Würdet ihr ihm das Geld leihen?

    • (1) 08.03.14 - 02:46

      Guten Morgen,

      es geht um Folgendes... Ich habe leider eine größere Summe geerbt. "Leider" schreibe ich, weil der menschliche Verlust schwerer wiegt.
      Ich habe es auch nur ganz wenigen Menschen erzählt. Mein Halbbruder weiß aber, dass meine Oma nicht am Hungertuch nagen musste. Schon auf dem Weg zur Beerdigung hat er mir die Ohren vollgeheult, weil sein Dispo so hoch sei und es ihm langsam echt an die Psyche geht usw.

      Ich kenne seine finanzielle Lage. Sieht nicht besonders toll aus...Ein Kredit von ca. 20000 Euro, der noch bis 2017 läuft und 9000 im Dispo. Klar, dass einen die Zinsen auffressen, aber er hat schon immer extrem über seine Verhältnisse gelebt. Dabei verdient er viel besser als ich und könnte monatlich so einiges auf die Seite packen.

      Naja gut, das waren erstmal ein paar Daten am Rande. Da er mich auf der Fahrt zur Beerdigung nicht direkt gefragt hat, sondern vermutlich eher auf eine Reaktion von mir wartete (die nicht kam), habe ich mich nicht mehr weiter damit beschäftigt.

      Doch neulich erzählte ich ihm, dass ich die nächsten Tage bummeln gehen wollte und ob er mitkommen möchte. Ich würde ihn auch auf einen neuen Pulli oder so einladen.

      Da sagt er doch furztrocken "Mir wäre es ja lieber, wenn Du meine Schulden bezahlen würdest.."

      Daraufhin ist mir erst mal nichts mehr eingefallen. Ich habe ihm später dann gesagt, dass wir das in Ruhe besprechen sollten (waren grade in einer Bar). Er meinte auch gleich, er will ja nichts geschenkt haben und ich bekäme es ja wieder.
      Hab es dann auf sich beruhen lassen und das Thema gewechselt.

      Ich rechne allerdings stark damit, dass er mich in nächster Zeit wieder darauf ansprechen wird. Die 9000 Euro könnte ich ihm locker leihen, aber mir ist nicht ganz wohl dabei. Erstens finde ich sein Verhalten ziemlich dreist und zudem denke ich, dass das immer zwischen uns stehen würde. Es ist ja schon ein riesen Haufen Geld.

      Ich glaube ihm ja, dass ihn das alles sehr belastet, aber er hat es ja auch selbst verbockt. Glücklicherweise habe ich keine Schulden, weiß also nicht wie es ist in seiner Lage zu sein.

      Ein bißchen Angst habe ich auch vor seiner Reaktion, wenn ich ihm sage, dass ich ihm das Geld nicht gebe...
      Wie würdet ihr entscheiden? Oder wovon würdet ihr eure Entscheidung abhängig machen?

      LG Ruby

      • Hallo,

        grundsätzlich kannst Du davon ausgehen, dass er schlecht mit Geld umgehen kann.
        Es wird es weiterhin schneller ausgeben als reinkommen.
        Leihst Du ihm das Geld, wird er gefühlt eine Entspannung wahrnehmen - die ihn dazu verleiten könnte, das Geld wieder auszugeben. Aus meiner Erfahrung wird das sehr wahrscheinlich so sein. (Gerade, weil er ja so lange sich damit gequält hat.)

        Was wird er Dir als Sicherheit anbieten?
        Wie argumentiert er seinen Verhaltenswandel bzgl. des Umgangs mit dem Geld?
        Wie will er Dir das beweisen? (Zahlt er denn gerade seine Kreditet regelmäßig zurück?)

        Wenn ich ihm Geld leihen würde, würde ich auf jeden Fall einen festen und schriftlich festgehaltenen Rückzahlungsplan vereinbaren.
        Du solltest Dir auch überlegen, welchen Zinssatz Du vereinbaren möchtest!
        Immerhin hast Du hier einen Zinsverlust zu tragen. Oder willst Du ihm deine entgangenen Zinsen schenken wollen? Er hätte so immerhin einen Vorteil zwischen den Bankzinsen und den sehr hohen Dispozinsen.

        Ich würde es ihm jedenfalls nicht so einfach machen. Wahrscheinlich denkt er, er kann das Geld z.B. zinslos erhalten. Wenn sein Vorteil nicht so groß ausfällt, wie er erhofft, macht er vielleicht einen Rückzieher.

        Eine andere Idee wäre, ihm erstmal "nur" 5T€ zu leihen. Diese soll er Dir zu günstigeren Konditionen zurückzahlen, als er an die Bank zahlen würde. Wenn das klappt, könntest Du über einen zweiten Vertrag mit ihm nachdenken.

        Aber: wenn Dein Bauchgefühl ganz und gar nicht damit klar kommt, dann lass es! Immer wenn ich Bauchgrummeln hatte, hat es immer schlecht geendet.

        LG emma

        • Du könntest ihn in dem Gespräch auch mal fragen, ob er eigentlich seine Steuererklärungen (und die damit ggf. zu erwartenden Rückzahlungen) alle erstellt hat.
          Meiner Erfahrung nach schlampen Leute, die mit Geld nicht umgehen können, auch hier.
          Das wäre noch etwas, wo er selbst eine Möglichkeit hätte an Geld zu kommen (bzw. Geld zurück zu bekommen) und seinen Dispo tlw. auszugleichen.

          Natürlich sind das intime Fragen. Aber wenn Du ihm vertrauen und Geld leihen sollst, soll er auch "die Hosen etwas runterlassen". Wie weit Du ihm in seinen Aussagen vertraust, musst Du halt nach dem Bauchgefühl entscheiden.

          • Danke für Deine Antwort. An meinen eigenen Zinsverlust habe ich gar nicht gedacht. Ich denke schon, dass er davon ausgeht, dass ich ihm praktisch einen Zinslosen Kredit einräume.

            Mich stört an der ganzen Sache vor allem, dass er einfach davon ausgeht "Schwesterchen hat jetzt Kohle, dann kann sie mir auch was abgeben.." Diese Selbstverständlichkeit. 9000 Euro ist für mich extrem viel Geld und wenn er so davon spricht, dann hört sich das an, als würde er mich um 50 Euro anpumpen.

            Ich warte jetzt einfach bis er noch mal auf mich zukommt, aber ich denke, ich werde es ihm nicht leihen. Ich denke, der Lerneffekt würde einfach ausbleiben und wie Du schon geschrieben hast, er würde nicht sparen, sondern vermutlich noch mehr ausgeben, wenn ihm die Last genommen ist.

            Und ich vermute, ich würde des öfteren zu hören bekommen "ich bin diesen Monat knapp, können wir eine Rate aussetzen.."

            Ich merke grade selber, dass ich mich wohl schon entschieden habe. Dein Beitrag hat mich darin nur noch bestärkt. Danke

            LG Ruby

            • Eindeutig die Richtige Entscheidung ! #winke

              Bitte :-)

              .. und natürlich hört es von ihm sich so an, als ob Du ihm nur 50 € leihen solltest.

              Er hat kein Verhältnis zum Geld und zu den Summen - oder der Arbeit, die er dafür leisten muss, um das Geld zu verdienen.

              Daher ist es aus seiner Sicht (Gefühlslage) egal, ob ihr über 50 €, 500 € oder 50.000 € sprecht. Es ist immer alles irgendwie bezahlbar - oder abbezahlbar. Ja - manchmal drückt es. Aber er versteht nicht die Wertigkeit, die hinter diesen Summen steht.

              Alles Liebe, emma

      Erst mal Beileid zu deinem Verlust!

      Zu deiner Frage: Nein ich würde ihm nicht "einfach mal so" solch eine Summe leihen! Gründe:

      -Er hat keinerlei Anstand! Auf dem weg zur Beerdigung schnorrt er dich durch die Blume schon an!!?? Wie respektlos ist das denn???

      - Einen Kredit von 20.000 ok, wer weiß für was. Aber seinen DISPO auf 9.000 auszuschlachten zeigt für mich, dass er überhaupt nicht mit Geld umgehen kann!!

      - dieser "Kredit" (verabschiede dich von dem Geld, das bekommst Du bestimmt nicht wieder!) wird bestimmt nicht der letzte sein! Hier mal 9tsd für den Dispo, da mal 20 tsd für den Kredit und weil das ja so easy ging, haben wir nix daraus gelernt und haben in kürze 11 tsd Disposchulden!!!

      Auch wenn du einen "Vertrag" aufsetzt: wenn du schon Bauchschmerzen hast ihm zu sagen, das du ihm nichts leihst, dann wirst Du erst recht nicht zu einem Anwalt gehen und dein Recht durchsetzen!

      Fazit: ich würde ihm sagen, dass Du das Geld für 10 Jahre fest angelegt hast und nicht dran kommst! Er sollte erst mal lernen vernünftig mit Geld umzugehen!

      • Hallo,

        ich stimme lillibee bei.

        Mein erster Gedanke war auch, daß du das Geld nicht wieder sehen wirst. Oder nur mit Anwalt und dabei dann deinen Rest bei "verspielst".

        Und wenn er es nicht zurückzahlen kann, kann dir ein Anwalt, außer einem Titel und den Vertrag, auch nicht helfen.

        Auch, wenn es dein Bruder ist. Der Gute Mann kann scheinbar nicht mit Geld umgehen. Und du bekommst wohl auch keine Sicherheiten, geschweige denn, die Sicherheit, daß er dein Geld auch wirklich für die Schulden nutzt.

        Den Dispo soweit auszuschlachten......#zitter
        Wenn er besser verdient als du, soll er für seine Schulden selber aufkommen.

        Genieß du mal dein Erbe.

        Außerdem: Wenn du in solch einer Not wärst: Würde er dir helfen? ;-)
        Vielleicht wäre deine Notlüge auch in Wirklichkeit eine Idee. Leg dein Geld, je nachdem, wieviel es ist, doch einfach gut an. So brauchst du nichtmal ne Notlüge.

    Ich verleihe kein Geld, das ich nicht auch verschenken würde.

    Grade wenn du Angst vor seiner Reaktion hast, solltest du ihm kein Geld geben - er wird immer wieder angekrochen kommen und mehr Geld verlangen und dann ist dein ganzes Erbe futsch.

    lg

    Hallo!

    Ich würde es nicht machen. Alleine schon, dass er dir auf dem Weg zur Beerdigung (!!) einen vorgeheult hat, ist ganz schon frech und respektlos.

    Dazu kommt, dass er absolut gar nicht mit Geld umgehen kann. Er wird auch sicher immer wieder angekrochen kommen, wenn du ihm was leihen würdest. Und was heißt leihen? Ich glaube auch kaum, dass du es jemals wiedersehen würdest und wenn, dann würde es eeewig dauern.
    Er hat einfach selber schuld, hat sich selber in diese Lage gebracht mit Geld ausgeben, was er nicht wirklich hatte.

    Lass es. Gibt nur noch mehr ärger.

    Du hast es mittlerweile fest angelegt (wie hier schon geschrieben wurde), kommst da nicht mehr so ran und fertig.

    LG

    Juhu Ruby,

    es tut mir sehr leid, dass deine Oma verstorben ist.

    #kerze für deine Oma

    Aber bei aller Liebe, aber ich würde ihm das Geld nicht leihen. Er zeigt ja selber, dass er überhaupt nicht mit Geld umgehen kann, denn sonst wäre sein Dispo nicht mit € 9000 im minus.

    Leihst du ihm das Geld, haut er es auf den Kopf und steht wieder bei dir vor der Tür. Das wird dann so lange gehen, bis das ganze Geld weg ist.

    Wenn der Zinssatz beim Dispo so hoch ist, dann muss er halt umschulden. Aber bei einer Bank und nicht bei dir.

    Selbst wenn du einen Vertrag mit ihm machst und er es dann doch nicht zurückzahlt, dann müsstest du, um an dein Geld zu kommen, einen Mahnbescheid beantragen. Tja und da er ja eh schon nichts hat, wird er dann auch kein Geld rumliegen haben. Außerdem überlegt man es sich schon gut, ob man einen Mahnbescheid gegen die eigene Familie beantragt.

    Mein Bruder hat mal für einen sehr guten Kumpel einen Kredit aufgenommen. Macht er nie wieder, denn er zahlt den ab, da der Kumpel nichts hat.

    Was mich persönlich an dieser ganzen Geschichte stört, ist, dass deine Oma noch nicht mal beerdigt ist, und da wirst du schon um Geld gefragt. Das geht gar nicht.

    Kurz gesagt: Leih ihm das Geld nicht, auch wenn er beleidigt sein wird. Aber der kriegt sich auch wieder ein. Du jedoch, würdest dein Geld, wahrscheinlich, nie wieder sehen.

    LG

    Melanie

    Hätte ich dieses Geld geerbt,würde ich meinen Geschwistern gerne helfen.
    Aber so einer wie dein Bruder würde von mir keinen Cent bekommen.
    Dreister gehts ja wohl nicht mehr.

    >Oder wovon würdet ihr eure Entscheidung abhängig machen?

    Davon, wie die Schulden entstanden sind und wie derjenige mit Geld umgehen kann.

    So wie du das hier schilderst, würde ich nichts zahlen oder "leihen". Wenn jemand generell über seine Verhältnisse lebt, lernt er ja nicht, das zu unterlassen, wenn ihm irgednwer seine Schulden bezahlt...und unter den Umständen hätte ich auch Angst, dass es nicht zurückbezahlt wird.

    Hallo,

    hm, schwierige Kiste. (Ich stecke in einem ähnlichen Dilemma)

    Ich würde es vielleicht davon abhängig machen, wieviel du geerbt hast. Wenn du z.B. "nur" 100.000 Euro geerbt hast, dann würde ich sagen: Nein. Er hat sich seine Grube ja selbst gebuddelt. Soll er zusehen, wie er da wieder rauskommt. 100.000 Euro sind schnell aufgebraucht.

    Wenn du z.B. mehr als 500.000 Euro geerbt hast, dann würde ich das Geld geben. Mit dem Zusatz, dass er dich danach nie wieder fragen darf. Wenn er den Neuanfang nicht nutzt, hat er selbst Schuld. Nicht jeder hat das Glück, mit einem Schlag sämtliche Schulden los zu sein.

    vg

    Hallo,

    ich habe auch einen Bruder, der eher leichtfertig mit Geld umgeht, aber keine Schulden hat.

    Man darf nicht vergessen, das sie ja nicht unverschuldet in diese Situation geraten sind, da dein bruder sehr gut verdient. Er hat es krachen lassen und irgendeinen Gegenwert für das viele Geld erhalten - sprich sehr gut gelebt.

    Seinen hohen Lebensstandard oder nennen wir es Größenwahn, will er nun von dir beglichen haben, dies noch direkt auf der Beerdigung in nassforscher Art und Weise.

    Von mir würde der gar nichts bekommen. Denn ich schätze mal, das er sich weiterhin nicht unbedingt einschränken will. Wer Schulden macht, muss halt den Gürtel enger schnallen und diese ab bauen. Da er einer geregelten gut bezahlten Arbeit nach geht, sollte dies ja machbar sein.

    Bei seiner Art, die er an den tag legte, darfst du nicht mal auf so was wie Dankbarkeit hoffen.

    Aber du hast ja eine Frage gestellt.

    Ich würde das abhängig davon machen, ob im umgekehrten Fall, eben dieser Mensch mir auch helfen würde, wenn ich in Not geriete.

    Mein Beileid für den schmerzlichen Verlust und handle klug

    LG
    tina

Top Diskussionen anzeigen