Vor den Kopf stoßen oder Ehrlichkeit

    • (1) 27.03.14 - 19:37

      Hallo!

      Ich würde von euch gerne wissen, wo ihr den Unterschied zwischen Jemanden vor den Kopf stoßen und ehrlich sein, seht.
      Liegt es an dem Gesagtem ansich, an der Art und Weise, wie man es sagt, oder daran wie der andere es auffaßt. Stößt man jemanden automatisch vor den Kopf, wenn man etwas für den Anderen unerwartet negatives sagt? Wie kann man ehrlich sein, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen und sich selbst treu zu bleiben?

      Teilt mir eure Gedanken mit. Ich bin gespannt.

      Kath.a.rina

      • Hallo,

        ehrlich bin ich vor allem dann, wenn man mich nach meiner Meinung fragt. Aber auch hier wäge ich meine Worte ab und plautze nicht einfach raus, was mir in den Sinn kommt. Wenn ich also z.B. etwas absolut hässlich finde, dann reicht es, wenn ich sage, dass es mir nicht gefällt.
        Auch finde ich es unangemessen, ungefragt etwas zu bewerten und dann noch damit zu argumentieren, man sei bloß ehrlich. Beispiel: Ich sitze mit meiner Cousine im Garten und sie blickt in unser Wohnzimmer. Völlig unerwartet sagt sie, wie hässlich sie unsere Bilder findet. Ich konnte bei ihr damit umgehen, dennoch habe ich ihr gesagt, dass ich diese Aussage schon etwas eigenartig finde. Antwort von ihr: Ich bin doch nur ehrlich. Antwort von mir: Ich habe dich aber gar nicht nach deiner Meinung gefragt, von daher brauchst du nicht ehrlich zu sein;-)

        wir haben uns jetzt nicht gestritten. Ich mag meine Cousine sehr. Wäre es aber jemand Fremdes gewesen, hätte er mir mit so einer Aussage schon "vor den Kopf gestoßen".

        vg, m.

        Hi,
        es kommt drauf an.

        Ich habe eine Freundin, von Ihr sind Ratschläge immer SCHLÄGE, aber mitten ins Gesicht.

        Ne Bekannte, könnte das viel netter Ausdrücken, ohne das man sich Ärgert und wirklich darüber nachdenkt.

        Bei der Freundin ärgere ich mich ohne Ende über sie, und denke nicht über das gesagte nach, weil sie es so doof rübergebracht hat.

        Mit Ehrlichkeit fährt man am besten, man kann aber auch den Mund halten, wenn man nicht weiß wie es aufgenommen wird.

        Gruß Claudia

        Nun ja, da gibt es viele graustufen würde ich mal sagen
        erst mal würde ich grob unterscheiden in aussagen, die ich über MICH machen und Aussagen, die ich über aner mache
        sage ich also "Ich komme heue nicht zu dir, denn ich fühle mich nicht wohl in der gruppe von menschen, die dort sein werden"; dann ist das ehrlich- KANN den andern selbstverständlich auch "vor den kopf stoßen", wenn dieser damit gar nicht gerechnet hat

        sage ich aber "ich komme nicht, weil du ja eh nur ziemlich dämliche leute da hast", dann kann ich einbilden, besonders ehrlich gewesen zu sein, ich habe aber eine aussage über aner gemacht und fälle ich negative wertungen über anere werde ich damit rechnen müssen, daß dies nicht jedem gefällt.

        dann würde ich sagen, daß ehrlich zu sein nicht gleichbedeutend ist damit alles ständig sagen zu müssen, was ich denke.
        hat die Nachbarin erheblich zugenommen, dann MUSS ich das nicht ansprechen - das macht mich noch nicht zum "unehrlichen" menschen.
        sage ich ihr über den gartenzaun "du bist aber auch ganz schön dick geworden"- werde ich ihr vermutlich vor den kopf stoßen (aussage über sie/ wertend- zumidest in unserer gesellschaft negativ konnotiert)

        und natürlich ist in jeder aussage neben dem inhalt, neben der vertrautheit der kommunikationspartner, neben dem ort, dem zeitpunkt, dem tonfall, der wortwahl etc. vieles noch entscheidend.
        denn meine codierung meiner aussage muß noch lange nicht so decodiert werden, wie ich dies beabsichtigt habe.

        grundsätzlich denke ich, daß wir menschen mit negativ wertenden aussagen, die wir über sie tätigen vor den kopf stoßen- weil diese aussagen in alelr regel übergriffig sind.

        je mehr ich bei mir bleibe und von mir sprech in diesen aussagen, desto weniger übergriffig wird das vom gegenüber empfunden.

      • hallo!

        ehrlich sein, heisst ja nicht direkt, "vor den kopf stossen". ich kann auch ganz ehrlich jemandem ein kompliment machen :)

        ich denke es kommt darauf an, WEM man etwas sagt, WIE man es sagt und natürlich auch WIE der andere auf kritik/negativäusserungen reagiert in dem moment und generell.

        das kann man im vorfeld eigentlich alles nicht beeinflussen (bis auf der person, der man vor den kopf stossen möchte).

        mal hat man vielleicht einen unbemerkt negativen klang in der stimme, mal hat das sonst gut gelaunte gegenüber vielleicht einen schlechten tag und fasst alles negativ auf.

        "Stößt man jemanden automatisch vor den Kopf, wenn man etwas für den Anderen unerwartet negatives sagt?"

        kommt drauf an, WAS man sagt ...Bsp. "deine hose, die du heute anhast, finde ich echt nicht schön" im kontrast zu "ich wollte dir immer schon mal sagen, das du eine hässliche nase hast"

        bei ersterem wäre ich froh um ehrlichkeit, bei zweiterem...najaa es würde schon verletzen ;)

        "Wie kann man ehrlich sein, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen und sich selbst treu zu bleiben?"
        was heisst für dich "dir treu bleiben", ich halte manchmal lieber meine klappe, um niemanden zu verletzen... wenn dich etwas belastet und du es loswerden möchtest, solltest du das tun...jedoch kannst du das nur für dich selbst entscheiden!

        liebe grüße

        • ""deine hose, die du heute anhast, finde ich echt nicht schön"

          sowas würde ich ungefragt nie zu jemandem sagen - ist schlichtweg nicht meine Sache und Ehrlichkeit heißt ja nicht dass ich ungefragt rausposaune was mir grad so durch den Kopf geht... Da hätt ich ja viel zu tun...

          Anders ist es natürlich wenn ich gefragt werde oder wenn ich sehe, dass bsp. eine Freundin zu einem wichtigen Termin geht und meiner Meinung nach unpassend gekleidet ist - da hätte ich schon eher die Intention, meine Meinung zu sagen, aber vor dem Hintergrund, ihr ggf. was gutes damit zu tun.

      Ich gebe eine Rückmeldung, wenn ich konkret darum gebeten werde oder wenn es mich direkt betrifft. D.h. Wenn ich mich ärgere oder so.

      Hallo,

      Wenn ich jemanden "vor den Kopf stoße", habe ich nicht vor ihn mit meiner gnadenvollen Ehrlichkeit einen Samariter-gleichen Gefallen zu tun, sondern will ihm lediglich "eine reindrücken". Und das indem ich ihm die ungeschönte Wahrheit bestmöglich hässlich-unsensibel, in harscher Wortgewandtheit, entgegen schmettere. Damit der Knalleffekt noch größer ist, ist Anwesenheit von Publikum zu empfehlen.

      Grüsse!
      Penny

      "Vor den Kopf stoßen" ist für mich Unhöflichkeit. Und Unhöflichkeit kann man immer umgehen.

      Ich kann Menschen auch ehrlich meine Meinung sagen ohne dabei unhöflich zu werden.

      Und grundsätzlich wäge ich schon ab, wann ich was sage und auch, wo Ehrlichkeit "sinnvoll" ist.

      Wenn die Tante meiner Ex-Schwiegermutter mit einem gruseligen häkeldeckhen ernsthaft meint mir eine Freude zu machen und dafür mit ihren rheumageplagten Händen Stunden zugebracht hat dann werde ich einen Deubel tun, zu sagen: das Ding ist schauderhaft. Nein, dann nehme ich sie in den Arm und bedanke mich und freie mich daran, dass meine "Freude" ihr eine Freude macht.
      Warum? Weil Ehrlichkeit in dem Punkt niemandem helfen würde. Sie wäre enttäuscht und mir tut diese "Heuchelei" nicht weh.

      Aber wenn jemand mich fragt ob mir sein neues Outfit gefällt und ich finde es subptimal, dann sage ich es. Auf eine annehmbare Art und Weise. Oder wenn mich jemand um einen Gefallen bittet kann ich durchaus ablehnen ohne dass der andere sich gekränkt fühlt.
      Ich dneke, der wichtigste Punkt ist, deutlich zu machen dass man eine Sachaussage trifft und nicht die Person als solche ablehnt. Das wird schnell mal unbewusst verwechselt.

    Hallo!

    Vielen, vielen Dank für eure zahlreichen Antworten!!!

    Das hat mir wirklich sehr geholfen. #huepf

    Schönen Abend noch.
    Kath.a.rina

    Mmh... Sagen wir mal, jemand war beim Friseur.

    Vor den Kopf stoßen = "Wolltest du das so? Sieht ja nicht so prickelnd aus..."
    Ehrlich sein = "Die kurzen Haare gefallen mir an dir nicht."

    Dabei ist es aber immer noch zusätzlich davon abhängig, wie mein Gesprächspartner "tickt". Manche kommen mit einer ruppigeren Art zurecht, manche empfinden das als verletztend.

    Es gibt keine allgemeine "Anleitung". Das Empfinden über den Tonfall und Inhalt einer Aussage ist grundsätzlich von beiden Gesprächspartnern und ihrem Verhältnis zueinander abhängig.

    Lg Lia :-)

    Es kommt immer auf beide an. Sender und Empfänger tragen dazu bei, ob es einfach nur Ehrlichkeit oder aber "Vor den Kopf stossen" ist.

    Und auch wenn der Sender nicht vor den Kopf stossen wollte mit seiner Ehrlichkeit, kann das beim Empfänger so ankommen (wie vor den Kopf gestossen).
    Kommunikation, ein spannendes Thema. :-)

    Erlebe ich zur Zeit hautnah.

    Folgende Situation:

    Ich arbeite in einem Büro mit zwei Mitangestellten. Zur Zeit haben wir einen Azubi im Büro. Azubi stinkt wie Otterbock - ein Geruch von schlechtem Atem, kaltem Schweiß und fettigen Haaren.

    Meine Gedanken: Du must mit dem Stinker reden, sonst überlebt entweder er oder ich die nächsten Wochen gemeinsamen Arbeiten nicht.

    Meine Überlegungen: Ich mag den Kerl sowieso nicht. Also sage ich ihm: "Hey A.! Wasch Dich mal ordentlich, Du stinkst dermaßen, dass die Fliegen tot von der Wand fallen." Das wäre - meiner Meinung nach - zwar vollkommen der Wahrheit entsprechend, aber eben doch zu sehr vor den Kopf gestoßen.

    Also habe ich das ganze nett verpackt, den Stinker zur Seite genommen und mit ihm unter vier Augen ganz vorsichtig über seine morgendlichen Waschrituale und Waschpulverbenutzungen gesprochen.

    Ich habe gaaaaanz viel Verständnis gezeigt und gesagt, dass ich auch zwei sportliche Jugendliche zuhause habe, die nach dem Sport gerne mal nach Schweiß riechen. Und dass die dann natürlich sofort unter die Dusche müssen. Und auch ihre Zähne ordentlich putzen. Ach, ich war unterm Schnitt einfach nett obwohl die Botschaft, die ich im mitgegeben habe, eindeutig war: Mach was an Deinem Körpergeruch, oder ich sorge dafür, dass Du die Abteilung verlässt, Du Arsch...

    Ich war also ehrlich. Gut, ich habe auch eine wenig Mitgefühl und mütterliches Interesse vorgeheuchelt, aber den Kerngedanken habe ich rübergebracht.

    LG

    Ich halte mich bei Freundschaften und Bekanntschaften an den alten Grundsatz: "Wenn man nichts Nettes sagen kann, lieber gar nichts sagen."

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