Lohnt sich Zivilcourage - Tugce A?

    • (1) 28.11.14 - 19:51

      Hallo,

      habe vorhin mit meiner Tochter (11) den Bericht über Tugce A. gesehen - schreckliche Geschichte, die man niemandem wünscht. Hat mich sehr berührt weil - nicht weit von uns weg - und als Mutter einer gerechtigkeitsliebenden Tochter sowieso.

      Der jungen Frau wird posthum ein Riesen-Respekt gezollt, verdienterweise, offenbar war sie ein besonders engagierter junger Mensch und wäre vermutlich eine klasse Lehrerin geworden.

      Aber sollte man sie wirklich als gutes Beispiel nehmen? Ich bin mir nicht sicher ob ihr Tod nicht einfach eine Verkettung tragischer, weiblicher Fehleinschätzung war.

      In einem Mc Donalds in Offenbach um 4 Uhr früh würde sich mein Eingreifen definitiv auf das Absetzen eines Notrufes beschränken - und das würde ich auch meiner Tochter einbleuen, - wobei ich sehr hoffe, dass sie sich um diese Uhrzeit niemals an einem vergleichbaren Ort in einer vergleichbaren Stadt aufhalten wird.

      Auch der Fall von Dominik Brunner damals - die Leute gehen offenbar davon aus, dass andere ihren Argumenten zugänglich sind - und das halte ich in Fällen wie diesen völlig fehlinterpretiert.

      Resumee: Zu Tode gekommen: weiblich, ehrgeizig, gebildet, sozial engagiert. Täter: männlich, mehrfach vorbestraft.

      Für wen eingesetzt: zwei betrunkene Mädels, 13-16 Jahre (interessanter Aufenthaltsort - 4 Uhr morgens für die Damen), die sich noch nicht mal gemeldet haben - mit gutem Grund? - und die vermutlich mit den Typen durchaus fertig geworden wären, oder zumindest drauf eingestellt.

      Zivilcourage heute würde für mich heißen - Augen und Ohren offen halten, Handy bereit halten, Notruf absetzen - gezieltes persönliches Eingreifen - nicht bei Jugendlichen, nicht bei psychisch Gestörten, nicht bei Waffenträgern.

      Wie seht ihr das?

      • Hi,

        natürlich lohnt sich Zivilcourage aber der Eigenschutz sollte dennoch im Vordergrund stehen!

        Wegsehen ist keine Lösung und noch dazu feige und strafbar! Ein Notruf und falls möglich das Mobilisieren von anderen Passanten wäre in so einem Fall der ideale "Einsatz".

        Sich selbstlos allein mit den Tätern anzulegen führt nur zur Selbstgefährdung!

        LG

        Zivilcourage ist immer ein zweischneidiges Schwert und nur die schlimmsten Fälle (wie hier Tugce A. oder Dominik Brunner) erregen Aufsehen.

        Aber wenn man sich mal in seinem Umfeld umschaut: Wer ist den wirklich bereit dazu und sagt wirklich etwas oder geht dazwischen und steht auch dazu?

        Ich persönlich habe bereits schon zwei Mal Schläge kassiert weil ich mich eingemischt habe, allerdings habe ich immer noch ein Pfefferspray bei mir und (darüber keine Diskussion, danke) ein Messer, was dann zum Einsatz kommt, zusätzlich zum Handy mit Notruf. Irgendwas von den drei Dingen kann ich immer greifen.

        Würden nicht immer so viele weg schauen, müsste so etwas wie in diesem und weiteren Fällen gar nicht passieren.

        Jeder möchte doch geholfen bekommen, warum dann auch nicht selbst helfen und sei es nur durch lautes Schreien und den Notruf wählen?

        Grüße

        Hallo

        Ja.

        Im Radio wurde der Bericht mit einem kurzen Interview einer Polizeikommissarin verbunden.
        Natürlich ist Eigenschutz wichtig, man soll zum Beispiel auch auf Abstand achten, die Polizei informieren und dies (am Besten in der Vergangenheitsform) mitteilen.

        Aber man sollte sich die Frau als Vorbild nehmen! Für Opfer ist die Tat schlimm, ja. Aber was für viele ebenfalls sehr schlimm, wenn nicht noch schlimmer ist, ist wenn sie mitkriegen, dass Leute nicht helfen. Die Ohnmacht und Hilflosigkeit, wenn man mitbekommt, dass Menschen das Gewaltverbrechen am eigenen Körper ignorieren kann ich mir gar nicht vorstellen.

        Was der jungen Frau passiert ist, ist ganz ganz schrecklich und ich finde, dass die Richtlinien, nach denen der Wiederholungstäter bestraft wird, hier nicht die erwünschte Wirkung erreichen. Damit meine ich nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern offensichtlich die Gesellschaft bzw. junge Frauen vor diesem Menschen zu schützen und ihm adäquates Sozialverhalten beizubringen.

        Ich glaube, dass Zivilcourage mit Eingreifen sehr oft statt findet, gerade in Grossstädten wie London, New York, Tokyo usw., aber mit einem Ausgang zum Guten, was dann natürlich keine Aufmerksamkeit bringt, so dass diese traurigen Fälle stellvertretend für Zivilcourage stehen und ein problematisches Bild geben.

        Das Problem ist nicht, dass die Frau in direktem Einsatz mit der Zivilcourage gestorben ist - im Moment ihres Einsatzes kamen noch zwei Männer zur Hilfe und die Situation wurde aufgelöst. Das Problem ist, dass dieses - Entschuldigung - Arschloch von menschlicher Spezies sich rächen wollte, sie geschlagen hatte und sie durch den Sturz und Schlag so schwere Verletzungen von sich getragen hat. Es war eine Todesfolge... kein Mord. Das hätte ihr Tage später passieren können. Das könnte JEDEM passieren, ohne Zivilcourage, wenn der Gewaltverbrecher nicht mag, wie das benachbarte Auto parkiert ist. Wie man ihn aus Versehen angeschaut hat. Wenn man eine Herkunft, ein Geschlecht, eine Hautfarbe hat, die nicht passt.

        Der Täter ist ein gewalttätiges, unbeherrschtes, unbelehrbares, kleines Arschloch und wenn nicht die junge Dame, hätte er dem nächsten den Kiefer gebrochen, wie zuvor.

        Sie hat richtig gehandelt, auch wenn der Ausgang unglaublich schlimm ist.

        Aber wir können nicht durch die Welt gehen und hinter jedem ein Gewaltverbrecher vermuten.

        Ich wünsche zumindest der Familie ganz viel Kraft.

        margaery

      • "eine Verkettung tragischer, weiblicher Fehleinschätzung"

        Ich persönlich sehe nicht, inwieweit "weiblich" hier relevant sein sollte. Das kann einem Mann ebenso passieren.

        Ich stimme dir zu, dass es in manch brenzliger Situation sinnvoller und gefahrloser ist, die Polizei zu rufen als selbst einzugreifen.
        Ob die Ordnungshüter rechtzeitig eintreffen werden, um tatsächlich Schlimmes zu verhindern, oder ob man die Situation auch selbst regeln könnte - diese Einschätzung obliegt dem einzelnen. Und da sind Irrtümer immer möglich, das muss einem klar sein.

        Zivilcourage "lohnt" sich im übrigen immer - sie kommt der Gesellschaft insgesamt zugute, im besten Fall natürlich unmittelbar den (potentiellen) Opfern. Für den, der sie zeigt, "lohnt" sie sich wohl nur in den seltensten Fällen. Aber das sollte nicht der Antrieb hinter Zivilcourage sein - das hast du mit "sich lohnen" aber sicher auch nicht gemeint.

        Du würdest dich in vergleichbaren Situationen darauf beschränken, einen Notruf abzusetzen. Das finde ich absolut OK.

        Ich hoffe nur, dass nicht zu vielen Menschen von allen Beispielen gelebter Zivlicourage ausschließlich besonders tragische Einzelfälle wie diesen heranziehen, um daraus ihre zukünftige Handlungsweise - im schlimmsten Fall nämlich "Wegsehen" - abzuleiten.

        • Ich finde "weiblich" hier insofern relevant, weil ich mir vorstellen kann, dass sie dachte, sie könnte - als Frau - deeskalierend wirken. Das ist auch oft richtig - häufig bei der Polizei - aber bei manchen Typen - gruseligerweise bei jüngeren - macht das keinen Unterschied.

          Als junges Mädel oder Frau rechnest du vermutlich nicht damit, niedergeschlagen zu werden, weswegen ich mich gerade als Mann raushalten würde und nur Profis informieren würde - es sei denn, ich würde über die entsprechende Körpergröße und die entsprechende Technik verfügen um mir solche Typen vom Leib zu halten. Wobei gegen Klappmesser, mit denen man heute auch rechnen muss, kein Kraut gewachsen ist - außer der entsprechenden Einstellung und der eigenen Bewaffnung - die ich nicht befürworte.

      Finde das was die Polizei hier schreibt sehr gut http://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/zivilcourage/tipps.html
      Auch wenn es für manche hart klingt, außer für meine Familie würde ich mich nicht ALLEINE in so eine Situation einbringen
      "1.Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen" ist finde ich der wichtigste Punkt denn ich denke es kann die Situation bei weitem verschlimmern wenn man sich alleine (vlt. sogar noch als Frau gegen Männer) dazwischen stellt

      Ich denke aber bei vielen schaltet das Gehirn (wie in allen Extremsituationen) erstmal ab und handelt intuitiv ohne sich zu überlegen was das für Folgen haben kann

      ,,und die vermutlich mit den Typen durchaus fertig geworden wären, oder zumindest drauf eingestellt."

      Hallo,

      Ich finde diesen Satz von dir wirklich Angesicht der Situation geschmacklos und da vergeht mir irgendwie Lust an einer möglichen Diskussion. Schön dass du weißt was vermutlich passiert wäre ...

      #heul

      ,,und die vermutlich mit den Typen durchaus fertig geworden wären, oder zumindest drauf eingestellt."

      Hallo,

      Ich finde diesen Satz von dir wirklich Angesicht der Situation geschmacklos und da vergeht mir irgendwie Lust an einer möglichen Diskussion. Schön dass du weißt was vermutlich passiert wäre ...

      #heul

      (10) 29.11.14 - 09:37

      Hi,

      bei dominik Brunner wurde es durchgekaut, wie man sich zu verhalten hat.
      Das eigene Risiko kann man extrem minimieren aber nicht ganz auf 0 bringen.

      lisa

      Hallo,

      Zivilcourage ist wichtig, aber man sollte nie die eigene Sicherheit aus den Augen verlieren.

      Ich erinnere mich da an eine 16-jährige, die voriges Jahr auch den XY-Preis bekommen hat, weil sie sich in Thalkirchen eingemischt hat, als Jugendliche einen anderen Jugendlichen verprügelt haben.

      Das Schlimme finde ich immer, dass sich keiner aufgerufen fühlt, zu helfen und dann eskaliert dann das Ganze womöglich.

      GLG

      (12) 29.11.14 - 12:05

      "In einem Mc Donalds in Offenbach um 4 Uhr früh würde sich mein Eingreifen definitiv auf das Absetzen eines Notrufes beschränken - und das würde ich auch meiner Tochter einbleuen, - wobei ich sehr hoffe, dass sie sich um diese Uhrzeit niemals an einem vergleichbaren Ort in einer vergleichbaren Stadt aufhalten wird."

      Jein. Teil eins versuche ich meinem Sohn (gleicher Jahrgang übrigens wie Tugce, auch Lehramtstudent, aber in FFM, sie war in Gießen) auch einzutrichtern. Zum Glück leben wir nicht mehr im Landkreis OF, aber a) war er dort früher auch gern mal mit seiner - sehr hübschen und altersgemäß oft einen Tick zu sexy angezogenen - Ex-Freundin unterwegs, so dass ich oft große Bedenken hatte, b) wohnen wir nun in einer Stadt, in der es ebenfalls einen bestimmten Typ junger, mehr oder weniger offen aggressiv auftretender Männer mit MiHiGru gibt, c) ist er vom Typ her sehr "ritterlich" und gerechtigkeitsliebend (stolz bin). Und ich bin auch nicht unbedingt eine, die die Klappe hält, wenn sie Dinge mitbekommt. Habe mich erst neulich morgens mit einem jungschen Türken angelegt, der ein Mädel an der Bushaltestelle bedrängte. Ich habe die Angst, dass mein Sohn sich das abgeguckt hat. Zu allem Übel ist er im Moment auch noch mind. jedes zweites WE in einer Großstadt in NRW unterwegs... wieder mit einer Freundin, die siehe oben.

      Zu Teil zwei: In OF gibt es zum Beipsiel das MTW, dort geht mein Sohn öfters hin und ich werde dort heute Abend/Nacht zur dm-Party sein. Und die Verantaltungen dort sind nun mal - wie schon zu "unserer" Zeit am besten nach 23, 24 Uhr und gehen bis morgens um vier... Was ist das für eine Welt, in der man als junger Mensch nicht - wie sich das "gehört" - am WE bis frühmorgens um die Häuser ziehen kann? Was ist das für eine Welt, in der ein junger Mann auf offener Straße eine junge Frau schlägt und dann auch noch von seinen Kumpels auf FB Zuspruch erfährt, die sich auch noch eins von "Ehre" ablabern?

      Da ist doch auch der Punkt.

      Aber ich gebe Dir recht, mit diesem Typ junger Männer legt man sich besser nicht offen an. Ich weiß aus meiner Arbeit, dass sie selbst oder gerade vor Frauen oft null Respekt haben, eine absolut geringe Frustrationstoleranz und oft hohe Gewaltbereitschaft haben. Und bist Du ein (junger) Mann kommt bei diesem Geschmeiß auch noch spätpubertäre Platzhirschdenke dazu, was es erst recht gefährlich macht.

      R.I.P. Tugce. :-(

      LG
      o_d

      hm, ich hatte vor 13 jahren mal ein übles erlebnis in der straßenbahn. ich fuhr vom nachtdienst nach hause und die straßenbahn war voll mit leuten, die zur arbeit wollten. ich döste so vor mich hin und bemerkte dann in der fensterspiegelung, dass sich einen sitz weiter ein typ einen runterholte. ich drehte mich entsetzt zu ihm um und er grinste mich widerlich an. ich schrie ihn an, er sei ein schwein. ich habe wirklich laut geschrien, aber NIEMAND drehte sich zu uns um. niemand. alle guckten krampfhaft geradeaus. ich rannte dann nach vorne zum fahrer und zeigte meinen dienstausweis und bat ihn, die bahn zu stoppen. das machte er dann auch, allerdings regulär an der nächsten haltestelle und er machte natürlich die türen auf. der typ floh, irgendein anzugspießer mit aktentasche.

      seitdem ziehe ich echt meinen hut vor menschen mit zivilcourage--die kann man nämlich mit der lupe suchen, auch wenn ALLE rumposaunen, was sie theoretisch zu tun bereit sind. leider bleibt es dann auch nur theorie.....
      ich finde ihr eingreifen mutig und sie konnte wirklich nicht damit rechnen, dass ihr diese spacken draußen auflauern.

      lg

      Hallo,

      das Problem ist meiner Meinung nach folgendes.

      Ich vergleiche das gerne mit einem Schiedsrichter auf dem Fussbalfeld. Der muss sofort Entscheidungen treffen.

      Wenn ich nun sehe das jemand verprügelt wird, kann ich nicht erst 10 Minuten nachdenken was ich tue, das muss dann einfach von selbst gehen.

      Ich hatte in meiner Ausbildung zum Altenpflege auch dieses Thema im Bereich der Ethik. Und wir haben so verschiedene Dinge durchgespielt und durchgesprochen.

      Es ist nun so, sehe ich das auf jemand eingeprügelt wird und das sind meinetwegen 10 Mann, dann kann ich nicht eingreifen als solches sondern nur per Handy die Polizei rufen. Das Problem ist nur dann wieder, bis die dann da sind kann wer weiss was passiert sein.

      Es ist ein mehrschneidiges Schwert. Rudi Zerne sagte mal in Aktenzeichen XY, das der Schutz des eigenen Lebens immer vorgeht. Er sagt ja auch immer am Ende der Sendung: BLEIBEN SIE SICHER.

      So ein Beispiel wie wir es nun haben ist leider ein trauriges. Aber es war sicher auch ne Menge an unglücklicher Verkettung da.

      Ich bin ehrlich, ich wüsste nicht was ich tun würde.

      Liebe Grüße

      Andy

      (15) 29.11.14 - 23:10

      Zum Thema haben sich ja schon einige vernünftig geäußert.

      Mir geht es wie antonia: Dass du hier Überlegungen anstellst, das Opfer von Tugce habe sich bei den 13 und 16 Jahre alten Mädchen "nicht gelohnt", weil sie sich nachts um 4 betrunken bei McDonalds aufhalten, finde ich absolut widerlich!

      Wenn es eine 11-jährige um 12 Uhr Mittags erwischt hätte, würdest du anders zum Thema Zivilcourage stehen? Oder wie?

      Interessantes Menschenbild!

      LG

      Das ist keine Frage des "Lohnens", das ist Gerechtigkeitsempfinden und sehr spontan.

      Für mich ist Zivilcourage ein sehr hoher Wert, und alle Gefahren des Lebens (sprich das spätere Auflauern), kann man nun wirklich nicht vorher bedenken. Für mich wäre es eine furchtbare Welt, in der die Menschen bei Ungerechtigkeiten nicht einschreiten und helfen.

      WIE man das tut mag von Person zu Person unterschiedlich sein und auch vom Naturell, dem Beruf, den bisherigen Lebenserfahrungen abhängen. DASS man was tut sollte keine Frage sein. Denn dadurch steigt die Freiheit und die Sicherheit für alle.

      Wenn Täter sich von der kuschenden Mehrheit gedeckt fühlen bekommen sie Oberwasser und nehmen sich immer mehr heraus. Nur wenn Täter merken, dass mit "Angst-verbreiten" nicht durchkommen hat die friedliche Mehrheit die Chance gerecht und sicher zu leben. Ich denke oft an das Mitläufertum zur Nazizeit: Welch furchtbaren Dinge können passieren, wenn zu wenige Menschen einschreiten und die Mehrheit glaubt, man könne ohnehin nichts tun.

      LG doremi

    hm nun ja, lohnen- das ist eine komische Frage...
    Ob es sich lohnt- kann ich nicht beantworten.

    Zum Fall Tugce wollte ich aber gerne etwas sagen.
    Ich empfinde, wie wohl die meisten anderen, den Tod der jungen Frau als furchtbar und bewundere ihren Mut. Ich freue mich über die Anteilnahme und bin bewegt von den Motiven der Menschen, die an den Aktionen teilnehmen (in denen sich kein rachsüchtiger Mob zeigt sondern menschen, die Anteil am Schicksal eines anderen nehmen).

    ABER- und jetzt kommt mein Aber- ich habe bedenken, daß die Berichterstattung, die sich Zuspitz auf die Frage des Risikos der Zivielcourage -ähnlich wie im Fall Brunner- dazu führt, daß die Menschen noch mehr Angst bekommen sich einzumischen als sie es offenbar ohnehin schon haben.
    Das fände ich tragisch und vollkommen kontraproduktiv, denn genau damit würde mit sie und ihr Handeln eben nicht würdigen.

    Das Problem ist, daß die tausend Vorfälle, in denen zivilcourage greift nicht in die Medien kommen, daß wir viel weniger Bilder haben, die uns zeigen, wie es gelingen kann, wie "sich einmischen" geht und wie wirkungsvoll es sein kann.

    Das führt dazu, daß diejenigen, die Grenzen von anderen übertreten immer seltener daran gehindert werden und damit das Gefühl bekomme, es sei in Ordnung.

    Und diejenigen, die zeuge werden immer häufiger erleben, daß niemand eingreift und das als normal erleben.

    Und eben diese Angst, die sich durch diese Berichterstattung aufbaut, daß jeder Versuch der Zivilvourage sofort im Tod endet.

    Das ist für mich der bitter Beigeschmack daran.

    (19) 30.11.14 - 09:38

    Hallo,

    bis zu einem gewissen Grad gilt Eigensicherung vor Fremdsicherung.
    Aber: manchmal kann man einfach nicht mehr danebenstehen.

    Auf die grundsätzliche Frage, ob sich Zivilcourage lohnt, darf ich auf ein etwas älteres Beispiel verweisen: http://de.wikipedia.org/wiki/Irena_Sendler.

    Ich sehe das zu 100% wie du: Zivilcourage mag wichtig sein, sich nachts als Frau wegen betrunkener Frauen mit einem mutmaßlich ebenfalls betrunkenen Mann anzulegen, ist aber neben "mutig" auch noch etwas ganz anderes, was man jetzt aber in Deutschland nicht so wird sagen dürfen.

    Es ist so durchschaubar: Das Volk will immer Heldengeschichten, das Volk bekommt seine Heldengeschichten. Kritische Anmerkungen: unerwünscht.

    Ich käme nicht auf die Idee, in einer derartigen Situation alleine einzugreifen. Ich würde dorthin gehen, wo andere Menschen sind, versuchen, viele andere Menschen an den Ort der Auseinandersetzung zu bringen, und unterdessen einen Notruf absetzen.

    Es ändert nichts an der Tragik dieser jungen Frau. Es wäre aber vielleicht sinnvoller, aus diesem Vorfall mal ganz allgemein ein paar Tipps herauszuarbeiten, anstatt einen Sarg mit dem Bundesverdienstkreuz für einen völlig unsinnigen Tod zu behängen.

    "Für wen eingesetzt: zwei betrunkene Mädels, 13-16 Jahre (interessanter Aufenthaltsort - 4 Uhr morgens für die Damen), die sich noch nicht mal gemeldet haben - mit gutem Grund? - und die vermutlich mit den Typen durchaus fertig geworden wären,"

    Vielleicht leigt hier eine weibliche Fehleinschätzung Deinerseits vor. Wie sollen sich zwei vielleicht angetrunkene Mädchen gegen einen aggressiven Typen wehren können?

    • Ich fürchte bei allem was passiert ist, und wie schlimm die Sache auch ist, können wir an einem Punkt nicht vorbeigehen.

      Was haben eine 16 jährige und insbesondere ne 13 jährige um 4 Uhr in der Morgenstunde draußen zu suchen und dann auch noch angetrunken ??

      Ich will hier nicht den Moralapostel spielen, aber sowas ist auch nicht vertretbar.

      Hinzu kommt: Die beiden Mädchen haben sich nicht mal gemeldet, wie hier schon beschrieben wurde.

      Man wird das Gefühl nicht los das der Tod der jungen Frau, sowas von umsonst war.

      Und was droht dem Täter ??

      Mord wohl kaum, Totschlag dürfte schwer sein, also bleibt Fahrlässige Tötung oder Schwere Körperverletzung mit Todesfolge.

      Wie gesagt, es ist alles schlimm genug, und trotzdem kann man an einigen dieser Punkte nicht vorbei, auch wenn man das kaum offen sagen darf. LEIDER.

      Gruß Andy

(23) 04.12.14 - 09:52

Ich denke nicht, dass man aufgrund dieses schrecklichen Geschehens nicht die Grundsatzfrage stellen sollte, ob sich Zivilcourage überhaupt lohnt.

Man sollte auch nicht die Frage stellen ob es die beiden Mädchen „wert waren“, dass Ihnen geholfen wurde. Minderjährige (sofern die Mädchen denn minderjährig waren, fest steht das nicht /die Vita der Mädchen ist zum Glück nicht öffentlich gemacht worden und das Alter wurde von Zeugen „geschätzt“) verdienen in erster Linie besonderen Schutz und erst in zweiter Linie und SPÄTER Tadel.

Was würdest Du sagen, wenn deine Tochter in 3 oder 4 Jahren mal ausbüchst, auf die Piste geht und dabei in Gefahr gerät. Wie würde es sich für Dich anfühlen wenn ihr dann die Hilfe mit der Begründung verweigert wird dass sie an diesem Ort und zu dieser Zeit nichts zu suchen hätte?

Das Einschreiten von Frau Albayrak schien noch der Situation angemessen und nicht übermäßig riskant gewesen zu sein. In Partynächten sind diese Schnellfressläden gut besucht und wie man lesen konnte hat Frau Albayrak auch direkt Unterstützung von 2 Männern erhalten, die gerade vorbeikamen und den späteren Täter vor die Tür setzten.

Das Geschehnis war offenbar der Ausgangspunkt für einen noch einige Minuten vor sich hin schwelenden Konflikt zwischen dem späteren Täter und dem Opfer.

Rückzugsmöglichkeiten hätte es, wenn die Darstellung in der FAZ korrekt ist, durchaus gegeben. Vermutlich sah sich Frau Albayrak überhaupt nicht in Gefahr und hat den Täter nicht als hitzköpfigen und gewaltbereiten Mann eingeschätzt sondern eher als Maulhelden. Das war eine Fehleinschätzung, allerdings keine Weibliche sondern eine Menschliche. Hätten ihre Begleiter die Gefahr geahnt, hätten sie Frau Albayrak vermutlich in Sicherheit gebracht.

Der tödliche Ausgang der Auseinandersetzung war sicherlich eine Verkettung unglücklicher Umstände. In 99% solcher Fälle bleibt es bei einer blutigen Nase oder leichten Verletzungen. Ein einzelner Schlag endet nur sehr selten tödlich.

Beim Lesen der Zeitungsberichte gibt mir eine Sache gewaltig zu denken:

„Bald steht er mit seinem Freund, der ihn anblickt und mit beiden Händen zurückschieben will, neben einem Auto, als sich aus dem Knäuel an Personen, die unmittelbar in der Nähe stehen, eine Frau den beiden nähert. Offenbar ist es Tugce. Im Sekundenbruchteil der beginnenden 43. Minute sieht man den ausgestreckten Arm von Senal M. – sein Freund muss irgendwo zwischen ihm und Tugce stehen –, sie fällt getroffen nach hinten, schlägt mit dem Kopf auf den Boden.“

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/tod-von-tugce-senal-m-war-offenbar-nicht-zu-bremsen-13296711.html

Wenn der Begleiter des Täters ihn offenbar bis dahin nur mit äußerster Mühe zurückhalten konnte, warum geht sie dann wieder dahin? Ich verstehe es nicht.

  • (24) 12.12.14 - 11:47

    Was ist das denn für eine schwachsinnige Frage ob sich Zivilcourage lohnt, man sollte immer Augen und Ohren offen halten, lieber einmal zuviel die Polizei gerufen als einmal zu wenig. Wenn man selbst ins Geschehen eingreift begibt man sich in Gefahr, deshalb sollt man immer probieren so viele Leute wie möglich aufmerksam zu machen.

    • (25) 16.12.14 - 14:40

      Die Frage steht in der Überschrift und stammt nicht von mir. Ich halte die Frage auch für nicht sinnvoll, was sich eigentlich auch aus meinem Kommentar ergeben sollte.

Top Diskussionen anzeigen