das "pädagogische Gewissen"

    • (1) 29.07.15 - 10:16

      Hallo Zusammen,

      vor ein paar Tagen hatte ich das Thema mit einer Freundin und endlich habe ich in ihr mal Jemanden gefunden, der ausspricht was mich jahrelang begleitet seit ich Mutter bin.
      Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern und meinte ihr ging es lange Zeit genauso.

      Ich nenne es jetzt mal für mich selbst das pädagogische Gewissen.
      Damit meine ich das schlechte Gewissen das mich immer wieder heimgesucht hat und die Gedanken keine gute Mutter zu sein.
      Woher das kommt?

      Angefangen hat es wohl schon mit der Geburt meines Kindes.
      Was wurde es Einem schöngeredet, im Vorbereitungskurs wurde erzählt was man nicht alles wegatmen könne. Jede Mutter die ich damals auf die Geburt angesprochen habe sagte mir Ähnliches:
      "Sobald ich mein Kind gesehen habe war jeder Schmerz vergessen", "alles war einfach nur noch wunderschön..." usw.

      Ich selbst empfand dann die Geburt als furchtbar, schmerzhafter als Alles was ich bis dato erlebt hatte und total erschreckend.

      Ein bisschen was lief schief, ich hatte viel Blut verloren und war einfach nur fertig.
      Nichts von dem Schmerz und dergleichen habe ich vergessen.

      Hier fing es an dass ich mich fragte....stimmt bei mir was nicht? Kann ich keine ausreichende Mutter-Kind-Bindung aufbauen? usw.
      Die Säuglingszeit war äusserst anstrengend für mich, der Schlafentzug hat mir stark zugesetzt.

      Es war nicht die stets wundervolle, glückliche Zeit mit lächelndem Baby die einem in der Pampers-Werbung gezeigt wurde.
      Ich hatte ein Schreibaby und meine Grenzen wurden wohl in dieser Zeit erweitert. ^^

      Weiter ging es in der Krabbelgruppe wenn die Mütter sich scheinbar gegenseitig im Kochen und Backen und Stillen und Füttern und Anziehen und eigentlich in Allem was mit den Kinder zu tun hatte, übertrumpfen wollten.
      Ich fühlte mich schlecht denn ich war nicht die perfekt organisierte Mutter bei der Alles nach Hebammen-Empfehlung lief, wie doch offentsichtlich bei allen anderen Müttern die ich kennenlernte.
      Die Diskussionen auf dem Spielplatz:
      natürlich bekamen die Kinder nur Bio-Nahrung und Zucker...oh mein Gott, doch nichts mit Zucker drin!

      Je nach Alter des Kindes ging es um unterschiedliche Themen, aber irgendwie zog es sich bis heute durch.

      Welches Kind konnte früher Fahrradfahren, Schwimmen, hübsche Ausschneiden...usw.

      Mein Sohn hat ADHS und hatte zu Schulbeginn heftige Probleme in der Schule. Inzwischen läuft es sehr gut, trotzdem habe ich alle zwei Monate "Sondergespräche" mit Klassenlehrerin und Erzieherin.
      Es mag sich jetzt wirklich böse anhören, evtl. hab ich auch nur ne reizbare Phase, aber manchmal mag ich mir dieses pädagogische Gewäsch wirklich nicht mehr anhören.

      Und vor Allem mag ich mich nicht mehr beschwatzen lassen wie doch bitte die perfekte Kindererziehung auszusehen hat.

      So...das musste mal raus, evtl. erkennt sich ja sogar Jemand in meinem Geschreibsel wieder.

      • >>Es mag sich jetzt wirklich böse anhören, evtl. hab ich auch nur ne reizbare Phase, aber manchmal mag ich mir dieses pädagogische Gewäsch wirklich nicht mehr anhören.<<

        hört sich für mich nicht böse an, sondern völlig normal, lass dich nicht unter kriegen!

        lies mal
        >>Es wird ein Mutterkult betrieben<<
        http://www.zeit.de/karriere/2015-04/familie-beruf-frankreich-muetter

        Hallo, ich denke um die Bindung zwischen Mutter und Kind zu zerstören, da müssen schon gravierende Sachen vorfallen. Und das dieser ganze Wahn durch eine fiese Vermischung von Unsicherheit, WWW und einem generellen Wandel der Familienstruktur entstanden ist. Ich meine auch ein "wir machen alles anders" zu erkennen, es ist noch nicht so lange her, da liefen die Kinder quasi nebenher. Heute sind viele nur noch damit beschäftigt ihr Kind zu begleiten, zu fordern und zu fördern. Und ich glaube fest daran das die heutige Zeit für Kinder schädlicher ist, als das "verfluchte Früher".
        Ich kann und konnte mich mit vielem auch nicht anfreunden. Die Geburt war Scheiße, ich bin definitiv keine Baby-Mama. Die ganzen Bespaßungsprogramme für Babys finde ich überflüssig, kein Baby braucht die...die Mütter anscheinend schon. Ich lasse mir auch nicht reinreden. Im Gegenteil, habe ich gute Laune provoziere ich auch gerne andere Mütter. Ich finde die entsetzten Blicke herrlich, wenn ich "mein" Konzept was mein Kind angeht Preis gebe. Nicht falsch verstehen, ich will niemanden ärgern. Aber alleine die Tatsache, das ich mein Kind einfach Kind sein lasse, scheint Provokation genug zu sein.

        Vielen scheint einfach das Bauchgefühl für (s)ein Kind verloren gegangen zu sein und dieses wird anscheinend durch "pädagogisches Gewäsch" versucht zu kompensieren. Und sollte ich feststellen das ich mit meinem Weg auf dem Holzweg bin, dann schlage ich einfahc einen anderen ein.
        Ich gebe zu, das ich auch mal schwache Phasen hatte/ haben werde, in denen ich mir einen totalen Kopf gemacht habe. Ich versuche dann krampfhaft "pädagogisch wertvoll" zu sein. Und was habe ich davon? Ich bin genervt, mein Kind ist genervt. Und was lerne ich daraus? Laß die Leute reden.
        Also, laß dich nicht unterkriegen;-)

        Ganz ehrlich: SCHEISS AUF DIE ANDEREN!

        Ela

      • wer sagt denn dass wir immer alles richtig machen müssen ;-)

        wichtig ist, dass du dir ein bisschen mühe gibst nicht die dümmsten und weitreichendsten fehler zu machen, aber kleinere überstehen kinder ganz gut, und im idealfall lernen sie sogar was draus.

        war deine mutter perfekt?! ich denke nicht. ich habe mal den satz gehört, von einer frischgebackenen mama, der sich mir eingebrannt hat: "in 15 jahren wird auch mein kind genug zu erzählen wissen, was ich alles falsch gemacht habe, wo ich zu uncool oder zu streng war, das gehört doch dazu!" und recht hat sie.

        wir sind zwar eltern, die an denen sich unsere kinder orientieren sollen, im idealfall finden sie ganz viel, das sie so toll finden, dass sie es nachmachen, aber sie werden auc immer was finden, was sie ganz gewiss so nicht machen werden (enn sie mal kinder haben oder generell) und das ist doch auch ok, wenn wir eltern das annehmen können uns nicht deshalb zugrunde richten.

        ich hab auch ziemlich auf die ernährung geachtet, weil ich der meinung bin, dass das bei allergiegefährdung wie unserer scon sinnvoll ist. aber trotzdem habe nsie auch im zweiten lebensjahr ihren ersten keks, ggf auch mit schoki genossen. und die gefahr das von kleinen mengen süßzeug das kind ernsthaft krank wird ist wohl deutlich geringer, als eine essstörung weil mama jeden happen schlechtmacht den man haben will...

        kekse im tee baden bei oma ist den kindern eine schöne erinnerung, auch wenn es halbsoviele sicher auch getan hätten. das verbiete ich ihnen nicht. finde DEINEN weg.

        wenn ma nselber nur von bio-gemüse und vollwertbrot lebt, ist esj a einfach, weil einfach nichts anderes im haus ist. ICH mag aber auch mal backodenkroketten oder ne nudelsoße aus dem glas, und die essen die kinder dann auch mit. ich denke nicht dass es ihnen schadet... ich finde es aber sinnvoller dem ind beizubringen, dass es ungesunde dinge gibt, die man eben nicht täglich macht/isst als sie mit 16 aus dem haus zu schicken, völlig unwissend dass es noch was anderes gibt als mamis perfekte küche...

        den kindern nutzt es doch am meisten wenn wir ehrlich und zufrieden mit uns selber sind, dann können auch so "probleme" wie unperfektes essen und unperfekte erwachsene ganz gut wegstecken.

        lg

        Hallo,

        ich bin seit über 20 Jahren Erzieherin und kenne mich pädagogisch ganz gut aus...Aber das ist oft Theorie, die Praxis sieht nämlich ganz anderst aus #schein

        Einer meiner Jungs war als Baby total anstrengend, hat nicht wie alle anderen viel geschlafen, hatte extreme Blähungen und ich war in der Zeit nur noch fertig...Hatte Schlafentzug, war genervt und wollte einfach mal meine Ruhe..

        In den Kindergarten ging er garnicht gerne ( obwohl die Mama Erzieherin ist und seine Erzieher superlieb und kompetent waren )

        Wenn wir Konflikte haben, komm ich mit meinem ganzen pädagogischen Wissen #bla manchmal nicht weiter, sondern es hilft schlichtweg hart ne Grenze setzen #cool

        Hör auf Dich,gib deinem Kind Liebe, Zeit und Geborgenheit und sorg genauso gut für dich und dein Wohlergehen...Dann kannst du getrost auf die anderen Mütter verzichten...
        Meistens kriegen es die, die sich so hervortun, schlechter als andere gebacken...Und die, die es nötig haben sich vor anderen zu profilieren, haben oftmals wenig Selbstbewusstsein und müssen von sich ablenken...

        So, wie es für dich und deine Familie passt, ist es gut und richtig !!!!

        LG #winke

      • Das liegt vor allem daran, welche Leute man kennt.

        Wir haben eine sehr nette Krabbelgruppe gegründet, in der es immer ehrlich zuging. Und ich fühlte und fühle mich immer besser, wenn wir uns trafen/treffen. Das ist unser Konsens:

        Ja, Schwangersein ist tierisch anstrengend und manchmal beschissen aus verschiedenen Gründen.

        Geburt kann toll sein unter gewissen Umständen, aber auch Horror.

        Mir war übrigens alles egal nach der Geburt: Mein erster Gedanke war, oh Gott ist das Kind behaart, das bleibt doch hoffentlich nicht so und ich möchte Hirschgulasch essen.

        Nach der Geburt kann man sich lange fertig fühlen.

        Manchmal stellt man als Elternpaar fest, dass man schon ein paar Tage nicht wirklich miteinander geredet hat.

        Schlafen klappt fast nie, wie man es sich vorgestellt hat.

        Wir haben bewusst ein Familienbett, aber Freunde von uns wandern immer quer durch alle Zimmer und haben nun riesiges Lager für alle.

        Teilweise war aber auch ein Kind von zweien bei der Mutter, eins auf dem Notlager und der Vater im 1,40 langen Kinderbett, weil er IRGENDWO schlafen wollte.

        Tendenziell hat man das Schlafen mit spätestens 1 Jahr im Griff, ebenso das Abstillen, wenn man es denn wünscht.

        Außer: Man kennt die richtigen Leute, bei denen es ebenfalls anders ist:-)

        Beikost hat jeder nach Gusto gemacht.

        Eingewöhnung bei Tagesmutter lief bei einigen gut, bei uns gar nicht.

        Bei Treffen gibt es auch für die Kinder richtige Schokokekse.

        Bei uns im Kindergarten haben die Kinder auch Schokobrötchen oder einen Nesquik-Kakao mit, da gibt es null Druck, den Kindern nur Gesundes mitzugeben.

        Mein Freundeskreis besteht zufälligerweise fast nur aus Pädagogen, aber ist herrlich unpädagogisch.

        Selbstverständlich können unsere Kinder den Auseihscanner in der Bücherei bedienen (können sie wirklich) und sind stolz auf den eigenen Ausweis, aber sie werden ALLE, wenn es nötig ist, vor dem Handy oder Laptop geparkt.

        Fazit: Immer die richtigen Leute um sich herum scharren und den Mut haben, auszusprechen, was viele auch denken und so handhaben, dann ziehen so einige nach:-)

        LG

        Kate

        Lass dir nix vormachen, auch anderswo wird nur mit Wasser gekocht.
        Und glaub mir, so manche Thermomixmama, die tagsüber ihr Kind permanent pädagogisch wertvoll beschäftigt hat, nebenbei noch ein biologisch-dynamisches Familienessen gezaubert und Vorräte eingefroren hat, nachdem sie ein Oberteil genäht hat und ihr Haus gewienert hat, schreit ihr Kind dann beim Zähneputzen an und kann es kaum erwarten, dass es endlich im Bett liegt, um dann völlig fertig auf dem Sofa zusammenzubrechen und ihren Partner anzugiften.

        Wir hier sind bekennende Fernsehgucker, fahren bei 0-Bock-auf-Kochen-Stimmung irgendwo Fastfood essen und oh Schreck, oh Graus, gehen nicht jeden Tag bei Wind und Wetter raus. Dafür kann ich abends manchmal noch Piep sagen, wenn das Kind im Bett ist, manchmal bin ich trotzdem platt.

        Mir ist nur wichtig, dass sich mein Kind immer von uns Eltern 100 Prozent geliebt fühlt und weiß, dass es sich auf uns verlassen kann.

        Der Rest ist mir so was von egal, Lasse doch machen, die ganzen Sumus (Supermütter).

        LG Die Alltagsprinzessin

        Ich glaube, das schon alleine die Tatsache, dass du dir Gedanken machst und bereit bist dich selbst zu reflektieren einiges über deine Qualitäten als Mutter aussagt :-)

        Seh ich aber vielleicht so, weil meine Mutter zu soetwas nicht in der Lage war. DIe "Schuld" an was auch immer wurde immer bei mir gesucht. Das ist nicht leicht für ein Kind. Schön, dass du es deinem nicht zumutest.

        Es sind aber gerade die Mütter, die scheinbar alles richtig machen, die sich bei Problemen mit dem Kind wundern....sie waren haben sich ja immer vorbildlich verhalten.

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