Wohnen neben Notunterkunft. Eure Erfahrungen?

    • (1) 31.08.15 - 15:20

      Hallo,

      wir wohnen sehr, sehr abgelegen. Das Nachbargrundstück, welches seit Jahrzehnten verwildert, soll ggf für eine Notunterkunft genutzt werden. Vermutlich weil hier der wenigste Widerstand zu erwarten ist. Hier sind nur wir als direkte Nachbarn. Sonst kommt über Kilometer nichts. Unser Kind muss dort jeden morgen zu Fuß vorbei um zum Schulbus zu gelangen.
      Grundsätzlich hegen wir auch keinen Widerstand, aber ein wenig beängstigend finden wir die Situation doch. Uns kann keiner vorab unsere Fragen beantworten. Was zum Beispiel genau "Notunterkunft" bedeutet? Wir wissen nur das es Container werden sollen. Wie lange die Menschen dort leben sollen? Wie viele es überhaupt werden sollen? Da das Gelände nicht erschlossen und sehr abgelegen ist, wird es ja wohl eher eine dauerhafte Lösung sein sollen, denn die Kosten für die Erschließung müssen enorm sein. Ist es überhaupt richtig die Flüchtlinge mitten auf der grünen Wiese in Container zu pferchen, mit der offensichtlichen Absicht das als mittel- bis langfristige Lösung zu sehen? Bis zum nächsten Geschäft sind es mehr als 2 Kilometer. Etwas kurios finde ich auch die Vorgehensweise. Es soll kurz und schmerzlos in einer nichtöffentlichen Sitzung im Rat beschlossen werden.

      Also, mich würde es interessieren welche Erfahrungen Menschen gemacht haben, welche in direkter Nachbarschaft zu solchen Unterkünften leben? Ist es für Euch so wie mit anderen Nachbarn auch? Oder irgendwie anders?

      Ich möchte betonen das ich nicht grundsätzlich dagegen bin!!!!!! Wir sind einfach unsicher was auf uns zukommen wird und wie sich unser Wohnempfinden verändern wird. Bisher leben wir eben ohne Nachbarn in Rufweite, das haben wir bewusst so gewählt und viel Geld in die Hand genommen um so leben zu können. Wenn nun auf einmal (ins Blaue hinein geraten) 100 Leute, mit welchen wir uns vermutlich kaum verständigen können, nur 150m entfernt, mit nur freiem Feld dazwischen leben, dann ist das ein enormer Einschnitt. Wir sind das einfach nicht gewohnt und wir haben uns ja bewusst für diese abgelegene Wohnlage entschieden. Wir wollten alleine und ohne nahe Nachbarn sein.

      Viele Grüße

      • Ich wohne nicht neben einer Notunterkunft, engagiere mich aber in unserer örtlichen Flüchtlingshilfe. Wir haben hier auch keine Erstaufnahmeeinrichtung, d.h., unsere Flüchtlinge wohnen in von der Gemeinde angemieteten Wohnungen/Häusern.

        Ich halte es für ein ganz schlechtes Zeichen, diese Menschen weitab der Zivilisation, irgendwo zu parken, wie es scheinbar bei euch geplant ist. Sie sind in der Regel nicht mobil und hängen dann fest in Langeweile und Isolation.

        "Unsere" Flüchtlinge sind sehr liebe Menschen, sehr darum bemüht, die deutsche Sprache zu erlernen und ihre Berufsabschlüsse anerkennen zu lassen. Einfach Menschen wie du und ich, die Hilfe und Unterstützung bei manchem Alltäglichen brauchen.

        Wenn es bei euch so kommen sollte, würde ich - sobald die ersten Bewohner einziehen - Kuchen backen, hingehen und mich vorstellen. Wenn es dir möglich ist, vielleicht noch aktiver werden, z. B. vor Ort einen ehrenamtlichen Deutschkurs initiieren. Angst würde ich nicht haben. Diese Menschen haben viel mehr Angst vor dem, was sie hier erwartet. Die freuen sich über jedes Lächeln, jede nette Geste.

        LG H. #klee

        • Wieso sollte sie das alles tun? Das ist Aufgabe des Staates und die TE hat sicherlich noch andere Sachen zu tun.

          Die Situation 100 (oder mehr) Menschen in Containern kannst du auch nicht mit deinem Projekt in deinem Ort vergleichen. Da sind die Menschen schnell frustriert (Weil am arsch der Welt) und es kann ethnische oder andere Konflikte geben.

          Ich würde mich da komplett raus halten. Ich mische mich ja auch nicht bei anderen Nachbarn ein. Einfach nett Grüßen und wenn es sich ergibt einen netten Schnack.

      (13) 31.08.15 - 16:05

      Danke für deine Antwort. Die beruhigt mich schon etwas. Ob es eine Erstaufnahmeeinrichtung oder was auch immer werden soll, weiß ich nicht.

------st es überhaupt richtig die Flüchtlinge mitten auf der grünen Wiese in Container zu pferchen--

Ich finde das falsch. Was sollen diese Menschen denn dort den ganzen Tag machen?
Sie haben ja keinerlei Möglichkeiten was anderes zu tun, außer rumzulungern.

  • Außergewöhnliche Situationen erfordern nun mal außergewöhnliche Maßnahmen.

    Und das in D im Bezug aus die Flüchtlingsfrage eine Art Ausnahmezustand herrscht ist ja wohl eine Tatsache.

    Container sind nun mal nicht das non-plus-Ultra und auf der grünen Wiese erst recht nicht.

    Es wird Dich nicht verwundern, aber der Herbst/Winter steht vor der Tür.
    Die Zeltstädte, die teuer errichtet wurden werden in absehbarer Zeit wieder abgebaut werden. Nicht Winterfest.
    Da sind Wohncontainer die bessere Alternative.

    Und was soll ein Bürgermeister, dem gesagt wird, er soll für Flüchtlinge Unterkünfte schaffen anderes machen als improvisieren?

    Um nicht "rumzulungern" werden die Bewohner der Container Eigeninitiative entwickeln müssen und auch können.

    Sie haben den beschwerlichen Weg aus der Heimat bis nach Deutschland geschafft (der bestimmt kein Zuckerschlecken war), da ist ihnen auch zu zutrauen das sie nicht in die totale Lethargie verfallen.

    Lasst sie erst einmal ankommen, sich erholen, sich in ein fremdes Land ankommen und die Tour durch die Behörden hinter sich bringen.

    Dann werden sie mit der Unterstützung der vielen Hilfswilligen ihren Weg machen.

    FG acentejo

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