Da gehen die Meinungen auseinander

    • (1) 21.08.15 - 00:50

      Ich hätte gerne mal eure Meinung zu folgender These, weil es da auf einer anderen Seite eine Riesendiskussion gab.

      Erschöpft vom Ehrenamt zu sein ist immer noch ein Luxusproblem.

      Vielen Dank! #blume

      • Nein.

        Es gibt eine Handvoll Menschen, die sich engagieren und in ihrer Freizeit im Altenheim beim essenreichen helfen, in der Kleiderkammer Kleidung an Bedürftige rausgeben oder bei der Tafel Essen verteilen. Und viele Sachen mehr. Da bekommen sie kein Geld für.

        Luxus ist: einen bezahlten Job zu haben und dies als Grund zu sehen nichts weiter für andere tun zu können.

        Es ist eine freiwillige Sache die Respekt verdient. Die Leute reiben sich auf und geben viel. Wenn sie dann noch bis zur Erschöpfung arbeiten und das als luxusproblem bezeichnet wir (womöglich von einer Person die null soziales Engagement zeigt) dann ist das frech.

        • Wenn ich könnte würde ich dir 5 Sterne geben.

          Allerdings würde ich noch einen Schritt weiter gehen und es nicht nur als "frech" bezeichnen sondern als unter aller sau! Wenn alle so denken wie die TE dann seh es ganz schön dunkel aus!

          • Moment mal, ich habe nicht gesagt, dass das MEINE Meinung ist.

            Aber somit erklärt sich auch, warum das so eine Riesendiskussion ausgelöst hat. Weil die Leute das Problem nicht sachlich, sondern emotional betrachten.

            Irgendwas muss da anscheinend mit Vehemenz verteidigt werden...

            Eine Meinung, die das begründet hat, war zum Beispiel, dass die Leute, die auf der Helferseite stehen, grundsätzlich mal im Vorteil sind, weil sie Kraft übrig haben, die sie an andere verteilen können. Und die Empfänger ihrer Hilfe haben diese Möglichkeit gar nicht, sie können die Hilfe nur annehmen, aber in der Regel nichts als Gegenleistung abbieten. Daher ist es ja auch keine bezahlte Dienstleistung, sondern nur ein Amt für die Ehre.

            Till Schweiger und die Flüchtlinge...

            Der stellt sich auch in den Regen, erntet Shitstorms ohne Ende und muss sich im Fernsehen beschimpfen lassen. Das Mitleid für ihn hält sich in Grenzen, aber dabei wird auch die ganze Zeit verkannt: Er muss das überhaupt nicht tun. Es ist eigentlich gar nicht seine Aufgabe. Dafür ist eigentlich der Staat zuständig, wenn man es mal ganz sachlich betrachtet.

            Wenn man sich also für eine Sache total verausgabt, dann ist es doch im Grunde auch ein Zeichen dafür, dass man Kapaziäten dafür übrig hat, weil die eigenen Probleme soweit nicht vordergründig sind.

            Und von daher macht es wieder Sinn zu sagen, dass es schon ein Luxus ist, dass man man anderen helfen kann.

            Ich bin übrigens selber ehrenamtlich tätig gewesen, über ganz viele Jahre und ich empfinde das auch Vorteil, dass ich das konnte.

            Das kommt aber bei mir daher, dass ich an die Gesellschaft was zurückgeben möchte, denn meine Lebensumstände in der Kindheit waren nicht so optimal und da habe ich auch viel Hilfe bekommen, für die ich heute noch sehr dankbar bin.

      • "Luxus ist: einen bezahlten Job zu haben und dies als Grund zu sehen nichts weiter für andere tun zu können."

        Es gibt hier in Deutschland durchaus Menschen mit einem Job , der es nicht zuläßt etwas für andere zu tun"
        Da gibt es Menschen die arbeiten in Job und Nebenjob , damit es so halbwegs reicht.
        Wann und was sollen diese Menschen für andere tun?
        Der Mensch hat nicht den "Luxus" Zeit zu haben , um sich um andere zu kümmern.

        Mein Mann könnte das auch nicht, nach Job (oftmals auch 7 Tage die Woche) macht er noch in der Abendschule eine Weiterbildung- der kann nichts weiteres tun, denn die Ausbildung macht er nicht zum Spass , sondern um sicherzustellen dass er noch Geld verdienen kann, wenn seine körperlichen Probleme bleiben und sich verschlechtern!
        Das ist ein Luxus? Wenn man sich um der Brotlosigkeit zu entkommen auf eigene Kosten weiterbildet, weil er mit den bestehenden Problemen seinen Job bis zur Rente nicht mehr machen kann?

        Ich denke im Grunde geht es hier vielen wie mir- Helfen ja- aber nicht bis zum letzten Hemd.
        Helfen ja- aber erst müssen eigene Wichtigkeiten wie Familie und Job ect in sicherem Fahrwasser sein.

        Und ja ich finde ehrenamtliche Helfer verdienen Achtung.
        Allerdings auch die , die sich um unsere alten Leute kümmern, um die Betreuung von Events, Spendengeschichten usw.

        Karna

      • "Luxus ist: einen bezahlten Job zu haben und dies als Grund zu sehen nichts weiter für andere tun zu können."

        Nein! Luxus ist ohne bezahlten Job leben zu können und daher genug Zeit für ein Ehrenamt zu haben!

        Seit Jahren bemühe ich mich um ein Ehrenamt, dass mit meiner 50 Std-Woche vereinbar ist. Das gibt es nicht!
        Bewerbungen werden teilweise nur auf Nachfrage beantwortet und dann abgelehnt, Angebote kommen, wenn man bereit ist Schulungen morgens in der Woche zu machen. Kleine freiwillige Engagements werden entweder missachtet oder eindeutig gering geschätzt!
        So geht es mir und langsam habe ich keine Lust mehr darauf. Dann sollen es eben die Hausfrauen und Rentner machen!

        • Ich arbeite 40 Std., habe zwei kleine Kinder und bin ehrenamtlich tätig.

          Meine Arbeit wird nicht als "ehrenvoll" betrachtet: ich bin Trainerin in einem Sportverein, trainiere Alte und Kinder.

          Für beide Gruppen ist meine Arbeit wichtig, sie lernen viel und bleiben gesund, aber für Außenstehende ist es "nur Sport". Dabei habe ich viele Lehrgänge besucht, bilde mich weiter - das alles noch in meiner Freizeit und zu eigenen Kosten. Ich mache es dennoch. Hin und wieder sehe ich dann Fortschritte, dass sich eine TN z.B. wieder bücken kann beim Schuhe zubinden, dass Sie die oberen Schränke wieder erreicht. Das gibt einfach Lebensqualität und ich kann mich daran erfreuen.

          Natürlich ist ein total egoistisches Motiv dabei: ich mag Sport, ich lehre gerne Bewegung, mich interessiert die Physis. In diesem geschützten Rahmen des Ehrenamtes kann ich das ausüben und dafür sind mir einzelne sogar noch dankbar - dabei mache ich etwas, was mich ohnehin interessiert. In Wirklichkeit gewinne ich mehr als ich einsetze. Hauptberuflich könnte und wollte ich das gar nicht machen.

          Ich habe mich nie darauf beworben, ich hatte Lust und habe bei Vereinen angefragt. Mir war es egal, was andere davon halten, denn - mal Hand auf's Herz - natürlich ist "Helfen" immer auch egoistisch motiviert, deswegen sollte man Dinge anbieten, die einem wirklich am Herzen liegen. Aber die Zustimmung, die einen trägt, bekommt man immer nur von den Teilnehmern, nie von außen oder von den Organisatoren. Wenn du etwas bestimmtes gerne anbieten möchtest, dann tue es und erfreue dich selbst daran, ohne auf Anerkennung von außen zu hoffen.

          Alles Gute!

    Naja, in gewisser Weise schon.
    Ich könnte mir vorstellen, dass es darauf abzielt, dass Menschen in anderen Ländern gar keine Zeit für ein Ehrenamt haben, weil sie 14h und mehr am Tag arbeiten, um abends etwas in den Magen zu bekommen und eine halbwegs wasserabweisende Behausung zu haben. Solange Menschen Zeit für ehrenamtliche Tätigkeit haben heißt das, dass Ihnen Ihre Arbeit Unterkunft, Versorgung und Kleidung ermöglicht und vom Tage trotzdem noch Zeit übrig bleibt, um überhaupt Anderen helfen zu können.

Eine solche Aussage ist ja auch sehr zweideutig. Wenn das jemand zu mir sagen würde, wüsste ich es durch den Tonfall einzuordnen. Geschrieben steht es da und ich kann mir nun aussuchen, wie es gemeint ist.

Natürlich ist Erschöpfung durch ein Ehrenamt in gewisser Weise ein Luxusproblem. Dass ich einem Ehrenamt (naja, eigentlich sind es mehrere) nachgehen kann, liegt daran, dass ich freiberuflich arbeite und mir meine Zeit einteilen kann, wie ich es möchte. Da können auch mal Tage und Wochen dabei sein, in denen ich gar nichts mache. Das ist Luxus. Dieser Luxus ermöglicht es mir, ein Ehrenamt auszuüben und folglich ist das, was mit diesem Ehrenamt zusammenhängt, ein Luxusproblem. Sehe ich in dieser Definition auch so.

Sage ich aber, dass mich dieser und jene Erfahrung beschäftigt, fertig macht, oder ich einfach nur mal kaputt bin und bekomme dann abfällig hingeworfen, dass ich ja wohl Luxusprobleme hätte, ist das etwas ganz Anderes. Leider muss ich aber sagen, dass das 'Luxusproblem' in 90 von 100 Fällen abwertend gemeint ist und das finde ich schon ganz schön daneben. Wer auch immer einem Ehrenamt aus welchen Gründen auch immer nachgeht, könnte es genau so gut sein lassen. Aber diese Menschen entscheiden sich, etwas für die Gesellschaft zu tun und das sollte anerkannt und nicht klein- oder gar schlechtgeredet werden.

Ja, ist es.
Warum? Weil freiwillig. Zwingt ja keiner einen dazu, sich im Ehrenamt bis "zur Erschöpfung" zu verausgaben.

Nebenbei bemerkt, halte ich Leute, die ein Ehrenamt zum Mittelpunkt ihres Lebens machen und sich Totalverausgaben, für Menschen, die sonst keine Inhalte im Leben haben.

Gruss
agostea

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