Almosen

    • (1) 24.08.14 - 19:10

      Hallo,

      durch einen aktuellen Fall und einige Beiträge hier mache ich mir wieder Gedanken über ein generelles Thema, das mich schon öfters beschäftigt hat.

      Eine Familie im Bekanntenkreis mit 6 Kindern und nur einem Gehalt lebt an der Armutsgrenze. Die Kinder sehen teilweise schlecht aus, haben wenig Spielsachen etc.

      Ihnen wurde schon öfters angeboten, gebrauchte Kleidung oder Spielsachen zu erhalten, was immer abgelehnt wurde....aus Stolz.

      Viele Menschen sind so, sehen es fast schon als Beleidigung, wenn ihnen materielle oder gar monitäre Hilfe angeboten wird. Als würde es das eingestehen des eigenen Versagens im Leben bedeuten.

      Ich kenne die Mutter gut, auch einen Teil ihres Lebensweges. Hätte ich diesen Lebensweg gehabt wüsste ich nicht, ob ich es schaffen würde, 6 Kinder so grosszuziehen. Von Versagen würde ich da nicht reden, auch bei vielen anderen nicht. Auch wenn die Gesellschaft eine solche Leistung nicht anerkennt.

      Ihr Ausgangspunkt im Leben war einfach ein ganz anderer als meiner und sie hätte viel mehr leisten müssen um an den Punkt zu gelangen, an dem ich heute bin.

      Deswegen fände ich es eigentlich gut, wenn ich etwas, von dem Glück das ich habe einigermassen gut gestellt zu sein an sie weitergebe.

      Einer meiner Gymnasiallehrer hatte dazu eine ganz eigene Meinung. Die gebildete Oberschicht habe von je her dem Pöbel eingeredet, dass Almosen anzunehmen unehrenhaft sei, dreckig und falsch. Dadurch hätten sie verhindert, dass die Unterschicht Ansprüche gegen sie stellt, und still akzeptiert, dass manche von goldenen Tellern essen und während andere verhungern.

      Meint ihr da ist was Wahres dran? Wieso ist es so verpönt,( finanzielle) Hilfe anzunehmen?

      Schönen Restsonntag

      • (2) 24.08.14 - 19:26

        Inwieweit man es nun wirklich "Armut" nennt, was diese Familie lebt,ist wohl auch fraglich. Klar werden sie realtiv zum Umfeld ärmer sein, aber ansonsten werden sie sicher vom warem dach überm Kopf, über kostenlose Schuldbildung und eine Krankenversicherung alles haben. Unschöne Kleidung und wenig Spielsachen sind ja kein großes Problem. So lange es nicht so wenig oder schlechte Kleidung ist, dass die Kinder frieren, ist doch alles ok. Und wenig Spielsachen machen kreativ, es gibt auch genügend unmaterielle Spiele oder soche, die kostenlos oder sehr günstig sind.

        Hast du mit der Mutter mal geredet? War es wirklich Stolz? Vielleicht sieht sie es auch gar nicht also so probmelmatisch an. Vielleicht hat sie auch ein Problem damit, dass ihr ihr damit unbedingt helfen wollt, weil sie ja so arm dran ist.

        Dass es verpönt ist, Geld anzunehmen, kenne ich aus meinem Umfeld nicht. Eher im Gegenteil, zumindest in der Familie. Allerdings war und ist hier sowas nie unter Almosen gelaufen.

        >Deswegen fände ich es eigentlich gut, wenn ich etwas, von dem Glück das ich habe

        Was fehlt ihr denn? Ist die Familie unglücklich, weil sie olle Klediung haben? Ich finde deine Einstellung bedenklich.

        Wenn man so an wirklich arme Familen rantritt, ist das schon ok. Man ist sicher glücklicher, wenn man genug zu Essen hat usw. aber sowas ist hieroffenbar ja nicht der Fall.

        • DER MENSCH LEBT NICHT VOM BROT ALLEIN.

          Die Einstellung von Dir widerspiegelt nicht der Realität in D.

          Oder möchtest Du mir wirklich einreden das D kinderfreundlich ist?
          Klar, diese Familie wird unterstützt (ist auch richtig so) und wird mit Sicherheit nicht verhungern.
          Aber, siehe meinen Eingangssatz.

          Bewiesen ist auch, Kinder, die im Grenzbereich der Armut leben haben einen deutlich schlechteren Start ins Berufsleben.

          Ich meine nicht dass sie dümmer sind wie andere Kinder.

          Schon alleine die Tatsache das nicht alle benötigten Schulmaterialien kostenlos sind.
          Warum eigentlich nicht?
          Und diese Materialien werden diesen Eltern immer wieder vor Augen führen das sie doch arm sind.
          Zur Mutter merke ich an, sie sollte ihren (falschen?) Stolz zum Wohle ihrer Kinder überdenken.

          Dir möchte ich aber auch mitteilen dass ich Deine Meinung als bedenklich einordne.
          Die Fallhöhe die entsteht, wenn das Ross zu hoch ist, kann sehr schmerzhaft sein.

          Ich lebe auf Teneriffa, und die staatliche Unterstützung die gegeben wird verdient nicht den Namen nicht den sie trägt.
          Folge der Wirtschaftskrise. Arbeitslosigkeit ohne Ende und wirkliche Armut.
          Die Banken mussten ja mit den vielen Milliarden gerettet werden.

          • >Oder möchtest Du mir wirklich einreden das D kinderfreundlich ist?

            Die Gesellschaft hat (im Gegensatz zu vielen Gesellschaften anderer Länder) eine relativ negative Einstellung zu Kindern. Das fäng in der Haltung an, dass Kinder im Restaurant nichts zu suchen haben, Kinderlärm stört oder dass es hier total unüblich wäre bei Geschäftterminen Kinder mitzunehmen. In anderen Länder klappt das prima und ist völlig alltäglich.

            Das deutsche Sozialsystem hingegen ist doch prima und super kinderfreundlich. Wahnsinnig viel Unterstützung für Kinderbetreuung, kostenlose Hochschulen usw. in den meisten Ländern der 1. Welt sieht es da schon schlechter aus von 2. und 3. Welt Ländern ganz zu schweigen. Da nehmen die Eltern dann 2. und 3. Jobs an - das ist hier nun eher unüblich, der Staat sorgt ja für (fast) alles. Inwiefern man sich mit Grundsicherung und co. nicht am soziokulturellen Existensminimum fühlt, sondern darunter, liegt womöglich auch in den eigenen Ansichten und Vorlieben...

            >Bewiesen ist auch, Kinder, die im Grenzbereich der Armut leben haben einen deutlich schlechteren Start ins Berufsleben

            Und dabei bleibt nach wie vor fraglich, ob das wirklich daran liegt, dass ihnen materiell etwas fehlte oder daran, dass sie die falschen Einstellungen der Eltern übernehmen und Bildung und co. als nicht so wichtig wahrnehmen oder wirklich ein bisschen dümmer sind. Dazu gibt es nur nicht belegte Vermutungen, die du hier aber offenbar als gesicherte Erkenntnis darstellst.

            • Aha. So ist das also.

              Ich erlaube mir auf Deinen letzten Satz zuerst zu antworte.

              Es gibt ausreichende Bücher und Statistiken die meine Worte belegen.

              Polizei und Justiz sprechen da ebenso eine deutliche Sprache wie der Betreiber der ARCHE in Berlin.
              Ebenso wie Heinz Buschkowski, Bürgermeister von Berlin Neukölln.

              Und bitte erkläre mir, welche Personen sollen denn als engste und erste Vorbilder dienen, wenn nicht die Eltern?
              Und dass in D Bildung gratis ist, ist ein wohlbekanntes Ammenmärchen. Und letztendlich kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen dass Du nur annähernd Dich in die Lage wirklich armer Menschen versetzen könntest. Ich aber auch nicht.
              Was Dir aber auch vergönnt ist.

              • >Es gibt ausreichende Bücher und Statistiken die meine Worte belegen.

                Schieß los. Immer her mit den Quellen.

                Natürlich sollen die Eltern als Vorbild dienen. Aber das tun sie ja oft nicht, sondern begnügen sich mit ihrer Situation, geben Geld für Unsinn aus - genau das sagt übrigens auch Buschkowski und genau deshalb fordert er ja Sachleistungen, statt immer mehr Geld. Komischerweise schaffen es ja fast alle vietnamesischen Eltern auch sich zusammen zu reißen und ihre Kinder so zu fördern, dass bedeutend mehr Abitur machen, als der Durchschnitt der deutschen Kinder. Zu doof, dass das nicht alle Migrantengruppen gleichermaßen schaffen - und daran soll das das deutesche Bildungssystem schuld sein?

                Du meinst also wirklich, dass ärmere Kinder einen wesentlich schlechteren Abschluss erreichen, weil es ihnen bzw, den Eltern an materiellen Dingen fehlte? Wer genau bekommt denn kein Schulbuch und eine keine Hausaufgaben machen, weil die Materialen fehlen?

                Mir kommen da eher weider gesellschaftliche Probleme in den Sinn, so dass Ärmere generell schlechte Noten bei gleichen Leistungen erhalten, genauso wie diverse Migranten usw. da kann aber ebenfall das deutesche Bildungssystem nichts dafür.

                • Ärmere Kinder haben sicher keine schlechten Abschlüsse weil sie keine Bücher, hefte etc haben. Das ist quatsch.

                  Viel mehr werden diese "kinder" wohl eher von Existenzängsten etc geplagt sein, natürlich werden sie von zu hause viele Probleme mitbekommen.

                  Sich so auf den schulischen Stoff zu konzentrieren, auf das Ziel sich zu bilden oder Freundschaften zu knüpfen wird fast unmöglich sein da eben genau diese "schicht" von ständigen sorgen und Ängsten geplagt ist und sie einfach nicht die zeit und ruhe haben für das was in diesem Alter doch selbstverständlich sein sollte.

              Wo ist denn Bildung nicht gratis? Sorry, aber etwas müssen Eltern auch leisten in Form von Schulmaterial. Man kann sich nicht komplett auf den Staat verlassen.
              Und man kann sich vorher überlegen, ob und wie viel Kind ich mir leisten kann.

              Darüber denken viele vorher auch nicht nach und dann kommt das große erwachen

        Schulmaterialien sind zwar nicht kostenlos, es gibt aber staatliche Hilfe, wenn man unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegt und oft kann man sich auch an die Schule direkt oder die Fördervereine wenden, wenn man es sich nicht leisten kann.

        Also gerade Deutschland ist in der Hinsicht doch ganz gut aufgestellt.

        • Deutschland ist gut aufgestellt?
          Na ja, Platz nach ober wäre da schon noch.

          Denkt auch mal jemand an den Bürger der viell. eine Hemmschwelle besitzt, eine gewisse Arte von Schwellenangst auf Ämtern?
          Oder diese Menschen möchten auch nicht noch ihr letztes bisschen Reststolz opfern?

          Für jeden "Scheiß" ist Geld da.

          Ein nie fertig werdenden Airport in Berlin, eine Elbphilharmonie, Stuttgart 21, ect.pp.

          Für Kindern und arme Menschen, die schwächsten Mitglieder der Gesellschafft, die werden von den Politikern erst gar nicht wirklich wahrgenommen.
          Es ist ein großer Fehler im System.
          Und sollte schnellsten behoben werden.
          Für D spricht, es ist in der Welt, mit wenigen Ausnahmen kein Einzelfall.
          Was es aber auch nicht besser macht.

          • Sorry, aber das ist jetzt nichts weiter als Stammtischparolen schwingen.

            Jetzt komm mir noch mit dem kleinen Mann, der immer die Zeche zahlen muss.

            Fakt ist, es gibt für sozialschwache Menschen die Möglichkeit Extra Gelder für den Schulbedarf der Kinder zu beantragen, dies relativ einfach und schnell.

            Ich sehe keinen Sinn darin, dass nun alle Kinder ihren Schulkram finanziert bekommen sollen, weil eventuell einige Hemmungen haben die Gelder, die ihnen zustehen zu beantragen.

            Hi,
            ich kann beobachten, dass in manchen armen Familien oftmals für "jeden Scheiß" (z.B. etliche Tattoos u.a. mit dem Namen des neusten Familienmitglieds, neues Smartphonemodell, gestylte Fingernägel usw...) das Geld da ist, nicht aber für das Schulmittagessen der Kinder. Der rechtzeitige Kontakt zu den entsprechenden Stellen wird auch nicht hergestellt.

            Richtig in der Kacke sitzen allerdings die, die durch ein paar Euros zuviel an Gehalt am Teilhabepaket vorbeischrammeln und dann wirklich ein Bittstellen vor sich haben. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten der Hilfe, allerdings nicht staatlich. Da ist tatsächlich Platz nach oben.

            Ich bin mir nicht so sicher, ob wirklich der Geldbeutel so ausschlaggebend ist, welche schulischen Chancen ein Kind ergreifen kann. Wichtiger erscheinen mir der Bildungsgrad und die Einstellung der Eltern und, ganz wichtig, die psychische Gesundheit der Eltern.

            Viele meiner SchülerInnen haben solch kaputte Eltern, für diese Kinder sind verlotterte Klamotten, leere Schulränzen, wenig Spielzeug oder das nicht-teilnehmen-Können an einem Ausflug (passiert aber eher nicht) das geringste Problem.

            Wir verzweifeln an der Lethargie der Schüler und Eltern, Hilfe gibt es von vielen Seiten, sie greifen einfach nicht zu#heul

            Vlg tina (Brennpunkthauptschullehrerin)

            • Ich glaube schon, dass der Geldbeutel der Eltern ausschlaggebend sein kann für die Ausbildung der Kinder.

              Damit meine ich aber nicht die paar Euro für Schulmaterial, wie gesagt, da gibt es Hilfen oder man spart es sich halt zusammen.

              Zu Bildung gehört aber auch ein entsprechendes Freizeitprogramm. Da sind die 100 Euro pro Jahr für die Musikschule bei drei Kindern wirklich viel, oder regelmäßige Besuche in Theater und Konzerten.

              Selbst Schwimmengehen oder mal ein Kinobesuch ist einfach richtig teuer und gehört auch zur Förderung von Kindern.

              Ich denke da liegen die Probleme seine Kinder ohne viel Geld angemessen durch die Kinderjahre zu bringen.

              Natürlich wird es noch dadurch erschwert, dass viele Eltern in der eigenen frustrierenden Situation den Hintern nicht hochbekommen um ihre Kinder mehr zu unterstützen. Aber wie, wenn man es ihnen vielleicht auch nicht vorgelebt hat?

              Bedingt kann ich nachvollziehen, wieso die Eltern so sind.

              Normalerweise bin ich halbtags berufstätig, derzeit aufgrund einiger Schwangerschaftsprobleme schon zu Hause und habe vor erst wieder arbeiten zu gehen, wenn mein Kleines in den Kindergarten geht.

              Zurzeit sind meine Kinder mit Papa im Urlaub. Ich soll mich schonen, kann also nur bedingt Unternehmungen machen, Irgendwie schaffe ich viel weniger, seit ich weniger zu tun habe. Ich bin regelrecht phlegmatisch. Für Tätigkeiten, die ich sonst neben Job und Kids ganz locker gemacht habe, muss ich mich richtig aufraffen...und das liegt nicht alleine an der Schwangerschaft :-)

              Es ist schlicht und einfach langweilig und je mehr Tage vergehen, desto träger werde ich.

              Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich einfach irgendwann nicht mehr aufraffen kann, wenn man Jahre oder gar Jahrzehnte auf dem Sofa und vor dem Fernseher verbingt. Dazu kommt die psychische Belastung durch die Geldsorgen. Viele haben auch nie erlebt, wie es ist, eigenes Geld zu verdienen und auszugeben. Armut und Depression hängen in Deutschland eng zusamen.

              Ich stelle es mir schrecklich vor, so perspektivlos vor sich hin zu Leben und da ist ein neues Tattoo oder ein neues Handy sicher einfach ein kleiner Lichtblick, Opium für die Seele.

              Kontakt besteht meistens nur zu Menschen in ähnichen Lebenssituationen zur "normalen" Bevölkerung fehlt der Bezug.

              Schon im Kindergarten bekommen die Kinder das zu spüren. Bei uns sind zwei Kinder aus sozial schwachen Familien. Einladungen zu Geburtstagen oder zum nachmittäglichen spielen? Fehlanzeige. Die Leute sind komisch, damit will man nichts zu tun haben.

              Ein Ansatzpunkt wäre bestimmt, den Eltern nicht immer nur die angebliche Faulheit und Trägheit zu unterstellen, sondern zu versuchen die Gründe für ihr Handeln oder Nichthandeln zu verstehen, Wenn sie auf gleicher Augenhöhe behandelt werden, wären sie mit Sicherheit zugänglicher für Hilfsangebote jeglicher Art.

          Und so viel ist es an Schulmaterial auch nicht. Und man weiß, das Kinder in die Schule kommen. Da kann man vorher auch einen zuzrücklegen und sparen. da kann mir keiner sagen, das 5 Euro im Monat nicht drin sind.

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