Rauchstopp

    • (1) 03.04.14 - 13:25

      Hallööööööööchen!

      Ich muss noch locker eine dreiviertelstunde rumkriegen, bis ich zur Schicht antreten muss... und da ich alleine da sitze und alleine dasitzen am gefährlichsten für mich alten Nikotinjunkie ist, hab ich gedacht - nachdem ich die letzten Themen gelesen habe (die wahrlich nicht viele sind an der Zahl *gg*) .... ich schreib auch mal was :-p

      Heute ist Tag 3 auf kaltem Nikotinentzug und ich muss sagen - ich bin stolz wie Oskar. Aber leider teilt niemand die Ansicht mit mir.

      Für die Nichtraucher ist es so:"Ah ja, ahaha... mmmhh... ja, so schwer kann das doch eh nicht sein. So ungesund wie das ist...".

      Die Raucher antworten immer in etwa so:"Aha, jaja... ne is klar. 3 Tage schon... oh ja, das ist viel. Jaja... mmh... ne, beim letzten mal, als ich es versucht habe zu reduzieren, ging es nicht gut, aber vor 10 Jahren habe ich auch mal 3 Tage nicht geraucht, als ich eine dicke Grippe hatte und es fiel mir voll leicht. Also stell dich nicht so an, selbst schuld, wenn du aufhören willst. Mal gucken, ob du das überhaupt durchhälst....".

      Und die ehemaligen sind immer so:"Also mit fiel es ja voll einfach, weil ich ja mit schwanger war. Aber ich kannte da mal einen, der einen kannte, der hatte Probleme damit. Aber ICH, ne also ich hab einfach so aufgehört. Ich hatte da absolut kein Verlangen mehr nach. Das ging voll einfach.".

      Ich sag euch mal, warum ich stolz bin. Erstens bin ich eigentlich dafür geboren um süchtig zu werden. Meine Mutter hat in der Schwangerschaft gesoffen... war damals normal, Nebenwirkungen waren nicht bekannt für den Säugling. Dann bin ich in nem Alkoholikerhaushalt groß geworden und bin eigentlich mein Leben lang schon Passivraucher. Mit 13 Jahren (bin jetzt 26) habe ich angefangen. Also rauche ich 50% meines Lebens nicht nur passiv, sondern auch aktiv mit. Mein ganzes Hirn ist darauf ausgerichtet, seine Glückshormone von ausserhalb zu kriegen.

      Klar, die Schwangerschaften und die Stillzeit waren relativ einfach aufzuhören. Aber da wusste ich ja, dass ich es nicht für ewig so lassen. Ich wusste, wann ich ungefähr wieder damit anfangen kann und das hat mich beruhigt.

      Jetzt möchte ich es für immer sein lassen. Auch wenn ich keinen Grund habe irgendwie. Mir fällt zumindest keiner ein, der nicht irgendwie angreifbar wäre: Gesundheit - naja. Finanzen? .... Nö. Vorbild? Kann gut gehen - muss es aber nicht....

      Naja, zumindest bin ich wachgeworden und dachte mir. Jetzt hast du keine Lust mehr. Der Gedanke blieb 4 Stunden, bis ich auf der Arbeit genug hatte und eine rauchen wollte.

      3 Tage später habe ich dann gesagt... ok - die eine letzte in der Schachtel rauchst du jetzt noch und dann ist gut - dann musst du auf kalten Entzug - die Reduzierung ist schwachsinnig, tausendmal probiert, nie gelungen. Entweder ganz, oder gar nicht. Du hast es schon geschafft, dann schaffst du es diesmal auch. Auch wenn du es diesmal für dich tust und nicht für die Kinder.

      Und ich muss sagen.... es ist bisher ziemlich scheiße. Ich bin auf kaltem Entzug... und ich merke, wie sehr mein Leben von Kippen beeinflusst war in den letzten Jahren.

      Tag 1 verlief relativ gereizt und agressiv. Mein Mann hat mich auf dem falschen Fuß erwischt, was erstmal zum Streit führte. Und mich stark daran zweifeln ließ wirklich aufzuhören. Mein Schweinehund hat den ganzen Tag ausreden erfunden, warum ich jetzt eine rauchen sollte. Sogar solch doofe wie:"Heute ist der 1. April... du könntest ja einfach behaupten, du hättest nur alle veräppelt...". Also diskutierte ich den ganzen Tag mit meinem Schweinehund... und der meldete sich ziemlich regelmäßig alle 15min ungefähr. Ausserdem fand mein Körper, dass es jetzt Zeit wäre für Herzschmerzen, Herzrasen, Lungenschmerzen und Muskelzucken... ca 8-10Std nach der letzten Zigarette hatte ich fast alles gleichzeitig. Aber ich weiß, dass mein Schweinehund gerissen ist und das mit meinem Körper heimlich abgesprochen hat. Deswegen habe ich darauf nicht reagiert.

      Tag 2 verlief relativ nervös und aufgedreht bis verwirrt. Ich habe alle zugequatscht und kaum einer hatte ein wirkliches Ohr für meine Probleme (siehe oben). Ich war total unkonzentriert, konnte die Finger nicht still halten... musste überall drauftrommeln und konnte kaum ruhig sitzen. Auch da meldete sich der Körper mit Adrenalinschüben und Herzrasen/Fingerzittern. Aber es war schon auszuhalten und ging relativ schnell wieder.

      Jetzt fiel mir auf, dass ich aufeinmal zu viel Zeit habe. Sonst habe ich in relativ vielen Lagen eine geraucht. Morgens mit dem Kaffee, morgens bevor wir zum Kindergarten gingen, morgens auf dem Rückweg nach Hause/zur Arbeit. Vor dem Einkauf, nach dem Einkauf. Vor dem Kochen, nach dem kochen. Nach dem Essen. Zwischendurch. Um mit meinem Mann 5min in Ruhe reden zu können. Nach dem wischen, nach dem Spülen, nach dem Saugen usw.

      All diese Rauchmomente kosteten 5-10min Zeit. Und die hatte ich aufeinmal zu viel und ich wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Soll ich dann jetzt einfach nach dem Essen sitzen bleiben? Was mach ich nach dem Staubsaugen? Geh ich dann direkt zum wischen über oder setz ich mich erstmal für 5min aufs Sofa und starre die Wand an? Das waren locker 2-3 Stunden, die ich aufeinmal an Tag 2 zu viel hatte#schock Also habe ich die genutzt und bin einfach um 21Uhr anstatt um 0Uhr ins Bett gegangen:-p

      So, und heute ist Tag 3. Um 9:15Uhr hatte ich einen Zahnarzttermin mit meiner Tochter.
      Wenn ich jetzt Raucher wäre, wäre meine Planung so gewesen. Bis halb 9 sollten wir soweit fertig sein, Schuhe angezogen etc. Bis viertel vor Neun ist dann Pufferzeit (falls die Jacke nicht gefunden wird, die Hose reißt, der Schuh nicht zugeht oderoder)- wenn die Pufferzeit nicht benötigt wird, dann gehst du noch eine rauchen.

      Um viertel vor - rausgehen, 5min für Kippen kaufen einplanen, 20-25min für den Weg zum Arzt.

      Aber ich war ohne rauchen und trödeln schon um 8Uhr fertig. Dann saßen wir rum wie bestellt und nicht abgeholt und dann um 8:20Uhr sind wir los und waren um viertel vor 9 beim Arzt... 30min zu früh!

      Ich muss jetzt also irgendwie meine Zeit neu planen... oder mehr dazu planen? Ich weiß nicht...

      Naja. Die Lust auf eine Zigarette ist nun völlig weg eigentlich. Der Schweinehund meldet sich immer weniger. Aber die Zeit in der ich eine Kippe geraucht hätte macht mich fertig... ich sitz hier rum und fühl mich nichtsnutzig. Es ist aufgeräumt und gespült und gesaugt und gewischt... hätte ich jetzt 5 Kippenpausen eingelegt, hätte ich locker eine Stunde länger dafür gebraucht...

      die nutze ich jetzt um hier zu schreiben:-p

      Ausserdem kann ich mich bei den letzten malen nicht an einen körperlichen Entzug erinnern. Da ging es wirklich einfach. Aber da tat ich es ja für die Kinder... jetzt tu ich es grundlos... also bisher ist mir kein Argument eingefallen ausser, das ich nicht mehr will. Und das ist ja irgendwie auch ein Argument. Aber warum will ich nicht? Ich weiß es nicht. Ich habe sehr gerne geraucht. Aber es gibt mir irgendwie nichts mehr. Ich habe nie ums Geld oder um die Gesundheit getrauert... aber irgendwie.... ich habe keine Lust mehr der Regierung die Steuern in den Arsch zu blasen... ich habe keine Lust mehr schäbig angeguckt zu werden neben dem Spielplatz (ich bin immer weg gegangen)... ich will nicht immer rausmüssen aus dem Lokal... bisher hats mir nichts ausgemacht. Aber irgendwie störts mich doch.

      Vor allem habe ich meinem Vater damals immer vorgeworfen, dass er doch einfach aufhören soll zu saufen. Als wäre es mal eben so getan für einen Trinker. Vllt ist es für mich ja die Herausforderung.

      Ich fühl mich aufjedefall wie ein Junkie auf kaltem Entzug. Und bemitleide mich und bin aber auch stolz auf mich...

      bohr, der Text ist bestimmt schon lang#hicks Aber die Stunde ist fast um#pro

      Vllt bin ja nicht alleine und kann heute abend ein paar Antworten lesen#winke

      Liebe Grüße!

      • Hallo scrapie,
        also: ich bin stolz auf dich. Mein letzter Versuch ist kläglich gescheitert... Mein Schweinehund hat tagelang auf mich eingequatscht #aerger

        Und ich hab dann irgendwann eingesehen, dass diese ewig schlechte Laune es nicht wert ist.

        Dir wünsche ich weiterhin viel Erfolg fürs "durchhalten" und mir, dass ich irgendwann auch mal an den Punkt komme, wo ich sage: Hier. Stopp. Schluß.

        LG
        Nina

        • Hallo!

          Danke für deine Antwort #blume

          Nun finde ich endlich die Zeit um dir zu antworten:-D

          Heute ist schon Tag 7 und zack ist die Woche fast rum #schock

          Nach Tag 4 gings wirklich aufwärts, der Schweinehund meldet sich noch desöfteren... aber zickt nicht mehr so viel. Manchmal frag ich mich:"Was zur Hölle mach ich hier und warum????" ... aber dann gehts auch wieder;-)

          Ich drücke dir die Daumen, dass du den Moment auch bald hast #schwitz Sonst lohnt es sich wirklich kaum aufzuhören#schmoll

          Liebe Grüße!

      Hallo,

      #pro#pro#pro

      finde ich super das du aufhörst! Und ein dickes Lob, einfach ist das wirklich nicht.

      Ich finde es von Kopf her am Schlimmsten und eben das man das Rauchen so in den Alltag integriert hat.
      Das Nikotin ist recht schnell aus dem Körper raus, also die "körperlichen Entzugserscheinungen" sind schnell erledigt aber eben die blöde Angewohnheit.

      Ich kann dir sagen das die ersten zwei Wochen für mich am härtesten waren. Weil du dich einfach umgewöhnen musst, erst dann hast du deinen Alltag wirklich auf Nichtraucher umstrukturiert.

      Meine Tipps: deinem engsten Umfeld sagen das sie dir keine Kippen geben sollen, statt Kippe lieber Zucker freie Kaugummis, zum lesen kann ich dir Allen Carr "Endlich Nichtraucher" empfehlen, vermeide die erste Zeit Orte/Situationen wo du sonst besonders viel geraucht hast (Kneipe, Freundin treffen im Café)

      Halte durch ich hab es auch schon mal 1 1/2Jahre geschafft -hab wegen Stress wieder angefangen #klatsch
      Jetzt hab ich wieder aufgehört wegen der Schwangerschaft und hoffe ich schaffe das auch nach der Stillzeit durchzuhalten #cool

      Ganz liebe Grüße

      TB

      • Da kannst du auch richtig stolz auf dich sein! Ich bin auch Raucherin und ich freue mich wahnsinnig auf die Schwangerschaft (wenn sie denn endlich mal eintritt!!!), aber mir graut es vor dem "kalten" Entzug. Ich habe es bei einer guten Freundin gesehen, die am Anfang wirklich zu kämpfen hatte. Die jetzt aber auch, nachdem ihr Kleiner "aus dem Gröbsten raus" nicht mehr angefangen hat. Ich hoffe, ich bin auch so stark.

        • Hu hu war das an mich gerichtet oder TE?

          Hatte extra erst ein paar Tage nach NMT getestet. Am Abend vorher hatte ich in der Schachtel nur noch eine Zigarette. Mir war klar das es geklappt hat weil ich mich auch schwanger fühlte. Ich wusste das dies meine letzte Zigarette ist, hab sie noch bewusst geraucht, alleine für mich und dann war gut.
          Am nächsten Morgen dann auch die Bestätigung: schwanger.

          Finde es ganz schlimm wenn Schwangere rauchen, sehe da auch immer rot!
          Das kleine Würmchen im Bauch kann sich ja nicht dagegen wehren und es ist so egoistisch dann einfach weiter zu rauchen und seine Bedürfnisse über die des Babies zu stellen.

          Is doch auch ne super Zeit aufzuhören, man wird eh dick und dann ist es egal ob es von der Schwangerschaft kommt oder weil man mit dem Rauchen aufgehört hat. Man kann sich dann ganz dem Essen hingeben :-p

      Hallo!

      Danke für deine Antwort! :-)

      Zuckerfreie Kaugummis sind zwar toll, aber helfen leider nur in "laschen" Schmachtphasen bei mir... in stärkeren Phasen muss ich essen#zitter#schwitz#augen Hab versucht mich an Reiswaffeln zu halten und hat auch (fast immer) super geklappt... 2kg sind trotzdem drauf#kratz#schwitz

      Am Freitag war ich Sport machen und jetzt will ich mich auch anmelden beim Fitnesscenter... hoffentlich zieh ich das durch #rofl

      Aber die Woche ist nun fast rum und die Schmacht kommt immer seltener und geht immer zügiger #pro

      Ich wünsche dir eine schöne Schwangerschaft#pro

      Lg

Hallo,

ich finde es auch ganz super#huepf und drück dir die Daumen#pro#pro, dass du es durchhälst#blume

Anne#herzlich

Ich finde, man kann sich mitfreuen, dass jemand ein für ihn schwieriges Hindernis angegangen ist. Man kann als Mitmensch motivierend sein, Empathie zeigen, unterstützend sein - absolut.

Stolz finde ich das falsche Wort.

Ein Nichtraucher kriegt keinen Applaus, weil er den Willen hatte nie damit anzufangen.

Aber ein ehemaliger Süchtiger (Ob es sich jetzt um Hamburger, Heroin oder Schokolade handelt.) kriegt Applaus, weil er es endlich mal geschafft hat, eine normale Einstellung zu seiner Gesundheit herzustellen.

Du kannst auf deine eigene Leistung stolz sein, ich finde aber solche Errungenschaften sind allgemein gesehen eher selbstverständlich.

Das ändert wie gesagt nichts daran, dass man als Mitmensch anderweitig positiv sein kann.

  • Hallo!

    Danke dir für deine Antwort #winke

    Naja, ich will ja nicht, dass die anderen Stolz auf mich sind. Es reicht ja, dass ich stolz auf mich bin. Mir haben eher die aufbauenden Worte gefehlt und das einfach mal jmd den Daumen hebt und "Super!" sagt. Positive Resonanz gabs nur von meinem Chef (selbst Ex-Raucher) und meiner Nachbarin - und meinem Mann natürlich.

    Ansonsten gabs nur doofe Sprüche, Besserwisserei oder am schlimmsten - es wurde einem trotzdem eine Kippe angeboten#schwitz

    Puh, ich hab an Tag 3 aber auch viel #bla#bla#bla geschrieben #hicks

    Ich bin ich ich selbst, wenn ich auf Entzug bin #schein

    Jetzt ist Tag 7 und es ist wesentlich besser auszuhalten#huepf

    Liebe Grüße#winke

    #schock#kratz

    Ok, ich nehms zurück... auch an Tag 7 scheine ich noch mit Verwirrtheit zu kämpfen#rofl

    Korrektur:

    "Ich bin nicht ich selbst, wenn ich auf Entzug bin..."#pro

Hallo,

ich, als ehemaliger Raucher, kann nachempfinden wie dir Zumute ist.
Ich rauche jetzt ca. 16 Jahre nicht mehr, aber die 1. Woche war ganz hart zumal ich auch noch bei einem Raucher mit im Büro gesessen habe.
Aber da ich KEINEM erzählt habe dass ich aufhören wollte zu Rauchen....hat EINER gemerkt, nichtmal meine/unsere Kinder (mein Mann hat damals mit mir zusammen aufgehört zu Rauchen). Nach über 4!!!! Wochen haben wir mal angefragt in der Familie ob ihnen etwas aufgefallen wäre???? Kinder: nöööö, aber irgendwie hustet ihr morgens nicht mehr, raucht ihr nicht mehr???#schock. Genauso der Rest der Familie, leider.

Als Raucher wird man immer angemacht weil es in der Bude stinkt, aber wenn man nicht mehr raucht, dann fällt es KEINEM auf.

Ist schon richtig dass du dir hier den "Beifall" holst.

Also, halte durch#pro

LG

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