Finnische Regierung beschließt Grundeinkommens-Experiment

    • (1) 24.06.15 - 17:16

      Hallo,

      ich bin mal gespannt wie dieses Experiment ausgehen wird!

      Interessant ist es jedenfalls mal zu sehen ob es gesellschaftsfähig sein wird oder ob der Mensch dafür noch nicht reif ist. Auf jeden Fall aber mutig von den Finnen diesen Versuch zu starten.
      http://goodimpact.org/content/finnische-regierung-beschlie%C3%9Ft-grundeinkommens-experiment

      beste Grüße,

      marada

      • (2) 24.06.15 - 17:18

        nochmal den Link
        http://goodimpact.org/content/finnische-regierung-beschließt-grundeinkommens-experiment

        Mal abgesehen von der Finanzierung sehe ich noch ganz andere Probleme. Das bedingungslose Grundeinkommen ist utopisch und sozialschädlich. Würde man von diesem Einkommen leben können, würden viele keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen und die deutsche Wirtschaft wurde langfristig zusammenbrechen. Dann hat niemand mehr was von seinem bedingungslosen Einkommen. Die Gesellschaft würde gespaltet werden, in jene, die nur Grundeinkommen kassieren und jene, die es bezahlen.

        Ich sehe auch ein großes Problem darin immer auf den Staat zu bauen. Individualität ist doch viel besser. Viele Arbeitnehmer mit verschiedenen Qualifikation die viele verschiedenen Stellen besetzen können. Wer ein Grundeinkommen ohne Bedingungen kassiert, bildet sich nicht fort. Da hilft auch kein Experiment unter unechten Bedingungen. Da braucht es schon eine Studie die eine ganze Volkswirtschaft umfasst, um sichere Aussagen treffen zu können.

        In Deutschland ist das Grundeinkommen sowieso unnötig, da die Existenzsicherung durch Transferleistungen sichergestellt ist. Beim Bedingungslosen Grundeinkommen verschwinden die Grundfesten einer beweglichen Wirtschaft: Leistungsgerechtigkeit und Bedarfsgerechtigkeit!

        Das entscheidende Problem scheint mir aber das der Finanzierung zu sein. Um die Kosten abschätzen zu können, ist neben der Höhe des Grundeinkommens natürlich die Frage wichtig, welche bisherigen Sozialleistungen nach Einführung des Grundeinkommens wegfallen könnten. Das ist schon bei Arbeitslosengeld I und Rente schwierig, bei Pflege- und Krankenversicherung und besonderen Hilfen für Menschen mit Behinderungen sicherlich nicht möglich.

        • Die Finanzierung haben wohl schon einige Leute durchgerechnet und halten es für machbar. Für sozialschädlich würde ich es nicht halten denn die Menschen die jetzt nicht arbeiten wollen wird es immer geben und egal wie die Konditionen sind aber diejenigen, welche in die Räder des heutigen Ämterräderwerkes gelangten ohne Schuld, diese würde es unheimlich entlasten und wieder freier atmen lassen. Daraus kann sich dann schon ein neuer Mensch entwickeln welcher der Gesellschaft mehr nutzt als es jetzt je sein würde.

          Einfach ist es sicher nicht allen Menschen gerecht zu werden aber wenn es sehr vielen Menschen eine große Last von den Schultern nehmen kann wäre es schon ein Fortschritt.
          Ich bin jedenfalls gespannt ob dieser Versuch gelingen wird oder nicht. Wenn nicht, nun dann ist die Menschheit noch nicht dafür bereit und wir müssen so weiter machen wie bisher oder neue Wege suchen.

      Dieser Bericht ist in meinen Augen ein klein wenig aussagekräftiger:

      http://www.transform-network.net/de/jahrbuch/zeitschrift-112012/news/detail/Journal/the-basic-income-debate-in-finland.html

      Mir ist dennoch unklar, wieso der Anreiz für die "Empfänger" dieser Leistung, sich Arbeit zu suchen höher sein soll.....bzw. ob dies wirklich einen Push der Wirtschaft zur Folge hat, so dass unweigerlich auch neue Arbeitsplätze entstehen würden.

      Wenn ich das richtig verstanden habe, wird es eine Umschichtung der Ressourcen sein, die den völlig überdimensionierten Verwaltungsapparat massiv "entschlacken"...aber reicht das zur Vollfinanzierung? (incl. der neuen Steuermodelle, die durchaus Mehreinnahmen suggerieren, ohne dass Ausbeutung des Einzelnen)

      Ok...ich kann nachvollziehen, dass das Selbstwertgefühl vermutlich gesteigert wird, wenn die Sozialalmosen wegfallen, und jeder mit einem gewissen Kontigent an Dukaten ausgestattet wird, wo man nicht jedes Kupferstückchen 5x umdrehen muss....was mich aber wieder zum Punkt "Anreiz zur Eigeninitiative" bringt.

      Vielleicht melden sich noch ein paar Leute zu Wort, die sich schon intensiver mit der Thematik befasst haben.....ich muss zugeben, dass ich heute zum ersten Mal davon gelesen habe.

      Vision mit Potential, oder Luftschloss?

      • In dem Bericht (siehe dein link) steht:
        "...soziale Grundsicherung zu organisieren. Abgesehen von sporadischen Verbesserungen ist das System bürokratischer, kontrollierender, demütigender und unflexibler geworden. Ganz offensichtlich schützt der Wohlfahrtsstaat die Bürgerinnen nicht mehr vor Arbeitslosigkeit, sondern kontrolliert und "aktiviert" die Arbeitssuchenden (denen die Schuld an ihrer Lage zugeschoben wird). "

        Genau diese oft demütigende, kontrollierte usw. Macht der "Verteiler" der Sozialleistungen befinde ich auch als untragbar und das würde wegfallen wenn jeder diese Leistung automatisch erhält. Ich würde das schon gut finden.

        Auch kenne ich Personen, besonders ältere, sie haben sehr wenig Rente aber sie sind zu stolz um sich in die Hände der Behörden zu begeben, Antrage einzureichen und die ganzen Rennereien auf sich zu nehmen. Eine ältere Dame sagte mal zu mir, wenn sie all die Wege abfahren würde mit Bus usw., ginge ihr viel Geld verloren und viel Lebenszeit und am ende bekäme sie dann eventuell 50 Euro mehr als jetzt aber das wäre dann ein schlechtes Geschäft für sie.

        Mit einem Grundeinkommen würde sehr Vieles einfacher für Millionen von Menschen und das Leben an sich lebenswerter.

        In meinem Umfeld würden die Menschen aber trotzdem einer Arbeit nachgehen, sicher wohl nicht mehr Vollzeit aber sicher so 6 Stunden und das reicht ja normalerweise auch.
        Klar wird es Menschen geben welche dann nicht mehr arbeiten mögen. Allerdings werden diese wohl nicht mehr werden in der Anzahl.

        Mal sehen ob dieser Versuch gelingen wird oder nicht. Wenn nicht, nun dann ist die Menschheit noch nicht dafür bereit und wir müssen so weiter machen wie bisher oder neue Wege suchen.

        • <<<In meinem Umfeld würden die Menschen aber trotzdem einer Arbeit nachgehen, sicher wohl nicht mehr Vollzeit aber sicher so 6 Stunden und das reicht ja normalerweise auch.>>>

          Wie sieht es im Dienstleistungsgewerbe oder Gesundheitswesen aus?

          Ärzte und Pfleger gehen dann auch nur noch 4-6 Stunden arbeiten, weil sie dann das gleiche Geld haben? Aber die Arbeit wird von Monat zu Monat mehr....und es fehlen an allen Ecken jetzt schon Leute.

          Ist nur ein Beispiel....aber ich habe so ein bisschen meine Zweifel, ob hier dann wirklich Fleiss belohnt wird....oder nicht einfach bei vielen nur Faulheit Unterstützung findet.

          Ich werde das nichts desto trotz gespannt beobachten. Nur weil etwas komplett aus dem Rahmen fällt, muss es nicht bedeuten, dass es nicht funktioniert, auch wenn wohl viele skeptisch sein dürften.

          LG
          Tomm

          • Was spricht dagegen wenn Ärzte oder Pfleger jeweils täglich 6 Stunden arbeiten gingen?
            wenn Rundumbesetzung nötig ist geht es ja auch denn der Tag hat 24Stunden und die sind gut durch 6 oder 4 teilbar und keine dieser Personen ist überlastet.
            Wer weiterhin 8 oder 10 Stunden pro Tag arbeiten möchte. auch gut.
            So kann sich doch auch jeder seinen Lebensstandard anheben je nach Bedarf und Verlangen.
            Nicht jeder Mensch möchte doch unendlich viele Autos oder Klamotten oder was weiß ich ;o)
            Das Geld des Tages würde ich über die Stunden aufteilen und diese Stunden teilen sich dann halt 3 oder 6 Leute usw.
            Ob Leute dann fehlen bliebe die Frage, eventuell würden sich sogar mehr Leute für dieser Tätigkeit entscheiden denn sie müssen dann ja nicht mehr 24h-Dienste schieben bis zum Umfallen.

            Ich finde es auch einen Versuch wert dieses Grundeinkommen mal auszuprobieren. Sollte es nicht ideal sein kann es eventuell aber zu anderen Wegen führen, Wege die ohne diese Abzocke mancher Arbeitgeber verlaufen könnten wären ja auch schon was ;o)

            lg, marada

            • <<<Was spricht dagegen wenn Ärzte oder Pfleger jeweils täglich 6 Stunden arbeiten gingen?>>>

              Eine Rundumbetreuung ist nicht mehr gegeben. Das ist sie heute eigentlich schon nicht mehr, und die Zustände würden sich rasant verschlimmern. Pflegepersonal wächst nicht auf Bäumen....und wenn man die Zeiten ausdünnt, ist der Supergau vorprogrammiert. Nun könnte man sagen, dann müssen eben mehr Leute her. Klar, aber woher nehmen und nicht stehlen? Die sind jetzt schon absolute Mangelware....und selbst wenn heute 100.000 Leute sagen "Ok...machen wir!", müssen die erst mal ausgebildet werden, und das geht nicht sonderlich schnell.

              Das was dieses Modell bewirken will hört sich in der Theorie toll an....ich habe nur meine Zweifel was die Praxistauglichkeit angeht.

              <<<Ich finde es auch einen Versuch wert dieses Grundeinkommen mal auszuprobieren>>>

              Auf jeden Fall. Nur Versuch macht kluch !

              Dir ein schönes Wochenende. :-)

              Tomm

          Ich glaube, dass gerade die sozialen Berufe profitieren würden. Vielen Leuten sind diese Berufe einfach zu schlecht bezahlt bei zu schlechten Bedingungen, Burn Out ist gerade da besonders häufig, weil man eben noch mehr über die eigenen Grenzen hinaus geht, schließlich leiden Kollegen und die Menschen mit denen man arbeitet unter dem hohen Krankenstand, wo in einem anderen Beruf nur ein paar papiere liegen bleiben.

          Dann lieber eine Entlastung durch kürzere Arbeitszeiten und weniger langfristige Ausfälle durch Erkrankungen.

          Die Arbeit gibt einem ja auch etwas anderes als nur Geld - Dankbarkeit, soziale Kontakte, das Gefühl, wirklich nützlich zu sein.

          Ich arbeite jetzt 5 Jahre im Sozialen Bereich, in der Verwaltung von Kitas. Klar könnte ich als Industriekauffrau in der Wirtschaft mehr verdienen. Keine Frage. Aber ich bekomme etwas ganz anderes, nämlich persönliche Befriedigung, das Wissen, für die Gemeinschaft etwas gutes zu tun. Jeden Tag.

          • Betreffend die komplette Überlastung des Personals stimme ich Dir absolut zu....genauso, bei dem Punkt, dass im IDealfall (!!) dies wirklich ein Segen wäre.

            Allerdings bin ich was die Handlung von Menschen angeht sehr ernüchtert, und glaube an "das beste in jedem" in etwa so sehr, wie an den Osterhasen.

            Einem Szenario, in dem die Annahmen wirklich von Anfang an in allen relevanten Punkten vom Optimum ausgehen, sehe ich leider sehr misstrauisch entgegen.

            Würde mich dennoch ganz ehrlich freuen, wenn ich falsch liege.

            Ganz liebe Grüße
            Tomm

            • Vielleicht ist es aber ja auch einfach so, dass die Umstände gar nicht erlauben, dass das Beste im Menschen zum Vorschein kommen kann und du erlebst das deswegen so selten und hast daher den Glauben daran verloren??

              Fakt ist aber doch: In einer Gesellschaft, die so organisiert ist, wie das momentan der Fall ist, tritt das Beste im Menschen nicht zu Tage. Das sehe ich auch so.

              Ich würde mich auf das Experiment einlassen, um zu sehen, ob da nicht doch noch etwas in den Menschen schlummert, was die Welt zu einem besseren Ort macht.

              Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre für mich einfach eine Art, den Menschen an sich wertzuschätzen und ich glaube, dass mangelnde Wertschätzung oder das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden, die Wurzel vieler Übel ist.

              Aber, wie gesagt, ich bin da sehr idealistisch, geprägt auch dadurch, dass ich in meinem Beruf häufig die Erfahrung mache, dass bei dem Versuch immer ein respektvolles Miteinander zu pflegen, selbst die fiesesten Möppe häufig handzahm werden. Zumindest habe ich noch nie die Erfahrung gemacht, dass es sich negativ auszahlt, Menschen wertzuschätzen.

              #winke Die Alltagsprinzessin

Oh, das bedingungslose Grundeinkommen!! Das ist wirklich ein hochinteressantes Thema, das immer sehr emotional diskutiert wird, rüttelt die Idee doch an den Grundfesten unseres Glaubens an den Erfolg von Leistungsbereitschaft und dem Sinn von Erwerbsarbeit.
Wir sind eben eine Erwerbsgesellschaft und unser Beruf macht einen Großteil unser Identität aus. Fast in jedem Smalltalk ist eine der ersten Fragen: Und, was machst du so beruflich?

Und nun soll es möglich sein, ein Leben oberhalb der Armutsgrenze zu führen und sogar mehr Geld als einem durch Hartz IV zur Verfügung steht, zu beziehen, ohne das man dafür irgendetwas leisten muss??

Ich mag die Idee, aber ich bin auch zutiefst davon überzeugt, dass jeder Mensch den Wunsch in sich trägt, sich gewinnbringend in die Gesellschaft einzubringen, weil der Mensch eben ein soziales Wesen ist. Was würdet ihr denn machen, wenn euch jemand sagen würde: Hey, egal, was du tust, du bekommst 1500 Euro im Monat einfach nur so.
Würdet ihr euch in die Hängematte legen und den Wolken nachschauen? Vielleicht eine Weile lang, aber ich glaube, irgendwann hätte der Großteil von uns das Bedürfnis, etwas Sinnvolles zu tun, sich einzubringen. Und durch das bedingungslose Grundeinkommen wäre jeder viel freier, dass zu tun, was er wirklich möchte. Keiner müsste mehr im Niedriglohnsektor durch die Gänge von Amazon-Lager huschen, sondern könnte etwas tun, an das er wirklich glaubt. Und getragen von diesem Glauben wäre der Einzelne viel produktiver und ungleich glücklicher.

Und kein Schüler/Student würde mehr psychisch zerbrechen unter der Last, zu lernen und parallel zu jobben.
Und ein Arbeitnehmer (und ich gehe fest davon aus, dass es den auch noch nach der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens geben wird) könnte sich eine Auszeit nehmen, wenn er sie braucht, ohne sich rechtfertigen zu müssen oder um seine Existenz fürchten zu müssen, sei es, weil er einfach platt ist, jemanden pflegen will, seine Kinder betreuen will etc..

Ich sehe so viele Nachteile in der derzeitigen Ausgestaltung unserer Gesellschaft, in der das Beziehen von Hartz IV immer auch Stigmatisierung bedeutet und Armut vererbt wird: Gerade in Deutschland sinken die Bildungschancen der Kinder proportional zum Einkommen.

Und ich glaube an Maslows Bedürfnispyramide und der daraus abgeleiteten Werte-Pyramide von Inglehart: Für so abgedrehte Dinge wie Demokratie und ein solidarisches Miteinander können wir uns erst interessieren, wenn wir nicht täglich darum kämpfen müssen, Essen auf den Tisch zu bekommen und wenn wir alle gesellschaftlich anerkannt sind. Nicht ohne Grund sind rechtsextreme Bewegungen stark in Regionen mit viel Armut und einer hohen Zahl an Arbeitslosen.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde vielen Fehlentwicklungen des Kapitalismus entgegenwirken.

Finanzierbar ist das Grundeinkommen allemal: Alle anderen Transferleistungen könnten man wegstreichen und Reichtum müsste tatsächlich noch stärker besteuert werden. Die armen Reichen...

Ich weiß, dass ist alles sehr idealistisch, aber ich möchte mich da einfach mal John Lennon anschließen und singen:
https://www.youtube.com/watch?v=yRhq-yO1KN8

Wer noch mehr dazu lesen möchte, dem seien uralte Brand 1-Artikel ans Herz gelegt. Es gab mal eine ganze Ausgabe, die sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen beschäftigt hat. Gefunden habe ich noch diese Artikel:

http://www.brandeins.de/archiv/2012/kapitalismus/wenn-freiheit-keine-angst-mehr-macht/

https://www.brandeins.de/uploads/tx_b4/044_soziale_inno_xiii.pdf

#winke
Die Alltagsprinzessin (die sich jetzt einen Prosecco aufmacht und John Lennon hört und den Finnen gute Erfahrungen bei ihrem Experiment wünscht, weil sie glaubt, dass man endlich mal über Alternativen zur reinen Erwerbsarbeit nachdenken muss, weil Vollbeschäftigung eh keine realistische Perspektive mehr ist und die heute keinen Punkt findet. Jetzt aber: Punkt!!!)

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