Umgang mit Kritik

    • (1) 04.04.15 - 22:37

      Hallo,
      Ich möchte das Thema Kritik und den Umgang damit mal zur Diskussion stellen.
      Nach meiner Beobachtung nehmen viele Menschen Kritik als persönlichen Angriff wahr.
      Ein andere Entwicklung die ich beobachte ist, dass ein oberflächlich freundlich und bloß keinem suf die Füße treten wohl heute üblich ist.
      Ich kritisiere andrte sehr direkt und nicht gerade feinfühlig.
      Das ist für viele Menschen anscheinend so ungewöhnlich, dass sie oft regelrecht schockiert sind und in eine unangemessene Verteidigungsposition gehen.
      Wir sprechen hier vin gestandenen erwachsenen Menschen.
      Wenn ich gefragt werde, dann antworte ich.
      Wenn das Gegenüber eine bestimmte Antwort erwartet, kann ich damit nicht dienen.
      Bsp. Meine Freundin wird von ihrem Mann verprügelt, ich sage ich finde es schlimm, denke aber es gehören zwei dazu: einer der es macht und einer der es mit sich machen lässt....kurz gesagt: sie könnte sich entscheiden zu gehen, tut es aber nicht...lässt sich lieber blau schlagen...da fehlt mir das Verständnis .
      Andere Situation: Kollege hält ein Meeting ab und stellt seine Ergebnisse vor.
      Am Ende bittet er um Rückmeldung, ich sage, dass ich es inhaltlich uninteressant fand weil er nichts Neues erzählt hat, darüber hinaus schlecht vorgetragen war und es mich einfach gelangweilt hat. Da fällt den meisten die Kinnlade runter.. gerade den Frauen..
      Meine Cousine hat ein Kind aus einer kurzen Beziehung.
      Der Kerl kann nicht zahlen, sie hat es nicht geschafft, eine Ausbildung zu Ende zu bringen.
      Aber sie wollte das Kind kriegen....hat erwartet, dass ich sie ermutige.
      Ich hab ihr damals gesagt: Denk doch mal nach, ein Abbruch wäre doch auch ein möglicher Weg.
      Heute steht sie ohne Geld da, und erwartet, dass sie von allen Schulterklopfen kriegt, weil sie sich ja für das Kind entschieden hat.
      Sie fragte mich mal wie ich das finde, da hab ich ehrlich gesagt, dass ich denke dass es falsch war das Kind zu kriegen, sie ist auf den Staat angewiesen und das Kind wird mehr schlecht als Recht groß...Reaktion: beleidigt.
      Wo bleibt die Fähigkeit mit Kritik umzugehen?
      Kritik sagt doch nichts über die Person aus, also senkt oder steigert ja nicht meinen Wert.
      Mich nervt das weichgespuelte Gerede einfach nur.

      • Hallo!

        Meine Meinung zu deinem Thread kann ich recht kurz zusammenfassen:
        Man kann auch Kritik üben, ohne andere dabei vor den Kopf zu stoßen!

        LG

        • Das kann man....aber warum sollte ich das?
          Ich seh den Sinn nucht darin immer darauf bedacht zu sein, andere nicht zu verletzen?
          Genauso kann ich sagen, die sollen mal an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten und sich nicht wie Kleinkinder aufführen.
          Ich gab da keinen Draht zu....also werd ich damit leben müssen und die anderen mit mir...

          • Siehst Du, da treffen wir uns schon nicht mehr.

            Ich bin immer darauf bedacht, Rücksicht zu nehmen und andere nicht zu verletzen. Warum auch nicht?

            Ich muss nicht meine linguistischen Ellbogen benutzen, um meine Meinung oder Kritik an den Mann zu bringen.

            Kritik ist bei mir für den Empfänger - nicht für mein riesiges Ego.

            sbl

          • Ich sage meine meinung auch ganz gerne direkt und frei heraus, nur sollte man vorher abwegen, wem und was man wie sagt. Und vor allem, wenn man kritik übt, sollte man im gegenzug auch einstecken können. Können viele auch nicht...

            Dann musst Du aber auch damit leben u.U. wenig soziale Kontakte zu haben.

            Kritik üben ist okay, sie sollte aber im sozialen Kontext statt finden. Meinem Mann kann ich eher verbal "eine vors Fressbrett" hauen, als meinen Arbeitskollegen z.B.. Es kommt ja auch immer darauf an, wie gut man sich kennt.

            Deine Arbeitssituation mit dem Vortrag ist da ein gutes Beispiel: wärst Du eine enge Kollegin, mit der ich sogar befreundet wäre, wäre Dein Kommentar vielleicht nicht ganz so tragisch. Kennen wir uns aber kaum und du haust sowas raus, wäre ich schon sehr "irritiert".... Du stelltst ja denjenigen auch vor den anderen Anwesenden bloß. Kann sein, dass der jenige vielleicht viel Mühe und Arbeit in den Vortrag gesteckt hat, vielleicht hat er auch Angst, vor anderen zu reden und sich trotzdem durchgerungen...

            Es gibt nun mal gewisse (ungeschriebene) gesellschaftliche Rahmenbedingungen, in denen man sich bewegt. Sonst funktioniert das Ganze nicht. Das lernen schon Kinder im Kindergarten. Die, die immer Hauen und Schreien haben eben bald keine Freunde mehr.
            Man kann sich dann überlegen, ob man bereit ist, das für die eigenen Überzeugungen in Kauf zu nehmen.

            Gruß, Sandra

        du triffst den Nagel auf den selbigen :-)

        auch wenn wir bestimmt alle unterschiedlich empfindlich sind, ich vermute buntbarsch wird zu der eher wenig zurückhaltenden sorte gehören... da kann eben auch nicht jeder mit umgehen...

    Hallo,

    stellen wir erst einmal klar:

    Kritik besetze ich inhaltlich als konstruktiv, nicht negativ.

    Ich bin ebenfalls frei mit Kritik, da ich zu vielen Themen eine Meinung habe. Jedoch immer konstruktiv. Ich versuche möglichst, meine Meinung mitzuteilen, ohne einem anderen zu nahe zu treten.

    Bisher habe ich es nur erlebt, dass meine Kritik angenommen wurde und zum Nachdenken angeregt hat.

    Du machst letzteres: Du äußerst Dich Deinem Post nach zu schließen ausschließlich negativ - selbstverständlich fühlen sich Menschen, gerade in emotionalen Momenten (Kind/kein Kind, Präsentation vor versammelter Mannschaft) angegriffen.

    Kritik sollte eine kritische Meinungsäußerung sein - konstruktiv, nachdenkend und vor allem HILFREICH. Bei Kritikgebung geht es NICHT um Dich sondern darum, anderen zu helfen, weiter zu kommen, in sich selbst größer zu werden und dazu zu lernen.

    Kritik ist auch nicht dazu da, anderen die eigene Entscheidungsfreiheit abzusprechen.

    Was Du machst ist lediglich Selbstdarstellung auf dem Rücken bzw. Gefühlen anderer in emotional angespannten Momenten.

    Demnach brauchen wir über die Kritikfähigkeit Deiner Mitmenschen nicht weiter philosophieren.

    Wie wäre es damit, Du übst Dich erst einmal in Empathie? Und weniger ich-bezogen wäre sicher auch nicht schlecht.

    sbl

    • Da hast du sicher nicht unrecht.
      Aber ich bin nun mal nicht besonders empathisch.... so wie ich es jetzt bin war ich nicht immer, ich hab schon dazu gelernt.
      Und ich hab offensichtlich eine andere Auffassung von Kritik.
      Ich kann auf jeden Fall deutliche Worte vertragen und bin dann auch nicht sauer.
      Im Gegenteil. Ich schätze Menschen die mir direkt ins Gesicht sagen , dass sie dies oder das daneben finden und denken dass ich das verbockt habe....warum ist es so verwerflich wenn ich sage ich hätte eine Abtreibung durchaus in Erwägung gezogen oder ich einem Kollegen sage, dass sein Votrag Mist war?
      Das gleiche erwarte ich von anderen auch....konstruktiv....empathisch...das brauch ich nicht... andere sollen mich nicht schonen sondern sagen wo der Hase im Pfeffer liegt...und das bitte deutlich...

      • Du verstehst mich nicht.

        Es ist NICHT verwerflich, eine kontroverse Meinung zu vertreten und diese - je sensibler das Thema für den Betreffenden um so vorsichtiger - auch zu äußern.

        Der Ton macht aber die Musik.

        Ich muss nicht nach unten treten. Deutliche Worte kann ich auch aussprechen, ohne jemanden zu verletzen.

        Es steht mir aber nicht zu, über jemanden zu "urteilen". Wie bereits gesagt, Kritik ist ein Hinweis/Lernangebot an den Betroffenen, nicht meine eigene Bühne.

        sbl

        "Konstruktiv und empathisch" gehört aber zu unserer Kultur. Einem Kleinkind sieht man nach, wenn es ehrlich und lautstark "Mama, wieso ist die Frau so dick?" durch den Bus brüllt, von Erwachsenen erwartet man, dass sie in dem Fall nicht laut aussprechen, was sie denken.

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