Wie ist es dann?

    • (1) 02.04.14 - 21:38

      Hallo,

      wie ist es dann, wenn die Eltern nicht mehr da sind?

      Ich las gerade: mein Vater starb, als ich 15 war und es war sehr schmerzhaft für mich.

      Dagegen bei mir selbst:
      Mein Vater verliess uns, als ich 3 war. Habe zu ihm keine große Bindung aufbauen können.
      Manchmal war es auch schmerzlich zu erfahren, dass andere Dinge und Menschen für ihn wichtiger waren. Doch insgesamt kann ich sagen, dass ich eigentlich erleichtert bin.
      Darüber, dass es zwischen uns keine große Bindung gab und ich bestimmt, wenn ich erfahre, dass er verstorben ist, keine große Trauer empfinden werde.

      Wenn ein Elternteil früh verstirbt, empfindet man es anders, als wenn dieser Mensch in einem höheren Alter verstirbt? Dann, wenn er eigentlich sein Leben gelebt hat und vielleicht krank war und wenn er manchmal zur Last fällt.

      Im Kindest- oder Jugendalter, wenn man die Eltern braucht, ist der Tod doch bestimmt sehr schwer zu ertragen, oder? Trauert man dann mehr?

      Wie meint ihr das?

      Lotta

      • Ich denke das ist unabhängig vom Alter und liegt zum einen an der Persönlichkeit, zum anderen an der Beziehung zu den Eltern.

        Außerdem spielt es eine große Rolle, ob man das Sterben miterlebt (damit meine ich nicht die Todesstunde, sondern die Wochen davor), und in dieser Zeit die Möglichkeit hat Abschied zu nehmen, vielleicht auch ungeklärte Dinge zu klären. Ein unerwarteter Tod wird meist viel schlimmer empfunden, weil zusätzlich der Schock verarbeitet werden muss. Bei Krankheit oder Alter ist das "scheibchenweise" schon vorher passiert.

        Und Schmerz ist leichter zu ertragen, wenn Angehörige und Freunde den Verlust teilen und sich gegenseitig emotionalen Halt geben.

        Wie sich der Tod der eigenen Eltern wirklich anfühlt, kann keiner vorher sagen, selbst die nicht, die viel mit Sterbenden zu tun haben.
        LG doremi

        Hallo,

        mein Vater hat die Familie ebenfalls verlassen, als ich 3 Jahre alt war. Er hat in meinem Leben keine Rolle gespielt, weil er sich nicht gekümmert hat. Ich habe ihn zwar gelegentlich mal gesehen, aber das wars auch. Nach meinem 13. Lebensjahr habe ich ihn gar nicht mehr getroffen und so war es mir herzlich egal, als er dann 2001 gestorben ist. Für mich war er fremder als meine Nachbarn es sind.

        Meine Mutter hingegen starb 2011 ziemlich unerwartet. Das ist schon hart, weil ich einfach damit nicht gerechnet habe. Sie fehlt mir auch heute noch, obwohl ich schon lange nicht mehr bei ihr gewohnt habe. Wir hatten aber immer eine gute Beziehung.

        Ich denke, dass Kinder und Teenager ihre Eltern schon mehr brauchen als Erwachsene. Aber Trauer lässt sich nicht messen und hängt stark von der persönlichen Beziehung zueinander ab.

        LG
        Sassi

        Hallo,

        ich, für mich, muß sagen, je älter man ist, wenn ein Familienmitglied verstirbt, desto intensiver empfindet man es und um so schwerer ist es.

        Mein Vater ist gestorben, da war ich 29. Das hat gesessen, ich war Monate lang nicht zu gebrauchen und von Selbszweifeln geprägt. Ich will jetzt nicht sagen, daß es nicht so schlimm gewesen wäre, wenn ich noch jünger gewesen wäre, aber dann hätte ich es sicher anders verarbeitet.

        LG

      • kann es sein, dass du meine Antwort gelesen hast? #kratz
        Mein Vater ist gestorben als ich 15 war. Wir hatten ein sehr inniges Verhältnis. Es wäre unfair und gemein gegenüber meiner Mutter, aber ich glaube, ich hätte damals weniger getrauert, wenn sie gestorben wäre- der Gedanke ich schrecklich, ich weiss....
        als meine Oma verstarb und kurz danach der Opa, habe ich die Nahricht gehört, gedacht, naja, dann ist es halt so und gut war. Wäre meine andere Oma verstorben(sie lebt noch), hätte ich auch lange getrauert.

        Ich will damit sagen, dass trauer von der Beziehung zu dem Verstorbenen abhängig ist. Ob mein Vater damals gestorben ist, oder wäre erst jetzt gestorben- der Schmerz wäre gleich.

        Mit 3 Jahren hast du kaum was von deinem Vater gehabt und du erinnerst dich auch nicht so gut an diese Zeit, deshalb trauerst du nicht. Du warst noch ein Kleinkind. 2 Jahre später, hättest du wohl mehr mitbekommen und je nachdem, wi dein Vater war, hättest du mehr oder auch weniger getrauert...

        mein Gott, ich habe wieder mehr geschrieben als ich wollte...#schwitz

        Ich denke, es kommt viel auf das eigene Alter an, in welchem man seine Eltern verliert - und selbstverständlich auch auf die Beziehung zueinander.

        Nur kann man als Kleinkind nicht auf jahrelange gemeinsame Erlebnisse und Gefühle zurückgreifen und es wird einem wahrscheinlich auch die Unendlichkeit des Geschehens nicht so bewusst.

        Mein Vater war sehr früh bereits schwer krank (noch vor meiner Geburt). Als ich 4 war, sagt man ihm, dass man nicht mehr viel machen könne und er solle den Rest seines Lebens genießen.
        Das hat er dann auch - und hat noch 20 Jahre lang gelebt.

        Die Zeit hat uns geprägt, die ganze Familie. Ich war 24, als er starb und natürlich waren wir alle seit Jahren darauf vorbereitet; trotzdem haut es einen in diesem Moment um, wenn man eine so enge Beziehung hatte.
        Zudem kam, dass er nicht an seiner Krankheit starb, sondern wegen Fehldiagnose. Das ist wie, wenn jemand unbehandelbaren Krebs hat und wird vom Auto überfahren, obwohl er noch weiterleben möchte.

        Ich habe zu dem Zeitpunkt schon lange nicht mehr zu Hause gewohnt, aber wir hatten intensiven Kontakt.

        Wäre er gestorben, als ich 4 war, hätte ich sicherlich getrauert; würde mir aber heute Fotos anschauen von einem Menschen, den ich fast gar nicht gekannt habe, und mich sicherlich fragen, wie er denn so gewesen sei.
        Alles wäre anders gewesen, meine Mutter hätte vielleicht nochmal geheiratet oder zumindest einen Partner gefunden. Eventl. hätte es einen anderen Mann gegeben, den ich auch "Papa" genannt hätte...

        Ich habe ihn aber richtig kennengelernt und weiß, was für ein toller Mensch er war. Ich war schon lang nicht mehr auf meine Eltern angewiesen. Aber je älter ich war, desto bewusster war mir, was meine Eltern durchgemacht haben und wie nervenzerreibend dieses Leben war.
        Und wenn ich heute an ihn zurückdenke oder mir Fotos anschaue, dann bin ich immer noch traurig. Ich freue mich, dass er noch so viele Jahre hatte, die er auch tatsächlich größtenteils "genossen" hat. Aber diese 20 Jahre mit der Gewissheit des Todes und die jetzt fast 20 Jahre ohne ihn nagen weiterhin an mir.

        Meine Großeltern starben alle, bevor ich 18 war. Ich habe zwar noch viele Erinnerungen an sie - aber wirkliche Trauer empfinde ich nicht und habe sie auch damals jeweils bei ihrem Tod nicht empfunden. Es hatte einen ganz anderen Stellenwert in meinem Leben.

      • Hallo!

        Ich habe keine Ahnung, wie es ist, wenn man ein Elternteil verliert, das man schon kennt.

        Mein Vater starb 3 Wochen nach meiner Geburt. Ich kenne ihn nicht, habe keine Erinnerungen an einen Menschen, den ich betrauern könnte und es ist dennoch furchtbar schwer. Klingt vielleicht blöd, aber ich hätte gern die Möglichkeit, konkret zu trauern. So habe ich eine diffuse Erinnerung an meine frühe Kindheit, die geprägt war von Trauer und Leid, aber nichts Greifbares.

        Versteht mich nicht falsch, ich wünsche mir nicht und auch sonst niemandem, dass er einen geliebten Menschen gehen lassen muss. Aber der Verlust ist auch nicht leicht, wenn man keine Erinnerung an den Menschen hat. Die Bezugspersonen haben diese Erinnerungen nämlich und sie trauern. Es geht also nicht spurlos an kleinen Kindern vorbei.

        Viele Grüße!

        Danke für eure Antworten.

        Bei meinen Omas war es so, dass ich zu ihnen auch nicht so den Draht hatte, leider.
        Sie verstarben noch, als ich 12 bzw. 14 Jahre alt war. Konnte auch keine Träne weinen.
        Opas habe ich nie kennengelernt, sie waren verstorben bzw. im Krieg geblieben.

        Je erwachsener ich jedoch wurde, erinnerte ich mich gern an meine Omas.

        Nun verstand ich, ihre Handlungsweisen und denke noch recht gerne an sie zurück. Bewundere bei einer, es mit 5 Kindern allein nach dem Krieg geschafft zu haben und ihre Einstellung zu vielen Sachen. z.B. eisern zu bleiben und sich nicht unterkriegen zu lassen.

        Vielleicht habe ich so manche Eigenschaften und Interessen von ihnen geerbt- da diese meine Mutter nicht hat? Hätte sie bestimmt heute noch nach Ratschlägen deswegen gerne gefragt.

        LG Lotta

        Mein Vater starb bei einem Unfall, da war ich 15 Monate alt. Da entsteht ein Loch im Leben, das bleibt für immer. Bei Vätern, die sich nicht für ihre Kinder interessieren gibt es entweder Hoffnung oder Wut. Mein Vater war unwiederbringlich weg.

        Gruß

        Manavgat

        • Hallo,

          da muss ich dir zustimmen, Hoffnung und Wut wechselten sich ab.
          Tut mir leid mit dem Unfall deines Vaters.

          Da meiner dann allerdings auf seinen Wunsch den Kontakt ganz abbrach, als ich etwa 20 war, war es für mich sehr schwer, dies zu verkraften.
          Ich nahm mir vor, ihn zu verabschieden, ganz so, als wäre er gestorben.Nicht mal ein Tier geht so mit seinen Jungen um. Er ist es nicht wert, ihn zu lieben oder zu beachten.

          Dieser Abschied dauerte sicher ein halbes Jahr. Danach war er für mich wie ein Fremder über viele Jahre. In Gedanken hätte ich ihn manchmal "zum Mond schiessen können".
          Erst durch meinen Halbbruder bekam ich wieder Mut nachzuforschen. Denn die Wunden waren zwar verheilt, doch ich fand so richtig keine Ruhe und konnte nicht mit dieser Situation leben. Da ich ein sehr harmoniebedürftiger Mensch bin. In mir bestand der Wunsch, sich wieder zu vertragen.

          Dadurch hatte ich nach 20 Jahren durch einen dummen Zufall wieder Kontakt gefunden,
          vorbei an seiner Lebensgefährtin. Der noch andauert.
          Aber sicher nicht ganz so innig, wie es normal ist.
          Dennoch bleibt immer ein Riss bestehen.
          Aber ich denke, dass mein Vater sein Handeln bereut.

          Manchmal kann man einen Menschen nie verstehen.
          Wichtig ist, dass wir aus den Fehlern Anderer lernen und so Manches besser machen.

          Schönes Wochenende für dich.

          LG Lotta

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