Angst vor dem 'Erwachsen'werden

    • (1) 12.03.14 - 17:06

      Hallo,

      Es ist mir etwas unangenehm darüber zu schreiben, aber dieses Thema beschäftigt mich zur Zeit sehr stark..

      Ich merke ganz oft, dass ich es genieße hier und da noch meine Mutter zu brauchen bzw noch gar nicht allein im Leben stehen zu können, weil ich dafuer mit meinen 19 Jahren noch zu jung bin.(keine Einnahmen..Schülerin etc)

      Vor paar Wochen hatte ich eine kleine Op und es erschreckt mich, dass ich die Aufmerksamkeit so genieße..krank sein wünscht sich ja keiner....Aber ich genieße es zum Verbandswechsel zu gehen. Auf der anderen Seite ist da der Artzt, der alles tut, dass die Wunde heilt...einen bemitleidet bzw tröstet, wenn man Schmerzen hat und auf der anderen Seite die Familie, hauptsächlich die Mutter, die einen ebenfalls 'in den Arm nimmt' ..ich werde das bestimmt vermissen nicht mehr zum Artzt zu gehen... :( wobei jeder 'normalo' bestimmt heilfroh wäre...

      Ich habe Angst erwachsen zu werden....weil man da nicht mehr als hilfsbedürftig angesehen wird..weil man dann selbst 'gross' genug ist jemanden in den Arm zu nehmen, anstatt selbst in den Arm genommen zu werden..
      Vielleicht denke ich auch so, weil meine Mutter will, dass ich in paar Monaten auszieh obwohl ich mich nicht bereit dazu fühle? (wir haben leider eine sehr schwere Beziehung zueinander..oft Streit, das macht mich auch traurig)
      Woher kommt mein komisches Denken?

      (als ich 16,17 Jahre war, war ich viel im Ausland, da ich als Model gearbeitet habe..vielleicht habe ich das Gefühl meine Jugend damals unterdrueckt zu haben, weil jeder ein reifes starkes Mädchen sehen wollte und das Bedürfniss es jetzt nachzuholen? )

      Ich weiss es nicht...
      Ich wäre ueber paar Meinungen dankbar oder eure Erfahrungen.....

      • Hallo,

        Ich denke das Ist normal das du so empfindest.

        Ich würde mit 19 das erste mal Mutter, wir haben dann 5 Jahre lang noch Tür an Tür mit meiner Mutter gelebt.
        Ich war sehr froh das sie mir viel geholfen hat mit meinem Sohn und mir vieles abgenommen hat.
        Aber ich muss sagen das ich dadurch sehr lange in gewissen Punkten unselbstständig geblieben bin.
        Das wegziehen hat mir große Angst gemacht, aber durch die ständige Nähe gab es viele Reibereien.

        Jetzt leben wir seit 3 Jahren ca. 15 min. Voneinander entfernt und haben ein viel besseres, unbeschwerteres miteinander.
        Ich bin selbstständiger und erwachsener geworden.
        Ich kann trotzdem immer zu ihr wenn ich Hilfe oder Trost brauche.
        Wenn ich krank bin und mein Mann verhindert, dann kümmert sie sich auch um nicht bzw. Meine Kinder wenn es sich für sie einrichten lässt.
        Umgekehrt mache ich das aber auch für sie.

        Eventuell ist es nicht verkehrt wenn ihr Abstand zueinander bekommt,wenn es so oft krieselt bei euch.
        Meine Schwester wird jetzt 20, sie ist noch meilenweit entfernt vom erwachsen werden, ich denke man kann da nicht pauschal sagen wer reif genug dazu ist und wer noch nicht.
        Vielleicht kannst du inruhe mit deiner Mutter über deine Ängste sprechen?
        Letztendlich wirst du ebenso akzeptieren müssen das du nun selbstständiger werden müsst und auch deine Mutter wieder mehr Freiraum für ihr eigenes Leben möchte, sie hat ihren erziehungsjob erfüllt, was nicht bedeutet dass man nicht trotzdem immer für seine Kinder da sein wird.

        Keine Sorge bei dir ist nichts unnormal, ich denke an den Punkt kommt jeder junger Erwachsene ;-)

        LG

        • Vielen Dank für deinen lieben Beitrag!! :)
          Das habe ich auch oft gehört, dass erst durch den Abstand die Reibereien von Mutter und Tochter besser werden....ich hoffe, dass wird bei uns auch der Fall sein..
          Findest du die Gedanken mit der 'Artztgeschichte' auch normal?
          Oh man.....ich glaube jeder hat in seinem Leben so paar Komplexe ;D

          Lg

          • Ich denke auch die arztgeschichte ist noch normal.
            Du genießt die Aufmerksamkeit um dich rum, warum nicht?
            Andere tuen das gleiche in anderen Lebenslage.
            Krankhaft wäre es nur wenn du dich selbst verletzen würdest für diese Aufmerksamkeit.
            Wer lässt sich nicht krank gern betüddeln? Wenn man dann auch noch Ärzte hat die einem sympathisch sind ist das völlig ok.

      Ich denke, du hast eine falsche Ansicht vom "erwachsen werden" bzw. sein.

      Auch mit 25 Jahren ist meine Mama, meine Schwester oder auch mal andere tröstend, wenn ich traurig oder wütend oder verzweifelt oder verletzt bin - genauso, wie ich meine Mama versuche zu trösten... Liebe und Geborgenheit, Mitgefühl und Trost sind doch nicht von einem Alter abhängig...

      Wegen dem Auszug: was macht dir denn Bauchweh? Dass du dann alleine in einer Wohnung bist? Der Haushalt? Die räumliche Trennung deiner Mutter?

      Für die meisten Situationen gibt es eine Lösung und meistens bessert sich der Kontakt zwischen Teenager und Eltern, wenn Teenager beginnen ihrem Alter entsprechend mehr Verantwortung zu übernehmen.

      hallo !

      das eine schließt das andere doch nicht aus !

      ich bin ü40 und meine mama nimmt mich immer noch in den arm und tröstet mich, wenn`s mir schlecht geht ;-) - umgedreht genau so !

      und ich fühle mich auch noch ab und zu, wie ein kleines mädchen - mein ältestes kind wird dieses jahr volljährlich...
      ich finde solche "gefühlsschwankungen" völlig normal !

      ein auszug kann auch das verhältnis zu deiner mutter verbessern...hab keine angst vor dem erwachsen werden - du kommst eh nicht drum rum #liebdrueck

      lg

    • Hallo du!

      Wie von meinen VorschreiberInnen schon erwähnt, hast du eine falsche Vorstellung von Erwachsensein, wies aussieht. Erwachsen zu sein heisst nicht, niemanden mehr zu brauchen. Es heisst nicht, es zu genießen, verhätschelt und gepflegt, geliebt und getröstet zu werden. Dann will ich auch niemals nie erwachsen werden!! Und ich bin 32. Erwachsen heisst für mich, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen, und auch für andere(Partner, Kinder). Aber es heisst nicht, dass man niemanden mehr brauchen darf. Das wär doch irgendwie auch pervers, wenn sich alle "Erwachsenen" von jeglicher Sehnsucht nach Nähe, Pflege und Betüdelung verabschieden würden. Genieß es doch, dass du jemanden in deinem Leben hast, der sich um dich kümmert. Und eine Mutter hat trotz "schwierigem" Verhältnis doch Freude daran, sich um ihr Kind zu kümmern. Wäre doch auch schlimm, wenn du jegliche Sorge von dir stoßen würdest!

      Ich wünsche dir alles Gute, mach dir nicht zu viele Gedanken. Ich persönlich mags auch mit 32, wenn sich meine Mama um mich sorgt und kümmert, ist doch normal. Ich sorge mich ja auch um sie. (Und das ist meiner Meinung nach der Knackpunkt zum Erwachsenwerden!).

      Liesl

      Ich bin 35 und bei mir war/ist es so, dass sich mit der Zeit (des Erwachsenwerdens) automatisch auch die Sichtweise mitverändert - man wächst in die Sachen rein.
      Z.B. wenn man ein Kind bekommt: man hat Angst vor dem Unbekannten, will alles richtig machen, stellt sich vor, wie das mit den Jahren so wird. Aber das kommt alles automatisch, man lässt einfach alles auf sich zukommen - so sehe ich die Dinge inzwischen.
      So ist das mit dem Erwachsenwerden auch.
      Glaub mir, irgendwann willst du gar nicht mehr von irgendeinem Arzt oder sonstwem "bemitleidet" werden. Anders sieht es da natürlich innerhalb der Familie aus, aber das liegt ja bei dir ;-)

      Hallo! Als mein Onkel 60 wurde, hat er folgenden Satz gesagt: "So erwachsen wie manche Leute tun, möchte ich nie werden." Ich werde dieses Jahr 40 und finde, man sollte sich etwas "kindliches" bewahren. Ruhig jetzt auch Mama mal sagen, dass man Trost braucht. Ruhig mal mit dem alten Teddy im Arm einschlafen, wenn man sich nicht fühlt. Nicht immer alles so ernst nehmen und auch mal mit Kindern durch Pfützen springen. Erwachsen sein hängt von Dir ab. Es heißt nicht alleine sein in allen Lebenslagen. LG

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