Aus der (evangelischen) Kirche austreten?

    • (1) 29.07.15 - 10:43

      Guten Morgen,
      in der letzten Zeit grüble ich immer öfter, was ich eigentlich von Kirche, Glauben, Gott halte. Ein großer Knackpunkt war für mich die absolut lieblose Trauerfeier für eine verstorbene Kollegin. Dem Pfarrer war anscheinend noch ein und noch ein und noch ein Bibelspruch wichtiger, wie die Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit der Verstorbenen. Ich saß sprachlos in der Trauerhalle. Nie und nimmer will ich so etwas, wenn ich selbst mal sterbe. Lieber habe ich einen Laienredner, der mich als Person sieht, wie ich war, welche Spuren ich hinterlassen habe. Da brauche ich keine Bibelzitate, Gebete, Verse.
      In die Kirche gehe ich noch nie regelmäßig. Früher waren wir die klassischen "Man geht Heiligabend eben in die Kirche"-Kirchgänger. Seit einigen Jahren gehen wir nichtmal mehr da in die Kirche. Zunächst weil die Urgroßeltern es gesundheitlich nicht mehr geschafft haben. Mittlerweile ist uns einfach die Zeit zu wertvoll, die wir hier gemeinsam genießen können, statt uns mit "Sehen und gesehen werden" in eine übervolle, laute, nach Mottenkugeln stinkende Kirche zu setzen.
      Meinen Kindern zuliebe habe ich mich heute mal wieder in eine Kirche bewegt. Es war der große Kindergottesdienst vor den Sommerferien. Die Kinder haben es wirklich schön gestaltet. Aber egal wie es um Gott als großen Beschützer oder als Weiser unseres Lebensweges ging, ich kann damit nichts anfangen. Wie kann ich Gott als Beschützer der Menschheit sehen, wenn gleichzeitig meine Freundin, Mama von zwei kleinen Kindern, zuhause sitzt und planen muss, wie sie die nächsten Monate mit Chemo übersteht?
      Wer von Euch stand schon vor der selben Überlegung? Wie habt Ihr Euch entschieden?
      Wie geht man das von den Formalitäten an?
      Gruß, Maya.

      • Ein großer Vorteil der christlichen Kirchen (im Gegensatz z.B. zum Islam) ist, dass man leicht austreten kann: Du gehst zum Standesamt, sagst was du willst, wartest kurz, unterschreibst und das war's dann.

        Ich habe diesen Schritt vor drei Jahren getan, nachdem die Entscheidung zuvor über viele Jahre in mir gereift war. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich es als so große Erleichterung empfinde.

        • Für die kath. Kirche stimmt das so nicht. Du kannst zwar austreten, aber dies wird von der kath. Kirche nicht anerkannt und als Häresie gewertet.
          Im Ergebnis wirst du exkommuniziert, bist und bleibst aber Mitglied der kath. Kirche - lebenslänglich!

          • Das ist zwar faktisch richtig, aber auch nur faktisch... zum Glück kann mir das Kirchenrecht herzlich egal sein.

            Und wie gesagt, ich bin froh, das Apostasie von der kath. Kirche - anders als im Islam oft üblich - nicht mit der Todesstrafe belegt ist.

      Hallo,

      mir geht es ähnlich wie Dir.

      Ich überlege mir ebenfalls, aus der (kath.)Kirche auszutreten. Man braucht tatsächlich nur ein Formular bei der Gemeinde / beim Standesamt dafür.

      Bei den Katholischen scheint es wohl so zu sein, dass der Pfarrer einen mehrmals besucht und ein Gespräch führt. Das "verirrte Schaf" muss man ja wieder zur Herde zurück führen. Je nach Pfarrer sind die da teilweise echt penetrant#augen

      Bislang habe ich gezögert, weil ich meine Religionszugehörigkeit beruflich "brauche" #augen.

      LG
      ulmerspatz

    • (7) 29.07.15 - 11:26

      Ich war bei einer katolischen Taufe ( Ich selber bin Evangelisch). Da redet der Pfarrer über Erbsünde und KIrchensteuer. Grauenvoll
      Ich habe meinen Glauben neu belebt, durch eine A-Kurs . Ansonsten gib es noch eine Bewegung die" Fresh X "die versucht Jesu wider zu den Menschen zu bringen.

      Schade finde ich das eine tolerenate Kirche ausstirbt und die radikalen wachen.

      (8) 29.07.15 - 12:21

      Hallo,

      ich finde, wer definitiv kein Christ sein möchte, hat keinen Grund, in einer Kirche zu sein.

      Entscheide für Dich, aber lass auch Deinen Kindern die Möglichkeit, selbst zu entscheiden :-)

      aozora (die froh ist, zum Glauben gefunden zu haben - auch wenn das nicht zwangsläufig für jede Frage eine Antwort bringt)
      PS: unsere Kirche ist nur an den Hauptfeiertagen übervoll, und sie riecht definitiv nicht nach Mottenkugeln#kratz

      • (9) 29.07.15 - 13:14

        Nein, die Kirche selbst riecht nicht nach Mottenkugeln. Aber die Mäntel der alten Damen, die sie nur zu den Feiertagen aus dem Schrank holen
        #rofl

        • (10) 30.07.15 - 18:44

          jaja, schon klar ;-) aber geh hat mal an tagen hin, wo nicht all die u-boot-christen da sind, dann ist die predigt meist auch etwas gehaltvoller. an den großen feiertagen ist inhaltlich so viel anderes dran, das für eine tiefgreifende predigt gar nicht so viel luft ist.

          aber wie gesagt: der verein kirche ist das eine problem, der eigene glaube oder unglaube ein ganz anderes... man kann einen festen glauben haben, ohne den verein kirche (vor allem owo es da mehrere gibt) gut zu finden, genauso wie man ein treues, tolles gemeindemitglied sein kann, ohne einen persönlichen glauben zu haben...

          ob eins von beidem schlimm ist weiß ich nicht.. aber jeder muss seinen platz finden.

          • (11) 31.07.15 - 12:34

            toll geschrieben!

            U-Boot-Christen muss ich mir merken!#rofl#rofl#rofl

            Ich denke, zum Christ-Sein gehört eine Gemeinde ganz einfach dazu, welche, ist dann die andere Frage (keine leichte)

            Aber die thread-erstellerin scheint gerade nicht den Glauben zu haben, um darin Sinn zu sehen.

            • (12) 04.08.15 - 12:27

              eben, ganz anderes (ja, ich denke schlimmeres) problem, deshalb ja dieses "guck doch mal daaaa" denn ob man nun kirchensteuer zahlt, weil man dankbar ist für den freien tag in der woche (solche kenn ich auch!) oder nicht, ist ja nicht wirklich das problem...

              mit meiner gemeinde kann ich grad auch so gar nichts anfangen, aber aufm dorf kann man ja nicht so ganz einfach woanders hingehen, da macht man sich ganz schön unbeliebt... aber da meine tochtr nun auf ne bezirksfremde schule geht, hab ich ja mal nen grund mich woanders umzugucken #schein sie wünscht sich auch, mit ihren neuen klassenkameraden zum einschulungsgodi zu gehen, und wenn es da e toll kigo-truppe gibt, dann kann man dem kind das ja nicht verbieten gell ;-)#schein

              mal gucken... außerdem hab ich grad so viele andere "schäfchen" zu versorgen... da frag ich mich immer ist das der alltag der mich davon abhält, oder ist das nicht viel mehr??!

              wenn du bock hast schreib mir doch ne pn :-)

              (13) 04.08.15 - 12:32

              danke übrigens für dein lob.

              und u-boot-christen kommt von meinem lieblingspastor. "an weihnachten schreibe ich doch keine 40minuten-predigt, die uboot-christen hören einem ja eh nicht wirklich zu weil sie nur auf bescherung warten und nur wegen der schönen gewohnheit und dem frommen schein kommen" fand ich mal erfrischend ehrlich...

              bei uns gibts weihnachten krippenspiel, klassische weihnachtslieder und fertig. für den 24.12. völlig ok finde ich.. zu ostern meist zig taufen, weil das ja so toll passt (und total stressig ist) und die "autsch - meint der mich?!"texte gibts irgendwann anders... wenn man glück hat schon in der jungschar, oder wie bei mir im konfirmandenunterricht, wo man ja nur oma zuliebe hingeht, weil sich das so gehört, oder weil die patentante sonst schwer beleidigt wäre...

              lg nochmal

    Hallo

    ich bin aus der Kirche ausgetreten.
    Gründe?
    Ich sehe nicht ein, dass ich für meinen Glauben bezahlen soll. Noch brauche ich eine Kirche um meinen Glauben zu leben.

    In der Bibel steht nichts von Tempeln oder Steuern und so halte ich es auch.
    (und ehrlich gesagt auch ein wenig finanziell)

    Das Argument, wie viele Dinge von der Kirchensteuer unterstützt und bezahlt werden, soziale Einrichtungen und Kindergärten hat bei mir nicht wirklich eine Umstimmung gebracht.

    Drei Mal bekam ich einen Brief vom Pfarramt, mit der Bitte um ein Gespräch um mich umstimmen zu können und ich die Wichtigkeit der Steuer sehe. Nun ja, für den Weltgrößten Arbeitgeber, der sehr große Mengen an Einnahmen hat, war ich wohl doch nicht nur einfach ein kleines Schäflein.

    Lg seinspaetzle

    (15) 29.07.15 - 17:06

    Ich bin schon vor 20 Jahren aus der (kath.) Kirche ausgetreten. Einfach aufs Standesamt gehen - ist heute noch so (arbeite u.a. als Standesbeamtin).
    Ich habe damals nach dem Austritt einen Brief des kath. Pfarrers bekommen, wo er versucht hat, mir damit Angst zu machen, dass ich dann kein ordentliches Begräbnis bekomme.
    Da kurz zuvor meine Oma verstarb und die Trauerfeier von einer freien Traurednerin gehalten wurde und ich außerdem wusste, dass wir in D eine Bestattungspflicht haben und niemand einfach so im Wald verbuddelt wird, war das Argument schon mal lächerlich.
    Von der Kirchensteuer werden mitnichten die Kosten der kirchlichen Einrichtungen getragen. Es wäre mal interessant zu wissen, wo das Geld eigentlich wirklich hingeht. Wahrscheinlich werden damit die Alimente der unehelichen Pfarrerskinder gezahlt oder Schweigegeld für ehem. misshandelte Heimkinder, etc.
    Meine Tochter ist nicht getauft, besucht den evang. Kindergarten, wird im September eingeschult und dann auch den evang. Religionsunterricht besuchen.
    Ich möchte ihr selber Religion und Gott nicht vorenthalten. Für mich habe ich aber mit dem Thema abgeschlossen.

(17) 29.07.15 - 20:39

Wie das geht wurde ja schon beschrieben.
Ich bin auch ausgetreten, der Grund war aber bei mir, dass der liebe Gott sicher nicht geplant hat dass wir alle Geld ausgeben müssen um Glauben zu dürfen.
Der Glaube kommt in meinen Augen vom Herzen, entweder man hat ihn oder eben nicht. Wer meint, dass ein guter Christ nur der ist, der brav Steuern bezahlt der irrt in meinen Augen.
Ich brauche kein Gotteshaus und ich brauche kein Kreuz zum beten. Wenn mir danach ist, dann kann ich in aller Stille meine Gedanken schweifen lassen.
Weiterhin brauche ich keine Symbole oder ein Buch in dem alles mögliche steht.....

Vielleicht ist der wahre Glaube der, der kein Papier braucht auf dem er festgehalten wird.

Nach dem Austritt war mir komisch und ich war nicht sicher ob ich das richtige getan habe, aber schnell wurde mir klar, dass es genau richtig war. Man muss nicht mit der Masse schwimmen......

Mona

(18) 29.07.15 - 20:52

Hi,

also ich kann schon verstehen dass du generell nichts mit Glauben und Kirche anfangen kannst aber dein Argument mit dem falschen Trauerredner, finde ich absurd.
Denkst du nun das generell JEDER Laienprediger es besser macht als JEDER Pfarrer?

So eine Trauerrede steht und fällt mit dem Prediger und da gibt es genauso viele "gute" Pfarrer wie freie Redner. Man muss sich eben den richtigen aussuchen!! Für die falsche Wahl kann die Kirche nun wirklich nichts.;-)

Ansonsten finde ich es völlig ok aus der Kirche auszutreten, wenn man wirklich nichts mehr damit anfangen kann und auch nichts mehr mit der Kirche zu tun haben will.

LG

  • (19) 30.07.15 - 11:57

    Nein, natürlich gibt es bei Pfarrern und Laienpredigern solche und solche. Das hat für mich nur das Fass zum überlaufen gebracht...

(20) 29.07.15 - 21:07

hallo,

Ich musste für meinen Austritt zum Amtsgericht.

Ich bin aus vielerlei Gründen ausgetreten, ein Grund waren einige private Verluste.
Ich war dieses Jahr zur Hochzeit meines Bruders in der Kirche, es gab mir nichts und die beiden haben im Grunde nur kirchlich geheiratet weil man das so macht.

LG Jez mit Krümel Inside

(21) 29.07.15 - 22:37

Hi!

Ich habe mich entschlossen, in der Kirche zu bleiben.

Ich denke, dass die Kirche einfach viele gesellschaftliche Aufgaben wahrnimmt, vor denen sich der Staat inzwischen drückt: Hilfe für Flüchtlinge, sozial schwache Menschen uvm.

Klar, die Kirchensteuer tut jeden Monat auf dem Lohnzettel weh. Deshalb habe ich mir auch einst überlegt, aus der Kirch auszutreten, mich aber letzlich dagegen entschieden. Das habe ich allerdings nicht gemacht, weil ich so gläubig bin, sondern weil die Kirche in meinen Augen viel Gutes tut. Ich habe oft mit Menschen von der Diakonie oder der Caritas beruflich zu tun gehabt und war häufig beeindruckt von deren Engagement. So etwas habe ich in staatlichen Einrichtungen nicht einmal ansatzweise erlebt. Das finde ich unterstützenswert und deshalb bin ich inder Kirche geblieben. Die Arbeit der Sozialverbände und auch die Gemeindearbeit für junge und alte Menschen finde ich bewunderns- und unterstützenswert.

Das ist allerdings eine sehr persönliche Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss.

LG
Yaki

(22) 30.07.15 - 01:04

Hallo

ich bin am 23.Juli ,nach fast 59 Jahren, aus der katholischen Kirche ausgetreten.
Die Zeit war für mich einfach reif.

Den Umgang mit den Mißbrauchsfällen konnte ich noch irgendwie wegstecken, die Affäre Tebartz-van Els hat mir dann den Rest gegeben.Abgehoben, weltfremd und manchmal auch grausam diese Institution.Mir reicht es.
Ich bin streng katholisch erzogen worden.Mittlerweile stelle ich doch vieles in Frage.Mit meinem Glauben hat das nichts zu tun.
Ich habe beim Amtsgericht eine Erklärung unterschrieben.

L.G.

  • (23) 30.07.15 - 10:22

    Ja, die Missbrauchsfälle waren bei mir auch ein wichtiger Teil meiner Entscheidung, letztlich sogar der Auslöser.

    Ich war an einem katholischen Gymnasium mit angeschlossenem Internat. 2011 kamen Missbrauchsfälle an der Schule ans Licht.

    Ich habe der Schule und den Leuten dort wirklich viel zu verdanken, und zu einigen der Patres hatte ich sogar freundschaftliche Beziehungen (im positiven Sinn), später noch als Erwachsener.

    Die Taten von vor 30, 40 Jahren sind schlimm genug. Aber dann zu sehen, wie die Verantwortlichen nun versuchten, die Aufklärung trotz handfester Beweise zu verhindern, ihren Anteil am Geschehen zu verharmlosen und runterzuspielen, und die Opfer teilweise verhöhnten und lächerlich machten - das konnte ich nicht länger ertragen. Damit verstießen sie genau gegen die Ideale, die sie uns eigentlich vermittelt hatten.

    So hat jeder seine eigenen Gründe und seine eigene Geschichte.

(24) 30.07.15 - 15:25

Hallo,

geh zum Standesamt und erkläre den Austritt.

GLG

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