Rechtlich Frage - "Zwangesmedikation"

    • (1) 10.04.14 - 15:26

      Hallo,

      der Begriff "Zwangsmedikation" ist in Anführungszeichen, weil ich keine Ahnung habe ob der Begriff richtig ist.

      Weiß jemand, wie die rechtliche Lage ist, wenn jemand Medikamente, die zum Leben zwingend nötig sind, nicht einnimmt?

      Kann beispielsweise ein Diabetiker gezwungen werden sein Insulin einzunehmen, zu spritzen oder was auch immer?

      Wenn jemand sich bewusst dazu entschließt, aktiv Suizid zu begehen und dies vorher noch kundtut, wird er meines Wissens nach daran gehindert, zur Not durch Zwangseinweisung in der Psychiatrie.
      Wie sieht das aber aus, wenn jemand lebensnotwendige Medikamente nicht mehr einnimmt? Dadurch wird ja auch bewusst der Tod herbei geführt, aber kann man jemanden zwingen, Medikamente zu nehmen?

      Es geht mir jetzt gar nicht um die Umsetzbarkeit, sondern wirklich um die rechtliche Seite.

      LG, mokli

      • (2) 10.04.14 - 16:18

        Hallo,

        wenn ein Mensch noch bei klarem Verstand ist und seine Medikamente in vollem Bewusstsein, dass es sein Ende sein könnte, nicht nimmt, dann würde ich sagen, es ist sein volles Recht.

        Ich wüsste auch nicht, wo steht, dass jemand zwangstherapiert werden müsste, außer er wäre minderjährig oder stünde unter Pflegschaft.

        GLG

        • (3) 10.04.14 - 17:10

          Danke für deine Antwort!

          Ich bin tatsächlich davon ausgegangen, dass eine Zwangsunterbringung erfolgt, bei versuchtem Suizid - eben weil davon ausgegangen wird, dass jemand der sich umbringen will, NICHT bei klarem Verstand ist.

          Dann bin ich ganz grundsätzlich von einer falschen Annahme ausgegangen, das macht meine gestellte Frage dann überflüssig :-)

            • Ich persönlich sehe das genau so, stand aber bislang immer ziemlich alleine mit dieser Meinung da.
              Mir wurde versichert, dass man nach einem Suizidversuch, bzw schon bei der Androhung auf der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie landet, und das von jemandem der - wie ich dachte - Fachwissen hat.

              • (6) 10.04.14 - 19:39

                Bei einem Suizidversuch wirst du zwangseingewiesen. Bei einer Suizid-Ankündigung nicht.

                Zum Thema Verweigerung einer lebensnotwendigen Behandlung (in dem Fall Dialyse) war vor ca. drei Wochen nie Artikel im Spiegel. Der Patient hatte nach Jahren der Dialyse das Gefühl keine einzige weitere Dialyse ertragen zu können und ist zum Sterben in ein Hospiz gegangen. Rechtlich kein Thema. Nach zwei Wochen hat er sich umentschieden, gerade noch rechtzeitig, ebenfalls sein gutes Recht.

                • (7) 10.04.14 - 20:38

                  Bei Suizid Ankündigung wird man nicht zwangseingewiesen? Bist du dir sicher? Wobei ich in der Familie auch Fälle hatte, wo NACH Suizid Versuch nicht eingewiesen wurde.

                  An so schwerwiegende Sachen wie Dialyse, Chemo o.ä. habe ich gar nicht gedacht.

                  Auf den Gedanken bin ich ursprünglich wegen meiner Schilddrüsen Tabletten gekommen.
                  Ist bestimmt keine Qual sie zu nehmen, aber nehme ich sie nicht, werde ich irgendwann (nach Wochen/wenigen Monaten) sterben. Von daher fehlt da der "logische" Aspekt warum man sie nicht mehr nehmen wollen würde, ausser halt, mit der Absicht, den Tod herbei zu führen. Ich kann ja schlecht behaupten, keine einzige Tablette mehr ertragen zu können #kratz

                  Also wäre es in meinen Augen Suizid, rechtlich gesehen aber scheinbar nicht.

                  • (8) 10.04.14 - 23:56

                    Eine Suizid-Ankündigung kann alles sein: Ein Hilferuf, ernst oder auch weniger ernst gemeint, ein Erpressungsversuch, Geschwätz, was auch immer… Und je nachdem wer es hört kann derjenige es ernst nehmen oder auch nicht: Ein viel zu vages Thema um einem erwachsenen Menschen deshalb seine Mündigkeit zu entziehen. Ein Selbstmordversuch dagegen ist ein Fakt und lässt keinen Interpretationsspielraum.

                    Bei Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen wird nicht vom freien Willen des Patienten sondern von einer krankheitsbedingt eingeschränkten Entscheidungsfähigkeit ausgegangen, und der Patient wird daher zwangseingewiesen. Möglicherweise gibt es Selbstmordversuche ohne psychische Erkrankung bei denen das anders gesehen wird und daher keine Einweisung erfolgt. Dazu kann ich nichts sagen.

                    Eine bei vollem Bewusstsein getroffenen Entscheidung wie eine Patientenverfügung oder der Wunsch nach Sterbehilfe am Lebensende sind noch einmal was anderes, sie fallen unter das Selbstbestimmungsrecht, weil die Entscheidung "im Vollbesitz der geistigen Kräfte" getroffen wurde. (Dennoch ist Sterbehilfe in Deutschland, anders als beispielsweise in der Schweiz, aus ethischen Gründen nach wie vor illegal.)

                    Dein Beispiel der Tablettenverweigerung betrifft rechtlich gesehen das Selbstbestimmungsrecht, sofern keine psychische oder geistige Erkrankung darauf schließen lässt, dass du nicht in der Lage bist, diese Entscheidung mündig zu treffen.

      Hallo

      Nein, du kannst niemanden, der bei klarem Verstand ist, dazu zwingen. Und das ist auch gut so. Jeder soll über sein Leben selber entscheiden dürfen.

      Bianca

      • Danke für deine Antwort!

        Ich bin davon ausgegangen, dass bei versuchtem Suizid grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass derjenige NICHT bei klarem Verstand ist und von daher "zwangstherapiert" wird.

        Wenn dem nicht so ist, erübrigt sich natürlich meine Frage.

        • (12) 10.04.14 - 18:14

          Das ist aber kein "versuchter Suizid". Suizid wäre eine aktiver Handlung, z.B. die absichtliche Überdosierung eines Medikaments.

          • (13) 10.04.14 - 19:05

            Läuft aber doch letztlich auf das Selbe hinaus.

            Nehme ich lebensnotwendige Tabletten nicht mehr, sterbe ich.

            Nehme ich zuviele ebendieser Tabletten, sterbe ich. Geht nur schneller.

            • (14) 10.04.14 - 19:37

              Ist aber rechtlich NICHT das selbe.

              So wie "Maschinen abschalten" bei Todkranken erlaubt ist, "Morphiumdosis auf tödlich erhöhen" aber nicht.

              • (15) 10.04.14 - 19:46

                Bei dem Beispiel ist es dann ja auch wieder ein anderer der handelt und nicht man selbst!
                Aber ich habe mir das auch schon gedacht, dass man niemanden zwingen kann Medikamente zu nehmen.

                Finde es trotzdem unsinnig, das eine zu "verbieten", das andere aber zu akzeptieren. Die Folge ist schließlich die Gleiche.

                • (16) 10.04.14 - 19:59

                  Bei der rechtlichen Beurteilung geht es aber nicht allein um die Folgen, sondern um da Grundrecht der allgemeinen Handlungsfreiheit. Der Staat darf sich nur unter bestimmten Voraussetzungen in Deine Entscheidungen einmischen - und die sind bei "ich nehme mit voller Absicht meine Medikamente nicht mehr und bin mir über die Folgen im Klaren" nicht gegeben.

    (17) 10.04.14 - 18:09

    Wer bei klarem Verstand ist, darf auch lebensnotwendige Behandlungen ablehnen.

    • ich frag mich, wer bestimmt denn, ob jemand bei klarem Verstand ist. Viele sind der Meinung, dass jemand, der lebensnotwendige Behandlungen ablehnt unmöglich bei klarem Verstand sein könne

      • Nein. Zeugen Jehovas z.B. lehnen aus Glaubensgründen Bluttransfusionen ab und ja, es sterben auch welche dran. Nur, wenn es um Kinder geht, schaltet sich das Gericht ein. Erwachsene haben das Recht, sowas selbst zu entscheiden, auch wenn es anderen als unvernünftig erscheint.

        Und bei Krebstherapien o.ä. hat man ja gar nicht so selten die Situation, dass entschieden werden muß, macht man noch die soundsovielte Chemo oder eben nicht mehr.

        • >>auch wenn es anderen als unvernünftig erscheint.<<
          es ist aber ein Unterschied, ob jemand bei klarem Verstand etwas für andere unvernünftiges tut oder ob dann behauptet wird, der jenige sei auf grund dessen, eben nicht bei klarem Verstand. Deshalb meine Frage

    (22) 10.04.14 - 18:22

    Auch dir danke ich für deine Antwort!

    Woher kommt wohl der Irrglaube, dass man grundsätzlich weg geschlossen wird, wenn man sein Leben beenden möchte?
    Oder habe das etwa nur ich geglaubt?!?

    • (23) 10.04.14 - 20:07

      Und noch mal:

      Ein Medikament absetzen läuft rechtlich nicht unter "aktiv sein Leben beenden", sondern unter "nicht mehr das Leben medizinisch verlängern"! Klar, in beiden Fällen stirbt der Betreffende, aber rechtlich gesehen ist es ein Unterschied!

      So, wie es finanziell aufs Gleiche rausläuft, ob Oma mir 20 Euro zusteckt oder ich sie ihr heimlich aus dem Portemonnaie nehme - rechtlich ist es aber ein gewaltiger Unterschied ...

      • (24) 10.04.14 - 20:28

        Das ist aber auch moralisch ein großer Unterschied #rofl

        Ich sehe es ja ein, verstehe die Begründung. Trotzdem finde ich die Unterscheidung unsinnig.

        Ist aber auch eine ziemlich bescheuerte Überlegung, ich gebs ja zu.Aber es hat mich interessiert und habe im Internet nicht wirklich viel dazu gefunden.

        • (25) 10.04.14 - 21:24

          Ob sich jemand vor den Zug wirft oder keine weitere medizinische Behandlung in Anspruch nimmt, ist auch ein moralischer Unterschied - immerhin droht Selbstmördern nach diversen religiösen Vorstellungen die Hölle, das wird bei einem Schwerkranken wohl keiner sagen, nur weil er nicht mehr weiter behandelt werden will. Der überläßt sich dann ja sozusagen Gottes Willen, während der Selbstmörder Gott die Entscheidung über Tod und Leben aus der Hand nehmen will.

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