"staatlicher beschuetzer"

    • (1) 26.06.14 - 09:31

      guten morgen!

      ich fange jetzt mal eine Diskussion an in bezug auf etwas, das mich persönlich auf die Palme bringt:

      ich lebe seit 9 jahren in Schottland. jetzt hat sich unsere Regierung etwas ganz Tolles einfallen lassen: jedes Kind bekommt jetzt einen sogenannten "state guardian" - frei übersetzt entweder staatlichen beschuetzer oder staatlichen erziehungsberechtigten. dieser soll gewährleisten, dass Kinder in Schottland besser individuell versorgt und gefördert werden. das ist je nach alter des kindes die Hebamme, der Health Visitor (die machen hier die Gesundheitsvorsorge bei kindern bis schulalter) und dann die rektorin der Grundschule / weiter führenden schule. diese person bekommt sämtliche Informationen über das kind - medizinische unterlagen (die hier auch fuer eltern nicht einsehbar sind), verpasste termine beim arzt, zahnarzt etc. diese person kann andere stellen einbeziehen OHNE Einverständnis der Eltern, wenn sie denkt es sei nötig (also kinderaerzte, psychologen, sozialamt etc). sie kann termine machen und "meetings" ueber das kind unter Ausschluss der eltern veranlassen. Gesetz wird es in 2016, aber das projekt laeuft jetzt bereits. also selbst wenn ich morgen mit meiner tochter in die Notaufnahme muss weil sie sich verletzt hat, geht direkt ein schreiben an die rektorin ihrer Grundschule mit details ueber den vorfall. natürlich alles um
      das kindeswohl zu gewaehrleisten und sicherzustellen dass ich mein kind nicht mißbrauche und meinen job als mutter richtig mache. ich persoenlich finde das dies
      a) meine Kapazität als mutter total in frage stellt. alle Eltern stehen also schon in der Schwangerschaft unter dem generalverdacht, sich nicht richtig um ihr kind zu kümmern. warum sollte ich nicht besser wissen als ein "staatlicher vertreter" wenn was mit meinem kind nicht stimmt, die Entwicklung verzögert ist oder andere Probleme bestehen. warum wird mir das recht abgesprochen, selber zu entscheiden ob mein kind zusätzlich hilfe braucht - das heisst ja nicht, dass mich lehrer nicht auf Schwierigkeiten aufmerksam machen koennen - und dass ich dann das recht habe, hilfe in Anspruch zu nehmen, ohne sie von oben diktiert zu bekommen - ohne Mitspracherecht.

      b) einen staatlichen "spion" in die mitte unserer Familie pflanzt, der aufpasst das man seine kinder "im Sinne der Regierung" (wörtlich aus dem Schreiben) erzieht. hoert sich fuer mich zu sehr nach Stasi & Co an - und wenn man pech hat und gerät an die falsche, dann sind unter Umständen die kinder weg.

      c) wissen die wenigsten hier dass dieses passiert, es wird nämlich nicht an die große Glocke gehängt.

      so. jetzt an Euch. was meint ihr?
      liebe grüße aus dem Sonnigen Schottland
      sabine

      • Na, das wäre ja was für mich...:-[

        Ich finde es ja schon unmöglich, dass ich diese Karten an irgendeine Behörde schicken muss, damit die sehen, dass mein Kind bei der U Untersuchung war!!!

        Irgendwann gibt es noch ne Kamera über dem Wickeltisch #schock

        Ach, bevor wieder irgendeine Diskussion anfängt...JA ich weiss, die tun das nur, um Kinder vor Mißhandlungen zu schützen...#bla Ich habe aber meine eigene Meinung dazu.

        Hallo,

        Ich kann gut verstehen das dich die Sache sehr stört, ginge mir wohl genauso.
        Auf der anderen Seite wird jedoch ständig gebrüllt wenn irgendwo ein Kind verhungert,weil sich keiner kümmert oder missbraucht wird bis es tot ist.

        Aber wenn ich an meinen Ältesten Sohn denke.... Unsere Kinderärztin ist zwar eine gute, aber dennoch sehr penetrante Person, die uns auch sehr oft versucht hat reinzureden.
        Unser Sohn hatte immer entwicklungsrückstände, hatte Probleme mit seiner Klumpfußbehandlung, die wir letztlich abbrechen mussten.
        Sie hat nie Ain als Mensch gesehen sondern nur die medizinische Seite, wenn es nach ihr ginge wären wir das Kind wohl längst los gewesen, weil wir in ihren Augen als Eltern immer versagt haben.
        Erst jetzt,so viel zeit später stellte sich bei ihm Autismus raus, so das alles begreiflicher wird warum er so ist wie er ist.
        Wenn ich mir jetzt vorstelle diese ganze Krankengeschichte würde mit durch die Schulzeit usw. laufen und ich müsste mich dafür immer und immer wieder rechtfertigen und darauf hoffen das mein Gegenüber die Sache genau so sieht wie ich, weil sonst mein Sorgerecht infrage gestellt wird, da wird mir wirklich ganz anders.
        Auch jetzt gibt es so viel was uns angeraten wird, wo ich mich durchsortieren muss, was ICH als Mutter für sinnvoll für mein Kind erachte und wo ich meine das es ihm mehr schadet als nutzt, da möchte ich auch nicht das andere, die ihn nicht so gut kennen entscheiden dürfen.

        Auf der anderen Seite kenne ich im Umfeld aber auch Familien, wo die Kinder sehr deutliche Defizite zeigen und Null von den Eltern darauf geachtet wird, bzw. wo man einfach zu faul ist zu Therapien zu gehen etc.
        Da diese Kinder noch nicht in der Schule sind und auch keine Kita besuchen fällt es ja auch noch nirgendwo auf.
        Hier wird bei den U Untersuchungen zwar darauf hingewiesen, aber wenn die Eltern nicht darauf eingehen interessiert es letztlich auch niemanden.
        Und hier denke ich mir wäre ein wenig mehr eingriff doch nicht soooo schlecht.
        Aber wie will man als außenstehender nun differenzieren zwischen Eltern die schlichtweg keine Lust haben und welchen wie uns wo es einfach mit der Therapie nicht so ging wie es sollte, für andere wirkte dies ja auch wie Vernachlässigung unserer Pflichten.

        Letztlich bin ich aber dennoch der Meinung das Eltern auch noch Eltern bleiben sollten.
        Ansonsten könnte man auch gleich den Eltern komplett ihr Sorgerecht abschlagen und die Kinder in irgendwelche Erziehungsanstalten stecken.
        Eltern müssen über eingeleitete Schritte informiert werden.
        Im großen und ganzen bin ich da also deiner Meinung.

        LG

        • oh je. das hört sich nicht gut an... :-(
          zu den u Untersuchungen: die gibt es hier ja noch nicht einmal. die kinder werden am anfang 2 mal vom health visitor gesehen (einmal mit etwa 10 tagen, dann mit 3 monaten), dann noch mal so mit 2 jahren und zur schuluntersuchung (erwa mit 4) - und bei meiner juengsten tochter war das nur ein Telefon anruf. das war es. wie diese person sich ein bild machen kann, ist mir ein raetsel....

      Ich bin auch der Meinung, dass die Eltern in jedem Fall über alles informiert werden müssen!!!
      Sonst können sie ja gleich allen Eltern das Sorgerecht entziehen.
      Man kann es auch echt übertreiben!

      Auf Deutschland bezogen, würde ich es besser finden, wenn in allen Bundesländern, die U Untersuchungen Pflicht werden (ich bin auf dem Stand, dass es nicht überall Pflicht ist...) und die Untersuchungen in nicht so großen Abständen stattfinden. Es müsste mehrere geben.

      • So sehe ich das auch.

        Soweit wie ich das hier kenne (hamburg) sind die Untersuchungen bis zur U6 verpflichtend und man bekommt Kärtchen zum abstempeln das man dort war.
        Schickt man diese nicht zurück, bekommt man noch eine Erinnerung und danach kündigt sich das Jugendamt an.
        Danach interessiert das eigentlich keinen Menschen mehr ob man weiter dorthin geht.

        Aber die U Untersuchungen machen auch nicht immer soooo viel Sinn.
        Bei meinem Sohn wurde einfach immer nur überall angekreuzt das er nicht mitmacht, dass er nichts kann und entwicklunhsverzögert ist.
        Aber sinnvolle Maßnahmen ob und was ich mal testen lassen könnte gab es auch nie so wirklich, die Testung auf Autismus und seine Psychotherapie habe ich selbst alles angeleiert.
        Hier würde ich mir mehr Unterstützung wünschen, ansonsten sind diese Untersuchungen fast völlig sinnlos, außer das man eventuell sieht das dass Kind überhaupt noch lebt.

        LG

    Ich würde das als ziemlich heftigen Eingriff in meine Familie empfinden.

    diese person bekommt sämtliche Informationen über das kind - medizinische unterlagen (die hier auch fuer eltern nicht einsehbar sind), verpasste termine beim arzt, zahnarzt etc. diese person kann andere stellen einbeziehen OHNE Einverständnis der Eltern, wenn sie denkt es sei nötig (also kinderaerzte, psychologen, sozialamt etc). sie kann termine machen und "meetings" ueber das kind unter Ausschluss der eltern veranlassen.

    Bei diesem Abschnitt haben sich mir alle Haare aufgestellt #zitter
    Ich kann mir NICHT vorstellen, dass hier alle Parteien /Institutionen usw. in Schottland damit einverstanden sind ??????
    Wenn ich als Eltern die med. Unterlagen nicht bekomme, dann haben diese bei einer fremden Person erst recht nichts zu suchen.
    Das ist ja "big-brother" in schlimmster Form.

    Und Du hast recht, Du kannst mit dieser Person nicht und musst Angst haben, das Kind zu verlieren ???? Grauenhaft. "Im Sinne der Regierung" ....Nordkorea lässt grüßen, Himmel hilf.
    LG Moni

    Naja wenn auch nicht in der überspitzenen Version, so werden doch Eltern auch in Deutschland unter Generalverdacht gestellt.
    Man schaue nur auf Vorsorgeuntersuchungspflicht, auf die Sprachfeststellung (wo man uns Eltern glauben macht sie wäre verpflichtend), jugendzahnärztliche Untersuchungen in Kita, Schule usw...

    Die Version bei euch ist natürlich schon um einiges härter und ganz ehrlich, ich würde ganz intensiv über das Auswandern nachdenken. Denn mein Kind ist MEIN Kind und nicht das des Staates in dem ich lebe.

    Selbstredend nehme ich Hilfe in Anspruch (Logopädie, LRS- Therapie), und logischerweise gehe ich mit meinen Kindern zum Arzt, wenn es notwendig ist.

    Natürlich gibt es Eltern die ihrer Aufgabe aus verschiedenen Gründen nicht gerecht werden, aber darum alle Eltern über diesen Kamm zu scheren halte ich für eine Verletzung von Menschenrechten und zwar in mehreren Punkten.

    Karna

    Das ist ja mal richtig krass.

    Ich rege mich hier bei uns ja schon oft über so einige Vorgaben auf, die einem gemacht werden.

    Klar ist es schrecklich, was mit manchen Kindern passiert, aber deshalb alle Eltern unter Generalverdacht zu stellen und ihnen ihre obersten Rechte zu nehmen ist in meinen Augen mehr als besorgniserregend.

    Bei all den schrecklichen Fällen von denen man immer mal wieder hört muß man doch bedenken, dass die absolute Mehrheit der Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollen und einfach viel näher an ihnen dran sind, als alle anderen Personen.

    Für mich wäre das ernsthaft ein Grund über eine Auswanderung nachzudenken. Solange ich mir nichts zu schulden kommen lasse, sollte niemand das Recht haben, über meine Kinder zu entscheiden. Das ist wirklich furchtbar!

    Und ich reg mich schon immer auf, dass die Kinder in unserer Schule nur Wasser zum Trinken mitnehmen sollen. Meine trinken am liebsten Apfelschorle und wenn ich ihnen Wasser mitgebe, dann trinken sie oft halt gar nichts. Besonders wenn es warm ist finde ich das aber nicht so gut. Sie haben super Zähne und sind sehr dünn, ich finde solche Vorschriften einfach ätzend, weil sie zu allgemein sind.

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