Ungerechtfertigte Kritik - reagieren oder klein beigeben?

    • (1) 28.06.15 - 16:56

      Hallo zusammen,
      schon lange lese ich regelmässig im Forum, rund um Alltagssorgen, Familie und Co. Schon oft konnte ich mir durch andere hilfreiche Tipps holen, fühlte mich nicht mehr so allein und getröstet. Oft glaubt man gar nicht, dass es noch andere Menschen gibt mit exakt den gleichen Gedanken und Sorgen.
      Nun bin ich allerdings an einem Punkt in meinem Leben, da brauch ich selbst mal konkret auf mich den Zuspruch bzw. Hilfestellung. Eure Erfahrungen und Meinungen dazu sind mir sehr wichtig! Ich möchte gern versuchen, auch selbst aktiv zu werden und vielleicht anderen zu helfen.
      Ich wurde gestern von den Vorwürfen bzw. der Kritik einer Kollegin überrollt. Es kam ohne irgendwelche Vorzeichen, ohne das man hätte ahnen können "da stimmt etwas nicht". Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl wir sind alle ein tolles Team, das zusammen hält.
      Es wäre jetzt zu weit ausgeholt, dass alles ins kleinste Detail zu erklären. Wir sind im Einzelhandel tätig, arbeiten in diesem Zuge auch Samstag. Versteht sich.
      Meine Kollegin fühlt sich wohl von mir als Leitung ungerecht behandelt bzw. "wie der letzte Dreck". Ihre Kritik ging teilweise total unter die Gürtellinie, sie ging ins persönliche und griff gezielt mich als Person an. Sie war aggressiv, von konstruktiv kann hier keine Rede sein. Es war insofern nicht möglich, auf diese Situation richtig bzw. ruhig zu reagieren. Oder war ich nur zu doof dazu. #augen
      Hauptkritikpunkt ihrerseits war wohl, dass sie "zu oft Samstags arbeiten muss" und "mit Abstand die meisten Samstagsdienste" zu verzeichnen hätte. Ausserdem würde ich sie mit Absicht so einteilen, dass sie dadurch Nachteile hat. Angeblich hab ich einen Termin von ihr vergessen, ich persönlich bin sicher das dem nicht so ist. Ihr Wunsch war, am Freitag frei zu haben. Dem hab ich entsprochen. Sie behauptet steif und fest, es wäre der Samstag gewesen. Hier wurde ganz klar zur Aussage gebracht, dass ich böswillig gehandelt habe. Und mit voller Absicht!!! #schock

      Meine Argumente, hatte ich das Gefühl, kamen überhaupt nicht an. Alles was ich vorbrachte, wurde mit "das ist dein Problem" abgewehrt. Als ich meinte, sie hätte mir schon bei Aushändigung des Plans sagen können "sorry, da passt was nicht", kam von ihr nur "Ich wollte dich einfach testen." Bin ich eigentlich eine Ware, dem man das TÜV Siegel verpassen kann? Getestet und genehmigt, oder was?
      Meine Frage an dieser Stelle ist eigentlich..... kennt ihr solche Situationen? Vielleicht gibt es auch jemanden, der selbst in einer leitenden Position tätig ist und mir seine Erfahrungen mitteilen kann. Was tun, wenn man derart angegriffen wird? Gerne auch bezogen auf andere Lebenssituationen.

      Wäre es, eurer Meinung nach, ratsam, nach ein paar Tagen Abstand erneut das Gespräch zu suchen? Ich hab mir schon überlegt, mir Notizen zu machen um möglichst auf alles reagieren zu können.
      Mittlerweile hab ich auch ihre Aussagen überprüft - ich hab das auch erst mal "ernst" genommen. Nicht die Art und Weise, aber den Kern der Aussage. Es stellte sich heraus, dass sie deutlich weniger Samstag zu verzeichnen hat als der Rest ihrer Kolleginnen. Insofern war das aus den Fingern gesaugt.
      Die nächste Kritik war noch, eine Kollegin hätte bestätigt das ich oft "sehr schnippisch" sei. Hierzu gab es eine Situation, in welcher ich eine Anweisung gab ohne "Bitte" zu sagen. Ich seh mich allerdings als Chefin nicht in der Verpflichtung, jede Anweisung mit Bitte zu bekleiden. Das kommt mir wie der letzte Kindergarten vor. Die Kollegin allerdings, welche das wohl bestätigt haben soll, streitet das vehement ab.

      Die Frage ist, wem glaubt man? Wer lügt? Es ist schwer, hier wirklich auf sachlicher Ebene weiter zu machen.

      An dieser Sache enttäuscht mich so extrem, dass ich immer zu ihr hielt. Auch, als sie so extrem lang wegen Krankheit ausfiel. Besonders gegenüber unserem Chef hielt ich ihr den Rücken frei. Ich bin menschlich sehr getroffen und verletzt, auch weil ich schon mal was ähnliches erlebte.

      Würdet ihr bei einem erneuten Gespräch andeuten, was genau an dieser Situation so missfiel? Oder das ausklammern und allein auf der sachlichen Ebene argumentieren?

      Ich bin total gespannt auf eure Meinung, eure Erfahrungen zum Thema Kritik und wie ihr damit umgegangen seit.

      Liebe Grüsse
      Eure Baciel

      • Hallo. Jaaaaa was du schilderst,kenn ich nur zu gut.Ich bin zwar jetzt in der Rolle der Kauffrau,war aber vor meinem Mamadasein in einer leitenden Position mit 5 und mehr Angestellten in diversen Filialen tätig. Und somit kann ich mich nur allzu gut in deine geschilderte Situation reinversetzen. Was ich mir anhören durfte,ist,jetzt im Nachhinein betrachtet, echt kindergartenreif gewesen.Da hat die eine "ja immer nur" Spätschichten zum "Wohl der Anderen" Ich müsste schon alle "gleich" behandeln usw. Egal wie ich mich bemüht habe, fairvzu planen, es wurde nicht als fair empfunden.Wir hatten bspw im Dezember immer 18 Uhr Samstage statt bis 14 Uhr. Ich hab es tatsächlich hingebracht,alle gleich "unfair" einzuplanen.Jeder einen frei,jeder einen bis 18 uhr,jeden einen nur bis 14 uhr usw. Unter Berücksichtigung mir bekannter Termine/Wünsche der Angestellten. Hab ich geschwitzt bei dem Plan und mich gefreut,dass er so perfekt durchdacht war. Es kam kein Kommentar diesbezüglich,sondern bei einem erneuten "Unfairgespräch" im März darauf wurde mir der Vorwurf gemacht, ich hätte ja wirklich mal fragen können, wer im Dezember welchen Samstag frei wollte und welchen lang gearbeitet werden wollte. Danach habe ich mit einem Ordner so sehr auf den Tisch geknallt,dass alle erschrocken sind. Mich hat es in dem Moment dazu gebracht, in dieser Runde mal ordentlich den Chef raushöngen zu lassen. Das hat mich ausnahmsweise persönlich betroffen gemacht und mich hat das lange beschäftigt. Du kannst es nie jedem oder überhaupt allen recht machen.

        Jetzt,als Angestellte sehe ich es selber, egal wie toll mein Chef ein Chef ist, er macht es mir nie recht, aber so ist es nun mal :)

        • Hallo und vielen Dank für deine Antwort. :-)
          Hey, hab ich das zufällig selbst geschrieben? Wahnsinn wie sehr sich das ähnelt. Anscheinend ist das wirklich "normal" und unter Weibern....na ja.
          Auch ich schwitze über dem Plan, war danach immer stolz das ich echt alle unter bekommen habe. Unsere Personaldecke ist reichlich dünn, es ist nicht wirklich einfach es so hinzubekommen das es allen "recht" ist. Vor allem - ich bekomme genau vorgeschrieben wie viele Stunden zu verteilen sind. Wenn nicht, krieg ich immensen Druck von "oben". Leider fiel mir das in der Situation gar nicht ein - aber dank dir hab ich jetzt eben dieses Argument an der Hand. Kommt erst mal auf meine Liste - werd ich so ruhig ansprechen. Ob ihr das eigentlich "bewusst" ist. Ich denke, über so etwas hat sie gar nicht nachgedacht. Ihr ging es nur darum, dass eigene "Recht" durchzusetzen. Mit dem Kopf durch die Wand.

          Lol - ich nehm mir auch einen Ordner zum Gespräch mit. #klatsch

          Danke dir,
          LG
          Baciel

      Hallo,
      ich denke jeder von uns ist schon mal mehr oder weniger ausgerastet. Nicht toll, kann aber passieren.
      In deiner Situation hätte ich einfach nur mit einem "Wir können uns gerne darüber unterhalten, aber nicht in diesem Ton! Wir können uns morgen zusammensetzen, wenn du dich beruhigt hast." Und dann hätte ich die Person stehen gelassen.
      Bis dahin kannst du die Fakten prüfen, diese auch "beweisen" und dein Gegenüber hat sich beruhigt. Ich würde eine richtige(!) Entschuldigung erwarten und dann könnt ihr Beide das Problem angehen.
      Gerade in deiner Position würde ich erst mal auf der sachlichen Ebene weitermachen. Ich würde ihr klarmachen, das du das als einmaligen Ausrutscher ansiehst und Konsequenzen ziehen wirst, wenn sich so etwas wiederholt (falls du dazu befugt bist, Abmahnung zB)
      Persönlich würde ich die Person eine Weile mit Abstand betrachten.

      Meistens steckt hinter so einem Ausraster etwas anderes, die Kritik die sich da spontan entlädt ist oft nur ein Bruchteil der Wahrheit. Ein einmaliger Ausraster einer Angestellten (wenn sie vorher nie so war), da könnte ich auf Dauer hinwegsehen; bei einer Wiederholung wäre sie für mich nicht dauerhaft tragbar.
      LG
      (Und nein, nicht bei jedem Pups muß man "Bitte" sagen, die Wertschätzung kann man auch anders ausdrücken.)

    • (5) 28.06.15 - 21:45

      Wenn du dich in einer "leitenden Position" siehst, hättest du das "Gespräch" im Keim ersticken müssen mit dem Hinweis, dass dass du so nicht mit dir reden lässt und dass du allerdings natürlich bereit bist, mit ihr sachlich zu einem anderen Zeitpunkt zu reden.

      >>>Ihre Kritik ging teilweise total unter die Gürtellinie, sie ging ins persönliche<<<

      Das ist der Nachteil, wenn man mit "Untergebenen" zu eng ist.

      >>>Die Kollegin allerdings, welche das wohl bestätigt haben soll, streitet das vehement ab.<<<
      Du hast die Kollegin daraufhin angesprochen? Wenn du als Vorgesetzte respektiert werden willst, solltest du dich anders verhalten.

      Hallo,

      ich würde dringend ein offizielles Gespräch führen. DU bist die Chefin und Punkt. Anhand von Zahlen und Fakten würde ich ihr klar machen, dass Du Dich geirrt hast, sie demnach bisher weniger samtsgs arbeitet als die anderen Kolleginnen und dass dieser Zustand ab jetzt geändert wird :-p. Und sie dann auch öfter am Samstag einsetzen. Desweiteren würde ich sie auffordern, das Lügen zu unterlassen.Und auf keinen Fall mit Andeutungen oder Umschreibungen arbeiten sondern eine klare und sachliche Ansage.

      Viele Grüße

      Heike

    • (7) 29.06.15 - 09:52

      Hallo,

      als Leitung wäre es wichtig, mal etwas von Führung und Zusammenarbeit gehört zu haben. Bist Du je geschult worden? Du müsstest in jedem Fall ruhig reagieren und wenn die Kollegin zu aufgebracht ist, wird das Gespräch beendet und ein neuer Versuch später gestartet. Auch musst Du aber bestimmend klar machen, daß, wenn 24 Werktage im Arbeitsvertrag stehen, diese auch zu arbeiten sind, natürlich unter Berücksichtigung der tägl. und wöchentlichen Arbeitszeitvorgaben durch das Gesetz.
      Daß Wünsche von Dir berücksichtigt werden, ist eigentlich eine Tatsache, die nicht selbstverständlich ist, aber eine tolle Sache.

      LG

      Also, ich finde es erst einmal gut, dass Du Dir die Kritik angehört hast.
      Wenn ich das richtig lese, bist Du auch nicht eingestiegen, sondern hast erst einmal zugehört und dann das Fachliche geprüft.

      Dazu würde ich jetzt die Angestellte auf jeden Fall in Ruhe ansprechen. Zeig ihr Deine Auswertungen z.B. über den Samstag.

      Ansonsten, wie wird denn bei Euch Urlaub beantragt? Ein einfacher Urlaubsantrag, der abgelegt wird, würde das ja zukünftig auch helfen.

      Ich würde in dem Gespräch aber nicht "klein" beigeben, sondern irgendwie muss ja wieder Frieden rein.

      Dazu solltest Du auch klarstellen, dass Du Vorgesetzte bist und sie in diesem Ton nicht mit Dir reden kann (genauso wie Du so nicht mit ihr reden solltest)! Insofern würde ich hier vielleicht auch dazu sagen, dass bei einem nächsten solchen Ausfall ein Personalgespräch oder sogar eine Abmahnung ansteht.

      Wenn sie ein Problem hat, kann sie dieses gerne sachlich vorbringen, aber der Ton macht die Musik.
      Genauso würde ich ihr auch sagen, dass sie mir sagen soll, was SIE stört. Was Kollegen sagen, interessiert nicht. Wenn diese Kollegen ein Problem haben, müssen sie das selbst vorbringen.

      Ich würde an deiner Stelle ein paar Tage ins Land gehen lassen und sie dann unter Ankündigung (evtl. ein Tag) des Termins zum Gespräch bitten. Da du ihre Vorgesetzte bist, kannst du das ja ohne Weiteres tun.

      Je nach eurer Beziehung würde ich sie ohne große Umschweife konkret fragen, warum dieses Gespräch an dem Tag so eskaliert ist. Ich würde sie fragen, ob du ihr gegenüber den Eindruck erweckt hast, man könne nicht in normalem Ton mit dir reden. Versuche, in dem Gespräch auf Schuldzuweisungen zu verzichten und meide auch Formulierungen wie "Warum hast du ...?". Nutze eher ich-bezogene Formulierungen um an Infos zu kommen.

      Ich an deiner Stelle würde herausfinden wollen, warum sie ihre Unzufriedenheit nicht schon früher geäußert hat und warum sie dann an diesem Tag so ausgerastet ist. Außerdem musst du im Interesse aller klarstellen, dass du dir einen solchen Umgangston (unter der Gürtellinie) von niemandem bieten lässt. Weiterhin würde ich sie mit ihrer sehr subjektiven Einschätzung ihrer Samstagsdienste konfrontieren und sie fragen, warum sie sich so sehr benachteiligt fühlt, wenn sie doch diejenige ist, die am wenigsten Samstagsdienste macht.

      Es liegt sicher in deinem eigenen Interesse herauszufinden, warum sie anscheinen unterschwellig schon länger solche negativen Gefühle dir gegenüber hat und sie diese nicht geäußert hat. Trotzdem musst du sehen, dass du am Ende des Tages nicht der Bittsteller bist, sondern klarstellst, dass sie - egal in welcher Verfassung sie sich befindet - so nicht mit dir reden kann.

      (10) 29.06.15 - 12:39

      Hallo,

      ja, ich hatte so eine Situation schonmal. Mit einer überforderten Referendarin, die Unterricht in meiner Klasse hielt und sich nicht durchsetzen konnte.

      Sie gab mir die Schuld dafür, dass die Schüler sich nicht benahmen. ICH müsste ihr "sagen, was sie tun muss, damit die Kinder auf sie hören". #gruebel
      (Wohlgemerkt, beraten hatte ich sie mehrmals... aber sie konnte nicht umsetzen, was ich ihr nahe legte)

      Die Referendarin ist damals völlig unerwaret und sehr heftig auf mich losgegangen. Und die Schulleiterin, komissarisch eingesetzt und erst seit ein paar Wochen mit diesem Amt bekleidet, war in dem Moment auch ziemlich überfordert.

      Die Chefin hat es aufgrund ihrer Unerfahrenheit erstmal mit Verständnis und Wohlwollen versucht. Ging schief. Die Referendarin lernte so nicht, Verantwortung für ihren eigenen Unterricht zu übernehmen und fuhr rasch bei einer anderen Kollegin gegen die gleiche Wand.

      Ich schließe mich meinen Vorpostern an: Mach deiner Kollegin klar, das ihre Art überhaupt nicht geht und dass ihre Vorwürfe haltlos sind. Die Dame wird sonst beim nächsten Mal nur noch hysterischer auftreten und noch schneller Dinge "unfair" finden.

      Ich selbst bin übrigens noch nie auf die Idee gekommen, meinen Stundenplan mit dem meiner Kollegen zu vergleichen und zu gucken, ob es die anderen besser getroffen hat als mich. #kratz Finde die Art an sich schon sehr befremdlich und egozentrisch.

      LG

      • (11) 29.06.15 - 13:59

        Hallöchen,

        nachdem ihr euch alle so viel Mühe gegeben habt, möchte ich auch gern auf jede Antwort separat eingehen. Schon mal vielen Dank an alle, die sich überhaupt Zeit genommen haben! DANKE!

        @knoeterich. Im Prinzip hab ich es so ähnlich gehandhabt. Ich merkte, dass es keinen Sinn macht jetzt weiter zu diskutieren. Jedes vernünftige Argument kam ohnehin nicht an. Ich sagte ihr dann, dass ich jetzt erst mal ihre Aussagen prüfe und auf sie zurück komme. Es aber heut SO keinen Sinn macht. Daraufhin schickte ich sie nach Hause. Ich hab mich nicht auf ihre Ebene begeben, sondern immer versucht "deeskalierend" zu agieren. Aber sie war derart aggressiv, es war nicht möglich da irgendetwas "runter zu kochen". Mir erschien Abstand am besten. Für beide Seiten.
        Fest steht natürlich, dass ich mich nicht auf ihre Ebene begebe sondern einen sachlichen Weg einschlage.
        Dein Rat, erst mal auf Abstand zu gehen, ist in meinen Augen auch gut! Ich hatte selbst schon drüber nachgedacht, ob das erst mal besser ist. Schon allein, um keinen weiteren Nährboden zu legen.

        @gh1954. Ich war noch nie der Typ, der so extrem diese klare Linie durchgezogen hat. Sprich, "Chef" und "Untergebene". Ich weiß natürlich, wie du das meinst. Und mit Sicherheit hast du auch recht. Hat man zu allen etwas Abstand, lässt sich leichter mit Kritik umgehen und es trifft einen auch nicht so extrem. Das ist absolut richtig. Aber ich kenne auch sehr viele Nachteile in diesem Fall. Genauso wie ich es zu schätzen weiß, wenn man sich auch untereinander gut versteht und ein wenig über seine Anstellten Bescheid weiß. Jede Seite hat Vor- und Nachteile. Aber ich werde sicherlich auch an mir selbst etwas arbeiten. Eben, um das nicht mehr zu nah an mich heran zu lassen. Deine Einwände sind durchaus gerechtfertigt.
        Ja, ich habe die mit betroffene Kollegin darauf angesprochen. Ich fand es durchaus wichtig, auch ihr die Chance zu geben dazu etwas zu sagen. Auch gegen sie wurden Vorwürfe erhoben. Als Chefin seh ich es durchweg als Pflicht an, auch unter dem Personal zu vermitteln oder Unstimmigkeiten zu beseitigen. Sie ist mit betroffen und sollte die Möglichkeit haben, sich entsprechend zu äußern. Sonst kracht es demnächst auch zwischen den beiden. Bringt es das?

        @heikeundleon.
        ich fand deinen ersten Satz zum Schießen. #rofl Ein interessanter Ansatz. Es wäre schon schön zu wissen, wie sie darauf reagiert wenn das ganze jetzt genauso geändert wird. So auf diese Art: "Ich danke dir total für deinen Hinweis, dadurch fiel mir erst auf wie unfair die anderen behandelt wurden. Du hast recht, die Samstage wurden unfair verteilt. Ab sofort arbeitest du einen im Monat mehr. :-p
        Fest steht für mich, lügen ist etwas das so nicht geht. Aber an dieser Stelle brachte das ohnehin nichts. Ich hoffe, heute sind die Emotionen etwas abgekühlt. Ich hab am Abend ein Gespräch mit ihr und werde natürlich auch berichten, wie sich das entwickelte.

        @woodgo.
        Ich habe keine Seminare oder so besucht, falls du das meinst. Ich bin schon seit 17 Jahren in diesem Job, 15 davon in leitender Position. Bisher konnte ich jede noch so heikle Situation gut klären, hab es geschafft den Betrieb von unten nach ganz oben zu bringen. Auch, weil wir so ne tolle Truppe sind und es derartiges sonst NIE gab. Es war immer Frieden im Team, immer diese Gemeinschaft. Bisher war mir immer wichtig, was ich klar sagte von Anfang an, Probleme SOFORT anzusprechen und mich auch auf Fehler, egal wo und von wem (auch von mir selbst) hinzuweisen. Betriebsblind wird man gerne mal, egal wie fleißig man sein mag. Dieser Weg war immer super und so konnte alles im Keim erstickt und ruhig geklärt werden.
        Eine Eskalation bzw. einen Ausbruch dieser Art hatte ich noch nie. Bisher gelang es mir immer, Situationen anders zu klären und zu lösen. Man trifft selbst nach so langer Zeit auch mal auf Probleme, die man so noch nicht hatte oder nicht kannte. Und ich bin jemand, der auch Ratschläge von außen annehmen kann und gern auch mal andere Meinungen hört. Mir hilft das immer, zu reflektieren und ruhiger zu werden bzw. ruhiger zu handeln. Im Prinzip raste ich selten aus, #wolke Wenn, dann aber richtig. :-p
        Bei uns werden exakt die Pausen eingehalten, ebenso die Arbeitszeiten und die Freizeiten. Wer Samstag arbeitet, bekommt das entsprechend unter der Woche ausgeglichen. Stehen mehrere Samstage hintereinander an, erfolgt ebenfalls ein Ausgleich sofern dies möglich ist. Nicht mal das wäre meine Pflicht.

        @urzeitkrebs.
        Ich hab sogar versucht heraus zu finden, WARUM es sich so angestaut hat und die Hintergründe zu erfragen. Aber es klappte in diesem Moment einfach nicht. Ich blieb in meinen Augen ruhig, hörte ihr auch zu und fragte auch gezielt nach. So in etwa wie "Warum hast du das Gefühl, benachteiligt zu werden? Woran liegt das? Kannst du mir konkrete Beispiele nennen?"
        Aber ihre Argumente waren getrieben von Wut und Aggression. Ich merkte schnell, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht zu einer Lösung kommen würde. Also schickte ich sie nach Hause mit dem Hinweis, dass ich den Anschuldigungen nachgehe und nach Prüfung erneut auf sie zurück komme. Ich wollte natürlich auch Zeit, um mich besser vorzubereiten und Fakten an der Hand zu haben. Vor Ort mal eben schnell die Samstagsdienste fürs ganze Jahr ausrechnen, ist dann doch zu aufwendig. Das brauchte Ruhe.

        Der Urlaub muss 2 Monate im Voraus beantragt und von mir genehmigt werden. Diese Zettel bewahre ich natürlich auf. Einzelne Tage werden von mir geprüft und oft schon vor Ort im Kalender vermerkt. Aber zukünftig werde ich auch diese protokollieren. Das hätte aktuell schon mal diese Aussage entkräftet.
        Du hast auch absolut Recht - Kollegen mit rein zu ziehen ist nicht richtig. Von keiner Seite. Ich hab ihr auch gesagt, sie soll die andere Kollegin da bitte raus halten. Diese war nur Zuhörerin und KEINE Beteiligte. Aber nachdem auch diese angegangen wurde. war es mir wichtig auch mit ihr zu sprechen. Ich will nicht ,dass bald die nächste Eskalation droht. Aber du hast total recht - DANKE! Ich werde das heute ebenfalls klar sagen - andere bitte außen vor lassen. Diese müssen SELBST auf Probleme aufmerksam machen und mit mir sprechen. Das lenkt nur aber und schafft erneut Wut.

        @kirschkern.
        Stimmt total, ist auch schon so angesetzt für heute Abend. Mal sehen, wie sich das entwickelt.
        Ein klasse Einwand übrigens!!! Werd ich 1:1 so übernehmen. "Habe ich den Eindruck erweckt, nicht normal mit mir sprechen zu können?" Die "Ich Perspektive" hab ich schon sehr oft erfolgreich angewendet. Ich hoffe, es hilft auch in diesem Fall.
        Auch ihre subjektive Einschätzung der Samstage muss natürlich definitiv auf den Tisch! Sie hat sich benachteiligt gefühlt, obwohl sie eigentlich sogar ! einen Vorteil genossen hat. Es wäre mir schon wichtig heraus zu finden, WARUM trotzdem dieses Gefühl entstanden ist.
        Ganz klar, am Ende des Tages möchte ich schon das Gefühl haben, ihr auch die Grenzen aufgezeigt zu haben. Da hilft mir auch dein Kommentar sehr weiter! Danke!

        @ilva08.

        Ich verstehe, was du mir sagen willst. Auch eure Referendarin konnte sich nicht durchsetzen und hat es eher mit der "kumpelhaften" Art versucht. Was natürlich manchmal helfen kann, aber in diesem Fall und auch in meinem eher für extreme Nachteile sorgte. Ich denke, durchsetzen muss man sich. Auch wenn es im ersten Moment sich nicht gut anfühlt bzw. auch mal lange Gesichter hervor ruft. Da hast du total recht!
        Ja, allein das regte mich schon auf. Ich war auch früher immer irgendwie diejenige, die ständig Wochenende gearbeitet hat (als Lehrling eben) und ständig beim Urlaub das Nachsehen hatte. Ich wäre trotzdem NIE auf die Idee gekommen, da nachzuzählen wer da nun wie im Vorteil sein könnte. Zumal bei uns auch die Stellen unterschiedlich besetzt sind - 450 Euro Kräfte, geringfügig Beschäftigte, Vollzeit, etc. Es dürfte klar sein, dass eine 450 Euro Kraft weniger arbeitet - auch an Samstagen - als jemand in Vollzeit. Ich fand es irgendwie krankhaft, da so genau zu schauen. Noch dazu falsch zu zählen. :-p

        Das zeigt aber total, wie viele Menschen drauf sein. Immer irgendwie der Neid auf andere, die Angst benachteiligt zu werden und all so etwas. Irgendwie tun mir diese Menschen leid, ganz ehrlich.

        Nochmals danke an euch alle! Ihr habt mir sehr geholfen. Auch über weitere Kommentare freu ich mich!

        Eure Baciel

        • (12) 12.07.15 - 15:11

          Hallo euch allen,

          nach einem erneuten, versucht ruhigen, Gespräch ist die Situation zuerst in ruhige Bahnen gelaufen. Wir konnten das klären, ich meine Position stärken und das Ergebnis war für mich ein durchweg positives. Ich konnte auch dank eurer Hilfe alles ruhig und sachlich ansprechen. Ich glaube, es wirkte auch entsprechend. Aber manche Menschen sind eben unberechenbar....

          Kurz darauf kippte die Situation erneut, weil sie eben noch jemand anderen mit rein zog und hinten rum das Lästern nicht aufhörte. Leider konnte hier keine Lösung gefunden werden. Ich machte deutlich, dass ich als Chefin dieses Verhalten nicht dulde und da einfach mehr Sachlichkeit erwarte. Zumal dies auch kein Erwachsenes Verhalten mehr darstellt.

          Aktuell habe ich mich dahin gehend geändert, dass ich beruflich und privat viel deutlicher trennen muss und da auch mehr auf Abstand gehe. Das löst zwar die aktuelle Situation nicht, schafft aber hoffentlich für die Zukunft Entspannung.

          Ob und wie sich das jemals auflöst, kann ich heute nicht sagen. Ich möchte mich dennoch nochmals von Herzen bei euch allen bedanken!!!

          Eure Baciel

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