mitteilen.

    Informationen zum Thema Entschädigung sind ebenfalls im Internet zu finden.

    Auch würde ich dir, auf Grund der geschilderten Situation, empfehlen selbst den Jagdschein abzulegen.

    LG Reina

    • Vielen Dank für deine vielen Anregungen und Ideen. Ich werde mich da mal durchwurschteln und schauen, wo ich vielleicht am ehesten etwas erreiche.

      Du bist (auch) Jäger/in, oder?

      Mit deinem letzten Satz kann ich nicht wirklich viel anfangen, ehrlich gesagt.

      Ich will und wollte noch nie einen Jagdschein machen, nach den Ereignissen auf der letzten Hegeringsversammlung nun grad schon mal gar nicht mehr. Ich verstehe auch nicht, wieso mir ein Jagdschein nun gerade aufgrund unserer Situation weiter helfen könnte oder würde? Mal ganz davon abgesehen, dass man einen Jagdschein ja nicht kurz mal in 3 Wochen macht, er viel Zeit zum Lernen erfordert (die ich mit bald 2 Kindern, vielen Tieren und einem riesigen Sanierungsprojekt absolut nicht habe) und einen richtigen Batzen Geld kostet (das wir auch nicht haben, s.o.).

      Trotzdem danke für deine konstruktiven Vorschläge!

      • Hallo,

        nein, ich habe keinen Jagdschein. Der Einzige, der bei uns auf die Jagd geht ist Katerchen.

        Ich, und nicht nur ich, haben leider die Erfahrung gemacht, dass es manchmal leichter wäre. Mehr mag ich dazu nicht sagen.

        Wir leben auf dem Land und unser Familienhund ist ein Jagdhund (Galgo).

        LG Reina

Hallo,

kann deinen Ärger+Wut verstehen. Denn ich freue mich auch so, dass es hier wieder Wölfe in freier Natur gibt. Sie gehören hier her und sorgen für eine natürliche Artenvielfalt.
Zumal es doch hier zu viel Schwarzwild z.B. gibt.

Vielleicht könnt ihr mehr Mitstreiter finden, dein Mann kennt doch seine Jagdfreunde.
Einer ist doch bestimmt dabei, der diese Sache genauso wie ihr seht.
Oder es gibt in den Nachbargemeinden oder -Kreisen Jäger, Landwirte, Naturparks oder Forstwirte.. die mit euch kommunizieren wollen über das Thema.

Eine Möglichkeit wäre auch, das Thema öffentlich anzusprechen, also, warum hier Wölfe wieder ausgewildert werden und wurden.

Mit Fotos und Diavorträgen in Schulen oder Kindergärten zu gehen. Infomaterial von z.B. NABU zuschicken zu lassen. Auch die Kinder der Jäger damit anzusprechen, dass die Jäger eher ein Schuldgefühl entwickeln und sensibler mit diesem Thema umgehen und ein Umdenken bewirkt wird.
Man kann dann auch einen Zeitungsartikel darüber verfassen.

Viel Erfolg. Lotta

Was ist mit dem Tierschutz?

Gruß

Manavgat

  • Der ist hier dünn gesäht...

    Wir haben hier ein kleines Tierheim, vielleicht spreche ich mal mit dem Leiter.

    Aber was mir grad noch einfällt: wir haben hier einen sehr engagierten Menschen, der eine Wildtierhilfe-Station hat. Den werde ich mal fragen, denn der hat viele Kontakte - und er ist mir noch was schuldig, weil ich letztes Jahr mit ihm zusammen einen lange gesuchten Papagei aus unserem Baum eingefangen habe ;-)

(15) 03.03.14 - 20:03

Hallo,
na da sist ja ein netter Verein, dem dein Mann da zugehört. Genau die Art von Jäger bei denen ich zum Mörder mutieren könnte. Egal.
Mein Cousin ist Förster (aber auch Jäger, gehört nun mal dazu). Ich schätze seine Meinung sehr, alles was Natur, Wald und die Tiere darin betrifft. Ich nenne ihn immer liebevoll meinen "Jägerförster", er hat mir mehr von der Natur beigebracht als jede dumme Naturschutztruppe mit ihren vermenschlichten Ansichten.
So nun aber zu deinem Problem: Ich an deiner Stelle würde mich an die zuständige Forstverwaltung wenden. Geht allerdings nur, wenn die Leute nicht in dem von dir beschriebenen Verein mit drin stecken. Ich kenne es mit den Wölfen nämlich ganz anders. Mein Cousin ist unsagbar stolz und glücklich, das sie wieder da sind. Aber er hat sehr mit Vorurteilen und dummen Jägern zu kämpfen. Keine Ahnung wie oft es hieß, der Wolf hat ein Schaf gerissen, meistens war es ein ausgebüxter Dorfköter. Wenn es doch der Wolf war (kommt nur in ganz üblen Zeiten vor) bekommen die Schäfer ja auch ne Entschädigung. Ein Wolf wurde mal weggeschossen, er war total unglücklich darüber und hat sich wochenlang nachts in den Wald gelegt in der Hoffnung diesen Arsch zu erwischen.

Dein Mann sollte wirklich mal nachdenken, in was für einem Verein er da gelandet ist. Übrigens, die fehlenden Fasane sind bei mir im Garten und verstecken sich da;-).

#winke

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