Warum debattieren viele Frauen nur über Abtreibung oder Kind behalten und nicht über Adoption?

    • (1) 11.08.15 - 16:29

      Liebe Urbia-Mitglieder,

      gestern Nacht (fragt mich nicht warum) bin ich aufgewacht, habe meinen Mann geweckt und ihn gefragt, warum Frauen ihr Baby nicht zur Adoption freigeben, wenn Sie es nicht bekommen können?
      Ich kann verstehen, dass es viele Situationen gibt, in denen ein Kind schwer ist - man ist gerade psychisch nicht stabil oder noch zu jung oder was auch immer die Gründe für eine Frau sein mag.

      Aber warum gibt man dann das Kind nicht in liebevolle Hände? Dabei gibt es eine offene Adoption, bei der man auch Kontakt zu dem Kind halten kann oder eine geschlossene?
      Ich wollte das einfach mal so in den Raum stellen und fragen was ihr meint?

      Mein Mann meinte: "Du stellst Fragen" und schlief weiter. :) Ich kann es ihm nicht verübeln.

      Ich habe noch keine Kinder.

      Liebe Grüße

      cecillia

      • Hallo!

        Die Frage kannst du dir nicht selbst beantworten?

        Es macht doch einen Unterschied, ob ich mich bis zur 12. Woche von der Schwangerschaft "verabschiede" ohne je ein lebendes Kind gesehen oder gespürt zu haben oder ob ich neun Monate schwanger durch die Gegend laufe, eine Menge Fragen dazu beantworten muss, von einen Gefühlschaos ins nächste rutsche und am Ende eine evtl. komplizierte Geburt erleben muss, um dann das Kind einfach herzugeben.

        Kannst du dir nicht vorstellen, dass eine ganze Schwangerschaft mit dem Gedanken daran, dass man das Kind eh hergeben wird, nicht unbedingt ein Spaziergang ist?

        Kannst du dir nicht vorstellen, dass es einfacher ist, einen kurzen Eingriff zu überstehen als am Ende einer Schwangerschaft ein "echtes" Kind abzugeben?

        Denkst du denn wirklich, es wäre einfacher in der Gesellschaft da zu stehen und zu sagen: Ich habe ein Kind einfach so ausgetragen und zur Adoption hergegeben?

        Ich würde da auch lieber anonym abtreiben und der Drops ist gelutscht. Da kann man diejenigen einweihen, die es wissen müssen und sollen und alle anderen bleiben außen vor und können ihre (Vor-)Urteile für sich behalten.

        Gerade sehr jungen und gerade psychisch labilen Frauen sollten man so was auf keinen Fall zumuten. Ich würde sie dazu noch nicht mal ermutigen. Bei älteren Frauen kommen noch andere Risiken dazu, die sicher keine der Frauen bereit ist zu tragen, damit irgendwo jemand anderes das Kind adoptieren kann.

        Wer nimmt ein solches Kind, wenn es behindert und nicht gewünscht auf die Welt kommt?
        Es bleibt einfach eine sehr, sehr persönliche Entscheidung, ob man ein Kind austrägt oder nicht. Dass kinderlose Paare davon auch noch profitieren können, wollen, sollen, ist im Moment einer solchen Entscheidung vollkommen egal. Darum geht es einfach nicht.

        Du mischst da zwei Themen, die einfach nicht zusammen gehören.

        Hallo Cecillia,

        ich kann dir nur aus meiner Warte und meinen Erfahrungen schreiben, warum ich kein Kind adoptieren würde bzw. keines zur Adoption freigeben würde:

        Meine Mutter ist ein Adoptionskind, auf ihrer Akte lag damals noch ein 50jähriger Sperrvermek. Sie konnte die Akte aber erst mit Mitte 50 einsehen.

        Irgendwann kommt in einer Familie der Punkt, wo das Kind meint, benachteiligt behandelt zu werden, weil es nicht das Eigene ist. (auch wenn es nur ein subjektives Gefühl ist)
        Oder dieses Gefühl wird von außen an das Kind hingetragen, das kann man nicht vermeiden.

        Die Suche nach den eigenen Wurzeln ist auch normal und bringt nicht immer die erhofften Ergenisse, die man sich wünscht. (Im Falle meiner Mutter sind es einige jüngere Geschwister und die Aussage, sie solle es tunlichst unterlassen, sich noch einmal zu melden, keine Antworten auf irgendwelche Fragen, etc., nur Ablehnung)

        Es bleiben im schlimmsten Fall Fragen, die nie beantwortet werden, Entwurzelung in der Herkunftsfamilie, das kann aber keine noch so tolle Adoptionsfamilie ausgleichen.

        Es gibt noch die Möglichkeit, den Kind die Adoption zu verschweigen, aber irgendwann kommt es immer raus.

        Eine Adoption ist egal in welcher Form ein Balanceakt, der für alle Beteiligten nicht so einfach ist, wie man es sich vorstellt. Und aus den persönlichen Erfahrungen in meiner Familie würde ich es nicht machen.

        • Hallo,

          danke für Deine Antwort!

          Ich kann den Gedanken nachvollziehen, dass eine Adoption für alle an dieser Adoption beteiligten Personen schwierig sein kann.

          Vielleicht sind das wirklich zwei ganz eigene Prozesse - eine Adoption und eine Entscheidung für oder gegen ein Kind.

          Ich denke da mal noch eine Weile drüber nach.

          Danke nochmal!

      Hallo,

      weil eine Freigabe zur Adoption gesellschaftlich weniger akzeptiert ist als eine Abtreibung. Weil eine Abtreibung der (vermeintlich) einfachere Weg ist. Weil nicht jeder das, was in einer schwangeren Frau heranwächst, von Beginn der Schwangerschaft an als Leben, als einen Menschen anerkennt.

      Das wäre ganz spontan die Gründe, die mir einfallen.

      LG

      Hallo,

      danke für diesen Gedankengang. Ich bin mittlerweile auch in JEDEM Fall gg Abtreibung eines Kindes.

      Meiner Meinung nach, spricht kein Argument dafür. Dass Anstrengungen und Risiken und auch emotionalen Hürden mit einer Schwangerschaft verbunden sind, wenn man das Kind anschließend nicht behalten möchte, ist unumstritten. Jedoch sehe ich diese Argumentation einfach als ein Stück weit egoistisch an. Schließlich steht dem gegenüber ein Leben. Und Niemand sollte beurteilen, dass dieses Leben ggf nicht lebenswert ist.

      LG

      • Die Entscheidung für oder gegen ein Kind ist immer egoistisch. Man diskutiert nicht mit dem Embryo und schliesst einen Kompromiss.

        • Egoistisch ist es nur, wenn ich für mich und meine Belange entscheide, also mein Wohlbefinden über das Leben des Kindes stelle.

          Eine Entscheidung für das Kind wäre demgegenüber selbstlos. Das ist das Gegenteil von Egoismus.

          • Ist die Entscheidung für ein Kind in jedem Fall selbstlos?
            Ich bezweifle das. Es gibt Fälle, in denen das Kind in erster Linie Mittel zum Zweck ist: um die Beziehung zu kitten, den Partner zu halten, um einen Halt im Leben zu finden, um jemanden zum Lieben und Geliebtwerden zu haben, um den eigenen Status zu verbessern, als Therapiemaßnahme ("wenn das Kind da ist, werde ich...").
            Grundsätzlich bekommt man doch meist ein Kind, weil man selber es sich wünscht oder glaubt, einen Abbruch nicht zu verkraften. Das sind egoistische Motive.

          (12) 11.08.15 - 19:01

          Das heisst alle Eltern sind edle Altruisten?

          • Abgesehen davon, dass du darauf vermutlich keine Antwort hören möchtest, muss ich Altruist erst nachschlagen;-)

            Aus dem Kontext würde ich jetzt aber nein sagen, es gibt ja glücklicherweise noch Eltern, die Wunschkinder bekommen, die haben dann einfach ungefähr das, was sie sich gewünscht haben.

        "Egoistisch ist es nur, wenn ich für mich und meine Belange entscheide, also mein Wohlbefinden über das Leben des Kindes stelle."

        Unterhalte dich mal Frauen, die im zweiten Weltkrieg von Soldaten vergewaltigt und schwanger wurden.

        "Eine Entscheidung für das Kind wäre demgegenüber selbstlos. Das ist das Gegenteil von Egoismus."

        Quatsch. Ein Kind zu (geplant) zu bekommen ist immer egoistisch, denn es hat weder bei Zeugung noch Geburt ein Mitspracherecht.

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