Die Männer sind nicht schuld

    • Also wirklich, ich habe selten einen so dermaßen oberflächlichen und beifallheischenden Beitrag gelesen.

      Leider beobachte ich das in letzter zeit immer mehr, das gerade Frauen meines Alters sich negativ zu allen Emanzipationsbestrebungen äußern und sich geradezu lustig darüber machen. In meinem Job sind das dann gerne die Frauen, die trotz korrekten Outfits immer ein bisschen drüber und zuviel wirken und aus ganz unerklärlichen Gründen ja sooo viel besser mit Männern klarkommen.

      Was die gute Dame nämlich fast ignoriert bzw. sich an einer kurzen Stelle belustigt drüber äußert ist die Tatsache, dass Karriere auf einer höheren Ebene sich fast ausschließlich in männlichen Strukturen bewegt, die dann auch noch dem 50er Jahre Vorbild des Familienversorgers folgen.

      Die Bereitschaft sich zu 150% der Firma zu verschreiben, 16 Stunden oder mehr zu arbeiten, kurzfristig jederzeit auch für längere Abwesenheit verfügbar zu sein, ja, das will eine Frau, die Familie oder zumindest den Wunsch danach hat nicht leisten können. Und steht damit ja nicht alleine da. gerade in der folgenden generation ist das auch nicht mehr für die Männer das Ideal, Work life Balance wird für diese nicht mehr nur ein Schlagwort sein.

      Ich finde diesen ganzen Artikel so dermaßen bekloppt, ich möchte jetzt nur noch ein Beispiel nennen.

      Die gute Frau berichtet von einer Gründermesse in Berlin, und wir wissen ja, wie erfolgreich da Geschäfte im Großen und im Kleinen laufen.

      Ihr fällt auf, dass dort hauptsächlich Männer sind, smarte Hipster die sich dort präsentieren mit ihren Gründer Ideen.

      Ein Experte gibt als Erklärung, dass Männer sich gerne in ihren Möglichkeiten überschätzen, gerade was Fimrnegründungen angeht.

      Und was macht die Gute Frau daraus?

      Männer haben den Frauen etwas voraus, sie stürzen sich in aussichtslose Geschäftsideen, führen tolldreist Verhandlungen mit ihren Banken. Frauen hätten ja nur Angst vor dem vielen Geld.

      Ja, die Damen hier, da können wir doch mal echt was lernen, stürzen wir uns doch mit einer undurchdachten Geschäfstidee auch in ein Schuldenloch im 5 stelligen Bereich.

      Was die Autorin hier völlig verwechselt ist mangelnder Karrierewille bei Frauen oder deren Nicht Bereitschaft den männlichen regeln von Dreistigkeit, Selbstüberschätzung und Übereifer zu folgen. Weil sie vielleicht eher erkennen, wohin das führt.

      • Nur mal theoretisch weitergesponnen: natürlich führt Dreistigkeit, Selbstüberschätzung und unklare Risiken rein logisch nicht zum gewünschten Erfolg - aber nicht alle Pläne, die am Anfang sorgfältig geschmiedet wurden, führen zum Ziel. Eigentlich die wenigsten.

        Diese Dreistigkeit und Übereifer auch dann einen Schritt nach vorne zu machen, wenn man die Kompetenz nicht hat, wenn man auf die Schnauze fallen könnte und alle anderen in der Reihe noch die Risiken abwägen, führen zu Gelegenheiten und Lernmöglichkeiten, die man sonst nicht hätte.
        Ich habe auch schon fachfremde und fachkundige Arbeiten angenommen, bei denen ich böse hätte verlieren können, aber in den meisten Fällen war es erfolgreiche Projekte und führten sogar zur Publikation.

        Mir geht es nicht darum gegen deinen Beitrag zu argumentieren, denn ich stimme dir durchaus überein!
        Sondern ich spinne einfach weiter, dass diese Dreistigkeit, Selbstüberschätzung und Übereifer auf dem Weg nicht nur schlecht ist, sondern jemanden den entscheidenden Schritt machen lässt, den Vorteil und die Gelegenheit ergreifen, die einem dann auch vorwärts bringen.

        • Doch ich glaube auch, dass Dreistigkeit und Selbstüberschätzung ein Motor sein können. Gerade in meiner Branche sehe ich, dass Frauen sich schlechter verkaufen in Gehaltsverhandlungen, geprägt noch von der Erziehung "Bescheidenheit ist eine Zier"

          Ich würde ja der guten Dame nicht so vehement widersprechen, wenn sie nicht so viele Falsche Schlüsse ziehen würde.

          nehmen wir das Beispiel mit der Gründermesse.

          Natürlich werden unter den Gründern dort auch einige Glücksgriffe sein, einige Überraschungscoups vielleicht auch. Trotzdem nehme ich an, dass entsprechend interessierte Frauen einfach eine höhere Trefferquote hätten. Wäre es dann nicht an der zeit, den jungen Gründern mehr von dem weiblichen Vorgehen beizubringen als die Frauen abzuwatschen, nicht ähnlich wie die Männer in ihrer Selbstüberschätzung und Dreistigkeit zu agieren. Dass Frauen in der Richtung "Abenteuertum" von Männern lernen, keine Frage, aber wenn sie es nicht tun sind sie keine kleinen Dummchen, die sich dann in ihrer Mutterrolle wieder zurückziehen können und anderen sie Schuld geben.

          Versteh mich nicht falsch, diese Begriffe stammen ja nicht von mir und entsprechen auch nicht meinem Männerbild. ich nehme nur die Argumentation der Autorin auf.

          Ich rege mich richtig auf über diese unreflektierte Übernahme der vermeintlich benötigten Tugenden um zum Erfolg zu gelangen.

          • Ich habe den Artikel gar nicht gelesen, ich finde die TE merkwürdig und fand deinen Beitrag viel interessanter. :-)
            Deshalb sehe ich deine Argumentation losgelöst von dir - nicht jede Diskussion muss zwingend mit persönlichen Ansichten zusammenhängen, man kann auch einfach mal Überlegungen anstellen.

            "Abenteuertum" trifft es wohl am Besten. Ich denke auch, dass dieser Impuls von Männern ein stückweit besser umgesetzt wird und sie dementsprechend mehr in Situationen kommen, die erfolgsversprechend sein können.

            Deswegen die etwas risikoärmere Planung von Frauen herabzusetzen war auch nicht meine Intention.

            • Nö, ich meinte auch nicht dich, aber der Artikel ist so …. geschrieben.

              Im Allgemeinen erhebe ich ja auch meine Stimme um Frauen aus der netten Ecke herauszuholen, bei Gehaltsverhandlungen mal auf die Kacke zu hauen oder auch etwas zu wagen, weil ich der Meinung bin dass alles immer gut wird, wenn man sich selbst treu bleibt. (ich weiss, sehr einfach gedacht, aber eine Motivation für mich)

      "Die Bereitschaft sich zu 150% der Firma zu verschreiben, 16 Stunden oder mehr zu arbeiten, kurzfristig jederzeit auch für längere Abwesenheit verfügbar zu sein, ja, das will eine Frau, die Familie oder zumindest den Wunsch danach hat nicht leisten können. Und steht damit ja nicht alleine da. gerade in der folgenden generation ist das auch nicht mehr für die Männer das Ideal, Work life Balance wird für diese nicht mehr nur ein Schlagwort sein."

      Work life Balance ist schön und gut, aber wir (Männer und Frauen) sind doch Opfer des Systems. Und das wird sich nicht änderen zumindest nicht in absehbarer Zeit. Geld regiert die Welt und wenn du nicht bereit bist 150% zu geben, dann wird es ein(e) andere(r) tun. So einfach ist das. Es wird immer Menschen geben, die ehrgeizig sind und für den Job leben und wenn du was erreichen willst, dann muss du mithalten und das geht nicht mit 30 Std. pro Woche! Da wird auch die Frauenquote nichts dran änderen. Als Vorstandsmitglied muss man nun mal auch kurzfristig Flexibel sein.

      Bitte nicht falsch verstehen. Ich finde das nicht gut, dass es so ist wie es ist. Ich würde auch lieber mehr Zeit mit meiner Familie verbringen als 50 Std. oder mehr die Woche zu arbeiten. Aber von nichts kommt nichts.

      #winke

      • Und genau da liegt der Haken: "So einfach ist das"

        Ist das so einfach? Neue Modelle machen es doch vor, und, wie ich schon geschrieben habe, es wächst eine Genration nach, die das wohl anders sehen wird.

        Wenn wir aber in unserem Denken und Handeln weiter diesem System folgen, dass man nur mit 50 oder 60 Stunden die Woche Leistung bringen kann (wobei das in den höheren Posten wohl mehr sind) und dann meint "von nichts kommt nichts", ja dann wird sich nichts ändern.

        Leistung an puren Präsenz Zeiten festzumachen, in starren Bürozeiten Systemen, ist doch schon der erste Fehler.

        Hier ist effizientes Arbeiten und nicht Effektivität gefragt.

        Ehrgeiz ist nicht an Stunden gekoppelt und beruflicher Erfolg auch nur bedingt.

        Es geht hier nicht um teilzeitjobs.
        Es geht hier um Rahmenbedingungen, die es für Eltern möglich machen, Job und Familie unter einen Hut zu bringen.

        Deine Worte sind das typische Beispiel dafür, wie Änderungen und Fortschritte einfach ausgebremst werden, weil man sich mit bestehenden Strukturen abfindet, weil sich ja eh nichts ändern wird.

        In dem Artikel geht es aber auch noch um andere Dinge, nämlich dem Vorwurf, dass Frauen einfach nicht dreist und selbstüberschätzend genug sind und nicht den männlichen Vorbildern was diese doch zweifelhaften Attribute folgen wollen, um beruflich durchzustarten.

        Und da bekommen ich das Grausen, wenn man DAS Frauen vorwirft.

        • " Wenn wir aber in unserem Denken und Handeln weiter diesem System folgen, dass man nur mit 50 oder 60 Stunden die Woche Leistung bringen kann (wobei das in den höheren Posten wohl mehr sind) und dann meint "von nichts kommt nichts", ja dann wird sich nichts ändern."

          Du, ich bin selbstständig. Mir sagt niemand wieviele Stunden ich arbeiten soll. Die Umstände verlangen das. Klar könnte ich meine Arbeitszeit reduzieren, dann müsste ich aber jemanden zusätzlich einstellen und denjenigen muss ich bezahlen. Da der Markt mehr Geld nicht hergibt, würde für mich am Ende weniger übrig bleiben. Und so ist das doch überall. Weniger arbeiten, ist also mit Geldeinbußen verbunden.

          VG
          Mateo

          • ich denke, es bringt nichts sich über ganz persönliche Situationen auszutauschen.

            Du als Selbstständiger bist in einer anderen Situation als die Frauen und Männer, die sich in einem Konzern bis zur Führungsspitze vorarbeiten wollen.

            Wobei dann bei dir natürlich die Frage ist, was denn deinen Erfolg ausmacht. Anscheinend ist das das Einkommen, das Geld das am Ende für dich persönlich übrig bleibt.

            Das muss aber nicht für alle der Begriff für Erfolg sein.

            • Aber ist es nicht das Geld worum es den Frauen hier geht. Ist es nicht immer noch eines der Hauptthemen ein der Frauenbewegen, dass Frauen weniger verdienen als Männer?

              Und auch die Männer und Frauen, die in großen Konzernen arbeiten, sitzen im Normalfall dort nicht einfach Ihre Stunden ab. Mir ist nicht bekannt, dass Vorstandsmitglieder an starre Arbeitszeiten gebunden seien. Gerade in den höheren Etagen, verliert das völlig an Bedeutung.

              Nimmt man hingegen die Verkäuferin bei Aldi, ist sie natürlich an Arbeitszeiten gebunden. Sie kann ja schlecht mitten in den Ladenöffnungszeiten nach Hause fahren.

              Was ich damit sagen will, ist, dass sich dieses System durchgesetzt hat, weil es für die Wirtschaft das lukrativste ist und das wird man nicht sobald stürzen.

              Was sich in den nächsten Jahren durchsetzen wird, ist der Telearbeitsplatz. Aber ob man dadurch mehr Zeit für die Familie hat und weniger Stress sei dahin gestellt. Wenn ich Zuhause mit Kunden und Lieferanten telefonieren muss und im Hintergrund die Kinder plärren, sich die Köpfe einschlagen, auf den Tisch klettern, vom Stuhl fallen, ist das nicht gerade prickelnd. Und haben wir dann überhaupt noch Freizeit, wenn der Kunde weiß, dass du ein Homeoffice hast und aus den USA anruft, dann versucht er es vielleicht um 21 Uhr. Kann man dann noch Freizeitaktivitäten planen? Ist bestimmt alles machbar, aber ob das stressfreier ist und besser wird erst die Zeit zeigen.

              Nochmal. Ich sage nicht, dass das gut ist, wie es ist. Aber es ist nicht einfach so abzuschaffen. Leider!:-(#drache

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